Die Supermarktkasse wird zum Geldautomat

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Banken und Sparkassen verschwinden aus Städten und Gemeinden. Wie sollen Rentner an Bargeld kommen? Die Rettung heißt „Supermarkt“. Wer dort einkauft, kann auch gleich Bargeld abheben. Bei der Postbank, ohne etwas kaufen zu müssen.

Infografik: Bargeld abheben im Supermarkt Mindesteinkaufswerte

Infografik: Bargeld abheben im Supermarkt Mindesteinkaufswerte

Bis Mitte 2026 wird es kaum noch Postbankfilialen geben. Das heißt, Postbankkunden müssen künftig viele Kilometer fahren, um Geld abzuheben oder eben zum Supermarkt zu gehen, der allerdings normalerweise einen Mindestumsatz für den Service verlangt. Mittlerweile raten immer mehr Leute Postbankkunden, doch die Bank zu wechseln. Das hat sich wohl bis in die Chefetagen herumgesprochen, denn die Postbank ließ sich einen neuen Clou einfallen lassen: den „Bargeld-Code“, der Ein- und Auszahlungen an immerhin 12.500 Standorten im Einzelhandel ermöglicht – und zwar ohne Kaufzwang. Damit wird die Supermarktkasse endgültig zum Geldautomaten.

Dafür schaffen die Postbank und alle anderen Mitglieder der Cash-Group (Deutsche Bank, Commerzbank sowie Hypovereinsbank) die Möglichkeit ab, an Shell-Tankstellen Geld abzuheben. Die Cash Group beendet zum 30. Juni 2025 ihre Zusammenarbeit mit Shell-Tankstellen. Damit gehe, so das Vergleichsportal „Biallo“ ein Angebot verloren, das es Bankkundinnen und -kunden ermöglichte, bundesweit an rund 1.300 Tankstellen kostenlos Bargeld abzuheben – oft auch außerhalb üblicher Öffnungszeiten, etwa spätabends oder an Sonntagen. Besonders in ländlichen Regionen, wo Bankfilialen bereits dünn gesät sind, wird der Weg zum nächsten Geldautomaten damit vielerorts länger und der Aufwand steigt. Warum kommt es zum Aus der Bargeldversorgung an Shell-Tankstellen? Bislang steht noch eine Antwort aus.

Kooperation zwischen der Cash Group und Shell endet

Das bedeutet, dass Sie ab dem 1. Juli 2025 kein Bargeld mehr kostenlos an Shell-Tankstellen abheben können. Bisher war es dort für Kunden der genannten Banken möglich, ohne Mindesteinkaufswert bis zu 1.000 Euro abzuheben.

Immer mehr Filialen schließen

Filialschließungen sind aber nicht nur ein Problem für Kunden der Cash-Group (Postbank, Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank), sondern auch für Sparkassenkunden. Vor allem in Ostdeutschland schließen immer mehr Filialen. Das spüren auch Rentner.  „Mehr Kunden nutzen Online-Banking, weniger Kunden heben Geld ab oder bringen ihren Überweisungsträger zur Sparkasse. (…) Und dann kommt irgendwann der Punkt, an dem Filialen nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind“, rechtfertigt der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, Ludger Weskamp, die Schließungen der „Märkischen Allgemeinen“ gegenüber. Als Ausweg bietet sich der Gang zum Supermarkt an, bei dem Kunden beim Einkauf auch Bargeld abheben können. Auch der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Christian Sewing, rechnet mit einem weiteren Rückgang der Zahl der Bankfilialen in Deutschland, so „Wirtschaftswoche“. Die Zahl werde weiter abnehmen, weil sich das Verhalten der Kunden verändert habe, so Sewing.

Die Postbank ändert sich

Die Filialschließungen gehen weiter – höchste Zeit umzudenken   Quelle: simontutorial.de

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Bürokratie verschärft Filialsterben

Dass es immer weniger Geldautomaten geben wird, hat auch noch einen anderen Grund; das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, wie der „MDR“ schreibt. Dieses Gesetz sei 2021 beschlossen worden und trete nach einer Übergangsfrist Ende Juni 2025 in Kraft. Ziel sei es, dass zahlreiche Geräte immer von allen Menschen genutzt werden können, auch von Rollstuhlfahrern, Blinden oder Gehörlosen. Um alle Anforderungen zu erfüllen, müssten die Geräte durch den Hersteller verändert werden, das aber lohne sich offenbar nicht mehr. Denn die Zahl der Nutzer geht zurück – deswegen werden solche Geräte immer seltener durch Banken gekauft. Ganz abgesehen davon nutzten rund 70 Prozent der Kunden inzwischen Online-Angebote, so der Ostdeutsche Sparkassenverband. So verschärft sich das Problem.

Bargeld im Supermarkt

Offensichtlich geht es mittlerweile vielen Bankkundinnen und -kunden so, dass sie sich an der Supermarktkasse mit Geld versorgen. Die Supermarktkasse wird zum Geldschalter, wie das EHI-Handelsinstitut bestätigt. Mittlerweile bieten neun von zehn Super- und Drogeriemärkten Barauszahlung an der Kasse an – bei den meisten werden nur Girocards akzeptiert, bei einigen auch Kreditkarten. Vereinzelt bieten auch Baumärkte, Tankstellen und andere Fachhändler diesen Service an. Dieser Bargeldservice macht immerhin annähernd zehn Prozent des Bargeldumsatzes der Supermärkte aus. Das gilt gerade für ländliche Regionen. Die Institute der Cash Group arbeiten auch mit Shell zusammen. Dort können Postbankkunden Geld abheben, auch ohne zu tanken. Weil es mittlerweile immer schwierig wird, einen Geldautomaten der Cash Group zu finden, hat die Postbank einen „Bargeldfinder“ ins Netz gestellt.

 

Supermarkt und Drogerie

Postbank Bargeld-Parnter

Die Bargeld-Partner der Postbank – bei ihnen wird kein Mindesteinkauf verlangt

 

Auch bei anderen geht’s, aber nur mit Mindesteinkauf

Der Haken an der Sache: Der Bargeldservice ist in Super- und Drogeriemärkten an einen Mindesteinkauf geknüpft. Das Vergleichsportal Biallo hat recherchiert, wie hoch dieser Mindesteinkauf im Einzelnen ist:

Hier ist die gewünschte Übersicht der Bargeldabhebungsmöglichkeiten bei den genannten Anbietern:

AnbieterMögliche KartenMindesteinkaufswertMin. AbhebungMax. Abhebung
Aldi SüdEC/Giro, Debit, Kredit5.00 €10.00 €200 €
DiskaEC/Giro10.00 €k. A.200 €
EdekaEC/Giro20.00 €k. A.200 €
Familia NordostEC/Giro, Mastercard10.00 €k. A.200 €
Familia NordwestEC/Giro, Mastercard10.00 €k. A.200 €
GlobusEC/Giro, MasterCard5.00 €k. A.200 €
KauflandEC/Giro10.00 €5.00 €200 €
LidlEC/Giro5.00 €10.00 €200 €
MarktkaufEC/Giro10.00 €10.00 €200 €
MüllerEC/Giro, MasterCard, Visa20.00 €k. A.200 €
NettoEC/Giro, Debit/Kredit10.00 €10.00 €200 €
NormaEC/Giro5.00 €k. A.200 €
NP-MarktEC/Giro10.00 €k. A.200 €
TegutEC/Giro10.00 €k. A.200 €
ToomEC/Giro10.00 €k. A.200 €
(k. A. = keine Angabe)
Handel zahlt, Kreditwirtschaft kassiert

Die Händler müssen für den Service an die Banken und Sparkassen zahlen – und zwar im Mittel von 0,13 Prozent mit einer Bandbreite von 0,10 bis 0,18 Prozent, so das EHI-Institut. Der Handel übernimmt damit immer mehr eine signifikante Rolle in der Bargeldversorgung der Bevölkerung.

 

Image by drobotdean on Freepik

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Helmut Achatz

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