Last Updated on 20. April 2020 by Helmut Achatz

Wir verlassen uns gern auf die Johns Hopkins University und das Robert-Koch-Institut. Dabei bietet der 17jährige Avi Schiffmann zurzeit die am meisten besuchten Webseiten zum Coronavirus an – und das schon seit Dezember. Wir können in punkto Corona von den Jüngeren lernen.

Gilt die alte Weisheit nicht mehr, dass die Jungen von den Alten lernen? Bei der digitalen Aufarbeitung der Coronavirus-Pandemie scheint das der Fall zu sein. Der Der 17jährige Avi Schiffmann informiert auf seiner Seite ncov2019.live zeitnah, länderübergreifen und umfassend über die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Ja, ein Gymnasiast.

Corona als IT-Challenge

Wieso tun sich andere Institutionen so schwer damit, zeitnah und umfassend zu reagieren. Sind wir überbürokratisiert und damit zu verkrustet? Die Frage muss erlaubt sein. Es gibt so viele vermeintliche Big-Data-Experten hierzulande und auch anderswo – wo sind sie geblieben, diese Entwicklung frühzeitig zu dokumentieren und zu visualisieren?

Schiffmann hat sich nach eigener Aussage das Programmieren selbst beigebracht. Dafür ist sein Erfolg umso erstaunlicher. Er verknüpft Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO, des Software-Ingenieurs Daniel Conlon und des Centers for Disease Control and Prevention CDC. Avis Seite aktualisiert sich automatisch, anders als die Statistik des Robert-Koch-Instituts. Wer das Ergebnis mit Avis Statistik vergleicht, kommt ins Grübeln. Seine Statistik weist höhere Zahlen aus als die des Robert-Koch-Instituts.

Dunkelziffer zu lange verneint

Aller Voraussicht nach sind seine Zahlen valider als die der Experten vom Robert-Koch-Institut. Stand 20. April 2020 weist das RKI 141 672 Infizierte aus und 4404 Tote, Avis Statistik weist 145 794 Infizierte auf und 4648 Tote. Wer von seiner Erfahrung und der Erfahrung aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis auf die Zahlen des RKI schließt, muss zu dem Schluss kommen, dass sie viel zu niedrig sind. Viele sind infiziert, haben sich testen lassen, musste auf ihren Test aber teils Tage und Wochen lang warten, einige bekamen überhaupt kein Ergebnis. Daraus lässt sich ableiten, dass die Zahlen des Instituts nicht stimmen können. Die Dunkelziffer ist deutlich höher – ob Faktor zehn oder weniger, darüber lässt sich streiten.

Bislang hat das Robert-Koch-Institut es auch immer noch nicht geschafft, etwas über die Dunkelziffer zu sagen. Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar H. Wieler, erklärte dem „Deutschlandfunk“ zufolge, es gebe keinen Anlass, in Deutschland von einer besonders hohen Dunkelziffer auszugehen, weil hierzulande sehr früh am Anfang der Coronakrise mit Tests begonnen worden sei und generell sehr viel getestet werde. Die praktische Erfahrung sagt, dass das wohl viel zu optimistisch war. Tests wurden verschleppt, manche ließen sich testen und warten immer noch auf das Ergebnis, andere bekamen erst nach zehn Tagen Bescheid; Test-Willige wurden abgewiesen; Genesungstest gibt es nur wenige.

Wie groß die Dunkelziffer ist, lässt die Studie in dem besonders stark von der Corona-Pandemie betroffenen Ort Gangelt im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen vermuten. Die Wissenschaftler fanden laut „Rheinischer Post“ heraus, dass bei 15 Prozent der untersuchten Bürger eine Corona-Infektion nachgewiesen werden konnte – teilweise mit milden Verläufen oder ganz ohne Symptome. Zum Vergleich: Als die Studie gestartet wurde, waren laut dpa im Kreis Heinsberg offiziell rund 1250 nachgewiesene Erkrankungen gezählt worden – bei rund 250 000 Einwohnern. Der Faktor zehn für die Dunkelziffer ist wohl noch untertrieben.

Die Virologen stochern als im Nebel herum. Die Statistik des 17jährigen Avis bringt etwas Licht ins Dunkel. Eigentlich hätten die Bürger das von den Experten des Robert-Koch-Instituts erwarten dürfen.

Avi hat seine Statistikseite übrigens schon im Dezember online gestellt, als das Virus gerade erst in China aufgetaucht ist. Er hat sich global aufgestellt und listet die Ergebnisse vieler Länder auf. Entsprechend global ist das Interesse für seine Ergebnisse. Mittlerweile rufen nach seinen Aussagen 20 Millionen pro Tag seine Seite auf.

Was Avis Seite bietet:

  • „Quick Facts“ weist die Zahlen global aus zu Infektionen, Toten, Intensivpatienten und Genesenen – und das minütlich aktualisiert
  • „Data“ weist die Zahlen nach Ländern aus, absteigend sortiert nach Höhe
  • „Map“ visualisiert die Zahlen per Weltkarte
  • „Wiki“ liefert wichtige Infos rund um das Coronavirus
  • „Newsletter“ – wer will, kann sich regelmäßig informieren lassen

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. … jedem seine Weisheit. Und d i e einzige Wahrheit gibt es nicht. Was wirklich abläuft/abgelaufen ist, werden wir vielleicht in drei, vier Jahren wissen. Zu viele selbsternannte und meist nicht gerade systemisch denkende Pseudos versuchen aus der Gegenwart und aus ihrem eingeschränkten Blickwinkel heraus die Situation zu beschreiben, und was noch schlimmer ist: verbindliche Schlüsse zu ziehen. Wir brauchen einen komplexen Draufblick auf die Entwicklung der Dinge – aber die bleibt uns naturgemäß als selbstassoziierte Menschen vorerst verborgen.

    Antworten

    1. Helmut Achatz 21. April 2020 at 5:36

      Vielen Dank für den Kommentar.

      Antworten

Kommentar verfassen