Alten-WG oder Seniorenheim?

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Wie im Alter wohnen? Warum nicht in einer WG oder einem Mehrgenerationshaus? Ist das Seniorenheim eine Alternative? Ein Film geht der Frage nach.

Gemeinsam statt einsam – ist das eine Alternative für Rentner? Alternative Wohnprojekte gibt es immer mehr. Das Passende zum richtigen Zeitpunkt zu finden, ist aber schwer.

Zwei Paare und eine Seniorin sind auf der Suche nach alternativen Lebensformen. Wohnprojekt oder Seniorenheim? Die Wahl ist abhängig von Alter, Anspruch und Geldbeutel. Vor allem aber braucht man einen langen Atem. Die ZDF-Sendung „37°“ begleitet den Neustart von Bestagern und spricht mit ihnen über ihre Erfahrungen am Dienstag, 29. März 2022 um 22.15 Uhr.

Alten-WG oder Seniorenheim

Da sind beispielsweise Martina und Thomas, beide Anfang 60. Sie leben im oberbayerischen Weilheim. Bald sind die Sozialarbeiterin und der Exportkaufmann im Ruhestand. Nach ihrer aktiven beruflichen Phase wollen sie mit Menschen verschiedenen Alters in einem Mehrgenerationen-Projekt leben. Schon lange beschäftigen sie sich mit dem Gedanken, wie sie im Alter leben möchten. „Wir wollen nicht als einsames Paar in die Geschichte eingehen, sondern gern mit jüngeren Leuten und Senioren noch ein bisschen Gemeinschaft leben““, so ihr Anspruch.

Sie informieren sich auf verschiedenen Plattformen im Internet. Es gibt Angebote, innerhalb einer Gemeinschaft Eigentum zu erwerben, zu mieten oder Mitglied einer Genossenschaft zu werden. Martina und Thomas favorisieren das Genossenschaftsmodell. Sie würden eine Miete zahlen, wären aber durch die Genossenschaftsanteile gleichzeitig Eigentümer, könnten so mitbestimmen und mitgestalten. Gern würden sie in den Norden Richtung Küste ziehen oder in die Nähe von Köln, wo Martinas Familie lebt.

In einem Mehrgenerationen-Projekt in der Vordereifel können sie trotz Corona einen Besichtigungstermin vereinbaren. Das Gehöft ist komplett saniert. Hier sollen bis zu 20 Personen leben. Martina und Thomas könnten sofort eine Wohnung mieten für rund fünf Euro pro Quadratmeter. Ein sehr gutes Angebot, allerdings gibt es bisher nur eine Bewohnerin. Die beiden haben viele Fragen an den Gründer des Projekts.

Mehrgenerationenhaus als Alternative

Parallel nehmen sie Kontakt zum Wohnprojekt staTThus an der Nordsee in Husum auf. Das staTThus ist eine denkmalgeschützte ehemalige Grundschule mit viel Außengelände. Hier leben rund 40 Menschen, vom Kleinstkind bis zur 80-Jährigen, Alleinerziehende, Familien und Singles, sprich ein Mehrgenerationenhaus. Martina und Thomas fühlen sich sofort wohl, allerdings sind die Wohnungen im Altbau längst belegt. Deshalb plant die Gemeinschaft einen Neubau, in dem sich Martina und Thomas für eine Dreiraumwohnung interessieren. Problem: die Finanzen. Noch ist nicht klar, wie viel der Quadratmeter kosten wird, zumal die Reserven der Gemeinschaft fast aufgebraucht sind und die Baukosten aktuell stark steigen. Ob sie sich das dann überhaupt leisten könnten?

Oder doch ein Seniorenheim?

Erika ist mit 91 Jahren noch immer vital und fit. Sie lebt in ihrem Haus am Stadtrand von Braunschweig. Den Haushalt schafft sie noch allein, und wenn sie Hilfe benötigt, ist ihr Sohn zur Stelle. Dennoch gibt es Tage, wo es nicht mehr ohne Hilfe geht. So lang sie noch einigermaßen mobil ist und selbst entscheiden kann, will sie einen Platz in einem Seniorenheim suchen. „Es gibt ja viele Heime, aber ich möchte mir das vorher aussuchen, nicht dass die Kinder mich dann hinbringen müssen.“ Mit ihrem Sohn Ralf informiert sie sich im Internet. Erika hat genaue Vorstellungen. Das Heim soll nicht so groß sein, sie möchte ein Einzelzimmer, wenn möglich mit Balkon. Sie vereinbaren einen Termin im AWO Wohn- und Pflegeheim in Heidberg. Neu gebaut für rund 130 Bewohner. Sie besichtigt ein Einzelzimmer einer Bewohnerin und ist angetan. Allerdings haben die Zimmer keinen Balkon. Erika müsste einen Eigenanteil von 1780 Euro zahlen. Mit ihrer Rente plus der Witwenrente würde das funktionieren.

Ihr zweiter Besuch führt sie in das noble Augustinum. Bekannte haben ihr davon berichtet. Das Konzept: betreutes Wohnen mit vielen Zusatzleistungen. Die Appartements sind unterschiedlich groß und sehr ansprechend. Das kleinste würde rund 1500 Euro kosten, inklusive einer Hauptmahlzeit. Nicht im Preis enthalten sind Frühstück, Abendbrot, eine Pauschale von 97 Euro und monatlich 500 Euro Solidarfonds im Pflegefall. Das mitgerechnet müsste Erika etwa 3000 Euro im Monat bezahlen. Ihre Rente würde dafür nicht ausreichen.

Neustart im Alter

Dann bekommt sie überraschend einen Anruf aus einem familiengeführten Heim im Nachbarort Cremlingen, ein Heimplatz sei frei geworden. Allerdings müsse sie sich innerhalb weniger Tage entscheiden, denn die Warteliste sei lang. Das Zimmer ist groß, mit Terrasse und schönem Ausblick. Die Kosten liegen mit 1800 Euro Eigenanteil unter dem bundesweiten Durchschnitt von 2100 Euro.

Sigrun und Helmuth sind bereits im Ruhestand und wagen jetzt einen Neustart. Sie ziehen in den Uhlenbusch, ein Wohnprojekt für Senioren in Bosau bei Plön. In ihrem gemütlichen Haus in Hamburg hätten sie bleiben können, allerdings ist es sehr verwinkelt und nicht behindertengerecht. Den Uhlenbusch hatten sie bereits im Visier, allerdings war bisher kein Häuschen frei, was sie hätten mieten können. Nun geht auf einmal alles ganz schnell. Sie packen ihre Kisten und ziehen um. Ihr Sohn wird das Familienhaus übernehmen.

Das alternative Wohnprojekt wurde von einem Hamburger Ehepaar geplant und gebaut. Entstanden sind 30 Holzhäuser, ein großes Gemeinschaftshaus, Werkstätten und eine eigene Solaranlage. Für ihr kleines Reihenhaus mit einer Wohnfläche von knapp 80 Quadratmetern zahlen sie eine Kaltmiete von rund 1000 Euro.

Einmal später nachgefragt

Sigrun und Helmuth wollten im Alter unbedingt in einer Gemeinschaft mit anderen Senioren wohnen. Ob das wirklich funktioniert, wissen sie allerdings nicht. „Wir haben keinen Plan B, und im Grunde genommen ist es in so einer Gemeinschaft wie überall. Man kann es so machen, man kann sich hinsetzen und sagen, ich will jetzt Entertainment haben. Und wenn nichts passiert, kann man meckern. Oder man kann auch mal was selbst machen.“

Nach einem knappen halben Jahr trifft „37°“ sie wieder. Ist der Uhlenbusch der richtige Ort für Sigrun und Helmuth? Sind sie bereits heimisch geworden?

Die „37°“-Sendung steht am Sendetag ab 8.00 Uhr in der ZDFmediathek zur Verfügung.

Bild: ZDF/Meike Materne

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Helmut Achatz

Macher von vorunruhestand.de

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