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Es lohnt, den Darm pfleglich zu behandeln – eine funktionierende Verdauung fördert unser Wohlbefinden und die Immunabwehr. Mit Probiotika helfen wir ihm bei seiner Arbeit. Was sind Probiotika und wie wirken sie?

Stress schlägt nicht nur auf den Magen, sondern beeinträchtigt auch den Darm – die Milchsäurebakterien mögen Stress gar nicht. Aber genau sie sind es, die schädliche Keime bekämpfen und eine gesunde Darmflora herstellen. In unserem Darm leben Billionen von Bakterien – nicht nur Milchsäurebakterien. Die Mikroorganismen – auch Mikrobiom genannt – helfen uns, das Essen zu verwerten, sie bekämpfen Krankheitserreger und fördern so das Immunsystem. Darüber hinaus produziert die Darmflora das für die Blutgerinnung wichtige Vitamin K. Vitamin K regelt die Blutgerinnung, aktiviert die Knochenbildung und hält unsere Gefäße sauber.

Stress schlecht für die Darmflora

Stress ist schlecht für die Darmflora, aber auch Antibiotika sind es – beides bringt den Darm aus dem Gleichgewicht. Wie dem Darm bei seiner Arbeit helfen? Das Zauberwort heißt Probiotika. Was sind Probiotika und wie helfen sie dem Darm? Die meisten von uns denken bei Probiotika vermutlich an Joghurt – das am meisten verbreiteten „Functional Food“. Auch Kefir oder Buttermilch sind aufgrund ihres Milchsäuregehaltes beliebte Nahrungsmittel, in denen Probiotika in natürlicher Form enthalten sind. Allerdings ist fraglich, ob der viel gepriesenen probiotische Joghurt tatsächlich hilft – oder nicht doch eher nur den Umsatz des Herstellers ankurbeln soll.

Wie Probiotika dem Darm helfen

Wer erinnert sich noch an Ilja Metschnikow? Der russische Bakteriologe ist sozusagen der Vater der Probiotik. 1908 erhielt Metschnikow sogar den Medizinnobelpreis – auch für seine Erkenntnisse zur Probiotik (lat.: pro = für, bios = Leben). Er fand heraus, dass milchsäure-produzierende Bakterienstämme schädliche Bakterien verdrängen können, was sich positiv auf das Immunsystem auswirkt. Wie ist er auf die Idee gekommen? Das lange Leben bulgarischer Hirten hat ihn dazu inspiriert, die regelmäßig Joghurt aßen. Warum sich die Bakterien im Joghurt positiv auf das Immunsystem auswirkt, ist noch nicht vollständig erforscht – nachgewiesen ist allerdings ein die Immunabwehr stabilisierender Effekt über den Darm.

Was Darmbakterien leisten

In der  Ernährungsmedizin spielen Probiotika für den Darm eine wichtige Rolle. Darmbakterien sind unverzichtbar für ein stabiles und gesundes Immunsystem. Milchsäurebakterien – und auch Hefepilze – helfen dem Darm, Krankheitserreger auszubremsen. Probiotika helfen dabei, entzündliche Prozesse zu verringern. Voraussetzung ist, dass die gewünschten Mikroorganismen auch tatsächlich an der richtigen Stelle ankommen. Probiotika sind freilich kein Allheilmittel. Letztlich kommt es auf das Produkt an – und die kontinuierliche und regelmäßige Einnahme, um überhaupt eine Wirkung zu erzielen.

Was steckt hinter Probiotika?

Am bekanntesten unter den Lebensmitteln mit entsprechenden Mikroorganismen, meist Milchsäurebakterien, ist dank werbewirksamer Maßnahmen probiotischer Joghurt. Mittlerweile werden aber auch anderen Produkten probiotische Bakterien zugesetzt, darunter Quark, Speiseeis und Käse. Bis vor wenigen Jahren haben die Hersteller noch vollmundig und plakativ mit Heilsversprechen und gesundheitsfördernder Wirkung geworben. Die EU hat dem einen Riegel vorgeschoben, weil die Hersteller den wissenschaftlichen Nachweis schuldig blieben. Spektakulär klingende Bezeichnungen sollen die Heilsversprechen wettmachen, um sie vom regulären Joghurt abzugrenzen. Faktisch gibt es jedoch lediglich für einige spezifische Aspekte und auch nur sehr wenige konkrete Bakterienstämme einen positiven Nachweis. Also genau hinschauen. Ein normaler Naturjoghurt ist oft besser als angereicherte Produkte.

Wenn der Darm Hilfe braucht

Probiotika können dennoch bei einigen Symptomen und Erkrankungen eine positive Wirkung haben. Das gilt besonders für ältere Menschen nach einer Antibiotika-Erkrankung. Antibiotika schädigen die Darmflora; häufig ist Durchfall die Folge. Probiotika helfen, dass sich gesundheitsfördernde Bakterien wieder ansiedeln können. Auch bei einem Reizdarm sind positive Effekte geläufig.

Eine aktuelle  Studie  an Mäusen zeigt den Nutzen selbst bei Erkrankungen der Leber. Beim Abnehmen sehen Studien einen Zusammenhang zwischen einer gesunden Darmflora und einem Diäterfolg. Probiotische Joghurts sind hier allerdings nicht erfolgreich. Stattdessen ist es sinnvoller, auf therapeutische Probiotika in Tablettenform zu setzen. Die Zusammensetzung der rezeptfreien Produkte ist so, dass die Wirkstoffe auch gezielt dort ankommen, wo sie benötigt werden. Probiotika für eine gute Darmflora  sind geeignet langfristig Verdauungsbeschwerden zu lindern. Eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt in Bezug auf die individuellen Details ist empfehlenswert.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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