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Das Thema Altersarmut kocht richtig hoch. Am Sonntag, den 17. April nahm sich auch Anne Will im Ersten des Themas an. Trotz des Beschäftigungsbooms heute droht vielen Geringverdienern im Alter eine Rente nur knapp über Sozialhilfeniveau. Selbst wer viele Jahre hart gearbeitet hat, wird als Rentner jeden Euro zweimal umdrehen müssen – und zum Sozialamt gehen.

Anne Will fragte in ihrer Sendung: „Funktioniert da noch der Sozialstaat?“ Müssen die vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeführten Rentenkürzungen jetzt rückgängig gemacht werden?

Es lohnte sich sicher leider nicht wirklich,  um 21.45 Uhr einzuschalten, zumindest für diejenige, die das Thema Altersarmut interessiert – und das müssten eigentlich alle sein, denn auch für die Jungen sehen die Aussichten alles andere als rosig aus.

Die Gäste waren:

  • Hannelore Kraft (SPD) – Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen
  • Marcel Fratzscher – Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin
  • Susanne Neumann – Putzfrau und Vorsitzende des IG BAU-Bezirksverbands Emscher-Lippe-Aa
  • Rainer Hank – Ressortleiter Wirtschaft bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“
  • Hubertus Porschen – Vorsitzender des Verbands „Die Jungen Unternehmer“

Wer die Sendung dennoch verpasst hat – sie wird wiederholt:

WIEDERHOLUNGSTERMINE

Mo, 18.04.16 | 02:45 Uhr Das Erste

Mo, 18.04.16 | 09:30 Uhr Phoenix

Mo, 18.04.16 | 20:15 Uhr tagesschau24

Di, 19.04.16 | 00:45 Uhr Radio Bremen TV, NDR

Di, 19.04.16 | 02:50 Uhr MDR

Mi, 20.04.16 | 10:15 Uhr 3sat


Wer „Anne Will“ gesehen hat, muss ziemlich enttäuscht gewesen sein. Hannelore Kraft hat die anderen abgebügelt und ihre Politik über den grünen Klee gelobt, auf die Sorgen von Susanne Neumann, Putzfrau und Vorsitzende des IG BAU-Bezirksverbands Emscher-Lippe-Aa, ist sie nicht eingegangen. Sie würgte sie mit den Worten ab, ihr Anliegen sei doch schon in der ersten Hälfte der Sendung besprochen worden. Rainer Hank, Ressortleiter Wirtschaft bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, demontierte sich gleich mit seinem ersten Satz. Hubertus Porschen, Vorsitzender des Verbands „Die Jungen Unternehmer“, wurde an die Wand geredet und konnte sich kaum Gehör verschaffen, weil Kraft ihm ständig ins Wort fiel. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, versuchte die Diskussion etwas zu versachlichen und mit Fakten zu unterfüttern, was offensichtlich Hannelore Kraft nicht sonderlich interessiert. Anne Will wirkte ziemlich hilflos und ließ zu, dass Kraft ihre Regierungsarbeit, vor allem ihre Bildungspolitik, im Detail ausbreiten durfte, worum es in der Sendung nicht ging. Die „Welt“ hat die Eindrücke stimmig zusammengefasst unter „Kühl weist Kraft die Putzfrau mit der Mini-Rente ab“.


Am Sonntag, den 17. April brachte Phoenix um 12.00 Uhr im Presseclub „„Unser marodes Rentensystem – droht Millionen Deutschen die Altersarmut?“ und im Forum Wirtschaft um 13.00 Uhr Planlos und Alter? Die große Rentenverunsicherung. Hier der Einführungstext zur Sendung: 

Die Zahlen sind erschreckend. Für fast die Hälfte aller jüngeren Arbeitnehmer in Deutschland wird im Alter ihre gesetzliche Rente unterhalb der Armutsgrenze liegen. Wer 40 Jahre lang einzahlt und 2100 Euro oder weniger verdient, würde ab dem Jahr 2030 als Rentner zum Sozialfall – sofern er nicht privat vorsorgen konnte oder geerbt hat. Das hat diese Woche eine große Untersuchung im Auftrag des WDR ergeben.
Um die Beiträge zur gesetzlichen Rente niedrig zu halten, hatte die Bundesregierung unter Kanzler Schröder vor 15 Jahren beschlossen, das Rentenniveau immer weiter abzusenken. Im Jahr 2030 wird es nur noch bei 43 % des Durchschnittslohns liegen – heute sind es 48 %.
Das fehlende Geld fürs Alter sollten die Deutschen eigentlich privat ansparen, mit Hilfe der Riester-Rente und Betriebsrenten. Doch heute wird klar: Die Riester-Rente ist offenbar gescheitert. Sie lohnt sich wegen hoher Kosten kaum, und gerade Geringverdiener nutzen diese Vorsorge nicht. Zudem haben die Betriebsrenten größte Probleme, die geplanten Zinsen zu erwirtschaften – eine dramatische Folge von Mario Draghis Null-Zins-Politik.
In Berlin bastelt Arbeitsministerin Nahles eifrig an Reformvorschlägen. Die Rente könnte das große Thema des kommenden Bundestagswahlkampfes werden. Denn die SPD sucht angesichts desaströser Umfragewerte dringend ein Thema, um bei den Wählern wieder zu punkten. Viele Fachleute aber halten nichts von punktuellen Reformen. Sie fordern, das Rentensystem zu einer Art „Deutschlandrente“ umzubauen. In diese sollten dann alle einzahlen – auch Beamte und Selbständige.

Weiterführende Links:

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

13 Comments

  1. Marion Tistler 9. Mai 2016 at 15:06

    warum denn vorruhestand wo man die rente bis zum 70. lebensjahr vorantreiben will mit dem Hintergedanken, dass dies Menschen wohl hoffentlich noch davor sterben werden da ist doch was an Rente erspart

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    1. Helmut Achatz 9. Mai 2016 at 15:21

      Nach den Daten des Statistischen Bundesamt haben wir Deutschen folgende Lebenserwartung
      Lebenserwartung (Sterbetafel 2012/14)
      Mädchen (bei Geburt) 83,1 Jahre
      Jungen (bei Geburt) 78,1 Jahre
      Frauen (mit 65 Jahren) 20,9 Jahre
      Männer (mit 65 Jahren) 17,7 Jahre
      da ist noch Luft nach oben 🙁

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  2. […] So naiv sind die Jungen bei der Rente? › Vor(un)ruhestand bei Heute Niedriglohn – morgen arm im Alter […]

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  3. Warum zahlt nicht jeder ein, weil leider – auch wenn einem wieder Neid vorgeworfen wird – das Beamtentum das Sagen hat.
    Im sog. Schreiber-Plan, auf den die Einführung der umlagefinanzierten Rente in der jungen BRD zurückgeht, ausdrücklich vorgesehen war, dass auch Selbständige und Beamte einzahlen (und zwar ohne Beitragsbemessungsgrenze). Dieser Teil ist dann aber von Adenauer aus Kalkül nicht umgesetzt worden. Wilfrid Schreiber war ganz bestimmt ein Konservativer.

    Im Übrigen war die Talkrunde schlimm, insbesondere Frau Kraft, eher eine Werbeschau für private Versicherungen, genau wie der Presseclub am Mittag auf Phoenix, wo Frau Göbel von der FAZ unwidersprochen wiedermal behaupten konnte, dass der Steuerzahler 65 Mrd. Euro in die GRV zuzahlen muss. Die Lebsens-oder Solidarrente löst kein einziges, der hausgemachten Ursachen zur Altersarmut, ein weiteres schlampiges Gesetz wird auf das andere gepackt, sonst nichts.

    Wenn alle einzahlen dann haben ja auch alle Ansprüche – ja klar haben alle die einzahlen auch Ansprüche, aber wo ist das Problem? Dann würden sich auch endlich alle an gesamtgesellschaftlichen Aufgaben beteiligen, was jetzt zu einem Großteil nur die gesetzl. Rentenversicherten müssen! Solange unser Zweiklassensystem nicht schnellst möglich in eine gesetzl. Rentenversicherung umgewandelt wird, die alle Einkommen zur Finanzierung heranzieht, ist weiterer Unfrieden programmiert. Denn demografische und sonstige Entwicklungen gehen offensichtlich an Beamten, anders berufständisch Versicherten, Selbständige und Politiker vorbei. Der Gesetzgeber ist zugleich der Empfänger von Pensionen. Über Rentenfragen sprechen bei uns öffentlich in der Regel ausschließlich solche Personen, die davon in keiner Weise betroffen sind. Das Grundgesetz hat mit dem Art. 33 Absatz 5, in sich selbst von Anfang an ungleiche Behandlung der Bürger installiert, in dem es Bürger allein deshalb besser stellt, in dem Moment wo sie Beamte sind. Das Beamtentum ist nach „hergebrachten“ Grundsätzen zu regeln. Welchen „hergebrachten“ Grundsätzen? Die aus der Zeit von 1933 bis 45? oder aus dem Ständestaat des 19. Jahrhunderts? Damit ist Art 3. alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, ad absurdum geführt und die dadurch entstandenen Ungleichbehandlungen systemimmanent. Ein derartiges Zweiklassenrecht kann niemals dauerhaft friedlich bleiben. Es bedarf einer Erwerbstätigen, bezw. Bürgerversicherung, die alle Einkommen erfasst, ohne private Saugnäpfe dazwischen ohne Beitragsbemessungsgrenze, Auszahlungen nach unten wie oben gedeckelt. Wäre der Riester-Rürupbetrug, die Teilprivatisierung der gRV und die vielen anderen Rentenkürzungen durchgesetzt worden, wenn alle Einkommen gleichermaßen von rentenpolitischen Entscheidungen betroffen wären? Ein wirkliches Solidarsystem erfordert die Einbindung aller Bürger in allen drei Lebensphasen. Denn alle Bürger profitieren in jungen Jahren von dieser Solidarität (Schule, Ausbildung) ebenso wie im Alter (Rente, Pension), aber diejenigen, die im Alter am meisten von dieser Solidarität profitieren, klinken sich während ihres Berufslebens kraft eigener Entscheidungsbefugnis aus dem Solidarsystem aus. Hier Vortrag, der es auf den Punkt bringt: Verrat an der Altersvorsorge: http://www.betriebsrentner.de/fileadmin/user_upload/Verrat_an_der_Altersvorsorge.pdf

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    1. ich kann nur jedem empfehlen, sich diese Zeilen durchzulesen ;-). Danke

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  4. Warum zahlt denn nicht jeder ein , Gutverdiener oberhalb dieser schönen Beitragsbemessungsgrenze drücken sich schön vor
    diesen sogenannten Soziolabgaben weil sie nicht müssen und nicht blöd sind .
    Bei anderen Ländern in der EU ist das selbsverständlich rein aus Soliarität deswegen ist Deutschland ein Reichenland und nich ein reiches Land .

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  5. bernhard tepe 17. April 2016 at 0:40

    warum ist die Rente bei den Arbeitern so niedrig und warum zahlt nicht jeder ein ,Fernsehgebühren muß auch jeder bezahlen

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  6. Die Sendung werde ich wohl nicht sehen, weil parallel die 3. Folge eines Krimis läuft, die ich nicht verpassen will. Aber Montag ganz bestimmt in der Mediathek. Danke für den Hinweis auf das wichtige Thema.

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