Krankenkassen klagen: Wo landen unsere Beiträge wirklich?

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Die gesetzlichen Krankenkassen fordern Milliarden vom Bund zurück. Denn Beitragszahler finanzieren versicherungsfremde Leistungen, die eigentlich der Staat tragen müsste.

Milliardenloch durch „versicherungsfremde Leistungen“

Wie in der Rentenkasse plündert der Staat auch die Krankenkassen aus und belastet sie mit versicherungsfremden Leistungen – zu Lasten der beitragszahlenden Krankenversicherten. Eigentlich sollte unsere Krankenversicherung primär für Ihre medizinische Versorgung, Medikamente und Arztbesuche aufkommen. Doch die Realität sieht anders aus: Gesetzlich Versicherte finanzieren in großem Stil gesamtgesellschaftliche Aufgaben.

Der Missstand lässt sich mit einem Wort beschreiben: Bürgergeldempfänger. Wie der Staat mit den Krankenkassen umgeht, ist ein Skandal. Der Staat zahlt zwar Pauschalen an die Krankenkassen, doch diese decken bei Weitem nicht die tatsächlichen Kosten. Die Differenz? Die tragen wir gesetzlich Krankenversicherte – über unsere Krankenkassenbeiträge und Zusatzbeiträge.

Den Krankenkassen reicht‘s

Wie das ARD-Magazin Plusminus am 14. Januar 2026 berichtete, ist die Geduld der Kassen nun am Ende. Eine Klage gegen den Bund in Höhe von zehn Milliarden Euro wurde eingereicht.

  • Die Schieflage: Im Jahr 2023 beliefen sich die Kosten für versicherungsfremde Leistungen insgesamt auf geschätzte 60 Milliarden Euro.
  • Die Erstattung: Der Bund steuerte lediglich 16,5 Milliarden Euro bei.
  • Die Folge: eine gewaltige Finanzierungslücke, die das System belastet und die Beiträge für Arbeitnehmer und Rentner in die Höhe treibt.

Was das Rentner angeht

Für Menschen im Übergang in den Ruhestand oder bereits im Rentenbezug ist jeder Prozentpunkt beim Krankenkassenbeitrag spürbar. Wenn Beitragsgelder zur Querfinanzierung des Staatshaushalts zweckentfremdet werden, fehlt dieses Geld an anderer Stelle – etwa bei der Qualität der Versorgung oder der Stabilisierung der Zusatzbeiträge. Die Klage der Krankenkassen ist somit ein wichtiges Signal: Sozialversicherung darf nicht als „Reparaturbetrieb“ für Haushaltslöcher missbraucht werden.

Spartipp: Die günstigste Kasse finden

Da der durchschnittliche Zusatzbeitrag zum Jahreswechsel auf offiziell 2,9 % – der  tatsächliche durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt weit über drei Prozent – gestiegen ist, lohnt sich ein Vergleich jetzt mehr denn je. Während einige Kassen massiv erhöhen mussten, halten andere ihre Beiträge stabil oder liegen deutlich unter dem Schnitt.

Die aktuellen Spitzenreiter (Stand Januar 2026):

  • Die Günstigsten: Bundesweite Anbieter wie die BKK firmus (ca. 2,18 %) oder die hkk (ca. 2,59 %) gehören weiterhin zu den preiswertesten Optionen.
  • Regional-Tipps: In einigen Bundesländern bieten regionale Kassen wie die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland (2,47 %) attraktive Konditionen.
  • Große Anbieter: Die Techniker Krankenkasse (TK) liegt mit 2,69 % ebenfalls unter dem Marktdurchschnitt.

Worauf beim Wechsel achten:

  1. Sonderkündigungsrecht nutzen: Wenn Ihre Kasse den Zusatzbeitrag erhöht hat, können Sie bis zum Ende des Monats (in dem der neue Beitrag erstmals gilt) kündigen – auch wenn Sie noch keine 12 Monate Mitglied sind.
  2. Einfacher Wechsel: Sie müssen nicht mehr selbst kündigen. Es reicht, sich bei der neuen Wunschkasse anzumelden; diese übernimmt die Abmeldung bei der alten Kasse für Sie.
  3. Leistungen prüfen: Da etwa 95 % der Leistungen gesetzlich vorgeschrieben sind, unterscheiden sich die Kassen vor allem bei Extras wie professioneller Zahnreinigung, Reiseimpfungen oder Bonusprogrammen. Rechnen Sie nach, ob ein etwas höherer Beitrag durch bessere Zuschüsse wettgemacht wird.

Die teuersten und die günstigsten

Zum 1. Januar 2026 haben einige Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge massiv angehoben. Während der offizielle Orientierungswert des Bundes bei 2,9 % liegt, fordern die teuersten Kassen am Markt mittlerweile über 4 %.

Hier sind die aktuell 5 Krankenkassen mit den höchsten Zusatzbeiträgen:

Krankenkasse Zusatzbeitrag 2026 Gesamtbeitrag
BKK24 4,39 % 18,99 %
BKK Herkules 4,38 % 18,98 %
BKK Werra-Meissner 4,35 % 18,95 %
IKK Brandenburg und Berlin 4,35 % 18,95 %
IKK – Die Innovationskasse 4,30 % 18,90 %
KNAPPSCHAFT 4,30 % 1

8,90 %

Was das für Versicherte bedeutet:

Der Unterschied zwischen der günstigsten Kasse (BKK firmus mit 2,18 %) und der teuersten (BKK24 mit 4,39 %) beträgt satte 2,21 Prozentpunkte.

Für einen Rentner mit einer Bruttorente von 2.000 € bedeutet das:

  • Bei der BKK24 zahlen Sie monatlich ca. 43,90 € Zusatzbeitrag (Ihren Anteil).
  • Bei der BKK firmus zahlen Sie nur ca. 21,80 €.
  • Ersparnis: Über 265 € pro Jahr, die allein durch einen Kassenwechsel mehr im Portemonnaie bleiben.

Betriebsrentner zahlen den vollen Beitrag, das heißt, sie sparen sich durch einen Wechsel 530 Euro pro Jahr.

Da viele dieser Kassen regional begrenzt sind (z. B. BKK Herkules oder IKK BB), sollten Sie prüfen, ob Sie in Ihrem Bundesland eine günstigere Alternative haben. Bei einer Beitragserhöhung haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.

Dieses Video erklärt anschaulich, wie sich die neuen Zusatzbeiträge 2026 konkret auf die Rentenauszahlung auswirken und welche Kassen besonders teuer geworden sind.

Betriebsrentner trifft’s doppelt

Info-Veranstaltung des DVG in Stuttgart am 2.2.2026

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) gilt vielen noch immer als sicherer Hafen für die Rente. Doch der Verein der Direktversicherungsgeschädigten (DVG) schlägt Alarm: Was als Vorsorge gedacht ist, entpuppt sich im Alter oft als „stille Kostenfalle“. Besonders die sogenannte Doppelverbeitragung zehrt an den Ersparnissen – ein Problem, das längst nicht mehr nur die heutige Rentnergeneration betrifft, sondern auch junge Sparer massiv bedroht. Deshalb will der DVG auch jüngere Menschen über die Sicherstellung einer auskömmlichen Altersvorsorge informieren. Um Licht ins Dunkel der Rentenpolitik zu bringen und Betroffene wie Politiker gleichermaßen zu sensibilisieren, lädt der DVG zu einer öffentlichen Aufklärungsveranstaltung ein:

  • Wann: Montag, 2. Februar, um 17:00 Uhr
  • Wo: Arcotel Camino, Heilbronner Str. 21, 70191 Stuttgart (direkt am Hauptbahnhof)

Experten werden vor Ort erläutern, warum die Doppelverbeitragung gestoppt werden muss und wie eine gerechtere Vorsorgelandschaft in Deutschland aussehen könnte. Wer sich rechtzeitig gegen die Kostenfalle absichern will, sollte sich diesen Termin rot im Kalender markieren.

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Helmut Achatz

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