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Die Jungen interessiert offensichtlich herzlich wenig, wie es ihnen im Alter mal geht. Sie stecken den Kopf in den Sand und hoffen wohl im Stillen, dass es der Staat schon richten wird. Ob sie sich damit nicht verschätzen. Eigentlich müssten sie auf die Straße gehen und protestieren, aber davon ist nichts zu sehen. Es herrsche statt Empörung eher Sorglosigkeit, schreibt die „Welt“. Das bestätigte jetzt auch die Studie „Jugend, Vorsorge, Finanzen“ des Versorgungswerks MetallRente und TNS Infratest Sozialforschung.

Die Jungen fühlen sich Jugendforscher Klaus Hurrelmann schlichtweg überfordert. Sie kümmern sich nur um ihr Studium, ihr Aussehen, ihre Selbstoptimierung anstatt für eine Lebensphase, die „noch ein halbes Jahrhundert“ entfernt liege. Die „Welt“ beschreibt es mit „naiver Planlosigkeit“. Die Jungen sind in der „Mehrzahl optimistisch, wenn sie an ihre eigene Zukunft denkt“, so Hurrelmann. Die Generation Y zweifele zwar an der privaten Vorsorge, gleichzeitig sparen nur 35 Prozent aller Jugendlichen regelmäßig für ihre Altersversorgung.

Rente kommt an ihre Belastungsgrenze

„Auch 15 Jahre nach der Rentenreform hat sich noch keine Kultur zusätzlicher Vorsorge in Deutschland entwickelt; die Tendenz geht bei der jungen Generation sogar in die entgegengesetzte Richtung“, so das Resümee von Christian Traxler, dem Mitherausgeber der Studie.

Durch den demografischen Wandel knackt es immer lauter im Renten-Gebälk. Schon heute zahlen die Jungen hohe Beiträge in die Rentenkasse, ohne jedoch hoffen zu können, im Alter entsprechend davon zu profitieren. Dabei will die Arbeitsministerien noch mehr Geld an die Rentner verteilen. „Doch statt Widerstand und Eigeninitiative herrscht Sorglosigkeit“, schreibt die „Welt“.

Auch MetallRente-Geschäftsführer Heribert Karch bezeichnet die Ergebnisse der Studie als „zutiefst besorgniserregend“. Vor 15 Jahren sei die Renten-Reform mit dem Argument eingeführt worden, mehr Generationengerechtigkeit herzustellen. Das Ergebnis sei jedoch weniger Gerechtigkeit. Die junge Generation werde immer mehr zur prekären Generation der Rentenpolitik. Der Staat schießt bei der Rente immer mehr Geld zu. Dennoch liegen die Lohnersatzraten, sprich das Verhältnis der Rente zum vorherigen aktiven Einkommen, in Deutschland am unteren Ende dieser Länder. „Statt Generationen-Gerechtigkeit haben wir Unsicherheit“, so die Studie . Es müsse endlich gegengesteuert werden.

Die Jungen wünschen sich Zwang

Selbst werden sich die Jungen wohl kaum um ihre Altersvorsorge kümmern, davon ist Traxler und Hurrelmann überzeugt. Müssen die Jungen als gezwungen werden? Es scheint fast so. Die Studie zeigt, dass die Jungen angestupst werden (Nudge) wollen. Annähernd zwei Drittel stimmen automatischen Sparregelungen zu. Wenn so eine Sparregel mit einer Ausstiegsmöglichkeit (Opt-out) und einer Bezuschussung kombiniert werde, steige die Zustimmungsrate sogar auf 89 Prozent. Traxler ist erstaunt: „Die beinahe einhellige Zustimmung zu einer Default-Sparregel war sehr überraschend. Es scheint so, als wünschen sich Jugendliche einen Automatismus, der ihnen eigenständige Entscheidungen zumindest teilweise abnimmt“.

Es ist nach Traxlers und Hurrelmanns Meinung höchste Zeit, die Weichen zu stellen, um die junge Generation vor Altersarmut zu schützen. „Wir befinden uns bereits in der Mitte des 30-jährigen Reformprozesses“, mahnt Karch. Es sei an der Zeit, in einem Halbzeit-Gipfel mit allen Akteuren weitere Maßnahmen zu besprechen. Dazu sei es nötig, bei der betrieblichen Altersversorgung Hindernisse beiseite zu räumen und bessere Rahmenbedingungen für die bAV schaffen. Das heißt, die Förderung zu vereinfachen.

Politik muss endlich handeln

„So wie heute kann es nicht weitergehen. Denn selbst, wenn jemand vorbildlich in alle drei Säulen der Altersvorsorge einzahlt, kann er am Ende nicht mit einem zufrieden stellenden Ergebnis rechnen“, so das Fazit der Jugendforscher. Das System führe die jungen Leute an der Nase herum. Die Politik müsse jetzt handeln. Denn sonst sei es für die junge Generation zu spät. „Dann ist sie objektiv von Altersarmut bedroht“. Und damit malen die Beiden sicher nicht zu schwarz.


Jetzt ist es amtlich: Das Gros der Noch-Nicht-Rentner fühlt sich laut ARD-Deutschlandtrend ungenügend fürs Alters abgesichert.  57 Prozent der Befragten sind eben dieser Meinung. Nur etwas mehr als ein Drittel glaubt, fürs Alter ausreichend abgesichert zu sein. Dabei zeigt sich: Junge glauben schon gar nicht mehr daran, im Alter abgesichert zu sein, wobei dieses Gefühl häufig genug gleich wieder ad acta gelegt wird. Bei den 18- bis 34-Jährigen sehen sich knapp zwei Drittel als unzureichend abgesichert. Die Noch-Nicht-Rentner haben wenig Vertrauen in die Politik. Zwei Drittel glauben nicht, dass die schwarz-rote Koalition eine mögliche Altersarmut verhindern kann.


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Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

6 Comments

  1. Güsten Klaudia 3. Mai 2016 at 19:05

    Ich habe mich als “junger” Mensch auch nicht sehr um das Thema Rente geschert. Das war soooo weit weg…ich glaube, da geht es der heutigen Jugend nicht anders. Allerdings gab es damals auch nicht – ich erinnere mich jedenfalls nicht – diese Unsicherheiten bzw. Debatten. Erst als der damalige Arbeitsminister Nobert Blüm mit seinem berühmten Sprech “Die Rente ist sicher” für Gesprächsbedarf sorgte, wurden viele wach?

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    1. danke für den Kommentar. Bei meinen Gesprächen mit Jungen ist mir das durchaus bewusst geworden. So weit in die Zukunft zu denken, fällt wahnsinnig schwer

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  2. ich habe bei allem Interesse an allen Beiträgen hier in diesem Blog eine riesige Bitte an alle Emittenten. Lasst die herrliche Frühlingssonne in Eure Herzen. Verzweifelt nicht. Alles wird sich richten! Was soll das Geschreibsel??? Die grundsätzliche Stimmungslage in den Beiträgen ist “Moll”. Wie oben angeführt: wer von uns hat als Jugendlicher, oder gar junger Erwachsener Gedanken an die Rente, das Alter, verschwendet. Es wäre geradezu widersinnig. Siehe Frühling: stellen Sie sich vor, jetzt, wo aller Saft in die Knospen geht, würden diese auch schon wieder abfallen. Nein, jede Generation hat ihre Herausforderung. Wir, die wir Kriegs- oder Nachkriegskinder sind, haben doch ganz andere Zwänge mit Bravour bestanden. Der Herr hat uns doch “brain” eingepflanzt. Auch unsere Jugend wird ihren Weg erfolgreich gehen. Es wird sich auch bis nach Hintertupfingen herumsprechen, dass das Rentenmodell á la Fürst von Bismarck aus dem Jahren 1890 sich überlebt hat. Auch wir werden das noch erleben. Dh. Use your brain! und vor allem: genießt das Leben und vertreibt diese -moll-getriebenen Gedanken auf dem Bildschirm.
    Georg-W.Moeller

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    1. Helmut Achatz 22. April 2016 at 9:12

      Also, ihr habt es gehört: use your brain – benütze deinen Verstand!

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  3. Danke für den Kommentar. Ja, ich kann es ihnen auch nicht verübeln, ich kann es sogar verstehen. Als ich jung war, habe ich auch nicht an die Rente gedacht. Damals war das kein Thema. Das ist heute allerdings anders. Unfair, aber das Leben kann eben unfair sein. Ich versuche auf meine Weise Bewusstsein dafür zu wecken. Ich bin freilich nur ein Einzelner. Insofern hoffe ich, dass meine Ideen weiter gereicht werden “geteilt”.

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  4. Für die Jungen ist die Rente ein weit entferntes Ziel. Wer sollte es den Jungen dann verübeln dass sie nicht über eine Zukunft in 40 oder 45 Jahren nachdenken. Durch die Politik und die Versicherungen wird den Jungen vorgegaukelt dass mit der Riester Rente und der gesetzlichen Rente im Alter ausgesorgt sei. Dass die Riester Rente ein Betrug an den Arbeitnehmern ist wird kein Versicherungsvertreter sagen. Er möchte schliesslich seine Provision bekommen. Auch die Gewerkschaften haben jahrelang auf das falsche Pferd, nämlich die SPD gesetzt. Eine ausführliche Rentenberatung gibt es bei den Gewerkschaften in den seltensten Fällen. Es muss also noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden bevor auch die Jungen erkennen dass die gesetzliche Rente nach dem jetzigem Stand der Dinge nicht zum Leben im Alter reicht. Zu mindestens die Sparkassen und Banken werben schon seit Jahren damit dass Eigentum die beste Altersversicherung ist. Gerade in der Phase der niedrigen Verzinsung ist es attraktiv so früh wie möglich Eigentum zu erwerben damit man im Alter mietfrei wohnen kann. Für alle anderen Bedingungen ist die Politik und die Gewerkschaften zuständig. Diese haben jedoch auf der ganzen Linie versagt.

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