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Tag 16 meiner Tour de France – ohne Gepäck radelt es sich anders. Heute bin ich ohne Gepäck gefahren, dafür in Begleitung meines Schwiegersohns. Es war, so viel vorweg, mit 110 Kilometer die längste Etappe dieser Tour. Zwar fahren ich ohne Gepäck, 110 Kilometer sind für einen alten Mann dennoch ein ganzes Stück. Überhaupt das Alter. Ich habe den Zeitpunkt meiner Tour ja im ersten Jahr meiner Rente gewählt, zum einen, um Abstand zu gewinnen von der Berufslaufbahn als Angestellter Journalist, zum anderen, weil ich davon ausgegangen bin, noch einigermaßen fit zu sein. Es ist schwer, sich einzugestehen, dass im Lauf der Zeit die Kräfte schwinden, aber es ist so. Ich weiß nicht, wie viel wir an Muskelmasse abbauen im Laufe unseres Lebens, aber es ist über die Jahrzehnte gesehen, doch nicht zu unterschätzen. 

Ja, mei das Alter …

Auch die Kondition lässt nach – und das lässt sich nicht alles mit Training ausgleichen. All diese Gedanken kommen mir heute wieder während des Fahrens. Das läuft im Unterbewusstein ab, denn ansonsten bin ich mit mir, mit der Straße, der Umgebung und dem Rad beschäftigt, meinen Begleiter nicht zu vergessen. Das Beitragsbild ist ganz bewusst gewählt: Es ist sozusagen das Motto für heute. Wir fahren von Saint-Laurent-d’Aigouze über la Grande-Motte und Sète nach Agde, wo wir bereits ein Zimmer gebucht haben. 

Bettenburgen am Meer

Ab Aigues-Morte ist das Meer bereits allgegenwärtig. Der „Etang“, verlandetes Meer, große seichte Seen mit Meerwasser gefüllt, in denen Reiher und später Flamingos herumwaten – wir radeln durch diese Landschaft, zwischen Meer und Land. In Le Grau-du-Roi passieren wir eine der großen Saline Frankreichs. Das Wasser einiger Bassins ist gift-rot von den Algen, die darin leben. Am Rand der Bassins türmen sich große weiße Salzhaufen auf. Vor dem Eingang der Saline Touristenbusse. Die Saline ist eine Attraktion und zieht jedes Jahr Hundertausende an, die sehen wollen, wo ihr Salz herkommt. 

Sonne, Sand, Strand

La Grande-Motte ist Jachthafen und Touri-Burg. Hier steht eine Bettenburg neben der anderen. Wir tasten us teilweise durch die Anlagen hindurch, passieren Kieferwäldchen und halten uns parallel zum Meer. Es geht weiter nach Carnon-Plage – und wie der Name schon verrät, ist es wirklich Strand. Kilometerweit Strand. Den Strand schützen vor der Gewalt des Meeres angepflanzte Hügelkämme, die von Durchgängen durchbrochen sind, die den Zugang zum Meer erlauben. Einen dieser Durchgänge habe ich deswegen als Beitragsbild genommen. 

Radweg ins Nirwana 

Zwischen Sète und Agde trennt ein ungefähr 15 Kilometer langer Damm das Meer und das dahinter liegende Becken. Den Damm teilen sich Radler, Autofahrer und Zug. Der Radweg ist aber separiert und schön angelegt. Wir passiere die bepflanzten Sandbarrieren  – mit vielen Strandzugängen. Die Kondition lässt nach – nach hundert Kilometern. Es ist warm, ich schwitze, die letzten zehn Kilometer ziehen sich. 

So gut der Radweg auf dem Damm ausgebaut ist, so schlecht geht’s uns vor und in Agde. Irgendwann endet der Radweg und wir landen im Weinberg – und auf Landwirtschaftswegen. Wir kämpfen uns über einen steinigen Weg Richtung Stadt, immer darauf bedacht, nirgends anzustoßen – Rennradreifen sind nicht für ein derartiges Gelände gedacht. Irgendwie schaffen wir’s dann, unser Hotel zu finden. 

Radler mit Eis

Nach so einem Tag kann mich nur ein Panaché aufrichten. War gar nicht so einfach, da ran zu kommen. Schließlich beschließen wir, selbst eines zusammen zu mischen: ein Teil Zitronenlimonade, ein Teil Bier. Im Supermarkt gibt`s beides zu kaufen. Ein warmes Radler schmeckt aber nicht. Also wollen wir Eiswürfel kaufen. Leider sind die schon aus. Lediglich eine aufgerissen Eiswürfeltüte und einige Eiswürfel haben uns die kaufwütigen Franzosen gelassen. Und so klauen wir die letzten Eiswürfel – aber weißt klauen, verkaufen kann sie der Supermarkt eh nicht mehr. Wir nehmen zur Kühlung von Bier und Zitronenlimonade noch eine Packung Stileis mit – alles verpackt in einer Thermotaschen. Zum Glück, kontrolliert die Kassiererin nicht so genau, so dass wir alles glücklich ins Hotel bringen. Richtig kalt sind Bier und Limo nicht. Wir beschließen also unser Panaché mit Eiswürfeln zu kühlen – im Glas. Das funktioniert bestens – unorthodox, aber wirkungsvoll. 

Au revoir et à bientot

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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