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Tag 10 meiner Tour de France – ich kann mir momentan Gelassenheit erlauben, nachdem ich doch schon ein ganzes Stück des Weges hinter mir habe. Adieu Marseille, bienvenue Aix-en-Provence. Also auf nach Aix-en-Provence. 

Sweet Memories 

Ich hatte die Stadt in guter Erinnerung – und die wollte ich auffrischen. Wer kennt das nicht: Da rumort in dir eine Erinnerung aus längst vergangenen Zeiten, die du irgendwie bestätigt sehen willst. Natürlich weißt du genau, dass es nicht so sein kann wie früher. Aber eine leise Hoffnung begleitet dich doch. So ging’s mi zumindest. 

Raus aus Marseille

Ohne Fleiß, kein Preis – ich musste ja erst einmal quer durch Marseille: vom Bahnhof bis zum Stadtende Richtung Aix-en-Provence. Marseille hat es mir, so viel vorweg, nicht leicht gemacht. Lärmig, heiß, dreckig – und von Fahrradwegen keine Spur. Die Ausschilderung Richtung Aix-en-Provence ist mehr als dürftig, zumindest für Radler. Wer fährt denn hier auch schon Rad, haben sich wohl die Stadtväter gefragt. Nach einigen Irrungen war ich dann doch auf der richten Bezirksstraße Richtung Aix. Marseille liegt am Meer, Aix-en-Provence einiger Hundert Höhenmeter entfernt. Ich schindete mich also wieder bergauf – Kilometer um Kilometer, ohne Radweg, von Auspuffwolken umhüllt, einen Vorort nach dem anderen passierend. 

Maghreb und Afrika

So en passent sah ich Marseilles Vorstädte – erinnert sehr an Maghreb und auch ein bisschen an Zentralfrika. Viele Araber, viele Schwarze, bunte Kopftücher, die Haltung der Menschen, das langsamere Tempo, Verwahrlosung, Wäsche zum Trocknen auf den Balkonen, Schmutz und Müll auf der Straße, Provisorien und verrammelte Hinterhöfe. Keine Vorurteile, sondern nur Beschreibung des Ist-Zustand. Marseille gehört sicher nicht zu den reichen Städten in Frankreich, so viel ist mir auf meiner Irrfahrt durch die Vororte klar geworden. Die Weißen schotten sich ab, so weit es geht – neue Viertel entstehen mit Verweis auf die Sicherheitseinrichtungen. Ich wollte nur raus aus der Stadt, was länger dauerte als mir lieb war. Das Leben findet hier weitgehend auf der Straße statt. 

Nix für Radler

Es ging immer noch bergauf – Kilometer um Kilometer. Mehrmals musste ich auf den Bürgersteig ausweichen, um nicht überfahren zu werden. Vor mir der Bus, hinter mir Motorbiker, unduldsame Autofahrer. Nein, Marseille ist nichts für Radler. 

Die Gegend wurde gepflegter, jetzt ist sogar wieder streckenweise für Radler eine Extra-Spur abgetrennt. Ich habe Marseille hinter mir. Trotzdem muss ich höllisch aufpassen, nicht von einem Gulli-Deckel oder Schlagloch ausgebremst zu werden. Die Straßen sind teils in schlechtem Zustand. Nahe Aix-en-Provence wird es besser. Aber ich habe für heute die Nase voll – obwohl ich erst 36 Kilometer geradelt bin. 

Weniger als 100 Euro pro Nacht

An dem Tag probiere ich es einmal mit Tripadvisor – und suche ein Zimmer für die Nacht. Ich werde auch fündig: Hotel Paul in der Rue Pasteur. Die Reservierung läuft über Booking.com – und das Hotel hat noch seine liebe Not mit dieser Form der elektronischen Buchung. Das Hotel ist unspektakulär, aber nahe an der Fußgängerzone. Ganz abgesehen davon, wollte ich dieses Mal einfach weniger als hundert Euro ausgeben für die Nacht.

Tut mir, dass sich gelegentlich Fehler eingeschlichen haben, aber mit Bluetooth-Tastatur, Autofill-Funktion und dem Wechsel zwischen deutschen und französischen Wörtern bin ich manchmal mit meinem Equipment überforder. 

Au revoir et a bientôt

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

3 Comments

  1. Christel Endlich 31. Mai 2017 at 7:14

    Klasse Beschreibung Deiner „Tour de France“! Eben las ich, wie Du Marseille empfunden hast…also wirklich nichts für Radler! Nun bin ich echt gespannt… mein Mann und ich reisen im September allerdings mit dem TGV nach Marseille, und werden zu Fuß und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln die Stadt erkunden! Aix-en-Provence gefällt mir sehr gut, hab sie leider nur kurz kennengelernt vor zwei Jahren! Weiter interessante Tour, und ich bin gespannt!

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    1. Allein der Bahnhof ist ein Traum – der Blick von der Terrasse, einfach großartig. Dann die Treppe! Die Stadt hat einen ganz speziellen Charme. mit Bus und Metro lässt sie sich gut erkunden. Das Mucem ist ein absolutes Muss, schon allein wegen seiner Architektur. Ich war jetzt das zweite Mal und würde auch ein drittes Mal hinfahren, dann aber ohne Rad 😉

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      1. Christel Endlich 31. Mai 2017 at 8:01

        Super…den speziellen Charme muss man eben mögen, denke ich! Da sehe ich bei mir kein Problem, im Gegenteil!

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