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Tag 40 meiner Tour de France – Le Mont-Saint-Michel ist ein absolutes Muss für jeden Bretagne-Besucher. Eigentlich gehört er ja schon zur Normandie, aber was soll’s. Von außen imposant, von innen überlaufen – so das knappe Urteil.

Tag 40 meiner Tour de France

Aber der Reihe nach – von heute geht’s ostwärts. Nach einem Tag Pause radle ich jetzt Richtung Osten. Den Tag Ruhe hatte ich dringend nötig. Es läuft wieder rund – mein Hintern hat sich auch erholt, das Fahren macht wieder Spaß. Die Strecke bis Le Mont-Saint-Michel ist weitgehend eben – eine Bucht eben. Die Radlwege sind gut ausgebaut, so dass ich zügig vorankomme. Ich poltere kurz nach elf Uhr über den Holzsteg, der den heiligen Berg mit dem Festland verbindet. Autos sind tabu. Wer will, kann einen Shuttle-Bus nehmen oder ein Droschke. Radfahren ist angeblich auch verboten, was ich nicht ganz einsehen will. Auf der Hinfahrt bleibe ich unbehelligt, auf der Rückfahrt werden ich von der Polizei freundlich gebeten abzusteigen. „D’accord“.

Falsches Wetter für gute Bilder

Kaum ein Wölkchen am Himmel, warm, sonnig – das gibt leider keine spektakulären Bilder ab. Ganz ohne Foto geht’s natürlich nicht. Le Mont-Saint-Michel gibt sich von außen ja noch unbeeindruckt, innen sieht die Sache anders aus. Touris wuseln durch die engen Gassen – schlimmer als auf dem Münchner Marienplatz. Es ist viel spanisch und japanisch zu hören, deutsch eher weniger – der heilige Berg ist bei deutschen Touristen wohl nicht mehr ganz so „in“. Auch die Erklärungen sind in englisch, spanisch und japanisch.

Weltkulturerbe Mont-Saint-Michel

Die Geschichte des Mont-Saint-Michel beginnt um 708, als Aubert, der Bischof von Avranches – wo ich übrigens heute übernachte – für den Erzengel Michael eine Kirche errichten ließ. Dank seiner exponierten Lage, begriffen die Menschen schon früh, dass der heilige Berg etwas Besonderes sein muss. Sie pilgerten im 10. Jahrhundert zum Mont-Saint-Michel. Benediktinermönche bauten – natürlich mit Hilfe der normannischen Herzöge – den heiligen Berg aus. Vor und im Hundertjährigen Krieg mit England wurde der Berg zur Trutzburg ausgebaut – uneinnehmbar für die Engländer. Im Zuge der Revolution war’s dann vorbei mit der Klostergemeinschaft und Pilgerfahrten. Aus der Abtei wurde ein Gefängnis. Erst 1874 setzte ein Umdenken ein und der Mont-Saint-Michel wurde Baudenkmal und restauriert. Seit 1979 gehört der Mont-Saint-Michel zum Weltkulturerbe.

Die Abteikirche thront 80 Meter über dem Meer. Auf der Turmspitze überragt die vergoldete Statue des heiligen Michaels Berg und Bucht. Der Dachstuhl ist eine hölzernes Tonnengewölbe – für Mitteleuropäer ungewöhnlich.

Um die Abteikirche gruppen sich schneckenförmig alle anderen Säle und Gebäudeteile – das Refektorium, der Gastsaal, der Kreuzgang, die Wandelhalle und der Rittersaal.

Es ist imposant, was in den Jahrhunderten entstanden ist und welche wechselhafte Geschichte dieser Ort erlebt hat.

Von der Geschichte eingeholt

Nach der Besichtigung geht’s weiter Richtung Avranches, wo ich ein Hotelzimmer gebucht habe. Auf der Fahrt nach Avranches holt mich die deutsche Geschichte ein. In Mont-de-Huisne hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräber Anfang der 70er Jahre für die deutschen gefallenen Soldaten einen Soldatenfriedhof errichtet – mit Urnen. Annähernd 12 000 Soldaten haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Wie sagte doch Albert Schweitzer so treffen: „Die Soldatengräber sind die großen Prediger des Friedens“.

Tour de France

Der deutsche Soldatenfriedhof in Mont-de-Huisne

Blick auf amerikanischen Panzer

Und wo übernachte ich heute? Im Hotel Patton – das ist nicht irgendwie französisch, sondern leitet sich ab vom US-General George Patton, dem am 30. Juli 1944 bei Avranches der Durchbruch durch die deutschen Linien gelang. Auf dem Place Patton steht eine Säule mit den Daten und davor ein amerikanischer Panzer.

Ostwärts von Saint-Malo nach Avranches

So viel zur Geschichte von Avranches.

Anscheinend übernachte ich häufig in geschichtsträchtigen Hotels – aber eher unbeabsichtigt. Morgen geht’s weiter nach Bayeux, eine Herzensangelegenheit. Ich habe so viel über Wilhelm den Eroberer gelesen, der Normanne, der 1066 England eroberte. Sein Bruder, der Abt von Bayeux ließ einen Wandteppich mit Szenen der Eroberung anfertigen, der in Bayeux zu sehen ist. Wird ein hartes Stück – über 90 Kilometer, das heißt, früh aufbrechen.

à demain

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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