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Tag 32 meiner Tour de France – aus 74 Kilometer werden 80. Wenn Navi und Wirklichkeit nicht zusammenpassen.

Mein Teas! – so der Name meines Navi – hatte für die Strecke Royan-La Rochelle 74 Kilometer berechnet. Dumm nur, dass mich mein Navi auf eine vielbefahrene Departemental schickte. Autos und Lkws rauschen an mir vorbei und drücken mich schier in den Straßengraben. Ehrlich, kein Spaß. Von Radweg keine Spur – und wenn, dann ist er in einem derart schlechtem Zustand, dass ich doch wieder auf die D733 ausweichen. Ich muss runter von der Departemental – und zwar möglichst bald. Ich nehme also die Nebenstrecke nach St. Symphorien – den Heiligen gibt’s wirklich. Und schon werden aus den 74 Kilometer ein paar mehr. Aber gut, meine heilen Knochen sind mir einiges wert.

Tag 32 meiner Tour de France

Alles okay, bis ich auf die Idee komme, den Pont Transbordeur als Brücke zu begreifen. Die Schwebefähre über die Charente, die 1900 in Betrieb ging und seit 1976 als historisches Monument geführt wird, wurde gerade renoviert. Wäre sicher toll gewesen … Also musste ich wieder auf die vielbefahrene D733 – und dazu noch über die Brücke. Für Radler haben die Brückenbauer lediglich einen halben Meter vorgesehen. Rochefort meint’s nicht gerade gut mit Radlern. Auch die Radlwege in Rochefort sind grasüberwachsen und enden manchmal im Nirwana. Irgendwie gelingt es mir, diese radlunfreundliche Stadt zu durchqueren, ohne Schaden zu nehmen.

Servicewüste in der Provinz

Nach Rochefort bessert sich die Lage für Radler – ein ausgebauter Radweg führt bis nach La Rochelle. Zwischen Rochefort und der Küste breitet sich eine Servicewüste aus – in Orten wie Yves oder Marouillet sucht der durstige Biker vergeblich nach einem Bistro oder einer Bar. Mein Wasservorrat nimmt ab, der Durst zu. Also Durchhalten!

Die Versorgungslage bessert sich erst in Chatellailon, wo ein Hotel sich ans andere reiht. Ich halte am Strand bei einem Kiosk an und bestelle mir wie übliche Menthe à l’eau, um meinen Wasserhaushalt auszugleichen.

Von Royan bis La Rochelle

Bis La Rochelle sind es noch elf Kilometer. Aber irgendwie ist der Radweg wohl länger als das, was das Navi anzeigt. Aus 74 Kilometer werden schließlich etwas mehr als 80 Kilometer. Mit der Avenue Amerigo Vespucci hat mein Navi auch Probleme, so dass ich auf Google Maps zurückgreife.

Von Royan bis La Rochelle

Zum Glück liegt das Hotel zentrumsnah. Ich beschließe, die Stadt zu erkunden. Gleich am Ende der Straße wartet ein Bus-Boot auf mich, das von der Mediathek zum alten Hafen fährt – spart Lauferei.

7,20 Euro für eine Halbe Radler

Im Vieux Port gönne ich mir ein Radler – einen halben Liter, für Bayern Normalgröße. Der Preis ist mit 7,20 Euro eher abschrecken. Um so positiver war ich vom „L’endroit“ überrascht, einer Art Tapas-Bar im Parc de la Pergola. Die bestellten Taps – de la mer und vegetariennes – waren super, auch was das Preis-Leistungsverhältnis betrifft. Dazu noch Reggae-Musik – und die Welt ist wieder in Ordnung.

Bis Nantes ist es zu weit, deswegen übernachte ich morgen in La Roche-sur-Yon

à demain

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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