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Tag 3 meiner Tour de France – der Tag fängt schon mal perfekt an. Das Fahrradgeschäft öffnete schon kurz vor zehn Uhr. Allerdings war der Meister umlagert von Kunden, die ihr Velo ganz schnell repariert haben wollen. Ich mogle mich dazwischen, schließlich will ich „nur“ ein Paar Mountainbike-Schuhe. Der Meister merkt schon, dass ich ein einfacher Kunde bin und sucht mir passende Schuhe raus, drückt mir ein Werkzeug in die Hand und lässt mich allein. Ich kann ihm begreiflich machen, dass ich nicht nur die Schuhe brauche, sondern auch die Cleats, sprich die Klick-Einsätze für die Schuhe. Na ja, wir haben uns dann schon verständigt, weil er merkte, was ich meinte. 

Okay, er drückt mir einen Imbus-Schlüssel in die Hand und ich installiere die Cleats. Passt auch alles ganz prima. Ein halbe Stunde später verlasse ich den Fahrradladen und schlüpfe gleich in meine Mountainbike-Schuhe. Es ist 10.30 Uhr – vergleichsweise spät für den Start. Wie auch immer. 

Grenoble hat ein Herz für Radler

Von Crolles Richtung Gap – Klingt so einfach Die französischen Alpen haben’s aber in sich. Durch Grenoble komme ich noch ganz gut durch. Die Stadt hat die Fahrradweg vorbildlich ausgeschildert. Überhaupt, haben die Stadtväter Radlern viel Platz eingeräumt. Da könnten sich viele deutsche Städte eine Scheibe abschneiden. Ich quere die Stadt von Nord nach Süd ziemlich problemlos. 

Es ist schon kurz nach zwölf und mein Magen meldet sich. Warum nicht mal im Supermarkt einkaufen – „Casino“ war grad auf dem Weg. Deswegen habe ich einen Ziegenkäse, eine Ziegenwurst, ein Baguette und Tomaten mitgenommen. Kurz drauf fand ich ein nettes Plätzchen zum Brotzeitmachen – „casse-croutte“ heißt das ja auf französisch. 

Anstiege können grausam sein

Ich wusste noch nicht, was mir bevor stehen würde – ein kilometerlanger Anstieg von Champ-sur-Drac bis Monteynard. Das müssen gefühlt tausend Höhenmeter gewesen sein. 

Die Landschaft ist spektakulär, irgendwie könnte ich sie leider nicht so genießen. Ab und an überholen mich Radrennfahrer und machen ihre Späße: „die bisschen Satteltaschen“. Na ja, ich hechelte nach oben und irgendwann stieg ich dann ab und schob mein Rennrad (welche Schande) sogar. Dann warn auch noch die beiden Flaschen leer und ich fühlte mich wie ausgedörrt. In dem Moment verfluchte ich meinen Entschluss, mich auf die Tour de France einzulassen. Zeitweise zeigte der Tacho noch 6,5 oder knapp 8 Kilometer an. Mich hielt nur noch ein Gedanke am Weitermachen – irgendwann muss doch La Mure kommen, da gibt’s sicher ein Hotel. Als ich den Ort mit letzten Kräften erreichte, suchte ich bei Tripadvisor nach Hotels. Zuerst fragte ich bei „Chez Pat et Ghis“ nach, bekam aber eine abweisende Antwort. Der Patron empfahl mir ein anderes Hotel, das aber schon lange geschlossen war. Also blieb mir nur „Logis Murtel“, wo ich dann auch die Nacht verbringe. Und weil das Hotel auch mit einem Restaurant gekoppelt ist, aß ich auch gleich zu Abend. Das Menü: Terinne de La Maison, ein Grillhühnchen mit Pommes Dauphin und Broccoli-Soufflé, zum Dessert dann eine Ile flottante. 

La Mure – abgehängt

Mein Verdauungspaziergang führte mich in den Ort, der seine beste Zeit lange hinter sich hat. Bars und Hotels geschlossen, Fensterläden zugeklappt und kaum ein Mensch auf der Straße. Selbst das Rathaus kann sich nur dank Sponsoren halten. Häufig begegnete mir das Schild „A vendre“, zu verkaufen. Erstaunlich, selbst eine öffentliche Toilette hat der Ort – und sogar richtig nobel. Da hat der Staat wohl sein Fühlhorn ausgegossen. 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Super Idee und sicher dann auch bald eine Super-Story (nach all den Etappen …) von Ihrer Tour de France!
    Bin begeisterter Verfolger der Einzeletappen und drücke die Daumen, dass Sie mindestens eines der begehrten Trikots erkämpfen!
    Viel Spaß und Freude … und vielleicht auch ein wenig Erbauung!
    Neidvoll: Wolfgang Schiele

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    1. Vielen Dank. Bin gerade in Gap – und ja, der heutige Tag war anstrengend. So ein Vorhaben wie meins, wirft einen auf sich selbst zurück. Das hilft, das, was jeder hat, wieder besser zu schätzen. Bin ja zurzeit nur mit zwei Sattel- und einer Lenkertasche unterwegs.

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