Was Menocore heißt – und warum Frauen über 50 als Stilvorbild gelten

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Leider scheint es, als seien Frauen über 50 in der Gesellschaft unsichtbar – vor allem für die Modeindustrie. Fast ausschließlich junge Frauen zieren Cover auf Magazinen und präsentieren die neuesten Trends in Katalogen. Doch mit dem neuen Menocore-Trend rückt die Ü-50-Frau plötzlich in den Fokus der Modebranche und gilt als neues Stilvorbild.

Was ist Menocore?

Unter dem Begriff Menocore versteht man den Kleidungsstil von Frauen, die sich in den Wechseljahren befinden oder diese bereits hinter sich haben. Menocore setzt sich aus den Wörtern „Menopause“ und „Normcore“ zusammen. Andere sagen Menocore setzt sich aus den Begriffen Menopause und Hardcore zusammen. Angeblich wurde der Begriff durch einen Text von Harling Ross auf ihrem US-amerikanischen Modeblog „The Man Repeller“ geprägt. Stilvorbild war die Frau mittleren Alters, so um die 50.  Menocore bezeichnet einen Kleidungsstil, bei dem auf schlichte, lässige und ungezwungene Kleidungsstücke Wert gelegt wird. Beim Menocore-Trend spielt der Komfort ebenfalls eine Rolle, gepaart mit damenhafter Eleganz, wie es nur Frauen ausstrahlen können, die mitten im Leben stehen und auch stilistisch bei sich angekommen sind. Als Vorbild gilt hier unter anderem die Schauspielerin Diane Keaton.

Was zeichnet den Stil aus?

Eleganz trifft Komfort – so könnte man die Key Pieces des Menocore-Trends bezeichnen. Im Alltag sind das wallende Röcke, luftige Hosen, fließende Stoffe und flache Schuhe, jedoch keine störenden Knöpfe oder einengende Schnürungen. Zu festlichen Anlässen wird zu schicken Kleidern und auch High Heels gegriffen. Wichtig ist, dass frau sich wohlfühlt in dem, was sie trägt – die Kleidung muss also eine bequeme Passform haben. Auch für Frauen mit Übergröße gibt es mittlerweile eine große Auswahl an schicker und moderner Mode, beispielsweise Abendkleider aus fließenden Stoffen in Midi-Länge. Bei den Farben wird auf auffällige Töne verzichtet, stattdessen lieber zu gedeckten Farben wie Schwarz, Grau, Weiß, Khaki oder Beige gegriffen.

Ausdruck für Selbstbewusstsein

Nun fragen sich viele vielleicht: Warum möchten junge Frauen sich so kleiden wie ihre Mütter? Vermutlich, weil es im Gegensatz zu dem steht, was vor allem auf der Foto-Plattform Instagram gezeigt wird – übertriebener Körperkult und verdrehtes Posieren, damit die Taille möglichst schmal und der Po besonders rund wirken. Menocore hat eben auch eine feministische Botschaft.

Für die meisten Menschen scheint der Look auf den ersten Blick vielleicht gewöhnlich, doch drückt er gleichzeitig Stärke und Selbstbewusstsein aus. Menocore-Outfits fordern das Gegenüber dazu auf, unter die Oberfläche zu schauen. Bei diesem Look geht es eben nicht vorrangig darum, anderen zu gefallen, indem frau auf schnelllebige Trends setzt, sondern darum, sich wohlzufühlen. Menocore ist auch eine Hommage jüngerer Frauen an ihre reifen, selbstbewussten Geschlechtsgenossinnen – jung bewundert reif, um es auf einen kurzen Nenner zu bringen.

Angst vorm Älterwerden nehmen

Gesellschaft, Medien und die Modeindustrie legen Frauen nahe, sie sollten ihren Alterungsprozess aufhalten: mit Cremes, mit Haarfarbe, mit Botox, mit Shapewear. Das wiederum wirkt, als seien Frauen ab einem bestimmten Alter wertlos. Der Menocore-Trend führt uns diese Absurdität vor Augen und würdigt eine Altersklasse, die für die Modeindustrie bisher Luft war. Zum einen werden so Frauen über 50 auch in der Modebranche mehr wertgeschätzt und zum anderen wird jungen Frauen die Angst vorm Älterwerden genommen.

Bildrechte: Flickr Market tote 〰 Baby bag 〰 School bag 〰 Purse • Whatever you use it for, the Block Tote is for carrying everywhere and everything. Tradlands CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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Helmut Achatz

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