image_pdfimage_print

Wie sicher ist die Riester-Rente wirklich? Die Riester-Rente wird in Frage gestellt – nicht nur vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, sondern auch von anderen.  Die Arbeitsministerin Andrea Nahles von der SPD hält jetzt dagegen und erklärt die Riester-Rente für „sicher“.

„Sicher“ heißt nur vom Grundsatz her, nicht von der Höhe, wie jeder mittlerweile wissen dürfte. Der ehemaligen Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm hat ja etwas Ähnliches proklamiert. Jetzt wiederholt Nahles, was Blüm schon einmal vorexerziert hat.  „Der Staat garantiert, dass alle Riester-Inhaber ihr Geld ausgezahlt bekommen“, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Auch für die staatlichen Zulagen gebe es Vertrauensschutz, die zahle der Staat weiterhin. „Wer eine Riester-Rente abgeschlossen habe, habe „alles richtig gemacht“, so die Ministerin. Was Vertrauensschutz wert ist, weiß jeder, der in eine Pensionskasse eingezahlt hat, die im Nachhinein als sozialversicherungspflichtig erklärt wurde.

Was taugt der Vertrauensschutz?

Auf den Vertrauensschutz des Staates sollte indes niemand vertrauen. Jeder Riester-Sparer, der seine Abrechnung einmal genau unter die Lupe nimmt, wird schnell feststellen, dass die „einbehaltenen Abschluss- und Vertriebskosten“ und die „einbehaltenen Verwaltungskosten“ einige Prozent der gesamten eingezahlten Beiträge plus Grund- und eventuell Kinderzulagen ausmacht. Für Familien mit Kindern lohnt sich Riester zwar immer noch wegen der hohen Zulagen – aber auch nur für sie. Die Versicherungen schaffen es heute kaum noch Überschüsse zu erzielen, weil die Zinsen ja durch die Europäische Zentralbank abgeschafft wurden. Insofern ist Riester momentan nur eine Umverteilung der Zulagen – abgewickelt von den Versicherungen.

Riester-Rente ist nicht reformierbar

Genau wegen dieser Umstände verliert die Riester-Rente an Glaubwürdigkeit. Nahles will die Riester-Rente jetzt reformieren, denn mittlerweile hat sich auch in der Öffentlichkeit herumgesprochen, dass die Versicherer immer weniger verdienen. Die Kritik an der Riester-Rente kommt übrigens auch von Norbert Blüm, der sie für gescheitert hält und nicht reformierbar. Er sagte der „Bild am Sonntag“: „Riester ist Pfusch, den man nicht reparieren kann. Die Bundesregierung sollte Riester beenden und die staatliche Förderung dafür stattdessen in die gesetzliche Rente einzahlen.“

Steuer von der Riester-Rente

Nur zur Erinnerung: Natürlich müssen Rentner in der Auszahlphase auf die Riester-Rente Steuern zahlen. Die Riester-Rente ist auch nur eingeschränkt sozialabgabenfrei – für pflichtversicherte Rentner. Freiwillig versicherte Rentner müssen allerdings Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Übrigens, pflichtversicherte Rentner sind solche, die die sogenannte Vorversicherungszeit erfüllen, das heißt, dass sie von ihrem Berufsstart bis zum Ende ihrer Karriere in der zweiten Hälfte dieses Zeitraums mindestens für neun Zehntel Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung waren. Klingt kompliziert, ist kompliziert – wer also in seiner Jungend privatversichert war und dann irgendwann umgeschwenkt ist und in die gesetzliche Krankenversicherung schlüpfte, muss genau nachrechnen, ob für die die 9/10tel-Regelung gilt. Wenn ihm da einige Monate fehlen, zahlt er auch im Alter auf seine Riester-Rente die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Das sind zurzeit annähernd 18 Prozent.

Tja, Riester enthält eine ganze Menge Fallstricke. Das Konstrukt ist einfach zu kompliziert.

Weiterführende Links: 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

3 Comments

  1. Die Riester Rente ist von Anfang an eine Missgeburt. Dieses wagt Frau Nahles nicht zu sagen weil der Walter Riester der gleichen Arbeiter Verräter Partei angehört wie Frau Nahles. Es bleibt weiterhin die offene Frage wie viel Geld Walter Riester von der Versicherungsindustrie bekommen hat um seinen Namen für dieses Versicherungsprodukt herzugeben. So lange wie Frau Nahles auch nur andeutungsweise behauptet die Riester Rente sei eine gut Idee beweist sie dass sie keinerlei Konzepte für eine sozialverträgliche Altersversorgung der Arbeitnehmer hat. Zu mindestens Norbert Blüm hat erkannt dass die Riester Rente ein bürokratischer Unsinn war. Statt der Riester Rente hätte man zur damaligen Zeit eine andere heilige Kuh schlachten sollen nämlich die paritätische Beteiligung an der Altersversorgung. Jeder Vorsorge bewusste Arbeitnehmer hätte dann freiwillig einen höheren Beitrag zur Altersversorgung leisten können ohne dass Versicherungsvertreter und ein Politiker namens Riester auch noch an seiner spärlichen Zusatzversorgung mitverdienen. Wenn Frau Nahles ehrlich wäre würde sie sagen die Riester Rente ist überflüssig. Statt dessen sollten die Pensionsfonds gesichert und gefördert werden. Diese haben viel niedrige Verwaltungskosten als Versicherungen und Frau Nahles sollte sich endlich an die Arbeit machen dass die Zusatzrente bis zu einem bestimmten Beitrag z. B. €1000,- auch Krankenversicherungsfrei bleibt.

    Antworten

    1. Das ist leider wahr. Die Diskussion ist auch erst eröffnet. Wir sollten ihr genau auf die Finger schauen – genauer als bisher. Die planwirtschaftlichen Tendenzen Nahles sind unübersehbar. Sie vergisst dabei, dass die vermeintlichen Wohltaten erarbeitet werden müssen.

      Antworten

Kommentar verfassen