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Tag 50 meiner Tour de France – „Déviation“ heißt Umleitung, und so eine Umleitung kann einem die ganze Planung über den Haufen werfen. Also, höchste Zeit über das Thema Baustellen und Umleitungen zu reden.

Tag 50 meiner Tour de France

„Route barrée“ oder „Straße gesperrt“ klingt nicht gut, bedeutet es doch einen Umweg – eine „Déviation“. Ok, uns Journalisten wird ja eine gewisse Chuzpe, sprich Dreistigkeit zugesprochen. Mal ehrlich, sonst kämen wir in dem Beruf auch nicht weit. Ich habe mich bislang darauf verlassen – und bin ganz gut damit gefahren, auch bei „Route barrée“. Bislang haben die Bauarbeiten die Augen zugedrückt und mich durch gewunken, was mir viele Kilometer ersparte. Einmal ließen sie mich mein Rad sogar unter dem Bagger durchschieben. Heute klappt es dummerweise nicht. „Pas de Chance“ – Pech gehabt. Das Stückchen Anfahrt bis zur Baustelle war umsonst, ich muss umkehren.

Ohne Karte läuft nichts

Das wurmt mich, es hilft aber nichts. Ich muss mir einen anderen Weg suchen. Die Umleitung ist für Autos gemacht, für Radler gibt’s vielleicht andere Wege. Das Navi ist in solchen Situationen leider nicht sonderlich hilfreich, weil es einen dazu auffordert, umzukehren – was natürlich wegen der Baustelle nicht geht. Deswegen ist es gut, eine verlässliche Karte dabei zu haben. Die Michelin 1:200 000 ist ganz brauchbar und zeigt auch kleinere Straße und Radwege. Dank der Karte kann ich auch Steigungen und Gefälle besser einschätzen. Vor allem hilft mir die Karte einzuschätzen, ob es sinnvoll ist, den vom Navi vorgeschlagenen Weg zu nehmen – oder besser zu lassen.

Bei Umleitungen ist eine Karte unumgänglich, denn die „Déviation“ ist natürlich für Autos gedacht – und führt in großem Bogen um die Baustelle herum. Für Radler gibt es meist andere Möglichkeiten.

Ich will heim

Die „Déviation“ heute ärgert mich besonders, da ich jetzt möglichst schnell nach Hause will. 49 Tage unterwegs, fast jede Nacht ein anderes Hotel, permanent präsent sein, um ja nicht in einem Schlagloch hängen zu bleiben, immer voraus planen, bis zur Erschöpfung zu radeln, die Schweiß-Sonnenmilch-Melange aus den Augen wischen, auf den langen Geraden vor sich hin stieren … irgendwann reicht’s. Das ist ein schleichendes Gefühl, das langsam hochkriecht und sich einnistet.

„Ich will heim“ – alles drängt danach. 49 Tage sind sieben Wochen – sieben Wochen unterwegs. Es drängt mich nach Hause. Ich habe in diesen Wochen viel erlebt, mittlerweile ist so eine Art Sättigung eingetreten.

Außerdem warten einige und wartet einiges auf mich in Olching. So ein Projekt wie meine „Tour de France“ ist wie eine Auszeit – spannend und abwechslungsreich, aber der Alltag hat doch auch etwas für sich. Einfach nicht nachdenken zu müssen, wo ich am Abend schlafe, den Tag gemütlich angehen zu lassen, die vertraute Umgebung, vertraute Menschen … das hat etwas. Aber dafür verreisen wir – oder?

Auf dem Weg von Metz nach Sarrebourg – Rémilly

Heutige Distanz übrigens: 94 Kilometer – von Verdun nach Rémilly. Ohne Umleitung wären es nur 85 Kilometer gewesen. Morgen geht es weiter Richtung Sarrebourg und dann nach Straßburg, mein Ziel.

à demain

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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