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Tag 24 meiner Tour de France – der Tag fängt ja schon mal gut, was ironisch gemeint ist. Gleich beim Holen des Rads bemerke ich den Platten. Also wieder Schlauch wechseln. Es ist bereits heiß, mir läuft der Schweiß von der Stirn, ich stehe da mit verschmierten Händen und die Satteltaschen liegen verstreut um mich herum. Der Hotelier fragt mich, ob alles in Ordnung ist. Na ja. Nein, nichts ist in Ordnung. Aber ich antworte trotzdem „Ca va“. 

Mehrmals Schlauchwechsel

Hilft ja nichts, ich ziehe also den Mantel ab und tauschen den Schlauch aus. Das sollte an diesem Tag nicht das letzte Mal sein. Ich hatte Quillan kaum verlassen, als ich bereits wieder merke, das die Luft langsam aus dem Hinterreifen entweicht. Ich denke mir noch nichts dabei und pumpe Luft nach. Das Spielchen wiederholt sich, bis ich schließlich genervt doch am Straßenrand anhalte und den Schlauch wechsle – ein zweites Mal den diesem Tag. 

Dabei lief’s bis jetzt ganz gut – es geht leicht bergab, ich folge dem Fluss Aude und komme gut vorwärts: An Espèraza vorbei und durch Limoux. Gelegentlich versuchen sich die französischen Straßenbauer an Fahrradwegen, meist aber nur halbherzig. Viele enden schon kurz nach der Ortschaft im Nirwana. Sie ging’s mir in Limoux. Der Fahrradweg endete im Industriegebiet und ich musste dann doch wieder auf die Departemental. Ach ja, streckenweise wie bei Cépie verwandelt sich die Departemental in eine Autostraße und zwingt Radler, auf eine Nebenstraße auszuweichen. 

Miserable Straßen

A Propos Straße, der Zustand ist gerade in den Städten und Dörfen so schlecht, dass ich alle meine fünf Sinne brauche, um nicht in einem Schlagloch zu enden oder über einen Kanaldeckel zu stürzen. Offensichtlich haben einige Kommunen wenig Geld und lassen die Straßen verkommen. Die Baureferate, so es sie denn in Frankreich gibt, bessern die Straßen meist nur notdürftig aus. Ja, dann der Belag – nicht selten verwenden die Straßenbauer groben Kies, was meine Reifen ziemlich beansprucht. 

Um 14 Uhr ist Schluss

Im Niemandsland vor Carcassonne wechsle ich die Reifen. Ich wollte weg von der vielbefahrenen Straße und lande in der Pampa. Die Flaschen sind mittlerweile auch schon leer, die Restaurants in den Dörfern verrammelt. Also bleibt mir gar nichts anderes übrig, als möglichst schnell weiter zu fahren. Ich lasse mich dieses Mal von Google Maps leiten, navigiere unter der Autobahn durch, von Grèzes nach Caux-et-Sauzens. Es ist bereits nach 14 Uhr – ganz schlecht in Frankreich, denn viele Restaurants schließen dann. Genau das passiert mir in Caux-et-Sauzens. Das Lokal zur Platanes ist geschlossen. Zum Glück steht am Marktplatz ein Brunnen, aus dem trinkbares Wasser fließt. Ich fülle zumindest meine Wasserflaschen und kühle mich ab. 

Durch die Weinberge

Es ist heiß, ich bin erschöpft und will nur noch ankommen. Der nächste größere Ort ist Bram – also ab nach Bram. Vorher erwartet mich allerdings noch ein Stück Landwirtschaftsweg durch die Weinberge, wobei Weinberge das falsche Wort ist, denn Wein wird hier auf der Fläche angebaut. Die asphaltierte Straße endet in Caux-et-Sauzenes, ich nehme also den Landwirtschaftsweg. Nach einigen Kilometern bin ich dann zurück auf der Asphaltstraße und irgendwann auch wieder auf einer Departemental. 

Am Canal du Midi

Kurz bevor ich zur D33 einbiegen, überquere ich den Canal du Midi. Eine Brücke spannt sich über den Canal und die Dorfjungs machen sich einen Spaß daraus, von der Brücke zu springen. Dann tuckert ein Boot heran. Der Kapitän steuert auf die Mitte der Durchfahrt zu und kommt dabei dem Ufer ziemlich nah. Die Jungs wissen das und einer von ihnen springt an Bord, hechtet aber gleich ins Wasser. 

Schluss mit Beschaulichkeit – weiter nach Bram. Die letzten Kilometer läuft’s dann wieder richtig gut. Ich komme auf mehr als 30 Kilometer pro Stunde. Bram ist zum Greifen nah. Ich setze mich im Ort in den Schatten und suche per Tripadvisor ein Hotel. Dabei finde ich Coup de Coeur, Bed & Breakfast – etwas Neues für mich auf dieser Reise. Das Haus liegt ganz versteckt am Place Carnot Mitten in dem Ort – von außen aber nur gekennzeichnet durch ein Schild. Dahinter ein wunderschönes altes Haus. Petra, die Besitzer, reserviert für mich einen Platz bei L’ile aux oiseaux am Canal du Midi.   

 

 

Bonne journée et à demain!

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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