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Tagesgeld und Anleihen können die Geldentwertung kaum noch bremsen. Wer sein Vermögen real erhalten will oder sogar noch mehren, muss umdenken. Sachwerte heißt die Devise!

 Plus-minus-null kommt heraus, wer sein Vermögen auf einem Tagesgeldkonto parkt, denn die Inflationsrate liegt bei 0,3 Prozent und der durchschnittliche Zinssatz für Tagesgeld liegt exakt auf dem gleichen Niveau. Die reale Verzinsung nach Abzug der Inflation liegt als bei exakt null Prozent. Dabei ist die Steuer noch nicht berücksichtigt. Mit Staatsanleihen ist auch kein Staat mehr zu machen. Die Durchschnittsrendite liegt Ende Januar bei 0,26 Prozent. Selbst zehnjährige Papiere werfen nur noch ein knappes halbes Prozent ab, fünfjährige notieren bereits im Minus, das heißt, Anleger zahlen dem Staat sogar noch Geld dafür, dass sie ihm welches leihen dürfen. Eine verkehrte Welt. Wie bitte schön, soll da ein Vorruheständler oder Rentner sein Vermögen erhalten oder gar vermehren? Ist leider ungerecht, aber Tatsache.

Sachwerte! Aber welche?

Was bleibt angesichts dieser Gemengelage noch übrig? Sachwerte! Nur welche? Klar, Aktien wären eine Alternative. Die beiden Crashs 2000 bis 2003 und 2008 bis 2009 haben leider vielen Deutschen Dividendenpapiere verleidet. Nach dem Platzen der sogenannten Internetblase 2000 verlor der Dax mehr als 60 Prozent an Wert. 2008 war es zwar nicht ganz so schlimm, der Index büßte dennoch die Hälfte ein. Aktionäre haben eine Durststrecke von 13 Jahren durchlitten. Auf lange Sicht kommt eigentlich keiner an Aktien vorbei. Allerdings kommt es sehr auf die Auswahl an – und da sind Dax-Werte, sprich die Aktien aus dem Deutschen Aktienindex nicht unbedingt erste Wahl. Manche ausländischen Papiere sind stabiler als deutsche Werte aus der deutschen Börsen-Oberliga.

Der Zins ist abgeschafft

Mit festverzinslichen Wertpapieren ging es vielen in diesem Zeitraum zwar besser, aber der Notenbankchef Mario Draghi macht es Fans von Anleihen zurzeit alles andere als leicht, noch an Zinspapiere zu glauben. Mit seiner jüngsten Entscheidung drückte er den Zins, den die Banken zahlen müssen, wenn sie ihr Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) deponieren, auf minus 0,3 Prozent. Der Leitzins liegt schon seit September 2014 bei 0,05 Prozent. Und wie es aussieht, dürfte Draghi den Einlagesatz für Banken im März noch ein Stück ins Minus drücken – schlechte Aussichten für Zinsjäger. Für Bundesanleihen gibt es ja schon seit langem fast nichts mehr.

Genau hinschauen bei Immobilien

Leider ist die Auswahl alles andere als leicht. Vielen Ruheständlern fällt beim Wort Sachwerte sofort die Immobilie ein. Leider sind die Immobilienpreise bereits stark gestiegen, vor allem in den sogenannten Schwarmstädten wie München, Regensburg, Heidelberg und Freiburg beispielsweise. Dorthin zieht es junge Leute mit der Folge, dass die Mieten steigen und die Immobilienpreise. 20 Euro Warmmiete pro Quadratmeter sind durchaus üblich. Der Quadratmeter überbauter Raum kostet in München im Schnitt 6500 Euro. Für eine Drei-Zimmer-Wohnung legen Investoren locker mal mehr als eine halbe Million Euro auf den Tisch. Dazu kommen fünf bis sieben Prozent Grunderwerbsteuer plus Notar und sonstiges – sind weitere 30 000 Euro. Wer eine entsprechende Wohnung für 1200 Euro kalt vermieten kann, darf sich glücklich fühlen. Das bringt eine vermeintliche Rendite von 2,6 Prozent – brutto wohlgemerkt, denn davon ab gehen Instandhaltung, Versicherung und sonstige Kosten, so dass die 2,6 Prozent schnell auf zwei Prozent zusammenschrumpfen. Das Risiko von Mietnomaden oder Leerstand ist dabei ebenfalls nicht berücksichtigt. Gut, wer in Schwarmstädten eine Immobilie kauft, kann davon ausgehen, dass sie im Wert steigt. Wer ein entsprechendes Objekt kaufen will, sollte zumindest 20 bis 30 Prozent Eigenkapital mitbringen – das sind immerhin 100 000 bis 150 000 Euro. Ganz abgesehen davon, dass Immobilienkäufer ein Klumpenrisiko eingehen, was für Vorruheständler und erst recht für Ruheständler nicht zu vernachlässigen ist. Das heißt, wer sich eine Immobilie als Altersvorsorge zulegen will, sollte sich das Objekt schon sehr genau ansehen. Wie heißt es so schön unter Makler, wenn’s darum geht was zählt: „Lage, Lage, Lage“. Dabei gilt, dass wer in einer A-Stadt wie München kauft, kann auch eine B-Lage nehmen, wer auf eine B-Stadt wie Augsburg schielt, sollte eine A-Lage nehmen.

Immobilienfonds als Alternative?

Allein dieser kurze Ausflug zeigt schon, dass eine pauschale Bewertung nicht so einfach ist. Entscheidend ist, wie eine Stadt wächst, wie sich die Kaufkraft entwickelt und die sonstigen Rahmenbedingungen. Grundsätzlich gilt für die Immobilie, dass sie nicht als spekulatives Element zu sehen ist.

Wem das Klumpenrisiko zu groß ist, greift zu offenen Immobilienfonds. Die gesetzlichen Regeln haben sich zwar verschärft, sie gelten aber nur für offene Immobilienfonds, die über die Fondsgesellschaft gekauft werden. Wer Immobilienfonds über die Börse kauft und verkauft, ist von Regeln wie Rückgabe erst nach einjähriger Kündigungsfrist und Mindesthaltedauer 24 Monate nicht betroffen. Immerhin werfen einige offene Immobilienfonds Renditen von 2,5 bis drei Prozent ab – allerdings, nach Abzug der Gebühren bleibt davon nicht mehr allzu viel übrig. Wer sich damit zufrieden gibt, sollte bei der Auswahl unbedingt darauf achten, wie sich der Fonds in der Vergangenheit entwickelt hat – und wie die Portfolio-Struktur aussieht.

Gold als Münzen, Barren oder Zertifikat

Bleibt noch Gold: Das Edelmetall schützt ein Vermögen langfristig. Binnen acht Jahren hat sich der Wert von Xetra-Gold, sprich Gold in Euro gemessen, nahezu verdoppelt. Da kann der Dax nicht mithalten. Gold ist das Mittel zur Werterhaltung par excellence, denn es ist nicht einfach vermehrbar wie Papiergeld. Von der Antike bis heute waren Goldmünzen beispielsweise als Notreserve beliebt. Bei Gold fallen zwar vielen noch immer Münzen und Barren ein, wem das aber zu umständlich ist, kann – ganz abgesehen von den Kosten – auch ein Papier wie Xetra-Gold kaufen. Das ist mit physischem Gold hinterlegt – und der Käufer kann sich den Gegenwert in Gold auszahlen lassen. Das Papier wird an der Börse gehandelt. Gold ist als einziger Sachwert lagerfähig – im eigenen Tresor oder bei der Bank. Das gelbe Metall bringt zwar keine Zinsen, angesichts der gegenwärtigen Situation ist das aber kein Problem. Weiterer Vorteil von Gold: Es ist leicht handelbar und Anleger können Gold in kleinen Stückelungen kaufen – von einem Gramm bis zu einem Kilo, von einer zehntel Unze bis zu zehn Unzen. In Krisen ist das von Vorteil. Deswegen gehört Gold – oder auch andere Edelmetalle wie Platin und Silber – in jedes Depot.

Die Mischung macht’s

Allein dieser kurze Ausflug verdeutlicht, dass es nicht „die“ eine Lösung gibt, um sein Vermögen abzusichern. Die Mischung macht’s: Schön, wer im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung lebt, noch besser, wenn er einige Aktien sein eigen nett, die regelmäßig Dividende abwerfen – und für Krisenzeiten beruhigt eine Notreserve in Form von Goldmünzen oder –barren.

Weiterführende Links:

Disclaimer:

Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier enthaltenen Aussagen sind nicht als Angebot oder Empfehlung bestimmter Anlageprodukte zu verstehen. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Wertpapiere erwähnt werden. Der Beitrag soll lediglich einen Überblick über die Möglichkeiten geben und die selbständige Anlageentscheidung erleichtern. 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

8 Comments

  1. […] fast garantiert. Was aber in anderen Regionen? Dumm nur, dass alle darauf spekulieren. Die Niedrigzinspolitik von EZB-Chef Mario Draghi lässt die Preise ins Kraut schießen. Die Einkommensentwicklung kann damit leider nicht mithalten. […]

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  2. […] und trotzdem gut leben Richtig Geld für den Ruhestand anlegen damit es bis ins hohe Alter reicht Wie Vorruheständler ihr Vermögen retten Wie lässt sich die Versorgungslücke […]

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  3. […] Wie Vorruheständler ihr Vermögen retten […]

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  4. Danke für die Tipps. Auch Kapital birgt Emotionen. Dolce Vita, wie es im obigen Kommentar beschrieben wurde, ist die eine Seite davon. Gegönnt sei es ihnen. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass es noch eine weitere Möglichkeit gibt: Aus der warmen Hand vererben. Ist man Enkeln und Kindern wohl gesonnen, so sei es einem bewusst: Man kann nichts mitnehmen.

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    1. vielen Dank für den Kommentar

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  5. Hallo Georg,
    vielen, vielen Dank für den Kommentar … er ergänzt das, was ich in dem Beitrag geschrieben habe. Ja, Fremdwährung ist ein Thema. Die norwegische Krone hängt halt sehr am Öl. Wehe, wenn der Preis mal so absäuft wie zurzeit. Ich würde eher auf den Schweizer Franken schielen. Das Thema Ortsverlagerung habe ich schon in anderen Beiträgen angesprochen, aber ist ein Dauerbrenner.
    herzlichst
    Helmut Achatz

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  6. Lieber Herr Achatz,

    Gott sei Dank, dass Sie in den Disclaimer noch gerade eine Minute vor zwölf reingeschrieben haben, dass Sie sich nicht als Bankberater verstehen. Sie wären wirklich beim Teufel gelandet! Also: wer hat, dem wird gegeben….könnte man meinen, wenn man Ihren Beitrag zur Vermögensverwaltung, da -Mehrung derzeit äußerst fragwürdig, liest. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Vor- Ruheständler, der derzeit die Qual der Wahl hat, was er denn mit seiner Kohle machen soll, gut beraten ist, den Ball ziemlich flach zu halten. Aktien kaufen: nun denn: …wenn die Kanonen donnern, sollte man Aktien kaufen, heißt aber auch, dass der Mutige einen langen Atem braucht für mögliche weitere, auch ziemlich heftige Abschläge. Das Rummurmeln um den Kauf von Gold kann ja nur -wenn man seriös bleibt – eine Beimischung von max 10% des Vermögens bedeuten. Diese also, die kiloweise ihr Gold horten oder kaufen, gehören wohl zu den Aldis und Co. Was Sie aber als der große „Versteher“ des Markets völlig außen vor gelassen haben, ist die kritische Betrachtung unserer europäischen Währung. Noch nie haben wir so lang anhaltend in einen gähnenden Schlund geguckt wie derzeit, zumindest zu Zeiten des Euro… So mit hätten Sie fairer- oder weitsichtiger weise auch Alternativwährungen ins Spiel bringen müssen, selbst wenn´s schwer fällt. Selbst wenn´s der Norwegen Krone derzeit auch nicht gut geht, geht es dennoch den Norwegern weltweit so ziemlich am aller besten, weil sie keine Gläubiger im Nacken haben, die eines Tages möglicherweise ihre Forderungen fällig stellen könnten. Gestern saß ich neben einer Rentnerin im Flieger. Sie plauderte fröhlich über ihren Kurswechsel in Sachen Vermögensverwaltung:
    Echte rheinische Frohnatur: zog vor vier Jahren von Düsseldorf nach Bad Füssing. Einsparung der Miete: 50%, Auto haben die alten Leute abgeschafft fahren nur noch bei Bedarf mit dem Taxi, sonst Fahrrad. Lebenshaltungskosten in Füssing 30% billiger als in Düsseldorf. Das, was die alten Leute nunmehr durch den Standortwechsel eingespart haben, verfressen sie ganz einfach, oder sie buchen eine „Butterfahrt“ nach der anderen: heute Marokko, morgen Kapverden, vor Ostern Florida.
    Da habe ich keine Sorgen um die Vermögenssicherung rausgehört: Da war und ist Dolce Vita angezeigt. keine Sorgen zu dem, was wir eh nicht wirklich beeinflussen können.
    Ich denke, ich schneide mir eine kleine Scheibe von dieser gestern gewonnenen Erkenntnis ab und mache sie mir zu eigen.
    Nicht, dass am Ende unsere silbrig eingefärbten Haare auf Sorgen im Alltag zurückzuführen sind. Das lohnt nicht!
    Herzlichst
    Georg-‚W.Moeller

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