So klappt’s mit dem Umzug im Alter

Ein Umzug im Alter ist eine Herausforderung. Aber mit kompetenten Helfer ist auch diese Aufgabe lösbar. Die besten Tipps für einen stressfreien Umzug.

Umziehen im Alter? Manche wollen, andere müssen umziehen. Da spielt vieles eine Rolle – weil Haus oder Wohnung nach dem Tod des Partners zu groß sind oder nicht altersgerecht, weil wir zurück in die alte Heimat oder einfach näher zu den Enkeln rücken wollen. Nicht selten spielt auch das Geld eine Rolle. In der Großstadt steigen die Mieten und die Rente reicht nicht mehr, während es sich anderswo billiger leben lässt. Unbenommen ist ein Umzug für die 60plus-Generation eine Herausforderung.

Immer mehr Senioren ziehen um

Gerade in München, Hamburg und Berlin trifft es immer mehr Senioren, die sich ihr Viertel oder ihren Kiez nicht mehr leisten können. Als letzter Ausweg bleibt dann nur noch der Umzug. Es dürfte nicht sonderlich verwundern, dass gerade in München und Berlin Seniorenumzüge nichts Besonderes mehr sind. Es gibt Schätzungen, danach ist jeder dritte Berliner dieser Altersgruppe in den vergangenen zehn Jahren mindestens einmal umgezogen ist.

Wer sich für einen Umzug entschließt, sollte einiges beachten – und sich am besten eine Checkliste anlegen. Wir Älteren haben im Laufe unseres Lebens einiges angesammelt an Erinnerungsstücken; wir sind verwurzelt mit unserer Umgebung und haben ein gewachsenen soziales Netz. Wie wollen wir diesen Schritt bewältigen?

Schaffen wir das? Nehmen wir alles mit? Was müssen wir aussortieren? Wer kümmert sich um Telefon- und TV-Anschluss am neuen Domizil? Wessen Hilfe können wir in Anspruch nehmen?

Umzug ohne Stress

Das Zögern der Älteren und die Scheu vor einem Umzug hat natürlich handfeste Ursache:

  • Geringere Mobilität
    Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, so sind wir nicht mehr so belastbar wie in jungen Jahren. Selbst das Einpacken wird zum Kraftakt. Meist ist die neue Wohnung kleiner oder anders geschnitten als die alte, das heißt, wir müssen uns von vielem trennen. Dann müssen sie sich ja noch ums Renovieren der alten Wohnung kümmern – alles in allem ist das ein ziemlicher Kraftakt.
  • Aufgabe des gewohnten Umfelds
    Wir lassen unser Umfeld hinter uns. Das fängt beim gewohnten Ausblick an und hört beim Schwatz mit den Nachbarn auf. Wir müssen uns in punkto Einkaufen und Arzt neu orientieren. Sich umzugewöhnen fällt aber im Alter schwerer als in jungen Jahren.
  • Viele kostbare Erinnerungsstücke
    Im Laufe der Jahre sammeln sich immer mehr Gegenstände an, mit denen wir wertvolle Erinnerungen verbinden. Sie sollten den Umzug unbeschadet überstehen.

Beim Umzug helfen lassen

Das alles selbst stemmen zu wollen, ist keine gute Idee. Besser ist es, eine Umzugsfirma zu engagieren – eine, die sich mit Seniorenumzügen auskennt. Es lohnt sich, Angebote zu vergleichen und dann alles durchzusprechen. Profis haben Routine, so dass sich manche Probleme von selbst lösen.

In der Regel ist es ja nicht damit getan, Kartons zu transportieren. Schnell tauchen Fragen auf wie:

  • Wer verpackt den Hausrat?
  • Wer entsorgt überzählige Möbel und Hausrat?
  • Wer renoviert die alte Wohnung?
  • Wer schließt Waschmaschine und Herd an?
  • Wer kümmert sich um die Lampen?
  • Wer demontiert und montiert Rollos, Jalousien und ähnliches?

Am Umzug hängt weit mehr als nur den Haushalt von A nach B zu verlegen. Es geht um die Ummeldung beim Strom- und Gas-Lieferanten, ums Telefon und um Lieferdienste. Einiges können wir delegieren, wodurch ein Seniorenumzug auch relativ stressfrei ablaufen kann.




Brauchen wir ein Job-Plattform für Rentner?

Was für eine Frage. Ja, wir brauchen eine Job-Plattform für Rentner. Einige Silver Ager wollen oder müssen arbeiten. Sie bringen Wissen mit, das Unternehmen brauchen. Umgekehrt suchen Silver Ager Bestätigung, auch in finanzieller Form. In Österreich tut sich etwas – und in Deutschland?

Bei Siemens werden Ältere systematisch aussortiert und gedrängt, einen Auflösungsvertrag zu unterschreiben. Siemens ist dabei nicht der einzige Konzern hierzulande, der versucht, die Silver Ager loszuwerden. Schade, offensichtlich hat der Konzern nicht begriffen, welchen Erfahrungsschatz er hat, den er nur heben müsste. Siemens ist indes nicht symptomatisch für den Umgang von Unternehmen mit ihren Beschäftigten. Andere Konzerne wissen sehr wohl, was sie an den Älteren haben. Über kurz oder lang werden Unternehmen das Potenzial der Älteren anzapfen müssen, um Arbeitsplätze zu besetzen.

Job-Plattform für Silver Ager

Allein dieses Beispiel zeigt, dass es gerade hierzulande ein Umdenken braucht, einen Paradigmenwechsel, wie das so schön heißt. Offensichtlich sind die Österreicher da schon weiter. In Wien hat sich eine Online-Plattform gebildet, die das Wissen und Können von Silver Agern für Unternehmen anzapfen wollen. „Grow Wiser“ ist Motto und Programm der Plattform WisR, die Silver Ager und Unternehmen zusammenbringen will.

Dabei geht es den Recruitern nicht nur um die Vermittlung von Silver Agern, sondern auch um Aufklärung, Beratung und Hintergründe. In ihrem Blog kläre sie über Zuverdienst und die Rahmenbedingungen auf, über Selbstständigkeit und liefern Tipps für den Lebenslauf.

Expansion nach Deutschland

Noch beschränkt sich die Plattform WisR auf Österreich, aber das soll sich laut Daniel Eberharter von WisR ändern. Bereits im April will das Unternehmen seine Radius auf den süddeutschen Raum erweitern.

Die Wiener haben begriffen, dass der „demographische Wandel die Gesellschaft grundlegend und damit auch den Arbeitsmarkt ändert“, so WisR-Gründerin Klaudia Bachinger.

Die Registrierung ist für Silver Ager übrigens kostenlos, für Unternehmen im Abosystem nutzbar.

Am 12. März haben es die Newcomern in die Sendung „2 Minuten 2 Millionen“ bei Puls4 geschafft, die durchaus vergleichbar ist mit „Die Höhle der Löwen“ auf Vox. Ein Deal kam indes nicht zustande. Aber die Jungunternehmerinnen sind offensichtlich zuversichtlich, weitere Geldgeber für ihre Expansion nach Deutschland zu finden.

Die Wiener sind indes nicht die einzigen, die sich Gedanken machen über die Babyboomer und ihrem Wunsch, wenigstens zeitweise und in Teilzeit zu arbeiten. In Frankfurter gibt es das Online-Netzwerk für erfahrene Fach- und Führungskräfte MASTERhora. Die Frankfurter sind aber nicht explizit für Rentner da, sondern für die Generation 50plus.

Im österreichischen Bodensdorf hat sich der Verein Unruhestandaktiv gegründet, der die Generationensolidarität in Wirtschaft und Gesellschaft fördert, multikulturelle Generationentreffpunkte organisiert und Spiel-, Lern-, und Werkräumen sowie Kooperationen organisiert.

Foto: WisR




Frauen sind im Alter arm dran – ärmer als Männer

Beim Ruhestandsgeld klafft weiter eine Lücke zwischen Frauen und Männern. Sie wird zwar langsam kleiner, weil mehr Frauen erwerbstätig sind und Erziehungszeiten besser anerkannt werden, aber so richtig befriedigen kann das nicht.

Wenn westdeutsche Frauen ihren Rentenbescheid anschauen, muss ihnen schlecht werden, denn da stehen im Schnitt kaum mehr als 600 Euro und ein paar Zerquetschte drauf. Westdeutsche Männer bekommen hingegen im Schnitt 1078 Euro und damit deutlich mehr. Die Lücke bei den Renten der Vertreter beider Geschlechter ist gewaltig. Ostdeutsche haben’s besser, vor allem ostdeutsche Frauen, denn sie bekommen im Schnitt wohlgemerkt 894 Euro, ostdeutsche Männer 1171 Euro.

In der ehemaligen DDR war das System der Kindergärten und Horte deutlich besser ausgebaut als in Westdeutschland, weswegen ostdeutsche Frauen durchgehend arbeiten konnte. Zudem war Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland bis zur Wende nahezu unbekannt. Das heißt, viele ostdeutsche Frauen können bis dahin eine durchgehende Erwerbsbiografie vorweisen.

Frauen bekommen 606 Euro, Männer 1087

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat sich die Unterschiede bei den Ruhegeldern einmal vorgenommen und errechnete, dass Frauen 2014 durchschnittlich 618 Euro, Männer 1037 Euro gesetzliche Renten bekommen. Bei den Betriebsrenten sei die Differenz sogar noch eklatanter. So bekämen Männer 2011 im Schnitt mit 574 Euro fast dreimal so viel Geld wie Frauen. Für 2015 hat die Stiftung ein „Gender Pension Gap“ von 53 Prozent errechnet. Seitdem hat sich kaum etwas verändert, denn auch heute sind die Unterschiede immer noch eklatant.

Gesetzliche und private Rente addiert, sind es bei Frauen nur 43 Prozent der Altersbezüge wie bei Männern. Die Unterschiede haben sich der Studie zufolge seit Anfang der 90er-Jahre zwar angeglichen, aber so richtig befriedigen kann das niemand.

Wer hat schuld an dieser Diskrepanz?

Wer oder was trägt Schuld an dieser Diskrepanz: Die mangelnde Vereinbarkeit von Kindererziehung und Arbeit. Mal ehrlich, meist bleibt die Kindererziehung doch bei den Frauen hängen – und damit sind sie später im Rentenalter die Gekniffenen. Denn ihnen fehlen Beitragszeiten, obwohl sie etwas für die Rentenversicherungen getan haben, nämlich das Heranziehen künftiger Beitragszahler.

Knapp zusammengefasst heißt das:

  • Lücken in der Erwerbsbiografie: Frauen waren häufig nicht durchgängig berufstätig
  • oft nur Teilzeit: Frauen arbeiten häufig nur Teilzeit
  • Niedriglohn: Frauen tendieren zu Berufen (sozialer Bereich, Dienstleistung), in denen sie weniger verdienen
  • Öfter mal Pausen: Kinder zu betreuen, verlangt Präsenz und das lsst sich nur schwer mit dem Job vereinbaren
  • Minijobs: häufig nutzen Frauen Minijobs ohne Rentenversicherung

Frauen weltweit schlechter versorgt

Übrigens, die „geschlechtsbezogene Ungleichheit in der Alterssicherung ist keine deutsche Besonderheit, wenngleich die Situation in Deutschland im europäischen Vergleich besonders ungünstig ist“, so das Institut der Hans-Böckler-Stiftung.

Am 8. März 2019 ist Frauentag – und in Berlin sogar ein Feiertag, den es einst auch in der DDR gab. Die Berliner haben den Frauentag vor allem eingeführt, weil sie sonst so wenige Feiertage haben. Bayern beispielsweise hat 13 Feiertag, die Augsburger sogar noch einen mehr. Wer in erfunden hat, darüber streiten sich Deutsche und Amerikaner. Denn bereits 1909 haben gab es einen Frauentag in den USA. 1910 schlug die deutsche Sozialistin Clara Zetkin auf der Frauenkonferenz in Kopenhagen die Einführung eines entsprechenden Gedenktags vor.

Am 18. März 2019 gibt es dann den Equal Pay Day. Der Equal Pay Day (EPD) ist so etwas Ähnliches wie der Steuerzahlergedenktag, denn bis dahin arbeiten Frauen umsonst (im Vergleich zu Männer, die mehr verdienen). 2018 war der Equal Pay Day übrigens am 19. März, das heißt, es hat sich in punkto Gender Pay Gap kam etwas verändert.




Heute Niedriglohn – morgen magere Rente

Niedriglohn und Altersarmut sind mittlerweile Dauerthema. Schon im April 2016 nahm sich Anne Will des Themas an, heute wieder. Trotz Beschäftigungsboom droht Geringverdienern im Alter eine Rente nur knapp über Sozialhilfeniveau oder sogar darunter. Nur was passiert, um das zu ändern?

„Niedriger Lohn, magere Rente – was ist uns Arbeit wert?“ – so ähnlich hieß der Titel bereits 2016, den Anne Will in ihrer Sendung diskutieren ließ. Irgendwie einfallslos, oder? Verändert hat sich seitdem nicht viel. Anne Will lädt auch fast wieder die gleichen Leute ein – mit Malu Dreyer, eine SPD-Politikerin, mit Mike Mohring, einen CDU-Politiker, mit Katrin Göring-Eckardt, jemand von den Grünen, mit Petra Vogel ist wieder jemand von der IG Bau dabei, dann natürlich jemand von den Familienunternehmern, dieses Mal Reinhold von Eben-Worlée und Guido Fahrendholz. Koordinator einer Notunterkunft für Obdachlose in Berlin. Es kommt dann auch wie erwartet. „Tichys Einblick“ ätzt, dass „die Veranstaltung über weite Strecken zäh war, wie ein Zusammenschnitt aus Sendungen der letzten Monate, auf die ein Dramaturg frech ‚Best of‘ gepappt hat“.

Millionen arbeiten für Niedriglohn

Auch die Einführung zum Talk liest sich so ähnlich wie damals: „Immer mehr Menschen in Deutschland brauchen einen Nebenjob, um über die Runden zu kommen; rund vier Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind im Niedriglohnsektor tätig … und schon heute leben fast jede fünfte Rentnerin und jeder fünfte Rentner in Altersarmut … die Große Koalition will das Problem mit einer sogenannten Grundrente lösen und die Lebensleistung der Menschen in Deutschland besser honorieren.“ Ja, was ist schief gelaufen in Deutschland, dass so viele Menschen von ihrem Erwerb nicht mehr leben können?

Warum läuft es anderswo besser?

Wer sich an Anne Will und 2016 erinnert, hat ein Déjà-Vu-Erlebnis. Wie wäre es denn, mal zu fragen, warum es in Nachbarländern wie Dänemark, Schweden oder den Niederlanden besser läuft? Wie wäre es denn, mal zu fragen, warum das Pensionsniveau hierzulande so viel höher ist als das Rentenniveau? Wie wäre es denn, mal zu fragen, warum es keine Erwerbstätigenpension gibt? Wie wäre es denn, mal zu fragen, was Altersarmut mit den Negativzinsen zu tun hat? Ganz richtig warf Petra Vogel den Parteien vor, wirkungslos herumzudoktern, dabei müsse das gesamte Rentensystem verändert werden. „Es müssen Beamte, es müssen Abgeordnete und es müssen auch Selbständige mit in die Kassen einzahlen“, so Vogel.

Wir drehen uns also im Kreis – und das aus den Rundfunkgebühren finanziert.

Anne Will lief übrigens am 3. März 2019 um 21.45 Uhr im Ersten. Die Sendung lässt sich in der Mediathek abrufen.




Urlaub vom Alltag in der Therme

Kaiser und Könige machen es, warum machen wir es nicht auch? Thermen. Gerade, wenn’s noch so richtig nass-kalt und trüb ist, kann ein Tag in der Therme aufheitern. Ganz abgesehen davon, dass uns so ein Tag richtig gut tut.

Wenn’s mal wieder zwickt und knirscht, wird es Zeit, in die Therme zu fahren und sich zu restituieren, sprich, sich wieder herzustellen. Da hilft ein Schwefel-, Selen, Lithium- oder Salzbad. Die Wirkung des Thermalwassers gegen Rücken- und Gelenkbeschwerden ist legendär, aber auch gegen Stress und Hautprobleme. Nach einem Tag in der Therme schlafen wir wohlig ein und fühlen uns am nächsten erquickt. Der Therme sei Dank.

Karl der Große und seine Therme

Das wussten schon Kaiser und Könige. Nicht von ungefähr hat Karl der Große seine Residenz in Aachen aufgeschlagen. In den letzten Jahren seines Lebens war er mehr im Thermalwasser als auf dem Thron.

Müde, matt und abgeschlagen – wer sich so richtig erschöpft fühlt, für den ist es Zeit, sich zu regenerieren, sonst wird aus Stress Burn-out. Schrothkuren und Kneipp-Anwendungen helfen, die innere Balance wiederzufinden. Wer Probleme mit der Lunge hat oder eine Allergie, der atmet in heilklimatischen Kurorten durch. Sole unterstützt die Abwehrkräfte, Inhalation befreit die Atemwege und beseitig den Juckreiz.

Thermen-Ranking als Orientierungshilfe

Wer welche Therme braucht, das muss jeder für sich eruieren. Welche öffentlich zugängliche Therme oder Saunalandschaft die beliebteste ist im ganzen Land, hat das Verbraucherportal Testberichte.de ermittelt – und ein Thermen-Ranking aufgelegt. Die Tester haben sich in diesem Jahr 486 (2018: 369) Wellness-Oasen vorgenommen. Sie verließen sich dabei auf insgesamt annähernd 370 000 Kundenmeinungen. Da dürfte die Auswahl doch deutlich erleichtern.

Top-1-Therme in Eibelstadt

Beliebteste Wellness-Oase Deutschlands ist mit 4,7 von 5 Sternen das MainSaunaLand im bayerischen Eibelstadt, Platz zwei belegt der Vorjahressieger Vabali in Berlin (4,6), gefolgt vom Vabali in Düsseldorf (4,6). Pluspunkte sammeln die Spitzenreiter für die Freundlichkeit des Personals, ihrer gepflegten, vielfältigen und sauberen Saunalandschaft sowie der guten Aufgüsse und des guten Essens.

Die Schlusslichter sind Thermen in Zinnowitz, Sellin und Hofheim. Hauptkritikpunkte der Besucher sind dem Test-Portal zufolge kaltes Wasser, hohe Preise, mangelnde Sauberkeit, zu viel Unruhe und Lautstärke durch viele Besucher, zu enge Umkleiden und nicht zuletzt ein schlechtes Gastronomieangebot.

Erstaunlich ist der große Preisunterschied, der von für zwei Stunden von 8,50 bis 50 Euro reicht.

Kneippen und Kultur

Ein Thermen-Besuch ist aber noch weit mehr. Viele Kurorte bieten ja noch prall gefüllten Veranstaltungskalender mit täglich attraktiven Konzerten, Bühnenshows, Tanz und Unterhaltung parat, dazu Wanderwege und sonstige Infrastruktur. Bad Wörishofen beispielsweise veranstaltet vom 4. bis 7. April seine Gesundheitstage, dabei geht es um „Healthy Aging mit Kneipp“. Erfolgsautor und Arzt Andreas Michalsen stellt sein Buch „Mit Ernährung heilen – besser essen, einfacher fasten, länger leben“ in Bad Wörishofen vor. Veranstaltungstipps und Wellness-Tipps lassen sich in der Bad Wörishofer Gästezeitung nachlesen. Übrigens bringen viele Kurorte mittlerweile ihre eigen Gästezeitung heraus – der Verlegergemeinschaft Deutsche Kur- und Freizeitmagazine listet mittlerweile 18 auf.

Wer sich grundsätzlich über Kuren – und im speziellen über Kuren in Bayern – informieren will, ist auf der Seite „Gesundes Bayern“ gut aufgehoben. Die Macher erklären, welche Kuren es wo in Bayern (insgesamt 42) gibt und zeigen mit einer Checkliste, wie jeder erfolgreich eine Kur beantragt.

Foto/Quelle : obs/Testberichte.de/Tramont_ana

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Challenge von Nadine Becker, die zu „28 Days of Blogging“ aufgerufen hat. Das heißt, 28 Tage im Februar jeden Tag einen Blog-Post zu schreiben. Alle Blogger, die mitmachen, verlinken ihre Beiträge auf Facebook in der Gruppe 28 Days of Blogging, bei Pinterest und Instagram. Bin selbst gespannt, ob ich das in letzter Konsequenz durchhalte.  Also, bleibt neugierig – wo immer ihr auch mitlest und haltet Ausschau nach #28daysofblogging .

Wer noch alles mitmacht bei #28DaysofBlogging:




Heil hat sich bei der Grundrente gründlich verrechnet

Gesundheitsminister Hubertus Heil hat sich bei seiner Grundrente gründlich verrechnet. Viele bringen es nicht auf 35 Beitragsjahre; eine Halbtagskraft stellt sich besser als eine Vollzeitkraft. Der Mischmasch aus Fürsorge- und Versicherungsprinzip produziert neue Ungerechtigkeiten.

„Wer ein Leben lang gearbeitet hat, muss im Alter mehr haben als jemand, der nie gearbeitet hat“, sagte Hubertus Heil, der Bundesminister für Arbeit und Soziales Ende Dezember 2018. Das soll nach Ansicht von Heil die Grundrente oder Respektrente garantieren. Klingt beim ersten Hinhören nachvollziehbar. Wer aber genau nachfragt, entdeckt ganze viele Ungerechtigkeit des SPD-Ministers. Denn Heil will auch der Unternehmersgattin eine Respektrente zahlen, egal wieviel ihr Mann verdient. Die Bedürftigkeitsprüfung empfindet Heil als anmaßend und despektierlich. Wer zu wenig Rentenpunkte hat, aber die 35 Jahre Beitragszeit zusammenbringt, wird automatisch hochgewertet werden.

Heil will noch mehr umverteilen

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hat sich den Grundrentenentwurf von Gesundheitsminister Hubertus Heil genau angesehen und dürfte einige in Staunen versetzen. 3,2 Millionen Bestandsrentner gehen laut DIA leer aus, weil sie die 35 Jahre nicht zusammenbringen. Manchmal fehle ihnen nur ein Jahr oder zwei Jahre. Das treffe vor allem 2,61 Millionen westdeutsche Frauen, denn sie seien zuhause gewesen und hätten sich um die Kinder gekümmert, weil es ja oft keinen Hortplatz gab – oder sie ihn sich nicht leisten konnten. Die meisten ostdeutschen Frauen kommen laut DIA auf mehr als 35 Beitragsjahr, nur 0,14 Millionen weisen weniger auf. Ostdeutsche Frauen hatten es besser, denn sie konnten ihre Kinder im Betriebskindergarten unterbringen und später im Hort. Die DDR war in dieser Beziehung besser organisiert als die BRD. Aber gerade sie haben weniger in die Rentenkasse eingezahlt, aus der jetzt die Renten überwiesen werden. Den Ost-West-Transfer müssen aber westdeutsche Frauen mitzahlen. Bei Männer ist die Differenz nicht ganz so krass, aber auch bei ihnen gibt es eine Schieflage zugunsten ostdeutscher Männern. Die Solidarleistungen von West nach Ost wurde bereits erbracht, aber das reicht Heil noch immer nicht.

Rentenpunkt ≠ Rentenpunkt

Wer 40 Jahre lang gearbeitet hat und durchschnittlich 0,3 Rentenpunkte aufweist, bekommt die Respektrente, wer 20 Jahre 0,6 Rentenpunkte vorweisen kann, bekommt sie nicht. Ist das gerecht? Beide haben aber rein rechnerisch gleich viel beitragsbezogene Leistung gezahlt. Noch deutlicher wird das beim Vergleich von Voll- und Teilzeit. Wer Vollzeit nur 34 Jahre zusammenbringt, stellt sich schlechter als jemand, der 35 Jahre Teilzeit gearbeitet hat, weil seine Rente aufgestockt wird. Wer 34 Jahre eingezahlt hat und wegen Erwerbsminderung vorzeitig in Rente gehen muss, steht sich schlechter, als jemand, der nur Teilzeit gearbeitet hat, dafür aber 35 Jahre lang.

Rentenentwurf voller Ungerechtigkeiten

Heils Rentenentwurf führe auch zu Ungleichbehandlungen in der Grundsicherung und damit zu einem Bruch mit dem Prinzip der Bedarfsgerechtigkeit, das der steuerfinanzierten Mindestsicherung zugrunde liege, so das DIA. Es kann passieren, dass die Respektrente nicht über das Niveau der Grundsicherung reiche, weil die Mieten in Deutschland unterschiedlich hoch sind. Das trifft gerade Menschen mit niedriger Rente in Großstädten wie München, Frankfurt und Hamburg. Und jetzt wird’s so richtig verquer: „Würden im Einzelfall Leistungen der Grundsicherung gewährt werden, dann dürften über die steuerfinanzierte Hilfe hinaus bis zu 106 Euro pro Monat von der ebenfalls aus Steuermitteln aufgestockten Grundrente behalten werden“, schreibt das DIA. De facto läge die materielle Absicherung damit beim Respektrentner über der eines vergleichbaren Ausgangsfalls, dem allein aufgrund fehlender Versicherungszeiten kein Freibetrag bei der Anrechnung eigener Einkommen zugebilligt würde.

Schuld an diesen Widersprüchen und Ungerechtigkeiten – Heil hat das Fürsorge- und das Äquivalenzprinzip vermischt.

Übrigens, weder Heil noch Finanzminister Olaf Scholz (SPD) wissen, was die Grundrente kostet.

scholz

scholz

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Challenge von Nadine Becker, die zu „28 Days of Blogging“ aufgerufen hat. Das heißt, 28 Tage im Februar jeden Tag einen Blog-Post zu schreiben. Alle Blogger, die mitmachen, verlinken ihre Beiträge auf Facebook in der Gruppe 28 Days of Blogging, bei Pinterest und Instagram. Bin selbst gespannt, ob ich das in letzter Konsequenz durchhalte.  Also, bleibt neugierig – wo immer ihr auch mitlest und haltet Ausschau nach #28daysofblogging .

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Wie werde ich gesund 100 Jahre alt?

Wer weiß, vielleicht wirst auch du 100 Jahre alt. Die Chancen stehen gut. In Deutschland sind mehr als 17 000 Menschen so alt und älter. Was wir von ihnen lernen können.

Steinalt & Kerngesund - 100 Jahre erfüllt leben

Steinalt & Kerngesund

„Wie können wir dem Leben mehr Jahre und den Jahren mehr Leben geben?“, diese Frage stellt sich der Gesundheitsphilosoph Marcus Lauk. Gute Frage. Ja, wie? Warum nicht mal die Hundertjährigen selbst nach ihrer Methusalem-Formel fragen. Lauk hat es getan und seine Erkenntnisse im Buch „Steinalt & Kerngesund – 100 Jahre erfüllt leben“ zusammengefasst. Ihn faszinierte die Frage, wie wir möglichst lange gesund und gleichzeitig erfüllt leben. Er bereiste dazu die vier Langlebigkeitsregionen der Erde: Loma Linda in Kalifornien, Sardinien in Italien, Ikaria in Griechenland und Okinawa in Japan. Es gibt aber noch mehr Orte in der „blauen“ Zone, sprich in den Regionen mit besonders vielen Hundertjährigen. Dazu gehören auch die Halbinsel Nicoya in Costa Rica, Vilcabamba in Ecuador und das  italienische Bergdorf Campodimele, wo es sogar eine Enoteca La Longevita gibt. Der Vorruhestandscoach Wolfgang Schiele hat Sardinien besucht und war „überrascht von der Weltgewandtheit und Offenheit der Einwohner“ – und von der Kunst der Sarden, gesund alt zu werden. Seine Eindrücke hat auf seinem Blog spaetefreiheitruhestand in Bildern festgehalten.

Neben Sardinien ist vor allem Japan interessant, denn unter den 120 Millionen Japanern sind annähernd 70 000 Hundertjährig, unter den 82 Millionen Deutschen sind es „nur“ 17 000, im Jahr 2000 waren es sogar nur 7200. Das heißt, Japan hat uns in diesem Punkt etwas voraus. Aber was? Was auffällt, in allen diesen Suprager-Hotspots – die Langlebigen schwören auf gemüse- und fischlastige Ernährung, sie sind bis ins hohe Alter aktiv, bleiben geistig rege und sind mit sich und ihrem Umfeld zufrieden.

Wie viele haben 110 Jahre erreicht?

LandGestorben mit 110 und älterEinwohner in Mio
USA340325
Japan77127
Frankreich4867
Italien3660
Spanien2746
Deutschland1582
Schweden910
Norwegen85
Quelle: International Database on Longevity

Auch in den USA gibt es viele Hochbetagte. Deutschland schneidet bei Langlebigkeit eher schlechter ab. 

Natürlich spielen auch die Gene eine Rolle, aber vielleicht weniger als wir allgemein glauben. Die verschiedenen Altersexperten schätzen ihren Einfluss vielleicht auf 25 bis 30 Prozent. Das heißt umgekehrt, zu zwei Drittel bis drei Viertel sind wir selbst daran schuld, wenn wir nicht gesund alt werden. Lebenswandel und Lebensumstände spielen die Hauptrolle. Das schließt das Essen ein, die Bewegung, unsere Einstellung und unsere Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, wofür das schöne Wort Resilienz steht.

Resilienz fördert das Altwerden

Zufriedenheit, Erfüllung und Selbstwirksamkeit spielen eine große Rolle dafür, dass wir lang und gesund leben, wie die Heidelberger Hundertjährigen-Studien – die Wissenschaftler befragten rund hundert Hundertjährige. Und immer wieder betonen Hundertjährige, wie wichtig ist, nicht alles bierernst zu nehmen. Widerstandskraft oder Resilienz spielen als eine ganz wichtige Rolle dafür, wie wir alt werden. Optimisten sind klar im Vorteil. Es zeigt sich immer wieder, dass es auf die Einstellung zum Leben ankommt – dabei ist weniger entscheidend, ob es eher bescheidene Verhältnisse sind, in denen ein Hochbetagter lebt.

100 Jahre Lebensglück

100 Jahre Lebensglück

Gibt es irgendetwas, das wir tun können, um zu dieser wohlwollende Einstellung zu kommen und widerstandsfähig zu werden gegen die Unbill des Lebens?  Wenn sich die Umstände zum Negativen verändern, müssen wir uns anpassen und uns an dem freuen, was wir haben. Mehr auf den Weg zu achten als auf das Ziel. Klingt einfacher als es ist. Das Tun wird wichtiger als das Erreichen. Wichtig ist auch, sich auf das zu konzentrieren, was uns Spaß macht und was uns wirklich wichtig ist. Das heißt, wir müssen Haus halten mit unserer verbleibenden Kraft.  Das schafft innere Freiheit.

Regeln, um gesund 100 werden

  • Zuversicht

Hochbetagte sind zukunftsorientiert und konzentrieren sich auf die schönen Dinge im Leben und ignorieren, was nicht mehr geht mit 100. Tipp: Auf die eigenen Fähigkeiten achten und auf die Selbstheilungskräfte vertrauen. Wer gelassener durchs Leben geht, ist stressresistenter, wird seltener krank und lebt länger.

  • Zufriedenheit

Komisch, einige der Hochbetagten stammen aus eher armen Gegenden. Sie sind mit dem zufrieden, was sie haben und wissen das auch zu schätzen. Tipp: Wer zufrieden ist, lebt länger.

  • Mäßigung

Das Kochbuch der 100-Jährigen

Das Kochbuch der 100-Jährigen

Weniger ist mehr – das gilt auch fürs Essen. Sich den Bauch zu schlagen, schadet auf Dauer. Tipp: Gemäßigtes Hungern hilft anscheinend, das Altern zu verlangsamen, das zeigt sich am besten bei den Bewohner der japanischen Insel Okinawa, unter denen es viele Hochbetagte gibt. Sie haben sich eine spezielle Regel auferlegt, das so genannte „Hara hachi Bu“: „Der Magen soll bestenfalls zu 80 Prozent gefüllt werden – ein sublimes Hungergefühl gehört also auf Okinawa zur Esstradition“, schreibt FOCUS-Online.

  • Sozialkontakte

Wir müssen uns um unser soziales Netz kümmern – das schließt die Familie ein, Nachbarn, Freunde, Gleichgesinnte. Hier ein Plausch, dort ein angeregtes Gespräch, ein Vortrag in der Volkshochschule, ein Diskussionsabend und Familienfest, das gibt uns Halt. Tipp: Einsamkeit verkürzt das Leben, Geselligkeit verlängert es.

  • Lebenssinn

Klingt hochgestochen, heißt aber schlicht, das Gefühl pflegen, etwas zu haben, wofür es sich lohnt, am Morgen aufzustehen. Die Japaner sagen dazu „Ikigai“, das japanische Wort für Lebenssinn. Dabei geht es darum, den eigenen Träumen zu folgen, statt zu versuchen, den Erwartungen Anderer zu entsprechen. Tipp: Ich bin ich – und das gern. Wer mehr über Ikigai wissen will, liest Bettina Lemkes Buch „Ikigai – der Sinn des Lebens im Alltag finden“.

  • Bewegung

Couch-Potatoes leben kürzer – wer sich nicht bewegt, muss sich nicht wundern, wenn er im Alter Probleme bekommt. Die Hochbetagten in der Blue Zone bewegen sich alle, ob in Okinawa, Ikaria oder Campodimele. Tipp: Wie wäre es denn mit einem Fitnesstracker? Der gibt uns einen Stubs, wenn wir mal wieder zu lange sitzen. Eine Mitgliedschaft im ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) kann auch nicht schaden – oder in einem Sportverein.

  • Rituale

Der Mensch braucht Rituale, egal ob im Alter oder in jungen Jahren. Sie strukturieren den Alltag. Nicht ungefähr werden Japaner im Schnitt besonders alt. Sie haben Rituale verinnerlicht. Es ist aber noch mehr als das, auch die vertraute Umgebung gibt uns Halt. Heimatverbundenheit hilft. Viele der Hochbetagten sind ihrem Ort oder ihrer Regionen treu geblieben. Tipp: Wenn schon Ortswechsel, dann alten Freundschaften pflegen. Dumm, wer geringschätzig auf seine alte Heimat schaut.

Quelle: „Guter Rat“ (12/2016)

10 Gebote fürLanglebigkeit

Panayiotis Mallis, Vice Chairman der Cyprus Adult Education Association (CAEA) glaubt, zehn Denk- und Verhaltensweisen gefunden zu haben, die einem helfen, mental und körperlich möglichst lang fit zu bleiben. Mallis weiß, wovon er redet: Er ist 83 Jahre alt. Der Zypriot nennt es

Seine Tipps für ein langes, gesundes Leben:

Strong appetite. Damit meint er nicht, immer kräftig zu essen, sondern sich angemessen zu ernähren. Das heißt, möglichst auf Fastfood zu verzichten.

Firm will. Ein fester Wille. Das Gegenteil ist Wankelmut, sich gern vom eigenen Weg abbringen zu lassen.

Continous battle against indifference. Beständiger Kampf gegen Gleichgültigkeit und Desinteresse. Begeisterungsfähigkeit und Schaffensfreude. Wer für etwas Feuer fängt, vergisst seine Zipperlein.

Unlimited patience. Ausdauer, Geduld und Beharrlichkeit – drei Wörter, die am besten ausdrücken, was damit gemeint ist.

Enthusiam. Sich für etwas begeistern.

Self control. Diese Geisteshaltung dürfte sich mit Selbstbeherrschung am besten umschreiben lassen.

Discreet lenience. Damit ist dezente und taktvolle Nachsicht mit den Fehlern Anderer gemeint. Das heißt nicht, zu allem Ja und Amen zu sagen, sondern dem Anderen respektvoll und nachsichtig auf einen Fehler hinzuweisen.

Always humour. Seinen Humor nicht zu verlieren, auch in schwierigen Situationen. Mit Humor lässt sich vieles leichter ertragen.

Ability to disentangle complications. Disentangle steht für „entflechten“. Gemeint ist damit, schwierige Situationen zu vereinfachen, genau zu hinterfragen, worin das wirkliche Problem besteht.

Skill to live alone. Die Fähigkeit, auch allein zurecht zu kommen. Im Leben kommt es vor, dass jemand allein dasteht, auch wenn es anders geplant war. Einige kommen mit der Situation gar nicht zurecht, andere nur schlecht. Jeder sollte darauf vorbereitet sein und es sich zumindest vorstellen, besser noch, es einzuüben.

Letztlich geht es darum, lebendig, neugierig und aufmerksam zu bleiben und den Kontakt zu suchen. Gesundes Essen, ausreichender Schlaf und angemessener Sport tragen sicher das Übrige dazu bei. Seine Tipps decken sich in etwa mit den Tipps

7 Tipps „Langweiler leben länger“

Ein Mann ist keine Altersvorsorge Helma Sick

Jörg Zittlau

Was verlängert unser Leben? Jörg Zittlau zitiert den österreichischen Arzt und Philosophen Ernst Freiherr von Feuchtersleben mit den Worten: „Das ganze Geheimnis, sein Leben zu verlängern, besteht darin, es nicht zu verkürzen“. Zittlau schlägt in seinen Buch „Langweiler leben länger“ vor:

 

 

  1. „Seien Sie nett zu sich – dann wird sich auch etwas verändern“
  2. „Seien Sie ehrlich zu sich – denn sonst kann sich nichts ändern“
  3. „Trainieren Sie Ihre Disziplin – aber in kleinen Portionen“
  4. „Hören Sie niemals auf, diszipliniert zu sein“
  5. „Weniger Dinge – mehr erleben“
  6. „Befreien Sie sich von der Tyrannei des Glücks“
  7. „Seien Sie ohne Hoffnung“

Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor, oder? Einige der Tipps gleich sich und drücken das gleiche nur in anderen Worten aus.

 
Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Challenge von Nadine Becker, die zu „28 Days of Blogging“ aufgerufen hat. Das heißt, 28 Tage im Februar jeden Tag einen Blog-Post zu schreiben. Alle Blogger, die mitmachen, verlinken ihre Beiträge auf Facebook in der Gruppe 28 Days of Blogging, bei Pinterest und Instagram. Bin selbst gespannt, ob ich das in letzter Konsequenz durchhalte.  Also, bleibt neugierig – wo immer ihr auch mitlest und haltet Ausschau nach #28daysofblogging .

Wer noch alles mitmacht bei #28DaysofBlogging:




Wieviel Untertan steckt noch in uns Bürgern?

Verdun und Ingolstadt haben eines gemeinsam – eine Dauerausstellung zum Ersten Weltkrieg. Wer durch die Reduit Tilly in Ingolstadt schlendert, ist erstaunt, was aus uns in hundert Jahren geworden ist. Aber die Obrigkeitshörigkeit haben wir Untertanen teilweise immer noch nicht abgelegt. Wie viel Untertan steckt in uns?

Die bayerische Armee gibt es nicht mehr, aber das Bayerische Armeemuseum“. Das Museum ist an sich schon sehenswert, noch packender ist aber die Dauerausstellung zum Ersten Weltkrieg. Wer begreifen will, wie wir Deutschen wurden was wir sind, fährt nach Ingolstadt und geht ins Reduit Tilly. „Das Reduit Tilly ist ein Festungsbau aus dem 19. Jahrhundert“, schreibt das Faltblatt zur Ausstellung. Dort, wo heute Bilder, Plakate und Gasmasken hängen, standen früher Kanonen. Heute schlendert der Besucher von Raum zu Raum, vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, von Militär und Tradition, von Kriegsausbruch und Westfront, von Schützengraben und Materialschlacht, von Kolonien und Niederlage, von Geldentwertung und Revolution. Der Erste Weltkrieg bereitete den Zweiten vor.

Vom Untertan zum Revolutionär

Die Weimarer Republik trug von Anfang an das Scheitern in sich. Die Knebelung der Siegermächte waren die Ursache für Hunger und Unruhen. Marodierende Soldaten, die nach dem Krieg nicht mehr wussten wohin, organisierten sich in Freikorps und in Soldatenräte. Anarchie und Chaos, Hunger und Elend begleitete die Republik. Die Deutschen sehnten sich nach einem starken Mann, denn sie mit Hitler bekamen – anders, als sie sich das vorgestellt hatten.

Wer die Exponaten in der Reduit auf sich wirken lässt, begreift, wie es zum Ersten Weltkrieg und in der Folge zum Zweiten kam. Für uns heute ist das kaum vorstellbar, aber die Ausstellung dröselt die Fäden auf.

Obrigkeitshörigkeit und Patriotismus

Jedes Mal wieder war es Kadavergehorsam und Obrigkeitshörigkeit, die Selbstgefälligkeit der monarchischen Kräfte, das Untertanentum der Deutschen, die sich von einem Kaiser und einem Gröfaz – dem größten Führer aller Zeiten – vor den Karren spannen lassen. Nur wenige begehrten auf, zu wenige. Die Revolten während der Räterepublik vor hundert Jahren blieben nur eine Episode in der Geschichte. Davor und danach waren die Deutschen wieder brave Untertanen.

Für beide war es ein Leichtes, den Krieg  zum „Stahlbad“ zu verklären, „das wohltätig die Kräfte der Völker vor Erschlaffung bewahre“. Erschreckend die Begeisterung, mit der junge Männer in den Krieg zogen.

Wer die Reduit verlässt, weiß, warum das nie wieder passieren darf. Die Ausstellung ist Mahnung und Erinnerung, was Kriege anrichten.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Challenge von Nadine Becker, die zu „28 Days of Blogging“ aufgerufen hat. Das heißt, 28 Tage im Februar jeden Tag einen Blog-Post zu schreiben. Alle Blogger, die mitmachen, verlinken ihre Beiträge auf Facebook in der Gruppe 28 Days of Blogging, bei Pinterest und Instagram. Bin selbst gespannt, ob ich das in letzter Konsequenz durchhalte.  Also, bleibt neugierig – wo immer ihr auch mitlest und haltet Ausschau nach #28daysofblogging .

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Was wir von den Niederlanden lernen können

Anders als die Deutschen setzen auch die Niederländer, wie die Schweden und Norwegern auf den Kapitalmarkt für die Altersvorsorge. Die Niederländer brauchen deswegen vor Altersarmut auch keine Angst haben. Was wir von den Niederlanden lernen können.

An sich ist das niederländische Rentensystem auch nicht anders aufgebaut als das deutsche: Es ruht theoretisch auf drei Säulen – dem Allgemeinen Rentenversicherungsgesetz (AOW), einer Betriebsrente und privater Altersvorsorge.

Das war’s aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn, wer in den Niederlanden wohnt oder arbeitet, ist nach dem Allgemeinen Rentenversicherungsgesetz (Algemene Ouderdomswet, AOW) versichert.  Wer das AOW-fähige Alter erreicht hat, hat Anspruch auf eine entsprechende Rente. Sie ist nicht mehr als ein Grundeinkommen und deckt das Existenzminimum ab.

Rentenalter auf 66 Jahre angehoben

Anfang 2018 wurde das Renteneintrittsalter auf 66 Jahre angehoben, 2021 wird es weiter auf 67 angehoben und ab 2022 erhöht sich das Renteneintrittsalter dann schrittweise um drei Monate pro Jahr entsprechend der höheren Lebenserwartung. Wer also, wie ich, am 1. März 1954 geboren wurde, kann in den Niederlande erst mit 66 plus acht Monate in Renten gehen, wenn er den vollen AOW-Satz bekommen will. Die Grundrente entspricht etwa 70 Prozent des gesetzlichen Mindestlohns plus Urlaubsgeld. Der Mindestlohn betrug 2018 rund 1595 Euro (70 % = 1116).

Von den Niederlanden lernen

In die AOW zahlt fast jeder ein – und zwar 17,9 Prozent des Einkommens. Die Bemessungsgrenze liegt bei 33 791 Euro (2017). Das Geld wird vom Arbeitgeber abgeführt.

Mit der umlagefinanzierten Grundrente kann niemand große Sprünge machen. Aber es gibt ja noch die kapitalgedeckten Pensionsfonds. Was es damit auf sich hat? Rund 90 Prozent der Holländer haben eine Zusatzrente aus einer der annähernd 400 Pensionsfonds. Selbstständige ohne Beschäftigte sind meist nicht drin. Jeder kann sich jederzeit über den Stand seiner Rentenansprüche online auf der Webseite MijinPensioenoverzicht.nl informieren.

Rentenniveau von 70 Prozent

Dank AOW plus Betriebsrente kommen die Holländer im Ruhestand auf ein Einkommen von 70 Prozent des Durchschnittsgehalts (bezogen auf die gesamte Berufsphase). 70 Prozent Altersvorsorge-Niveau ist doch deutlich höher als 48 Prozent Rentenniveau wie in Deutschland. In der Regel zahlt der Arbeitgeber zwei Drittel zur Betriebsrente, der Arbeitnehmer ein Drittel.

Die niederländischen Pensionsfonds legen auf dem Kapitalmarkt an, deswegen können in einzelnen Jahren durchaus negative Renditen herauskommen. Der „Zorg & Welzijn“ Pensionsfonds beispielsweise weist für 2018 einen Verlust von 0,4 Prozent aus, aber 2017 kam er auf 5,1 Prozent Rendite, 2016 auf zwölf Prozent, 2015 auf ein Minus von 0,1 Prozent, 2014 auf 15,5 Prozent, 2013 auf 3,7 Prozent, 2012 auf 13,4 Prozent und 2011 auf 8,4 Prozent. insgesamt kann sich das sehen lassen.  „Zorg & Welzijn“ ist vor allem für den Gesundheitssektor tätig. Wie die anderen Pensionsfonds setzt auch „Zorg & Welzijn“ auf den Kapitalmarkt – und das weltweit. Die Aufsicht der Fonds liegt bei der Niederländischen Zentralbank DNB und nicht dem Staat.

Mehr Infos zum niederländischen Rentensystem:

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über Rentensysteme im Ausland. Bislang sind Beiträge erschienen über:

 

  • schweden   Schweden Anders als die Deutschen setzen auch die Schweden auf den Kapitalmarkt für die Altersvorsorge – und fahren deutlich besser als wir Deutsche.

 

 

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Wie viel Koran verträgt Deutschland?

Wer Thilo Sarrazins Buch „Feindliche Übernahme“ liest, sollte vorher den „Chronist“ gelesen haben, um zu begreifen, was Religion aus Menschen macht. Vor gut tausend Jahren starteten Katholiken ihren Kreuzzug gegen den Koran und gegen Moslems, weil sie sich auf Gottes Wille beriefen.

Am 27. November 1095 brandete der Ruf „Deos lo vult“ („Gott will es“) durch die Menge, die sich auf freiem Feld vor den Stadttoren des französischen Clermonts um Papst Urban II versammelt hatten. „Brecht auf, um die Schmach, welche die Heiden (gemeint sind die Moslems) über unsere Brüder gebracht haben, zu tilgen“, stachelte Urban die Menge an. „Jeder sollte zu diesem guten Werk aufbrechen und diese abscheuliche Rasse vernichten, die es gewagt hat, sich gegen Gottes Willen aufzulehnen“, schreibt Matthias Wenzel in seinem Buch „Chronist“. Und wer sich aufmache, dem versprach der Papst die Vergebung seiner Sünden. „Den Kämpfern im Namen Christi soll ewiges Leben im Reich Gottes zuteilwerden“, so Urban in Wenzels Buch. Ob es so war, wissen wir nicht, aber wir kennen die Folgen Urbans Aufruf zum Kreuzzug.

Komisch, Urban hat sich einfach über das fünfte Gebot – „Du sollst nicht töten“ – hinweggesetzt. Urban hat Gottes Wille nach seinem Gutdünken missbraucht mit verheerenden Folgen. Wem kommt das bekannt vor? Diese Missdeutung war beileibe kein Einzelfall in der Geschichte der katholischen Kirche. Gemordet wurde auch später in Gottes Namen. Christen sind indes nicht die einzigen, die Gottes Wille vorschieben, wenn es darum geht, Andersgläubige mit dem Verweis auf Gottes Wille umzubringen. Das haben Moslems ebenfalls Jahrhunderte lang bewiesen.

Gott will es – wirklich?

Der Aufruf eines Papstes dürfte heute schwerlich eine auch nur ähnliche Euphorie auslösen wie vor gut tausend Jahren. Im Islam sieht das jedoch anders aus. Gott wird vorgeschoben, wenn es darum geht, andere umzubringen. Auch der Satz ist fast der gleiche „Inschallah“ heißt fast das gleiche wie „Deos lo vult“ – „wenn Gott will“ steht im Koran, „Gott will es“ gab Urban aus, um die Gräuel des ersten Kreuzzugs zu rechtfertigen.

Koran vom Alten Testament inspiriert

Die Bibel besteht aus zwei Teilen: dem Alten und dem Neuen Testament. Im Alten Testament geht es ziemlich skrupellos zu. Da heißt es beispielsweise, „wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll durch die Menschen vergossen werden“. Mit anderen Geschöpfen ist das Alte Testament nicht sonderlich zimperlich. Da heißt es, „Furcht vor euch und Schrecken sei bei allen Erdentieren … in eure Hand sind sie gegeben“. Das alttestametarische Gedankengut hat sich bis in die Jetztzeit erhalten. Männliche Küken werden als Shredderware angesehen und Schweine sind für uns nur Fleischlieferanten. Trotz 30 Jahre Religionskrieg, trotz Aufklärung und Französischer Revolution mit ihrer Trennung zwischen Staat und Kirche hat sich diese alttestamentarische Einstellung bis heute nur marginal geändert. Übrigens, wir zahlen alle immer noch für die Bischöfe der katholischen Kirche, ob wir Atheisten sind oder Moslems.

Mohammed hat sich vom Alten Testament inspirieren lassen. Ganze Passagen des Koran ähneln dem Alten Testament – mit Ausnahme der Beschneidung. Im Koran steht explizit: „Er schuf die Himmel und die Erde in gerechter Weise und Er gestaltete euch und machte eure Gestalt schön und zu Ihm ist die Heimkehr.“ (Koran 64:3). Aber weil für viele Imame und Moslems die Beschneidung zur kulturellen Identität gehört, werden Jungs, vor allem türkische, im Alter zwischen sechs und 14 Jahren beschnitten. Wenn Gott es wirklich so wollte, hätte er Jungs ohne Vorhaut auf die Welt kommen lassen. Inschallah.

Wie religionsemanzipiert sind wir?

Thilo Sarrazin Feindliche Übernahme

Thilo Sarrazin – Feindliche Übernahme

Gut, dass die Deutschen nicht mehr ganz so bibeltreu sind, sonst müssten die Knäblein auch ans Messer. Auch von anderen gewaltsamen biblischen Vorgaben im Alten Testament, das an rund tausend Stellen von Tod und Verderbnis predigt, haben wir uns hierzulande emanzipiert. Wer Sarrazins Buch „Feindliche Übernahme“ liest, sollte das im Hinterkopf behalten. Aber zur Frage: Wie viel Koran verträgt Deutschland? Und darum geht es letztlich. Wer den Koran ernst nimmt, muss zwangsläufig mit dem Grundgesetz in Konflikt geraten. Das hat Sarrazin erkannt und ein Buch darüber geschrieben. Ist es wirklich so, dass Koran-Gläubige die deutsche Gesellschaft übernehmen – oder übertreibt er damit maßlos? Schon vor dem Erscheinen im August 2018 wurde sein Werk zum Skandal erklärt. Ist sein Buch ein Skandal? Oder deckt Sarrazin eine Entwicklung auf, die sich unter der Oberfläche abspielt und die deshalb nicht wahrgenommen wird?

Wer kann den Koran verstehen?

Sarrazin hat den „Koran in der Übersetzung von Rudi Paret von der ersten bis zur letzten Zeile“ gelesen und sich mit den Suren und Versen auseinandergesetzt. Kann er den Koran als nicht Nicht-Koran-Gelehrter überhaupt verstehen – so wie auch nur Urban dazu befähigt war, die Bibel auszulegen? Urban war sicher bibel-fest und hat sich trotzdem über das fünfte Gebot hinweggesetzt, weil er mit dem Kreuzzug seine Zwecke verfolgte und sich um Gottes Gebote einen Dreck scherte. Warum sollten Imame nicht ähnlich denken und agieren wie Urban? Imame in den Ditib-Moscheen (Diyanet İşleri Türk İslam Birliği), sprich der Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V., werden kaum das Grundgesetz lobpreisen und die Trennung von Staat und Religion fordern, wie es die Franzosen mit dem Schlachtruf „Liberté, Égalité, Fraternité“ (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) in einer blutigen Revolution erkämpft und auch hierzulande die Säkularisation eingeleitet haben, auf die wir viel halten.

Ebenso wie das Alte Testament gibt der Koran klare Handlungsanweisung für den Alltag der Gläubigen – und die sind alles andere als Grundgesetz-kompatibel. Sarrazin verweist auf Sure 4, Vers 34 des Koran: „Die Männer sind über den Frauen, weil Gott sie ausgezeichnet hat … und wenn ihr fürchtet, dass Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie“, übersetzt Paret. Hartmut Bobzin übersetzt die Sure 4, Vers 34 so: „Die aber, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet … und schlagt sie“. Daran sei auch nichts zu deuteln, so der emeritierte Professor für Islamwissenschaften der „Zeit“ gegenüber. Alle Versuche, das „Schlagen“ weg zu übersetzen, halte er für Taschenspielertricks und zerlegt den arabischen Satz wa-dribûhunna – in „und“, „schlagt!“ „sie“. So stehe es da, so sei es gemeint.

Gleichberechtigung eine Fremdwort

Hadraht Mirza Masroor Ahmad und Ahmadiyya Muslim Jamaat mildern das in ihrer Koran-Übersetzung etwas ab und schreiben von „straft sie“. Aber auch das hat mit Egalité nichts zu tun und mit der Würde des Menschen, die laut Artikel 1 des Grundrechts „unantastbar“ schon gleich gar nicht. Die Sure verstößt ferner gegen Artikel 3, der besagt, dass „alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, Männer und Frauen gleichberechtigt“ und „niemand darf wegen seines Geschlechts benachteiligt werden“. Wenn Männer Frauen strafen, wird das vom Koran gutgeheißen, umgekehrt nicht. Männer beruhigen ihr Gewissen, wenn sie Frauen schlagen, damit, dass der Koran ihnen ja das Recht dazu gebe, wie Malte Henk und Henning Sußebach in der „Zeit Online“ („Was steht da?“) schildern.

Auch beim Erben sind Frauen nicht gleichberechtigt, denn Sure 4, Vers 11 besagt laut Parets Übersetzung, dass einen Erben „männlichen Geschlechts gleichviel wie auf zwei weiblichen Geschlechts kommt“. Hadraht Mirza Masroor Ahmad und Ahmadiyya Muslim Jamaat schreiben in ihrer Übersetzung: „Ein Knabe hat so viel Anteil wie zwei Mädchen …“. Das sind jetzt nur zwei Beispiele aus dem Koran, die der Egalité, sprich der Gleichheit Hohn sprechen.

Grundgesetz kontra Koran

Sure 4, Vers 16 in der Übersetzung von Hadraht Mirza Masroor Ahmad und Ahmadiyya Muslim Jamaat verstößt ganz klar gegen Artikel 2, Satz 2 unseres Grundgesetzes, dass „das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit … Freiheit der Person“ als selbstverständlich ansieht. Das gilt ebenfalls für Sure 4, Vers 16, in der es heißt „und wenn welche von euren Frauen Unziemliches begehen, dann ruft vier von euch als Zeugen … bezeugen sie es, dann schließet sie in die Häuser ein, bis der Tod sie ereilt oder Allah ihnen einen Ausweg eröffnet“.  Dieben werden die Hände abgeschnitten wie in Sure 5:39 vom Koran gefordert – auch nicht gerade Grundgesetz-konform. Ehebrecher werden mit einhundert Streichen gegeißelt, so verlangt es Sure 24:3 – und das Ganze vor versammelter Mannschaft. Körperliche Unversehrtheit kennt der Koran nicht.

Fraternité, sprich Brüderlichkeit verbietet der Koran sogar, in dem er den Gläubigen in Sure 5:51 an Herz legt, „nicht die Juden und die Christen zu Freunden zu nehmen“. Juden und Christen – Atheisten sicher eingeschlossen – sind eben keine Brüder.

Sarrazin – und nicht nur er – hat mit seinem Buch eine Diskussion losgetreten, ob westlich Werte und muslimische Traditionen miteinander vereinbar sind. Was das Erb- und Strafrecht betrifft, sind Frauen Menschen zweiter Klasse.

Trennung zwischen Kirche und Staat

Sarrazin fürchtet, dass sich mit zunehmender Zuwanderung von Koran-Gläubigen nach Deutschland die Ansicht durchsetzt, das deutsche Grundgesetz müsse sich dem Koran anpassen, weil es im Koran „keine klare Unterscheidung zwischen religiösem und weltlichen Recht …“ gibt. In der Einleitung zu seinem Buch schildert er, was ihn umtrieb, dieses Buch zu schreiben. Es war vor allem die Frage, „inwieweit der Islam und die Einwanderung von Muslimen nach Europa eine Gefahr für die Zukunft der westlichen Gesellschaft und für unser Lebensmodell bildet“. Was ihn stört ist vor allem, dass „es nicht gut ist, wenn sich in der Gesellschaft Gruppen bilden, die ethnisch, religiös oder wirtschaftlich dauerhaft abgesondert sind und fast nur untereinander heiraten“. Er fordert deshalb in der Einleitung, Einwanderer „sollten integrationswillig sein; ihre Zahl so bemessen und ihre Zusammensetzung so gemischt sein, dass ich in Europa keine verfestigten ethnischen Untergruppen bilden“. Was aber wegen des Koran per se schwierig bis unmöglich ist. Deswegen wird Sarrazin angefeindet.

Ermordet wegen einer Karikatur

Anstoß für sein Buch sei auch der Angriff auf Islam-Kritiker gewesen, erinnert sei nur an Salman Rushdie, den dänischen Zeichner Kurt Westergaard, der Schriftstellerin Sabatina James, die zum Christentum konvertierte und seitdem von ihrer Familie bedroht wird, vom Publizisten Hamed Abdel-Samad („Integration. Ein Protokoll des Scheiterns), dem Sohn eines sunnitischen Imams, der Polizeischutz braucht und Seyran Ates, die Rechtsanwältin, die sich für einen zeitgemäßen Islam einsetzt und eine Moschee gegründet hat, erhält Morddrohungen und kann ohne Personenschutz nicht aus dem Haus. Erinnert sei an den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ Anfang 2015 mitten in Paris, bei dem 17 Menschen von radikalen Koran-Verfechtern ermordert wurden. Die Zeichner haben sich über Koran und Propheten Mohammed lustig gemacht und mussten dafür sterben. Gemeuchelt von Koran-Gläubigen. Das alles spielte und spielt sich wohlgemerkt nicht in der muslimisch-geprägten Welt ab, sondern in Europa.

Was steht da?

Islam ohne Koran ist nicht zu verstehen, deswegen beschäftigt sich Sarrazin gleich im ersten Kapitel damit. Seine Kritiker werfen ihm vor, er sei nicht in der Lage, den Koran zu interpretieren, geschweige denn, ihn auszulegen. Da sei wieder mal an Urban II erinnert, der sicher Bibel-Exeget war, aber die Bibel so auslegte, wie es ihm in den Kram passte. Was auf diese Exegese folgte, wissen wir ja. Sarrazin versucht, sich ein Bild vom Koran zu machen – und dabei greift er auf eine deutsche Übersetzung zurück. „Koran“ heißt übrigens wörtlich das „Sich-Ergeben“, „Sich-Unterwerfen“ unter den Willen Gottes. Er geht auf die Kernaussagen des Koran ein über Gott, Mohammed, Pflichten, Ungläubige, Auferstehung, Hölle, Paradies, Dschihad (Krieg gegen Ungläubige), Sklaverei, Sexualität, Frauen und Strafrecht. Sarrazin zitiert nur, ohne sich auf die Auslegung zu berufen, was ihm seine Kritiker vorwerfen.

In Kapital zwei geht Sarrazin auf die „islamische Staatenwelt von Arabien bis Indonesien“ ein im Hinblick auf demografisches und wirtschaftliches Gewicht, auf die Stellung in Wissenschaft und Technik, Stabilität, Demokratie, Krieg und Frieden.

In Kapital drei zeigt Sarrazin die „Problemzonen islamischer Gesellschaften“ auf in punkto Verhältnis der Geschlechter und die Rolle der Frau, Fundamentalismus und Terror.

In Kapitel vier untersucht Sarrazin „die Muslime in den Gesellschaften des Abendlandes“, Altersaufbau, Kriminalität, Parallelgesellschaften, Moscheegemeinden, Heiratsverhalten und Geburtenhäufigkeit.

Kapital fünf ist überschrieben mit „Was man tun muss“. Er warnt, in „Ehrfurcht vor der Religion den Islam vor Kritik zu schützen“ und fordert eine „Befreiung der Einwanderungspolitik von Ideologie und Wunschdenken“.

Bereitschaft zur Integration

Jeder kann zu Sarrazins Buch stehen wie er will, aber lesen wäre nicht schlecht. Er wird von vielen, auch von Teilen der Presse, verteufelt, weil er ausspricht, woran es Koran-Gläubigen teilweise mangelt – an der fehlenden Bereitschaft zur Integration. Die Religionsfreiheit wird Muslimen wie auch anderen Gläubigen im Grundgesetz explizit zugestanden. Wer an den Koran glaubt, kann seine Religion „in der Moschee und zu Hause frei ausüben und darf, außerhalb der regulären Arbeitszeit als abhängig Beschäftigter, fasten und beten, wie er möchte“, schreibt Sarrazin. Dem ist nichts hinzuzufügen. „Wer allerdings auf die optische Abgrenzung der Frauen durch Kopftuch und Schleier nicht verzichten möchte, wer an Verwandtenheiraten und …, wer nicht zulässt, dass die Töchter am Schwimmunterricht teilnehmen …, der ist in seinem Herkunftsland oder im Herkunftsland seiner Ahnen besser aufgehoben, und das sollte man auch unmissverständlich kommunizieren“ – harte Worte.

Einiges von dem, was er in seinem Buch anprangert, wird längst in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert, beispielsweise die zweifelhafte Finanzierung von Moscheevereinen oder die Sprache der Prediger, von denen bei weitem die meisten kaum oder kein Deutsch können.

Sarrazins Thesen provozieren

Wie sehr Sarrazin mit seinen Thesen aneckt, ist am wiederholten Versuch der SPD abzulesen, ihn loszuwerden und aus der Partei auszuschließen. Damit wird „seine“ Partei nicht verhindern können, dass sich immer mehr fragen, wie das denn ist mit dem Koran und dem Grundgesetz – was denn nun gilt. Eigentlich müsste doch klar sein, dass „in weltlichen Dingen der Staat über der Religion steht“, wie Sarrazin in seinem Buch schreibt. „Was er verbietet, hat Vorrang vor dem, was die Religion erlaubt; was er erlaubt, ist auch dann erlaubt, wenn es durch das religiöse Gesetz verboten ist“. Aber uneigentlich schleicht sich hierzulande Respektlosigkeit einiger ein gegenüber dem Grundgesetz, dessen uneingeschränkte Gültigkeit sie nicht länger akzeptieren. Das fängt bei muslimischen Jungs an, die ihre Lehrerin die Achtung verweigern, weil sie ja eine Frau ist und damit zweitrangig und hört bei prügelnden Ehemänner auf, die sich auf Sure 4, Vers 34 berufen. Mädchen, die sich im muslimischen Umfeld nicht an die vom Koran vorgegebene Kleiderordnung halten, werden als Schlampen oder ehrlos bezeichnet und auch so behandelt.

Sarrazins Buch ist schwer verdauliche Kost mit annähernd 500 Seiten, vielen Tabellen und Literaturhinweisen. Die Debatte um sein Werk ist zwar abgeflaut, die Probleme aber sind geblieben und werden eher noch wachsen. Eine Ahnung, was auf die westliche Gesellschaft noch zukommt, gibt auch das Buch „Inch’Allah“, in dem die beiden französischen Journalisten Fabrice Lhomme Gérard Davet von „Le Mond“ feststellen, dass in Frankreich die rigide Auslegung des Koran an Boden gewinnt und das Alltagsleben der Gläubigen bestimmt – im Gegensatz zu den Werten und Idealen der französischen Gesellschaft, die auf „Liberté, Egalité, Fraternité“ basieren und einer strikten Trennung von Staat und Religion. Noch handele es sich, schreibt die „Welt“ um „ein Randphänomen, aber eines, das voranschreite und deshalb ‚beängstigend‘ sei“. Die beiden Journalisten haben zusammen mit fünf Volontären viele Interviews im Problem-Département Seine-Saint-Denis nordöstlich von Paris geführt und in ihrem Buch „Inch’Allah“ zusammengetragen. Zurzeit gibt es das Buch nur auf Französisch.

„Feindliche Übernahme“ von Thilo Sarrazin
erschienen 2018 bei FBV, München.
496 Seiten, Preis: 24,99 Euro
ISBN: 978-3-95972-162-2