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Einige schwärmen von Goji-Beeren und Chia-Samen als „Superfood“. Der Hype geht langsam auf die Nerven. Brauchen wir wirklich Superfood oder geht’s nicht auch eine Nummer kleiner? Was ist Superfood und was kann es?

Schon mal was von Açaí- und Goji-Beeren gehört oder von Noni-Saft, Chia-Samen, Moringa, Matcha, Quinoa, Spirulina oder Süßlupinen? Braucht das jemand – oder nur Clean-Eater und Flexitarier? Spaß beiseite, natürlich lohnt es sich gerade für Bestager aufs Essen zu achten. Es fragt sich eben, ob ausgewogene Ernährung Superfood nicht obsolet macht.

Aber zurück zur Eingangsfrage: Was ist Superfood? Diese Beeren, Samen oder Algen stechen angeblich hervor durch besonders viele geniale Inhaltsstoffe, die gesundheitliche Schäden reparieren oder Anti-Krebs-Wirkung vorweisen sollen. „Superfood“ klingt doch gut – und ist verkaufswirksam. Setzen Drogerien und der Lebensmittelhandel 2013 laut Statista lediglich eine halbe Million Euro mit Chia-Samen um, waren es 2015 bereits annähernd elf Millionen Euro. Der Quinoa-Umsatz hat sich binnen zwei Jahren in etwa versechsfacht auf 8,2 Millionen Euro. Wobei der Umsatz stärker stieg als der Absatz, wie aus den Zahlen der Marketing-Berater-Gruppe IRI Worldwide hervorgeht. Das heißt, die Vermarkter konnten höhere Preise durchsetzen Quinoa ist übrigens eine Getreideart, die aus Südamerika stammt – die Samen sind etwa so groß wie Hirse.

Alles nur eine Masche der Marketiers?

Lassen wir uns da etwas von den Marketiers vormachen? So ein bisschen schon. „Superfood“ ist Wikipedia zufolge ein Marketingbegriff, „der Lebensmittel mit angeblichen Gesundheitsvorteilen beschreibt“. Denn, heimische Früchte können durchaus mit den Exoten mithalten. Ganz abgesehen davon, dass sie nicht um den halben Erdball transportiert worden sind, sondern vom Gärtner um die Ecke kommen oder vom Feld aus der Region. Und noch eins, Superfood aus Übersee muss haltbar gemacht werden, um den Transport zu überstehen – entweder wird es zu Pulver vermahlen, püriert oder getrocknet. Dass Superfood oft gar nicht so „super“ ist, fiel der Zeitschrift „Ökotest“ auf. Die Redaktion ließ 22 Produkte testen und stellte fest: „gar nicht super“. Die Proben seien mit Mineralöl, Blei und Cadmium versetzt gewesen – „so super sei Superfood keineswegs“.

Superfood aus der Region

Wie wäre es denn, sich mal hierzulande nach Superfood umzusehen? Der „Senioren Ratgeber“ hat in der Januar-Ausgabe 2017 verglichen, darunter Sanddorn mit Acerola, Leinsamen mit Chia-Samen sowie Açaí-Beere mit Blaubeeren, Goji-Beeren mit Hagebutten. Teilweise ist heimisches Superfood den Exoten sogar überlegen. So enthalten 100 Gramm Goji-Beeren rund 150 Milligramm Vitamin C, Hagebutten hingegen zwischen 1200 und 1500 Milligramm, Sanddorn 450 Milligramm.

Also lassen wir mal die Vitamin- und Antioxidantien-Lieferanten – Antioxidantien schützen Zellen vor freien Radikalen, die Krebs fördern – Revue passieren:

  • Äpfel

    Ja, Äpfel. Sie enthalten Pektine. „Statte 30 Vitamine, Spurenelemente, Ballaststoffe, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe stecken in einem Apfel“, schreibt der Chacafoods. Es gebe kaum Lebensmittel, dass so viele komplexe und gesunde Mikronährstoffe enthält wie ein Apfel. Dazu kämen Ballaststoffe wie Pektin, die eine Verdauung fördern. Mit dem Genuss von Äpfeln lässt sich sogar der Cholesterinspiegel im Blut senken. Wer Äpfel mit Schale verzehre, nehme ein Lebensmittel mit leicht keimtötender, aber auch abführender Wirkung zu sich, so die hkk Krankenkasse. „Bei Durchfall sollte man davon also die Finger lassen – es sei denn, man reibt den Apfel klein; denn dadurch wird das im Apfel enthaltene Pektin besser freigesetzt – und dieser Ballast- und Quellstoff hat im Verdauungstrakt eine verdickende Wirkung“, so die Krankenkassenexperten weiter. Außerdem wirke das Pektin wie ein Schutzfilm zwischen Darmwand und Stuhl, so dass unser Verdauungsorgan weniger gereizt wird.

  • Bärlauch

    Bärlauch ist sogar noch heilwirksamer als Knoblauch. Bärlauch enthält schwefelhaltige ätherische Öle. Die Sulfensäuren werden im Körper zu antibiotischen Substanzen gegen Pilze und Bakterien umgewandelt. Bärlauch wirkt entgiftend, das gilt besonders für Schwermetallbelastungen durch Quecksilber und Cadmium. Bärlauch ist jedoch nur im Frühsommer, meist schon ab April zu pflücken. Bärlauch hat der hkk Krankenkasse zufolge „eine ganze Reihe von schwefelartigen ätherischen Ölen, die einen positiven Einfluss auf Leber, Galle, Darm und Magen haben. Schon im Mittelalter sei Bärlauch daher bei Erkrankungen des Verdauungstraktes eingesetzt worden. Wie Knoblauch enthalte „Bärlauch zudem Substanzen, die einer Arteriosklerose und dem Bluthochdruck entgegen wirken können“. Übrigens empfiehlt die hkk Krankenkasse, auch mal Giersch, Löwenzahn und Gänseblümchen zu probieren – im Salat beispielsweise.

  • Blaubeeren

    „Frische Alternative für Açaí-Beere aus der Region sind Blau- oder Heidelbeere“, schreibt der „Senioren Ratgeber“. Blaubeeren enthalten übrigens ebenfalls viel Vitamin C und zudem Polyphenolen – gut für Herz und Kreislauf.

  • Hagebutten

    Wie schon erwähnt, sind Hagebutten wahre Vitamin-C-Bomben. Sie sind leider nicht ganz so einfach zu verarbeiten. Es bietet sich an, sie zu Marmelade zu verkochen oder als Tee zu trinken. „Eatsmarter“  hat noch ein paar andere Ideen, so Habuttenessig, Konfitüre und Hagebuttensoße.

  • Ingwer

    Ok, Ingwer ist zwar nicht heimisch, aber mittlerweile überall zu bekommen – und er lässt sich auch im Gewächshaus ziehen. Ansonsten kommt Ingwer aus China, Australien oder auch Brasilien und Mexiko. Ingwer ist gut gegen Verdauungsbeschwerden und bei einer Erkältung. Hauptwirkstoffe ist Gingerole – und wirkt ähnlich wie Aspirin.

  • Joghurt

    Joghurt ist in Verruf gekommen: Die Organisation „Foodwatch“ zog jahrelang gegen Danone ins Feld und diskreditierte die verdauungsfördernde Wirkung von „Activia“. Angeblich schaffen es die Bakterienkulturen des Joghurts gar nicht bis in den Darm, weil sie bereits von der Magensäure abgetötet werden. Ok, das ist eine Meinung. Andere, wie der Ernährungsmediziner Stephan Bischoff von der Universität Hohenheim, halten entgegen. Die Joghurtmatrix überstünde sehr wohl den Angriff durch die Magensäure. John Cryan vom University College im irischen Cork verweist auf Studien, die darauf schließen lassen die Milchsäurebakterien im Darm bewirken, dass wir uns besser fühlen, stressresistenter sind und sogar unsere Psyche positiv beeinflusst wird. Cryan vom plädiert der „Welt“ zufolge sogar dafür, probiotische Joghurts in der Therapie von Depressionen auszutesten, denn die Darmflora habe einen großen Einfluss auf unser Gehirn. Joghurt helfe auch beim Abnehmen.

  • Leinsamen

    Leinsamen als Konkurrent zum Chia-Samen. Leinsamen enthält Lignane, die krebshemmend wirken. Leinsamen hilft auch, den Cholesterinspiegel zu senken.

  • Sanddorn

    Sanddorn enthält viel Vitamin C, ferner Vitamin B, Vitamin E, Beta-Carotin, Gerbstoffe, Beta-Sitosterol und Flavone. Sanddorn soll das Wachstum von Krebszellen hemmen. Und Sanddorn „lässt dich langsamer altern“, schreibt die „Welt“. Das liege an der Ascorbinsäure. Sie helfe dem Körper freie Radikale unschädlich zu machen, was den Alterungsprozess bremse.

  • Schokolade

    Die Gerbstoffe des Kakaos fangen aggressive Zellen schädigende Sauerstoffverbindungen, sprich freie Radikale, ein. Ein Pluspunkt für Schokolade, die ja Kakao enthält. Wer Schokolade – am besten Bitter-Schokolade – isst, schützt damit sein Herz dank der im Kakao enthaltenen Antioxidantien. Die Flavonoide lassen die Gefäße elastischer werden, wodurch laut „gesundheit.de“ der Blutdruck sinkt. Wer regelmäßig kleine Mengen Bitter-Schokolade esse, könne neben dem Blutdruck auch das Risiko für einen Schlaganfall und Herzinfarkt senken.

  • Tee

    Nein, in dem Fall ist nicht die Rede vom Exoten Matcha, sondern von schwarzem Tee. Und schwarzer Tee soll gesund sein? Nun, schwarzer Tee enthält Mineralstoffe wie Kalium sowie Fluorid. Dem „gesundheits-lexikonzufolge soll der langfristige Konsum von grünem oder schwarzem Tee „zu einer signifikanten Senkung des systolischen als auch diastolischen Blutdrucks führen“. Tee soll zudem die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol dämpfen. Nicht von ungefähr heißt es „abwarten und Tee trinken“. Aber Tee enthält noch weit mehr Mineralien und Spurenelemente. Übrigens, gibt es einen Tee, der geschmacklich zwischen grünem und schwarzem Tee liegt: der taiwanische Oolong. Er soll bei beim Abnehmen helfen wegen seiner Saponine.

  • Walnuss

    Die Walnuss, die ja schon sehr an ein Gehirn erinnert, scheine so die „Welt“ tatsächlich „Futter fürs Hirn“ zu sein. „An der Andrews University im US-amerikanischen Berrien Springs ließ man 64 Studenten acht Wochen lang täglich entweder drei Scheiben Bananenbrot oder aber drei Scheiben Bananenbrot mit einer halben Tasse zerkleinerter Walnüsse essen; danach erfasst man mit einem Test ihre kognitiven Fähigkeiten – und dabei offenbarten sich die Walnussesser als Experten im schlussfolgernden Denken“.

  • Zimt

    Zimt kennen wir schon ziemlich lang, aber die meisten assoziieren damit eher Weihnachten, Milchreis oder Punsch. Zimt hat in der Heilkunde eine wichtige Rolle. Zimt ist krampflösend, hellt die Stimmung auf und fördert die Durchblutung, hilft gegen Blähungen und Durchfall. Im Ayurveda hat Zimt „gesundheit.de“ zufolge einen hohen Stellenwert, so wird er in der Ernährung und bei bestimmten Störungen empfohlen. Daneben werde Zimt auch in der Aromatherapie eingesetzt. Vor einigen Jahren haben Chemiker, darunter der amerikanische Chemiker Richard Anderson, die Entdeckung gemacht, dass Zimt auch die Blutzuckerwerte sinken lässt.

Mehr Infos unter:

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

3 Comments

  1. […] exotischen Goji-Beeren, Noni-Saft, Chia-Samen, Matcha, Quinoa bis zu Chia-Samen. Dabei können es heimische Früchte und Samen durchaus mit den Exoten aufnehmen. Teilweise sind sie den Exoten sogar überlegen, dazu noch günstiger. Wenig spektakulär etwa […]

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  2. IN der Tat, Ihr lieben Leser, wir haben ein Alter, einen Status, erreicht, wo wir ganz in Ruhe vor oder nach den TV-Nachrichten noch mal eben ein Telefonat führen, oder den letzten Blick in die Zeitung riskieren sollten. Mir geht das auch dermaßen auf den Senkel, dass die Werbung das ganze „Bildungssystem“ flutet. Allergien hier, Unpässlichkeiten da, wenn die Verstopfung…, bei Müdigkeit und Mattigkeit…., wenn sie mal nicht schlafen können…..gegen die Wampe nehmen sie doch Bio-Hastdunichtgesehenpulver…Wir werden doch am laufenden Meter durch die Werbebranche verführt und belämmert. Bei uns kommt kein Dosenfutter auf den Tisch, Fast Food besteht darin, dass wir in Windeseile im Thermomix (oder konventionell im Topf) Köstlichkeiten aus der Region auf den Tisch zaubern. Kohl im Winter, Obst und Gemüse aller heimischen Art im Laufe des restlichen Jahres. Die Milch kommt von der Kuh, der heimischen, das Bier aus der Region. Pulver zum Abnehmen nach der Weihnachtsvöllerei brauchts nicht, sofern man ein bisschen Disziplin an den Tag legt. und BASTA! Offensichtlich gibt es aber genügend Verwirrte, die jedem Werbespot auf den Leim gehen. Gut für die, die in Nestle, Unilever und Danone investiert haben. Alle drei setzen finanziellen Speck an und geben in Form von Dividende hin und wieder auch noch was zurück. Ansonsten: Abstinenz! Mahlzeit.

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    1. Danke für den humorvollen Kommentar. Hab’s mit Vergnügen gelesen. Ist auch meine Meinung. Wir haben auch auf mehr regional umgestellt.

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