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Tag 17 meiner Tour de France – die Finger riechen immer noch nach Shrimps und Hummer, obwohl ich sie mit einem Frischetuch behandelt habe. Aber der Geruch von Krustentieren haftet doch länger an. Heute gab’s gleich zweimal Muscheln – am Mittag und am Abend. Nun, wir sind an der Küste. Mittag mit einer Sauce piquante, sprich mit einer scharfen Soße; am Abend gab’s dann Fischsuppe und Austern, Shrimps und einen halben Hummer – garniert mit Muscheln. 

Moules à la Sauce piquante

Der Topf mit den Moules à La Sauce piquante ist voll bis zum Rand – die Muscheln in der pikanten Soße, mit Lorbeerblättern und Pommes. A propos Pommes, die Belgier behaupten ja von sich, Pommes Frites erfunden zu haben. Eigentlich hätten die Franzosen von ihren nördlichen Nachbarn, die ja auch französisch sprechen, lernen können, was gute Fritten ausmacht. Leider sind zumindest meine eher lapprig und schauen etwas unmotiviert aus dem Töpfchen. 

Nun gut, dafür gibt’s Weißbrot. Schmeckt eh besser zu Muscheln. Die Soße drängt sich mit einer pikanten Schärfe in den Vordergrund, ohne zu übertreiben. Dazu eine schöne Rosé-Weinschorle. Das baut doch nach einer Tour-Etappe wieder auf. Wir fahren von Agde über das Hinterland nach Narbonne-Plage. Muscheln und eine Fruit-de-Mer-Pizza essen wir in Valras-Plage. Der Wind lässt die Plane des Restaurantzelts knattern. Wir ängstigen uns fast, dass die ganze Konstruktion davon fliegt. Natürlich fliegt sie nicht davon, aber der Kellnerin fegt der Wind ein Glas von der Servierplatte. 

Gegenwind bremst

Den Wind sollten wir auf der Weiterfahrt noch zu spüren bekommen. Er weht meerwärts und trifft uns zwischenzeitlich voll von vorn. Trotz vollem Einsatz und gebeugtem Rücken bin ich kaum schneller als 14 oder 15 km/h. Das kostet Kraft und zerrt an den Nerven. Gegenwind und ab und zu eine Böe von der Seite. Leider müssen wir mehrmals Richtung Norden radeln. In Portiragnes überqueren wir den Canal du Midi als ein Schiff gerade in der Schleuse schwimmt. 

Weiter nach Sérignan und dann nach Valras-Plage – vorbei an Kanälen, Schilf und Lagunen. Die Radwege enden manchmal ziemlich abrupt und zwingen uns auf normale Straßen. Der Fahrrad-Computer zählt die Kilometer bis zum Ziel herunter – bei zehn Kilometer schaltet er um auf eine Zählung, die jede zehn Meter erfasst. Das motiviert ungemein. 

Quälender Countdown

9,89, dann 9,52 und schließlich nur noch 5,45 Kilometer – es werden immer weniger bis zum Ziel Narbonne-Plage. Die letzten Kilometer im Ort selbst führen an der Strandpromenade entlang. Der Sand knirscht unter unseren Reifen, vor uns das grüne Band des Radwegs. Dann noch 730 Meter – endlich sind wir da in der Rue des Fleurs. Wir werden dieses Mal zwei Nächte im Hotel de La Clape verbringen, denn für morgen haben wir einen Ausflug nach Carcasonne geplant. 

Wenn wir schon am Meer sind, dann muss auch ein Abstecher zum Meer drin sein. Narbonne-Plage und die Nachbargemeinde bieten kilometerlange Sandstrände – und alle fast menschenleer. Es ist eben immer noch Vorsaison – und die Franzosen kommen erst später im Jahr, wenn die Schulferien beginnen. Das Wasser ist deutlich kälter als in Cannes, obwohl es doch das gleiche Meer ist. 

Bevor wir zum Essen gehen, will ich noch schnell meinen Besuch bei meiner alten Brieffreundin Nicole und ihrem Mann Roger klären. Sie wohnen in Le Barcarès auf dem Campingplatz. Wir chatten via Facebook-Messenger. Am Donnerstag werden wir Drei von Narbonne-Plage also Richtung Le Barcarès aufbrechen und uns am Nachmittag mit ihnen treffen. 

Am Abend gab’s dann noch Essen im „l’Arlequin“ am Strand. Na, und was war auf der Platte: Austern, Shrimps und ein halber Hummer. Der Restaurantchef ist offensichtlich etwas überforedert mit der Situation. Wir bekommen den zweiten Hauptgang vor dem ersten – und monieren die Menüfolge. Das Essen zieht sich in die Länge. Ein Kellner geht, später dann der Koch. Vermutlich haben sie ihr Stundensoll abgeleistet. Das Esen war gut, wenn auch mit Hindernissen. 

 

Bonne soirée et à demain!

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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