Null, zero, niente – nichts bekommen Sparer mehr, wenn sie ihr Geld zur Bank oder Sparkasse tragen. Mittlerweile zahlt die Hälfte der Geldinstitute keine Zinsen mehr – einige strafen Sparer sogar mit Negativzins ab.

Großanleger wie die Deutsche Rentenversicherung zahlt ja schon seit langem Strafzinsen für ihre Rücklagen. 2017 waren es der Rentenversicherung zufolge bereits 49 Millionen Euro, 2018 dann 57 Millionen Euro, 2019 werden es 65 Millionen Euro sein, 2020 schließlich 47 Millionen Euro – annähernd 220 Millionen Euro in nur vier Jahren. Den Kranken- und Sozialkassen geht es ähnlich. Die AOK beispielsweise hat laut „Spiegel“ allein im ersten Halbjahr 2018 rund sechs Millionen Euro verloren. Alles in allem dürfte es Hunderte von Millionen Euro sein, die alle Sozialkassen zusammen wegen der Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) an Vermögen einbüßen.

418 Banken zahlen keine Zinsen

Damit nicht genug, längst trifft es auch private Sparer mit etwas mehr Geld auf dem Konto. So verlangen mittlerweile dem Vergleichsportal Verivox zufolge schätzungsweise zwei Dutzend Banken Negativzinsen oder Gebühren auf üblicherweise kostenlose Tagesgeldkonten, wodurch ein Negativzins entsteht. Was aber weit schlimmer ist, die Hälfte der hiesigen Geldinstitute zahlt keinen Zins mehr für Spareinlagen. Eine aktuelle Verivox-Auswertung zeige, so „T-Online“, dass inzwischen 418 Geldhäuser gar keine Zinsen mehr auf Tagesgeldeinlagen zahle – bezogen auf öffentlich zugängliche Konditionen von 840 Banken ist das ziemlich genau die Hälfte.

Verschriebene Geldentwertung

Angesichts einer Inflationsrate von gegenwärtig 1,3 Prozent (März 2019), wird das Vermögen der meisten Deutschen automatisch weniger, denn dass Gros bunkert sein Geld immer noch auf Giro-, Tages- und Festgeldkonten sowie Sparbüchern.

Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz lacht sich ins Fäustchen. Nicht von ungefähr sieht ihn die Öffentlichkeit meist gut aufgelegt. Er profitiert von Negativzins und Inflation, denn er muss für Staatsschulden keinen Zins mehr zahlen und bekommt sogar noch Geld dafür, dass er sich verschuldet. Dank der kalten Progression sprudeln die Steuereinnahmen. Die kalte Progression ist die Steuermehrbelastung, die dadurch zustande kommt, dass der Staat seine Steuersätze nicht an die Inflation anpasst – oder nur verzögert.

Der Dumme ist der Deutsche Michel, denn ihm bleiben immer weniger Geld im Säckel. Er badet Zinspolitik und kalte Progression aus.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Die deutsche Zinspolitik kommt Leuten entgegen die Geld benötigen, bzw. leihen möchten.Noch nie waren die Kreditzinsen so niedrig wie jetzt. Wer einen höheren Zinssatz für seine Spareinlagen haben möchte sollte sich auch bei ausländischen Banken umsehen. Ich wohne in Malta.Wer dort einen Kredit haben will bezahlt 2% mehr als in Deutschland. Andererseits bekommt man bei Geldanlagen auch 2% mehr Zinsen als in Deutschland. Wer an diesem Thema interessiert ist
    darf gerne die websiten von Lombard Bank,Bank of Valletta und HSBC studieren. Auch in Luxemburg und in den Niederlanden gibt es Banken die höhere Zinsen für Einlagen bezahlen als es in Deutschland der Fall ist.

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  2. Johannes Emonts 26. April 2019 at 11:28

    Die Nullzinspolitik ist ein grosses Unrecht an den Sparern,, d. h. an vielen alten Menschen, die sich etwas zurückgelegt haben.
    Ich frage mich, ob es für die Rentenversicherung nicht lohnend wäre, selbst eine kleine bank zu gründen.
    Die Angabe zur Inflation mit 1,3% erscheint viel zu niedrig. Wenn man betrachtet, welch hohen Anteil ihrer Einnahmen die Bürger für die Mieten zahlen und in welchem Ausmass die Mieten gestiegen sind, dürften sich die Inflationswerte auf einem viel höheren Niveau bewegen. Das Gleiche gilt auch für Hauskäufer, hier hat sich das Preisniveau in manchen Städten innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Werden diese Kosten überhaupt angemessen im ‚Inflations – Warenkorb berücksichtigt?

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