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Verdun und Ingolstadt haben eines gemeinsam – eine Dauerausstellung zum Ersten Weltkrieg. Wer durch die Reduit Tilly in Ingolstadt schlendert, ist erstaunt, was aus uns in hundert Jahren geworden ist. Aber die Obrigkeitshörigkeit haben wir Untertanen teilweise immer noch nicht abgelegt. Wie viel Untertan steckt in uns?

Die bayerische Armee gibt es nicht mehr, aber das Bayerische Armeemuseum“. Das Museum ist an sich schon sehenswert, noch packender ist aber die Dauerausstellung zum Ersten Weltkrieg. Wer begreifen will, wie wir Deutschen wurden was wir sind, fährt nach Ingolstadt und geht ins Reduit Tilly. „Das Reduit Tilly ist ein Festungsbau aus dem 19. Jahrhundert“, schreibt das Faltblatt zur Ausstellung. Dort, wo heute Bilder, Plakate und Gasmasken hängen, standen früher Kanonen. Heute schlendert der Besucher von Raum zu Raum, vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, von Militär und Tradition, von Kriegsausbruch und Westfront, von Schützengraben und Materialschlacht, von Kolonien und Niederlage, von Geldentwertung und Revolution. Der Erste Weltkrieg bereitete den Zweiten vor.

Vom Untertan zum Revolutionär

Die Weimarer Republik trug von Anfang an das Scheitern in sich. Die Knebelung der Siegermächte waren die Ursache für Hunger und Unruhen. Marodierende Soldaten, die nach dem Krieg nicht mehr wussten wohin, organisierten sich in Freikorps und in Soldatenräte. Anarchie und Chaos, Hunger und Elend begleitete die Republik. Die Deutschen sehnten sich nach einem starken Mann, denn sie mit Hitler bekamen – anders, als sie sich das vorgestellt hatten.

Wer die Exponaten in der Reduit auf sich wirken lässt, begreift, wie es zum Ersten Weltkrieg und in der Folge zum Zweiten kam. Für uns heute ist das kaum vorstellbar, aber die Ausstellung dröselt die Fäden auf.

Obrigkeitshörigkeit und Patriotismus

Jedes Mal wieder war es Kadavergehorsam und Obrigkeitshörigkeit, die Selbstgefälligkeit der monarchischen Kräfte, das Untertanentum der Deutschen, die sich von einem Kaiser und einem Gröfaz – dem größten Führer aller Zeiten – vor den Karren spannen lassen. Nur wenige begehrten auf, zu wenige. Die Revolten während der Räterepublik vor hundert Jahren blieben nur eine Episode in der Geschichte. Davor und danach waren die Deutschen wieder brave Untertanen.

Für beide war es ein Leichtes, den Krieg  zum „Stahlbad“ zu verklären, „das wohltätig die Kräfte der Völker vor Erschlaffung bewahre“. Erschreckend die Begeisterung, mit der junge Männer in den Krieg zogen.

Wer die Reduit verlässt, weiß, warum das nie wieder passieren darf. Die Ausstellung ist Mahnung und Erinnerung, was Kriege anrichten.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Challenge von Nadine Becker, die zu „28 Days of Blogging“ aufgerufen hat. Das heißt, 28 Tage im Februar jeden Tag einen Blog-Post zu schreiben. Alle Blogger, die mitmachen, verlinken ihre Beiträge auf Facebook in der Gruppe 28 Days of Blogging, bei Pinterest und Instagram. Bin selbst gespannt, ob ich das in letzter Konsequenz durchhalte.  Also, bleibt neugierig – wo immer ihr auch mitlest und haltet Ausschau nach #28daysofblogging .

Wer noch alles mitmacht bei #28DaysofBlogging:

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Dirk Feldhinkel 18. Februar 2019 at 13:31

    Sind wir Untertanen?

    Es ist eine sehr interessante Frage, die ich mir insgeheim öfters gestellt habe. Interessanterweise jedoch nicht direkt in politischer Hinsicht aber mit politischem Zusammenhang.

    Tatsächlich beobachte ich verstärkte Meldungen in Medien, dass Mitarbeiter in Unternehmen immer stärker unter psychischen Stress stehen, frustriert sind, gemobbt werden und wie eine Diplompsychologin in einem Magazin wörtlich schrieb: gebrochen werden. (!)

    Das bestätigen auch Gespräche mit Mitarbeiter von Unternehmen. Führungskräfte nehmen das wenig wahr und loben sich selbst, weil sie mal ein Seminar besucht haben.

    Wie kann das sein, während unsere Wirtschaft mit Aufträgen überflutet wird?

    Könnten wir uns soziales Engagement nicht locker leisten?

    Müsste uns nicht ein uneigennütziges Lob an den Kollegen oder Nachbarn leicht von den Lippen kommen, weil es uns gut geht?
    Henry Ford sagte bereits, dass nur die Menschen wirklich groß sind, die andere neben sich groß sein lassen.

    Der Alltag scheint anders zu sein: Konkurrenzkampf und Herabsetzungen mit allen Mitteln, auch unfairen, solange es keiner merkt. Es merkt auch keiner weil Führungskräfte wegschauen oder gar diese Idee aus Eigennutz ins Spiel bringen. Der Eigennutz bedeutet hier selten zum Vorteil der Firma, sondern eher zum Schaden dieser.

    Woher ich das weiß? Ich frage nicht Führungskräfte, sondern Arbeitnehmer.

    Doch warum wehrt sich keiner?

    Hier habe ich oft das Gefühl, dass in uns noch der gute alte Preuße lebt.

    Anpassen und Mitmachen ist die Devise.

    Das Schlachtfeld ist heute der Wettbewerb um den Status zu sichern:
    Der SUV immer etwas schwerer als der von Kollegen, der Urlaub mindestens 2000 KM weiter weg als der von Kollegen, das Haus mit größeren Anbau, als der von Kollegen und Recht hat man sowieso immer usw.

    Es ist der Anpassungsdruck, der uns umtreibt. Wir müssen unbedingt dabei sein. Immer gut organisiert und optimal mitmachen.
    Dieser Drang ist wirtschaftlich kaum sinnvoll, geschweige denn notwendig.

    Unsere Akzeptanz in der Gesellschaft ist jedoch ein Gefühl, welches uns seelisch mit dem gesellschaftlichen Überleben oder dem gesellschaftlichen Tod beschert. Diese Kraft ist enorm und kann unmenschlich werden.

    Wir tragen sicher heute keine grauen oder braunen Uniformen mehr und schießen auch keinen wehrlosen Menschen mit einem Karabiner in den Rücken, weil es befohlen wurde.

    Aber heute tragen zum Beispiel unsere Uniformen Metallic-Lack und der Kühlergrill ist unsere Waffe: viele benutzen diese Waffe auf Autobahnen durch Auffahren bis auf 5,95 Meter bei über 160 Stundenkilometern.

    Wir sind durch diese „Uniform“ so „herrschend“, dass zum Beispiel eine junge Mutter mit kleinen Kindern in einem Kleinwagen das Recht auf ein unversehrtes Leben „verwirkt“ haben. (z.B. Daimler Testfahrt-Skandal)

    Das potentielle Opfer ist wehrlos und die Gefahr kommt hinterrücks. Es bleibt nur noch die „Unterwerfung“ durch hektische Flucht aus der Spur und diese ist besonders lebensgefährlich.

    Doch das ist unwichtig, wichtig ist nur, dass wir „mitmachen“, so wie (fast) alle.

    Für mich ist es nicht nachvollziehbar, sich heutzutage als „Untertan“ eines Politikers zu fühlen. Ein solches Gefühl muss in einem Menschen durch das Gefühl der Angst und Ohnmacht angelegt sein.

    Mich ärgert jedoch vielmehr die Bigotterie vieler Politiker, die Werte und Versprechen zum Wahlkampf postulieren und das Gegenteil umsetzen.
    Doch sind wir als Gesellschaft nicht oft genug genauso unterwegs – zumindest, wenn wir uns mächtig fühlen?

    Sind wir ein Abbild unserer Politiker oder sind die Politiker nicht ein Abbild von uns?

    Wie „sinnvoll“ direkte Demokratie ohne qualifizierte Vorbereitung sein kann, das zeigt uns heute live und in Farbe der Brexit. Und auch hier sparen wir Deutsche in Internet Kommentaren nicht mit Rechthaberei und Vernichtungsfantasien. Zitat: „…und wenn wir dabei mit über die Wupper gehen…“

    Wir merken es nicht mehr, wenn wir uns selbst schaden.

    Neben den kommunikationsfachlichen Botschaften für Politiker, Manager und Führungskräfte, habe ich auch diese wichtige Botschaft im aktuellen Beitrag meines Blogs.

    Brexit: Die Verhandlungsfehler

    https://www.dirk-feldhinkel.de/brexit-verhandlungsfehler/
    (Google und Bing – Ranking unter den Keywords „Brexit Verhandlungsfehler“ auf Position 1)

    Das gedankenlose „Mitmachen“ kann einen hohen Preis fordern – auch heute!

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  2. Noch immer fühlen sich viele Deutsche als Untertanen die der Obrigkeit zum Teil blind vertrauen. mmer wenn ich das Thema Bürgerbeteiligung oder Volksentscheid erwähne gibt es Leute die antworten daß der einfache Bürger die politischen Themen ohnehin nicht verstehen und begreifen könne. Genau das will die Politik die Leute in Unkenntnis setzen um einfach politische Entscheidungen durchsetzen zu können. Das war bei Hitler die Behauptung daß Polen Deutschland angegriffen habe und Deutschland zurück schießen müsse sowie später die Behauptung die Rote Armee wolle in Deutschland einmarschieren. Jetzt beziehen sich die politischen Entscheidungen zwar nicht auf Krieg, aber zum Beispiel auf Zuwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen. In einer echten Demokratie wie in der Schweiz würde die Bevölkerung entscheiden ob es zumutbar ist eine Scheinflüchtlinge aufzunehmen. Leider entscheidet das in Deutschland nicht das Volk sondern eine Kanzlerin mit ihrer politischen Clique. Diese macht das Volk sofort zu Untertanen die nur dann entscheiden dürfen wenn sie gefragt werden. Das ist nur bei den Wahlen und danach macht die Politik wieder was sie will. Deutschland ist noch immer weit von einer Volksdemokratie entfernt. Wir haben zwar keine Soldatenräte mehr aber Politiker die das Volk ständig bevormunden. Leider merken das nicht alle Bürger und nehmen es auch nicht zur Kenntnis. Erst dann wenn es dauerhaft Straßendemonstrationen geben wird die einen Volksentscheid nach dem Vorbild der Schweiz fordern wird die Politik erkennen daß die Zeit der Volksbevormundung zu Ende geht.

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