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In Sardiniens Bergdörfern leben außergewöhnlich viele Hundertjährige. Forschung, Alltag und Tradition zeigen, warum Menschen dort so alt – und oft so gelassen – werden.
Sardinien ist die Insel der großartigen Strände und die Insel der Hundertjährigen. Sardinien gilt als erste Blue Zone der Welt – ein Ort, an dem Menschen überdurchschnittlich häufig 100 Jahre und älter werden. Die Spurensuche führt ins Bergland der Insel, in kleine Gemeinden, die eng an die Monti del Gennargentu gebaut sind. Dort leben Hundertjährige, die körperlich oft eingeschränkt sind, aber geistig wach, humorvoll und gesprächsbereit.
Wie die Blaue Zone entdeckt wurde
Der Demograf Giovanni Mario Pes markierte ab 1999 Regionen mit auffällig niedriger Sterblichkeit – mit einem blauen Stift auf der Landkarte. Er wertete 16.000 Todesanzeigen aus, besuchte 377 Gemeinden und erstellte eine Datenbank mit Tausenden von Hundertjährigen. Anfang 2024 lebten 677 von ihnen in acht Berggemeinden im Osten Sardiniens – der heutigen Blue Zone.
Ein Alltag zwischen Härte und Gelassenheit
Beispiele gibt es viele. Meist waren sie Bauern, arbeiteten hart, aßen wenig und vor allem Selbstangebautes: Gemüse, Bohnen, Olivenöl, kaum Fleisch. Ein Glas Rotwein am Tag gehört dazu. Sie sind fest eingebunden in die Dorfgemeinschaft – ein zentraler Baustein der Langlebigkeit. Pierino Vargiu hat ein Buch veröffentlicht, in dem Interviews mit mehreren Hundertjährigen sowie Bilder von Hundertjährigen und älteren Menschen aus ganz Sardinien gezeigt werden. Das Buch versammelt die Erinnerungen und Lebensgeschichten von 69 Hundertjährigen, dokumentiert durch die Fotografien, die der Autor auf seinen Reisen aufgenommen hat – ein Buch zum Lesen, Betrachten und Nachdenken.
Familie statt Altersheim
Wichtig für ein langes Leben ist Familienbindung. Weitere Faktoren: harte körperliche Arbeit, Ernährung aus eigener Produktion, Gene und eine Portion Glück.
Ein Dorf im Guinness-Buch
Perdasdefogu, 600 Meter hoch gelegen, wurde wegen seiner vielen Hundertjährigen ins Guinness-Buch aufgenommen. Entlang der Hauptstraße hängen 21 Fotos von Menschen, die über 100 wurden. Zum Zeitpunkt der Überprüfung (2021) lebten dort acht Hundertjährige bei einer Gesamtbevölkerung von 1.778 Einwohnern. Perdasdefogu hält derzeit diesen Rekord.
Orte der Hundertjährigen
Es dürfte vielleicht erstaunen, aber die Orte mit den meisten Hundertjährigen liegen alle im Landesinneren, insbesondere im Osten Sardiniens, darunter sind:
- Perdasdefogu: Der Ort hat seinen Hundertjährigen die Hauptstraße gewidmet.
- Seulo: Hätte auch gute Chancen, den Weltrekord anzuführen.
- Arzana: Arzana ist eines der Kerndörfer der weltberühmten sardischen „Blauen Zone“ (Blue Zone) in der östlichen Provinz Ogliastra. Die Region gilt demografisch als globaler Hotspot für außergewöhnliche Langlebigkeit.
- Baunei: Baunei klebt spektakulär am Hang oberhalb der Steilküste. Wer sich im Ort bewegt, bewältigt täglich steile Gassen und Treppen. Die Männer arbeiteten historisch als Schäfer und legten täglich viele Kilometer im extrem unwegsamen Gelände der Baunei-Hochebene (Golgo) zurück. Dieses moderate, aber stetige Ausdauertraining bis ins hohe Alter schützt Herz-Kreislauf-System und Knochenbau.
- Talana: Über 75 Prozent der Einwohner Talanas lassen sich genetisch auf wenige Stammfamilien zurückführen. Durch die historische Isolation der Bergregion hat sich ein genetischer Pool erhalten, der Wissenschaftlern wertvolle Erkenntnisse über langlebigkeitsfördernde Gene liefert.
- Urzulei: Während weltweit meist Frauen eine deutlich höhere Lebenserwartung haben, zeichnen sich Urzulei und die umliegenden Nachbardörfer (wie Baunei, Talana oder Villagrande Strisaili) dadurch aus, dass Männer genauso häufig 100 Jahre alt werden wie Frauen.
Die Kraft der sardischen Küche
Die traditionelle sardische Küche ist einfach und gesund. Viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Cerealien, wenig Fleisch. Brot, Pasta, Mehl – früher alles selbst gemacht.
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