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Tag 2 meiner Tour de France. Ich war ja gewarnt – es würde wohl nicht ganz so einfach werden wie am ersten Tag. War es auch nicht. Ich hatte geplant, von Seyssel bis Grenoble zu radeln. Laut meinem Radl-Navi sollte es 106 Kilometer sein – ambitioniert. Das wusste ich auch, dass ich mich gegen die Strahlung schützen muss. Beides habe ich brav beherzigt. Tapfer eingecremt und guten Mutes aufs Rad geschwungen. Trotzdem brennen am Abend die Oberarme, die der Sonne ausgesetzt waren. 

Das erste Stück geht an der Rhone entlang. Anders als an der Loire führen die Radlwege hier leider ins Nirwana. Nach dem ersten Test habe ich die Lust auf solche Umwege schnell verloren. Zum Glück ist die D991 nicht so stark befahren – da bleibt genug Zeit zum Schauen. Die D991 verlässt die Rhone und säumt dann ein ganzes Stück den Lac du Bourget, an dessen Ufer Aix-les-Bains liegt. Ich dachte, ich könnte zumindest in Aix-les-Bains Mountainbike-Schuhe kaufen – ja richtig gelesen, die habe ich doch tatsächlich zuhause vergessen. 

Lundi fermé – Montags nie

Aber leider sind in Frankreich viele Geschäfte am Montag entweder ganz geschlossen oder sie öffnen erst um 14 Uhr. Tja, da stand ich nun, ich armer Tropf vor geschlossenen Geschäften. Auch auf der Weiterfahrt hatte ich wenig Glück, selbst in Chambéry war kein offenes Fahrradgeschäft zu finden. Wie die Franzosen zu ihren Rädern kommen einschließlich Helm und Schuhe ist mir schleierhaft. Vielleicht habe ich ja morgen mehr Glück. 

A Propos Chambéry. Irgendwie meinte es die Stadt nicht sonderlich gut mit mir, denn ich habe mich gleich mehrmals verfahren. Das Navi war leider keine große Hilfe, weil mein Teas! etwas verwirrt war von der Verkehrsführung in der Stadt. Irgendwie habe ich dann doch einen Weg nach La Ravoire gefunden – und bin dann in St. Baldoph gelandet, wo es zum Col du Granier geht. Ein paar Rennradler überholten mich mit der Aufmunterung „Allez! Super!“. Ja von wegen „Super“ – mir hing die Zungen raus, ich schnaufte wie ein Dampfross und spürte meine Muskeln. Mir kam die Einsicht, dass wohl der falsche Weg ist. Ich bog ab ins Tal der Isère und folgte Seitenstraßen Richtung Grenoble. 

100 Kilometer am Tag reichen

Die Umwege hatten mich Zeit und Kraft gekostet, so dass ich für mich beschloss, das gesteckte Ziel Grenoble fallen zu lassen. Hundert Kilometer am Tag sind für einen alten Herren wie mich genug – die Strecke von Seyssel bis Grenoble ist doch etwas länger. 

Kurz zum Wetter: Die Temperaturen stiegen am zweiten Tag auf 30 Grad, obwohl auf den Bergen überall noch Schnee liegt. Aber im Tal war es doch deutlich wärmer – muss ja wohl auch, denn überall wird Wein angebaut. Ich glitt vorbei an Weinbergen und Weingütern. Die Kombination aus mildem Klima, Hanglage und ausreichend Wasser begünstigt den Weinanbau in der Region „Savoie“. Überall am Straßenrand sprudelt das Wasser aus Brunnen – also kein Problem, seine Wasserflasche aufzufüllen. 

Wer viel fragt, geht lange irr

Auf der Suche nach einem geöffneten Radgeschäft bin ich schließlich in Crolles gelandet. Der Sportverkäufer einige Dörfer vorher wies mich darauf hin – er meinte, in Crolles soll es eines geben, das ich dann auch tatsächlich gefunden habe. Leider stand ich auch hier vor verschlossenen Türen „lundi fermé“. Mardi, sprich Dienstag öffnet der Laden um zehn Uhr. Also übernachte ich in Crolles und schaue am 3. Tag dann im Fahrradgeschäft vorbei – „Bonne Chance“ rief mir ein Franzose nach, den ich nach dem Weg gefragt hatte. Da die Auskunft dann doch nicht weiterhalf, griff ich zu Google: Die Suche nach „Future Bike“ und „Crolles“ brachte das gewünschte Ergebnis – und eine Wegbeschreibung.

Trotz drei bis vier Liter Wasser, die ich unterwegs aus der Flasche saugt, quälte mich am Abende dennoch der Durst – und was löscht den Durst am besten: ein Bier. Mit 0,5 Liter können sich die Franzosen leider nicht anfreunden. Also habe ich halt zwei 0,33 bestellt. Das Hotel HDC Hotel & Seminaires ist gekoppelt mit dem Buffalo Grill. Also gab’s ein Rumsteak mit Pommes und zum Abschluss eine Crème brulée. 

Bonne nuit – à demain  

 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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