67, wütend und kein bisschen leise  – Rudi Birkmeyer hat die Nase voll von der Hinhalte-Taktik der Politiker in punkto Altersvorsorge und holt sein Rennrad aus dem Keller. Der Ex-Deutsche-Meister trainiert für seine Protestfahrt von Offenbach nach Berlin, um die Öffentlichkeit aufzurütteln und sie auf ein skandalöses Unrecht hinzuweisen.

Rudi rebelliert per Rad

Rudi ist eine Kämpfernatur, was er oft genug bewiesen hat. Er hat in der deutschen Jugendnationalmannschaft in „Israel“ gekämpft und gewann mit der  Amateurnationalmannschaft gegen Belgien 1976 einen Ländervergleich. Er schaffte es bis zum Badischen Meister und deutschen Vize-Meister mit einer Zeit von 2:10 Stunden auf 100 Kilometer. Das ist Entschlossenheit, die er auch heute noch besitzt. Deshalb schwingt er sich jetzt aufs Rad. Es geht vom pfälzischen Offenbach in fünf Etappen nach Berlin, alles in allem 700 Kilometer. Rudi vertritt symbolisch Millionen von Betriebsrentner, die sich um ihre Ersparnisse betrogen fühlen.

Nachträglich ein Fünftel an die Krankenkasse

Rudis Leben war kein Zuckerschlecken – er hat zwei Kinder großgezogen, in seinem Job als Führungskraft bei Daimler und später als selbstständiger Dienstleister mit mehreren Beschäftigten enormes geleistet. Als er 2012 erleben musste, wie seine Sparkasse vom Geld seiner Direktversicherung nachträglich mehr als 18 Prozent für die Krankenkasse abzweigte, fiel er aus allen Wolken. Hatte er nicht schon während seines Berufslebens Krankenkassenbeiträge gezahlt!

Rot-Grün-Schwarz ruiniert Lebensplanung

Ulla Schmidt (SPD) und Horst Seehofer (CSU) haben seine Lebensplanung 2003 mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) ruiniert. Die Krankenversicherung kassiert Rudi dreimal ab: bei Ein- und Auszahlung, denn Rudi zahlte zweimal den Arbeitnehmer- und einmal den Arbeitgeberanteil.

So wie Rudi geht es Millionen von Betriebsrentnern, denen annähernd ein Fünftel ihrer Betriebsrenten abgeknöpft wird.  Sie könnten sich heute um ihre Enkel kümmern oder im Ruhestand endlich die aufgeschobenen Reisen machen. Stattdessen müssen sie sich gegen Staat und Krankenkasse wehren.

Von Offenbach nach Berlin

Aber Rudis Reise geht nach Berlin, wo der Verein der Direktversicherungsgeschädigten (DVG) für den 9. April um 17.30 Uhr in der Urania eine Podiumsdiskussion mit Politikern organisiert. Damit will der DVG die Öffentlichkeit sensibilisieren, was alles schiefläuft in der Rentenpolitik. Die Betriebsrentner wollen sich nicht auf Kosten der Nachfolgegenerationen bereichern, aber sie wollen auch nicht abgezockt werden. Auf Politik muss Verlass sein. Es muss klar sein, dass sich eigenverantwortliche Vorsorge lohnt. Der Staat kann nicht rückwirkend in die Lebensplanung von Millionen eingreifen.

Deshalb tourt Rudi durchs Land. Er kämpft für Gerechtigkeit und das Einhalten einmal abgeschlossener Verträge. Wie sollen Kinder und Enkel jemals wieder Vertrauen in diesen Staat haben?

Foto: Rudi Birkmeyer

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

13 Comments

  1. Eugen Dinkel 8. April 2019 at 20:46

    Das GMG vom Nov. 2003 könnte man als grobe Ungerechtigkeit oder
    als politische, grenzenlose Dummheit bezeichnen, wenn es denn ab
    diesem Zeitpunkt gegolten hätte.
    Man hat damit aber rückwirkend in bestehende Direktversicherungs-Verträge
    eingegriffen. Damit ist es ein vorsätzlicher Betrug, für den bis heute keiner
    der verantwortlichen Politiker zur Rechenschaft gezogen wurde.
    In Bananenrepubliken kann so etwas schon mal vorkommen.
    Übrigens: Rudi, du bist ein Held! Wenn Merkel noch einen Funken Anstand
    hätte, würde sie dich für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen, aber die
    hat ja was gegen Direktversicherungsgeschädigte und Betriebsrentner.
    Ich wünsche dir viel Erfolg, komme gesund und unfallfrei in Berlin an!

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  2. Edgar Krieger 8. April 2019 at 13:46

    Nun ist zu lesen, dass Sie, Frau Bundeskanzlerin eine Änderung zur Beendigung der „Doppelverbeitragung“ auf betriebliche Direktversicherungen strikt ablehnen. Damit ignorieren Sie den Antrag C 159 des CDU-Parteitags in Essen, den Beschluss der Basis auf dem 31. CDU-Parteitag in Hamburg, den Antrag der Mittelstandvereinigung der CDU und vieler Landesverbände.
    Die gesetzlichen Krankenkassen sonnen sich in über 30 Mrd. Überschüssen, der Gesundheitsminister verkündet gar Spielräume für Beitragssenkungen. Damit würden die von den Direktversicherungsgeschädigten in 15 Jahren gestohlenen Beiträge auf alle Versicherten verteilt, die nicht zusätzlich für ihr Alter vorgesorgt haben. Das ist der reinste Hohn – dafür braucht niemand eine CDU!
    Sie wissen, dass 52 CDU / CSU-Abgeordnete einen Brief an Herrn Volker Kauder, Ihren treuesten Vasallen, geschrieben haben, dass er das Thema auf die Tagesordnung nehmen möge. Offenbar hat er es nicht getan.
    Niemand im Deutschen Bundestag, niemand in Ihrer Regierung und niemand in Ihrer Partei kann behaupten, er habe es nicht gewusst!
    Im Fernsehen haben Sie bei einer Wahlkampfsendung einem Betroffenen gesagt:
    „Aber am Ende bleibt doch noch was übrig, oder?“ Da fühlt man sich als Bürger von der Politik verschaukelt.

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  3. Nicht jammern – u n t e r s t ü t z en!

    Eine tolle Idee von Rudi Birkmeyer. Es ist die charmanteste Art deutlichen Protest zu zeigen. Und eine ebenso tolle Idee, um unterstützt zu werden. Wenn Rudi Birkmeyer in die Nähe des eigenen Wohnortes kommt, wäre es für jeden, der betroffen ist und etwas ändern will, eine moralische Pflicht beim Empfang Spalier zu stehen. Wer Zeit hat und es kann, könnte ihn streckenweise auf dem Rad begleiten.

    Zumindest wäre jeweils ein begleitender Corso durch die Städte nicht schlecht.

    Regelmäßige Berichterstattung lohnt sich dann umso mehr.

    700 km auf dem Rad ist eine echte Ansage. Er tut es für alle Betroffenen, deshalb ist es nur richtig, wenn alle, die über diese Missstände klagen, ihn ordentlich unterstützen.

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  4. Mit dem GMG wurde 2003 bei Direktversicherungen rückwirkend
    in Altverträge eingegriffen. Das ist keine Ungerechtigkeit, sondern
    ein vorsätzlicher Betrug.
    Normale Bürger müssen dafür bis zu 5 Jahre ins Gefängnis,
    die verantwortlichen Politiker laufen aber immer noch frei
    herum.
    Und dank Merkel geht dieser Betrug weiter:
    „Merkel bremst Entlastung für Betriebsrentner angesichts
    hoher Kosten aus“ – so konnte man es am 13.02.2019 in
    der Presse lesen.
    Hoffentlich denken wenigstens die Millionen betrogenen Rentner
    bei anstehenden Wahlen daran, welche Parteien dafür
    verantwortlich sind und verpassen dieser Bananenrepublik einen
    Denkzettel.

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    1. Das Gefühl ist zwar nachvollziehbar und ich glaube, dass Sie es bisher nicht anders wussten, jedoch ist Ihre Meinung sachlich so nicht haltbar.

      Die besagte Information ist nicht in diesem Sinn politisch verheimlicht worden und der Vorgang ist keinesfalls rückwirkend.

      Ich ziehe aus meinem Regal folgendes Buch:

      Buch von ZDF WISO – Staatlich geförderte Altersvorsorge; Autor: Oliver Heuchert, Campus Verlag ISBN-10: 3-593-38145-1

      Seite 121: „In Sachen Krankenversicherungsbeitrag ist die Betriebsrente klar im Nachteil. Sie müssen auf Ihre Betriebsrente den vollen Krankenkassenbeitrag zahlen, also den Arbeitnehmeranteil und den Arbeitgeberanteil bezahlen. …“

      Dieses Buch kaufte ich 2007, also vor über 10 Jahren.

      Das Fernsehmagazin WISO ist sehr bekannt und renommiert.

      In einer Podiumsdiskussion würden Sie mit Ihren Argumenten „ins Messer laufen“, leider.

      Solche Argumente sind ein Grund dafür, dass der Protest kaum eine rechtliche und politisch noch nicht hinreichende Wirkung hat.
      Diese Angelegenheit müsste anders angepackt werden.

      Al Capone wurde wegen Steuerhinterziehung aus dem Verkehr gezogen. Seine vielen anderen Verbrechen konnten nicht nachgewiesen werden. Selbstverständlich vergleiche ich Politiker nicht mit Al Capone, aber ich sehe durchaus auch andere Ansätze, die großen politischen Druck entwickeln können.

      Wie Sie an diesem Beispiel selbst sehen, ist es nicht ratsam, solche Dinge immer nur anderen zu überlassen. Entscheiden Sie selbst, ob Sie es beim Beklagen belassen oder etwas dagegen tun, wie das Beispiel Rudi Birkmeyer zeigt.

      http://www.dirk-feldhinkel.de

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      1. In einem Punkt muss ich meinen Kommentar korrigieren: Die Verträge, die vor dem 1.1.2004 abgeschlossen wurden, sind natürlich rückwirkend betroffen.
        Sorry, ich war etwas schnell beim schreiben.

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  5. Da diese Diktatorin im Kanzleramt nichts mehr begreift, hilft nur noch die Organisation eines Hungerstreiks der Direktversicherungsbetrogenen vor dem Kanzleramt!!!

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  6. Hans-Peter Liedtke 7. April 2019 at 6:50

    Das ist staatlich legalisiert Betrug. Nichts anderes

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  7. Ulla Schmidt von der SPD und Horst Seehofer von der CSU sind Politiker die nichts mit sozial gemein haben. Auch ihre Parteien die Sozialdemokraten und die Christlich Sozialen sind weit an sozial vorbei gelaufen.Zu mindestens ist Rudi nicht ratlos und zeigt den unsozialen Politikern die rote Karte. Jetzt fehlt nur noch ein guter Anwalt der die CSU und die SPD verklagt den Namen sozial abzulegen, denn hinter diesen Namen verstecken sich unsoziale Banausen.

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  8. Jawoll Rudi. Hau rein, tritt in die Pedale. Du bist mein Held!

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    1. Das ist die richtige Einstellung! 😉

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  9. Wir Rentner fühlen uns nicht betrogen, wir werden es vorsätzlich jeden Monat von den Politikern. Merkel muss weg, wenn sie weiter gegen die Einsichtigen ihrer und anderer Parteien blockiert. Was erlaubt sie sich gegen Millionen Vorsorge, was sie landauf landab von den Medien vorbeten ließ. M. E. hat sie Meineid geschworen bei der letzten Vereidigung.

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    1. Edgar Krieger 8. April 2019 at 13:50

      Beitrag, aus der Debatte, Handelsblatt,
      Von Linken bis FDP waren sich die Politiker bei der „Handelsblatt-Konferenz Betriebliche Altersversorgung“ einig: Die Doppelverbeitragung in der betrieblichen Altersversorgung soll weg. Die Frage ist nur, wie und wie schnell.
      „Es muss was passieren“ und „Wir müssen in Sachen Doppelverbeitragung agieren“ waren eindeutige Aussagen von Dr. Carsten Linnemann, stellevertretender Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion. Er sei stinkesauer darüber, dass das Thema von Bundeskanzlerin Angela Merkel von der Agenda genommen worden sei. Bekanntlich hatte Merkel festgestellt, dass eine Entlastung der Betriebsrentner „relativ kostspielig“ wäre und nicht im Koalitionsvertrag stehe.

      (Kommentar dazu, Begriff: kostspielig, was versteht unsere Kanzlerin darunter…???…und was sind die Milliarden für Bankenrettung und andere relative Kleinigkeiten…)

      Doch beim Ziel herrschte Einigkeit in der Diskussionsrunde: Die so genannte Doppelverbeitragung gehört abgeschafft.

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