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Immer mehr Privatversicherte rutschen in den Notlagentarif. Für Rentner kann das existenziell werden. Wer früh handelt, verhindert den finanziellen Absturz.
Die private Krankenversicherung wirkt für viele wie ein Versprechen: bessere Leistungen, mehr Wahlfreiheit, individuelle Tarife. Doch im Alter kippt dieses Versprechen immer häufiger – und eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist ausgeschlossen.
Privatversicherte in der Rente
Wer eine niedrige Rente bezieht, für den wird das zum Problem. Laut aktuellem Rechenschaftsbericht der privaten Krankenversicherer waren 2025 rund 94.700 Menschen in diesem Notlagentarif versichert. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag die Zahl der Versicherten hier noch bei 89.100. Ein klares Indiz, dass mehr und mehr Privatversicherte in Zahlungsschwierigkeiten sind – und darunter sind viele Rentnerinnen und Rentner.
Entwicklung der Versichertenzahl im Notlagentarif
Anzahl der Versicherten im Notlagentarif (NLT) in Tsd.
Nur für Gutverdiener
Die private Krankenversicherung ist eigentlich auch nur für Gutverdiener gedacht: Denn Angestellte können erst dann in die private Krankenversicherung wechseln, wenn sie die Jahresarbeitsentgeltgrenze überschreiten. Diese liegt 2026 bei 77.400 Euro brutto/Jahr. 2027 soll sie auf 84.400 Euro steigen.
Notlagentarif als Notnagel
Der Notlagentarif ist kein freiwilliger Schritt, sondern eine Zwangsmaßnahme: Wer seine Beiträge nicht mehr zahlen kann, wird automatisch umgestellt. Der Monatsbeitrag sinkt zwar auf rund 155 Euro plus Pflegeversicherung, doch die Leistungen schrumpfen auf das medizinische Minimum – akute Erkrankungen, Schmerzen, Schwangerschaft. Alles andere fällt weg oder wird stark eingeschränkt.
Wer besonders gefährdet ist
Vor allem Rentner geraten in die Kostenfalle. Während Renten nur moderat steigen, ziehen PKV-Beiträge oft deutlich an. Wer seine Beiträge nur noch aus Ersparnissen zahlt, Rechnungen liegen lässt oder Mahnungen erhält, sollte sofort handeln. Denn im Notlagentarif werden Alterungsrückstellungen verbraucht – das treibt die Beiträge später weiter nach oben.
Was Betroffene tun können
Ein interner Tarifwechsel kann Beiträge senken, ohne die Alterungsrückstellungen zu verlieren. Auch der Basis- oder Standardtarif ist eine Option, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Wichtig: Nicht nur auf den Monatsbeitrag schauen, sondern auch Leistungen und Selbstbehalte prüfen.
In seltenen Fällen kann eine Familienversicherung über den gesetzlich versicherten Ehepartner möglich sein – aber nur, wenn das Gesamteinkommen unter der Grenze von 565 Euro (2026) liegt und alle weiteren Bedingungen erfüllt sind. Eine PKV darf niemals gekündigt werden, bevor die gesetzliche Kasse die Familienversicherung schriftlich bestätigt.
Politische Änderungen
Die Bundesregierung plant, die Versicherungspflichtgrenze auf rund 84.400 Euro Jahresbrutto anzuheben. Damit würde der Zugang zur PKV für Arbeitnehmer weiter eingeschränkt – ein Schritt, den die Versicherer als Eingriff in die Wahlfreiheit kritisieren.
Fazit
Die steigende Zahl der Menschen im Notlagentarif zeigt: Für viele wird die PKV im Alter zur finanziellen Belastung. Rentnerinnen und Rentner sollten Warnsignale ernst nehmen und frühzeitig handeln. Ein Tarifwechsel, der Basis- oder Standardtarif oder – in Ausnahmefällen – die Familienversicherung können helfen, die Situation zu stabilisieren
Bild: iStock | Aja Koska
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