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Tag 8 meiner Tour de France – Ruhetag. Ja, ich habe mich für zwei Nächt im Hotel Couleurs du Sud in der Rue Jean Dollfus eingemietet. Das Hotel lag einfach auf dem Weg zum Vieux Port – ich war ausgelaugt und einfach nur fertig. Deswegen fragte ich nach. Obwohl gerade Filmfestspiele sind in Cannes, war noch ein Zimmer frei. Aber wer nächtigt auch schon in einem Zwei-Sterne-Hotel? Zumindest hatte das Hotel den Preis verdoppelt, unangemessen für das Qualitätsniveau – wie auch immer. 

Ein paar Meter zum Strand

Ich war froh, einfach nur unterzukommen. Die Lage ist gar nicht so schlecht – nur ein paar Meter zum Strand. Weil das Hotel auch in Cannes keine Fahrradgarage hat, nahm ich mein Gefährt mit ins Zimmer, hochgestellt und am Spiegel befestigt. Ich bin, soviel muss ich noch erwähnen, in einem Drer-Zimmer. Aber alles ist so eng, dass für ein Rad kein Platz mehr ist. 

Zudem liegt mein Fenster an einer Durchgangsstraße, das heißt, es ist laut bis nach Mitternacht. Da die Strandstraße gern von Motor-Bikern befahren wird, bekomme ich das voll mit. Vor der Kurve drehen sie noch voll auf, um zu „posen“. Zur Strafe sollten sie mal einen Monat lang bei offenem Fenster hier schlafen müssen. Wahrscheinlich können sie sich überhaupt nicht vorstellen, wie laut ihr Auspuff ist. Wie so muss die Mühle so röhren? Warum noch mal voll Gas geben? Was geht nur in deren Köpfen vor? Bin für Antworten dankbar. 

Frühstück am Bahnhof

Da es im Hotel kein vernünftiges Frühstück gab, bin ich Richtung Bahnhof marschiert – auf dem Weg in einer Bar eingekehrt. Die gute Frau am Tresen könnte mir auch nur einen Milchkaffee bieten. Also weiter Richtung Bahnhof. Dort haben sich zumindest einige Bäcker auf die Touristen eingestellt – für 3,50 Euro gab’s einen Café plus dreimal Gebäck: ein Croissant, ein chausson de pomme und ein Pain au raisin. 

Weil ich immer noch Hunger hatte, bin ich zu Monoprix und habe mir einen Käse plus zwei Schälchen Himbeeren geholt – und auch gleich auf der Straße verspeist. Es lohnt sich, sich einfach mal an den Straßenrand zu setzen. Ein paar Meter weiter saßen drei junge Männer, die ihr Sandwich verspeisten, dann kam eine junge Frau mit ihrer Mütter – oder Bekannten – vorbei und verstaute ihre hochhackigen Schuhe in der Einkaufstüte, zog dafür ihre alten Treter an. 

Helden des Alltags

Dann kam die Müllabfuhr vorbei und … Ja, die Wertstoffbehälter sind versenkt. Per Knopfdruck ließ sie der Müllmann hochfahren, so dass seine Kollegen die Behälter leeren könnten. Gleich drauf kam ein Barbesitzer mit seinem dicken Audi vorbei und holte Blumen aus seiner Bar – für die Franzosen ist am 28. Mai Muttertag. Er hatte sich wahrscheinlich in seiner Bar deponiert, um seine Frau damit zu überraschen. 

Nach einer Ruhepause beschloss ich, zum Strand zu gehen. Am Nachmittag war dann auch nicht mehr soviel los. Ich genoss das Bad im Mittelmeer. Neben mir ein Grüppchen Polen, die offensichtlich etwas über den Durst getrunken hatten – oder leicht angekeift waren. Einer rührte sich gar nicht – zwei andere aus der Gruppe gruben in ein und bauten Pyramiden aus den mitgebrachten Sitzhockern auf seinem Körper. Es war alle noch im Rahmen. 

Marché Forville – ein Einkaufserlebnis

Jetzt hätte ich fast noch meinen Besuch auf dem Sonntagsmarkt „Marché Forville“ vergessen – und meinen Bummel durch die Fußgängerzone. So offene Markthallen kenne ich in Deutschland nicht mehr. Unter einem Dach finden Hausfrauen und Touristen alles – vom Radi bis zum Hummer. Die Auswahl an Gemüse ist deutlich größer als bei uns, zumindest empfinde ich das. 

Am Abrend war ich wieder beim Chinesen, sorry, Vietnamesen zum Essen: convivial, gemütlich und französisch. Zur Erinnerung: Vinh Phat, kann ich nur jedem empfehlen, der in Cannes ist. 

Bonne nuit et à demain!

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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