Die zehn besten Anti-Aging-Tipps

Pro-Aging, Anti-Aging – wie lässt sich das Altern hinauszögern? Eine der Leitfiguren für Pro-Aging ist die amerikanische Schauspielerin Jane Fonda. Sie wird am 21. Dezember 2017 immerhin 80 Jahre alt und sieht immer noch umwerfend aus. Jane Fonda ist ein echtes Phänomen und das beste Beispiel dafür, wie sich das Altern erfolgreich hinauszögern lässt.

Die amerikanische Schauspielerin avancierte in den 60er- und 70er-Jahren zum Sexidol. Später mutierte sie zur Aerobic-Queen und sieht für ihr Alter immer noch blendend aus. Wie schafft sie es, so lange, so fit zu sein? Pro-Aging oder Anti-Aging, was ist das Geheimnis der jungen Alten? Wie lässt sich das Altern verlangsamen und die Gesundheit im Altern fördern? Gibt es eine wirksame Altersbremse? Jane Fonda meint, Sex spiele sicher eine Rolle – für sie zumindest. Deswegen bedauere sie, dass ältere Schauspieler in Filmen nur selten Liebende und Sex-Szenen darstellen dürfen. „So was sollte heute doch längst natürlich sein“, wurde sie von der „Welt am Sonntag“ zitiert. Natürlich kam ihr auch Sport und Disziplin zugute sowie gute medizinische Versorgung.

Hilfe vom Schönheitschirurgen

Sie freilich auch ein bisschen nachgeholfen und sich nicht nur einmal unters Messer des Schönheitschirurgen gelegt. Die Schauspielerin bedauert auf ihre alten Tage allerdings, dass die hätte mutiger sein sollen, „mich nicht operieren zu lassen“, wie T-Online schreibt.

„Der Begriff Anti-Aging, auch Altershemmung, ist eine Bezeichnung für Maßnahmen, die zum Ziel haben, das biologische Altern des Menschen hinauszuzögern, die Lebensqualität im Alter möglichst lange auf hohem Niveau zu erhalten und auch das Leben insgesamt zu verlängern. Verwendet wird dieser Begriff in der Medizin, von Ernährungswissenschaftlern, der Nahrungsergänzungsmittelindustrie und von Kosmetikherstellern“, schreibt Wikipedia

Gene spielen wichtige Rolle

So viel vorweg: Das Altern und damit auch die Lebenserwartung hängen zu einem gewissen Teil von den Genen ab – wie viel, darüber streiten sich die Gelehrten. Die einen sagen 20 bis 30 Prozent, andere kommen auf einen geringeren Wert. Wer Eltern oder Großeltern hat, die steinalt wurden, hat gut Chancen, selbst alt zu werden. Tests wie der von FOCUS-Online fragen deswegen ab, wie alt die Eltern wurden.

Auch auf den Lebensstil kommt es an

Aber, „am Altern sind nicht nur die Gene schuld, sondern auch der Lebensstil“, sagt Sportmediziner und Buchautor Martin Halle. Der persönliche Lebensstil, körperliche Aktivität, Ernährung, Rauchen, Alkohol sowie Stress- und Umweltfaktoren spielen seiner Meinung nach ein wichtige Rolle für das biologische Alter.

Die zehn besten Anti-Aging-Tipps

Wer bei Wikipedia nachschlägt, findet einige Anti-Aging-Tipps, die sich freilich noch ergänzen lassen

  1. Ernähre dich ausgewogen
  2. Vermeide Übergewicht und „hungere“ gelegentlich
  3. Bewege dich regelmäßig
  4. Verzichte aufs Rauchen
  5. Verzichte auf ausgiebige Sonnenbäder
  6. Vermeide negativen Stress
  7. Nimm das Rad statt des Autos
  8. Führe Rituale ein
  9. Sei nachsichtig mit dir und Anderen
  10. Behalte deinen Humor

Auf diese Weise ist Panayiotis Mallis, Vice Chairman der Cyprus Adult Education Association (CAEA) so alt geworden. Er hat zehn Denk- und Verhaltensweisen gefunden, die einem helfen, mental und körperlich möglichst lang fit zu bleiben.

Ein Fastentag pro Woche

Gerade gemäßigtes Hungern hilft anscheinend, das Altern zu verlangsamen. Nicht von ungefähr werden Bewohner der japanischen Insel Okinawa älter als die meisten anderen. Sie haben sich eine spezielle Regel auferlegt, das so genannte „Hara hachi Bu“: „Der Magen soll bestenfalls zu 80 Prozent gefüllt werden – ein sublimes Hungergefühl gehört also auf Okinawa zur Esstradition“, schreibt FOCUS-Online.

Hara Hachi Bu – nur drei Viertel satt

Nicht immer satt essen – das Geheimnis der Bewohner von Okinawa

In seinem Buch „Zellen fahren gerne Fahrrad“ gibt Halle ein paar brauchbare Tipps. Darunter den, zumindest einen Fastentag pro Woche einzulegen – oder mal nur Obst zu essen, vielleicht auch eine Suppe.

Fahr Rad statt Auto

Neben der Ernährung spielt die Bewegung eine wichtige Rolle: Er empfiehlt, „Risikofaktoren einfach weg zu strampeln“. Warum denn immer das Auto benutzen – lieber mal mit dem Rad zum Bahnhof oder zum Einkaufen. Das Rezept: möglichst viel Bewegung in den Alltag einbauen. Das heißt, statt mit dem Aufzug zu fahren, besser Treppen steigen.

Stress kostet Lebenszeit

Nicht zu vergessen, das Thema Stress. Negativer Stress und Hetze kosten Lebenszeit. Deswegen gilt es, seine Stressresistenz zu verbessern. Helfen kann dabei eine Studie der Techniker Krankenkasse. Es lohnt sich in die Studie „Bleib locker Deutschland!“ der Techniker Krankenkasse einmal reinzuschauen. Ich denke, der eine oder andere nimmt brauchbare Erkenntnisse mit. Darüber hinaus hat  die TK einige brauchbare Tipps als Broschüre heraus gebracht zum Thema „Stressbewältigung.

Gesundheit ist ein Prozess

Wie lässt sich gegensteuern? Wer bis ins Rentenalter gesund bleiben will, muss Risiko- und Schutzfaktoren ausbalancieren. Dabei ist „Gesundheit kein Zustand, sondern ein Prozess“. Es gilt, die Stressspirale „umzudrehen“. Das heißt für den Einzelnen, seine Resilienz zu stärken, sprich seine psychische Widerstandskraft.

Wer noch mehr handfeste Regeln sucht, schaut am besten beim „Anti Aging Magazin“ vorbei. Das bietet 15 Regeln für gesundes Älterwerden.

Weiterführende Links:

Bild: Andrea Raffin / Shutterstock.com




Warum es wichtig ist, im Job und Freundeskreis richtig zu hören?

Wer schlecht hört, merkt bald, wie die Probleme im Umgang mit Anderen wachsen. Das betrifft Gespräche in Gruppen, Telefonate und Meetings mit mehreren Kollegen. Viele ziehen sich immer weiter zurück. Die Folge ist schleichende Isolation. Das muss nicht sein.

Schwerhörigkeit wird oft verdrängt

Betroffenen wird oft erst klar, dass sie schlecht hören, wenn sie von Außenstehenden darauf hingewiesen werde. Die erste Reaktion in vielen Fällen: Verdrängung. Wie sonst lässt sich erklären, dass sich nur rund elf Prozent der Betroffenen hierzulande auch behandeln lassen? Offensichtlich arrangieren sich viele mit ihrer Einschränkung. Besonders im beruflichen und sozialen Umfeld macht sich dies bemerkbar.

Soziale Kontakte schwinden

Schwerhörige beginnen, sich unwohl zu fühlen, wenn sie in einer Gruppe zusammenstehen, Meetings mit vielen Kollegen werden zur Herausforderung. Das gilt auch im privaten Bereich, bei Festen und Feiern mit vielen Hintergrundgeräuschen – alles Anzeichen für einen Hörverlust, der den Alltag zunehmend erschwert. Die Probleme im Job wachsen und sozialen Kontakte schwinden. Das bedeutet letztlich ein zunehmender Rückzug aus der Gesellschaft, was die Lebensqualität stark beeinträchtigt.

Lebensqualität zurückgewinnen

Also, besser frühzeitig zum Ohrenarzt gehen und auf Freunde hören. Dank Hörgeräten und implantierbare Hörlösungen muss sich heute möglich fast niemand mehr mit den negativen Folgen von Hörverlust abfinden – auch, wenn er weit fortgeschritten ist. Vielen Menschen hat diese Möglichkeit dabei geholfen, Lebensqualität zurück zu gewinnen und soziale Kontakte aufzufrischen.

Von Hörverlust hart getroffen

Einer von ihnen ist Petr Dobias: „Von Beruf bin ich Diplom-Ökonom. Jahrelang habe ich für einen Industriebetrieb Kunden betreut – das hat mir großen Spaß gemacht. Auch mein Privatleben war stets voller Freude: Meine Frau und ich haben zwei Kinder großgezogen und viele Reisen gemeinsam unternommen. Wir sind gerne zu Konzerten gegangen oder waren mit unseren Freunden aus. Meine plötzliche Ertaubung hat dieses Leben abrupt beendet.“

Anfangs nahm er die Verschlechterung seines Gehörs hin, aber als er fast nichts mehr hörte, war das ein Schock: „Bereits vor 25 Jahren bin ich auf einem Ohr ertaubt. Da ich auf der anderen Seite noch gut gehört habe, habe ich nie etwas unternommen. Aber irgendwann wurde mein Gehör auch auf dem gesunden Ohr immer schlechter. Zuerst hielt ich das für eine Alterserscheinung, nach zwei schweren Hörstürzen war ich aber plötzlich fast vollkommen taub. Da halfen auch keine Hörgeräte mehr!“

Alles tun, wieder zu hören

Wie bei vielen Betroffenen leidet Petrs ganzes Leben unter seinem eingeschränkten Gehör: „Beruflich war ich mit nur 52 Jahren am Boden. Der plötzliche Hörverlust hat mich hart getroffen und ich war bereit alles zu tun, um wieder hören zu können. Ich war eigentlich immer ein sozialer und aktiver Mensch, wegen meines Hörverlusts habe ich mich aber immer weiter zurückgezogen. Auch meine Familie und Freunde waren damals sehr verunsichert. Ich wollte unbedingt wieder hören können – deshalb war die Entscheidung für mich absolut richtig. Mit den Hörimplantaten habe ich Schritt für Schritt mein Leben wieder zurückbekommen.“

Tipps und Erfahrungen von Betroffenen

Mit anderen Betroffenen ist Petr als HörPate aktiv und bietet an Fragen zu beantworten und seine Geschichte zu teilen, um anderen den Mut zu geben sich nicht mit dem Hörverlust abzufinden: „Deswegen möchte ich als HörPate anderen Menschen helfen die für sie richtige Entscheidung treffen zu können. Mein Ratschlag ist es zu handeln. In den meisten Fällen kommt das verloren gegangene Gehör nicht von alleine zurück. Nur andere Betroffene wissen, wie sich diese Situation wirklich anfühlt und können einem bei der Entscheidung helfen. Deshalb will ich über die HörPaten Plattform meine Erfahrungen und Tipps weitergeben und anderen Menschen helfen.“




Im Alter schwer hören muss nicht sein – was, wenn Hörgeräte nicht mehr helfen?

Im Alter schwer hören? Das muss nicht sein. Nur wer alles mitbekommt, kann das Leben genießen – und dazu gehört das Hören. Mit schlechtem Gehör muss sich niemand abfinden. Manchmal helfen Hörgeräte, manchmal nur Implantate.

Mal ehrlich, was ist das für ein Leben, wenn ich nur die Hälfte dessen verstehen, was die Runde erzählt? Gesundheit, gutes Sehen und Hören sind Lebensqualität. Das ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Die Zahl der von Hörverlust betroffenen Menschen in Deutschland nimmt zu. Oft merken es die Betroffenen selbst nicht, dass sich ihr Gehör nach und nach verschlechtert. Viele glauben, das wäre normal, Altersschwerhörigkeit eben. Sie nehmen es einfach achselzuckend hin.

Unter dem Hörverlust leiden vor allem das Sozialleben, die Arbeit und damit die Lebensfreude. Betroffene neigen dazu, für sie schwierige Situationen zu meiden – der soziale Rückzug und oft auch Einsamkeit sind die Folge. Es ist deshalb äußerst wichtig auf sein Gehör zu achten und es regelmäßig untersuchen zu lassen. Je früher ein Hörverlust nämlich erkannt wird, desto besser kann er behandelt werden.

Schwerhörigkeit kann verschiedene Gründe haben und für fast alle Formen gibt es heute eine Behandlungsmethode, beispielsweise durch Hörgeräte oder durch implantierbare Hörlösungen.

  • Die häufigste Art von Hörverlust ist die Schallempfindungsschwerhörigkeit. Ursache dafür sind fehlende oder beschädigte Sinneszellen (Haarzellen) in der Cochlea, der Hörschnecke.
  • Der Begriff Schallleitungsschwerhörigkeit bezeichnet alle Probleme im Außen- oder Mittelohr, die eine ordnungsgemäße Weiterleitung des Schalls an das Innenohr verhindern.
  • Bei einer kombinierten Schwerhörigkeit liegt sowohl eine Schallempfindungsschwerhörigkeit als auch eine Schallleitungsschwerhörigkeit vor.
  • Von einem neuralen Hörverlust wird gesprochen, wenn der Hörnerv die Signale nicht an das Gehirn weiterleiten kann.

Nur wenig Schwerhörige sind in Behandlung

Nur eine Minderheit der Schwerhörigen ist in Behandlung, die überwiegende Mehrheit sitzt das Problem aus

Selbst wenn herkömmliche Hörgeräte bei einigen dieser Arten nicht helfen, gibt es für fast alle Arten von Hörverlust heute Lösungen, Implantate beispielsweise. Keiner muss sich damit länger mit einem schlechten Gehör abfinden.

Viele Betroffene können sich nach der Entscheidung für ein Hörimplantat wieder leichter unterhalten, Musik hören oder sogar ins Berufsleben zurückkehren. Ein besseres Sprachverständnis, die Möglichkeit wieder zu telefonieren und der damit verbundene Wiedereinstieg ins gesellschaftliche Leben bringen Betroffenen Lebensqualität zurück und das auch noch im hohen Alter. Wer sich unsicher ist und sich über Lösungen informieren möchte, kann beispielsweise mit der Initiative „HörPaten“ in Kontakt treten.

Die HörPaten haben für sich schon die Entscheidung für ein Hörimplantat getroffen, da herkömmliche Hörgeräte bei Ihnen nicht mehr die nötige Unterstützung geliefert haben. Auf der Website HörPaten stellen sich Hörimplantatträger aus ganz Deutschland zur Verfügung ihre Erfahrungen zu teilen. Hier kann jeder Betroffene und jeder Interessierte in Kontakt treten.

 

 

 

Tipps zum Thema Hören:

  • Regelmäßig das Hörvermögen untersuchen lassen. Damit lassen Verschlechterung unmittelbar erkennen und behandeln. Fortschreitender Hörverlust wird oft nicht direkt subjektiv wahrgenommen, weshalb eine objektive Einschätzung durch Hörtests sehr wichtig ist.
  • Verschiedene Experteneinschätzungen des eigenen Hörverlustes machen es den Betroffenen oft einfacher, sich mit ihrer Situation auseinander zu setzen. So erhalten sie einen besseren Einblick in die Möglichkeiten, die sich bieten, um etwas gegen Hörverlust zu unternehmen.
  • Hören hat Einfluss auf sehr viele Bereiche unseres Lebens. Besonders soziale Interaktion und allgemeines Wohlbefinden sowie der Gesundheitszustand sind stark vom Hören abhängig.
  • Die Entscheidung für ein Hörimplantat ist eine sehr persönliche, da es das gesamt Leben beeinflusst ob man hört oder nicht.



Wie sich Rentner doch noch günstiger versichern können

Wer sein ganzes Berufsleben gesetzlich krankenversichert war, hat im Alter kein Problem. Dumm nur, wer zwischenzeitlich privat krankenversichert war – der blutet in der Rente. Seit August 2017 dürfen einige Rentner allerdings auf niedrigere Krankenkassenbeiträge hoffen, denn eine Gesetzesänderung entschärft die sogenannte 9/10-Regelung.

„Ihre Suchanfrage im Bereich tk.de führte zu keinem Ergebnis“ – so ergeht es Krankenversicherten, der auf der Internetseite der Techniker Krankenkasse nach „9/10-Regelung“ suchen. Auch DAK und Barmer helfen Versicherten in punkto 9/10-Regelung nicht weiter.  Viele Krankenversicherte werden mit dem Thema allein gelassen, dabei entscheidet sich damit oft, ob jemand im Alter auskömmlich leben kann oder nicht. Die 9/10-Regelung ist kompliziert und trifft vor allem ältere Frauen und Selbstständige – oder Angestellte, die zeitweise privatversichert waren. Sie werden von der solidarischen Krankenversicherung der Rentner, kurz KVdR, ausgeschlossen, deren Vorteil ist, dass die Rentenversicherung den Arbeitgeberanteil übernimmt und der Rentner „nur“ den Arbeitnehmeranteil zahlen muss.

Pflichtversichert oder freiwillig versichert?

Die KVdR-Versicherten sind, um es plastisch auszudrücken, sozusagen bei der Deutschen Rentenversicherung angestellt, die den Arbeitgeberanteil übernimmt. Wer bei der KVdR pflichtversichert ist, zahlt Krankenkassenbeiträge nur von seiner gesetzlichen Rente, einer Betriebsrente und – falls vorhanden – aus selbstständiger Tätigkeit. Wer dagegen bei der KVdR freiwillig gesetzlich krankenversichert ist, muss auch auf Mieteinkünfte und Privatrenten Beiträge zahlen. Der Unterschied kann einige Hundert Euro ausmachen.

Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung der Rentner

 pflichtversichert in der KVdR freiwillig versichert in der KVdR 
beitragspflichtigBeitragssatz in %beitragspflichtigBeitragssatz in %
gesetzliche Renteja7.3ja7.3
Versorgungsbezügeja14.6ja14.6
Erwerbseinkommenja14.6ja14.6
Direktversicherungja14.6ja14.6
Mieteinnahmennein-ja14.6
Zinsen und ähnlichesnein-ja14.6
Privatrentenein-ja14.6
Quelle: GKV, den Zusatzbeitrag tragen Rentner in voller Höhe

Was ist der Unterschied zwischen pflicht- und freiwillig versichert? Das hängt von der sogenannten Vorversicherungszeit ab – und damit kommen wir zur 9/10-Regelung. Kling kompliziert, ist kompliziert. Voraussetzung für die Pflichtversicherung in der KVdR ist: „Wenn seit der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bis zur Rentenantragstellung mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte dieses Zeitraums eine Mitgliedschaft – als pflicht- oder freiwilliges Mitglied – oder eine Familienversicherung bestanden hat“, schreibt die Deutsche Rentenversicherung. Bei krankenversicherungspflichtigen Rentnern beteiligt sich eben die Rentenversicherung an den Beiträgen.

Privatversicherte fallen durchs Raster

Einige fallen allerdings aus diesem Raster. Das sind vor allem jene, die während ihre Berufslebens privat versichert waren. Klar, dass die KVdR für sie nur eingeschränkt zahlt. Aber selbst, wer während seines Berufslebens von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechselte, bekommt unter Umständen Probleme. Entscheidend ist, wann er gewechselt hat. Was einige Privatversicherte vielleicht nicht wissen: Sie können einen Zuschuss zu ihrer privaten Krankenversicherung beantragen, wenn sie gesetzliche Rente beziehen.

Und jetzt kommen wir zur 9/10-Regelung. Die KVdR – und sie fragt das bei Rentenantrag explizit im Formular R0810 ab – will wissen, wie treu er seiner gesetzlichen Krankenversicherung in der zweiten Hälfte seines Berufslebens war. Nur wer mindestens zu 9/10 oder 90 Prozent in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pflichtversichert, freiwillig versichert oder familienversichert war, kann als günstig Pflichtversicherter in die KVdR – alle andere sind gezwungen, mit einem in der Regel höheren Beitrag freiwillig Mitglied zu werden.

Das Ganz am Beispiel erklärt

„Finanztip“ hat das an einem Beispiel durchgerechnet:

Ein Ingenieur arbeitet nach seinem Studium mit 25 als Angestellter und ist gesetzlich krankenversichert. Nach ein paar Jahren macht er sich selbstständig und wechselt in die private Krankenversicherung. Mit 47 muss er seine Selbstständigkeit aufgeben und geht wieder in ein Angestelltenverhältnis. Im Zuge dessen kehrt er in die GKV zurück. Mit 65 geht er schließlich in Rente.  Der Ingenieur in diesem Beispiel darf in die Krankenversicherung der Rentner, da er die Vorversicherungszeit gerade so erfüllt: Er war 40 Jahre lang erwerbstätig. Die zweite Hälfte seines Erwerbslebens begann mit 45. Von diesen 20 Jahren war er 18 Jahre lang gesetzlich versichert, das entspricht genau 90 Prozent dieses relevanten Zeitraums.

 

Ältere Frauen sind die Dummen

Das führte manchmal bei älteren Frauen zu abstrusen Ungerechtigkeiten: Ehefrauen von Beamten, Richtern oder Selbstständigen waren über ihren Mann privat versichert. Wenn sie in der Zeit, als sie Kinder großzogen, nicht gearbeitet hatten, waren sie natürlich in keiner gesetzlichen Krankenversicherung. Für die gesetzliche Krankenkasse gelten sie als freiwillige Versicherte und fallen durch das 9/10-Raster. Wenn sie in Rente gehen, kommen sie nicht in den Genuss der Pflichtversicherung in der KVdR.  Entsprechend hoch sind ihre Beiträge. Durch die Neuregelung des Sozialgesetzbuchs (siehe weiter unten) zum 1. August 2017 haben sie jetzt möglicherweise eine Chance, doch noch als Pflichtversicherte in die KVdR zu kommen.

Zurück in die gesetzliche Krankenkasse?

Manche Privatversicherte glauben, sie können noch vor 55 in die GKV wechseln. Das ist richtig, wenn sie weniger verdienen als die Versicherungspflichtgrenze von 57 600 (Stand 2017). Das geht durch Gehaltsreduzierung. Wer Selbstständig ist, muss in seinem Job in ein Angestelltenverhältnis wechseln, in dem er weniger als 57 600 Euro – 4800 Euro im Monat – verdient. Wer es schafft, von der privaten zurück in die gesetzliche Krankenkasse zu kommen, darf nicht glauben, dass er im Alter damit automatisch als Pflichtversicherter in der KVdR aufgenommen wird.

Wem das alles noch zu einfach wer, für den gibt’s seit 1. August noch ein Schmankerl, wie die Neue Osnabrücker Zeitung schreibt  – das zumindest einigen schmecken dürfte. Seit August haben Mütter und Väter vielleicht doch noch die Chance, als Pflichtversicherte in die KVdR zu rutschen. Mit der Gesetzesänderung wird die sogenannte 9/10-Regelung für die Mitgliedschaft in der Pflichtversicherung entschärft. Und was ist neu ab 1. August 2017? Die 9/10-Regelung in punkto Vorversicherungszeit bleibt zwar bestehen, aber Versicherte mit Kindern – und zwar Mutter und Vater – können sich pro Kind drei Jahre in der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens anrechnen lassen. Das ist übrigens in §5 Absatz 2 des Sozialgesetzbuchs V so neu geregelt worden. Und da heißt es: „Auf die nach Absatz 1 Nummer 11 erforderliche Mitgliedszeit wird für jedes Kind, Stiefkind oder Pflegekind (§ 56 Absatz 2 Nummer 2 des Ersten Buches) eine Zeit von drei Jahren angerechnet“. Absatz 1 Nummer 11 besagt, dass „Personen, die die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllen und diese Rente beantragt haben, wenn sie seit der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bis zur Stellung des Rentenantrags mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte des Zeitraums Mitglied oder nach § 10 versichert waren“. Die Deutsche Rentenversicherung hat die Rahmenbedingungen für eine Mitgliedschaft in der KVdR einmal zusammen gestellt, allerdings in Versicherungsdeutsch.

Was bedeutet das konkret? Die Neuregelung gilt für Neu- und Bestandsrentner. Die drei Jahre pro Kind kann immer auf die zweite Hälfte des Erwerbslebens und damit zur Erfüllung der 9/10-Regelung angerechnet werden.

Die TK hat das an einem Beispiel durchgerechnet:

Beginn Ihres Berufslebens: 1.8.1973
Datum des Rentenantrags: 31.3.2017
Beginn der 2. Hälfte dieses Zeitraumes: 1.6.1995
90 Prozent der 2. Hälfte: 19 Jahre, 7 Monate, 29 Tage
Für eine Pflichtversicherung in der KVdR müssen vom 1.6.1995 bis zum 31.3.2017 mindestens 19 Jahre, 7 Monate und 29 Tage an Vorversicherungszeiten vorliegen – durch Versicherungszeiten in der gesetzlichen Krankenversicherung in der zweiten Hälfte Ihres Berufslebens und (ab dem 1. August 2017) durch Kinder.
Sofern Sie bislang beispielsweise eine Vorversicherungszeit von 18 Jahren erreicht haben und ein Kind haben, kommen Sie auf eine Vorversicherungszeit von 21 Jahren und können ab dem 1. August 2017 in der KVdR versichert werden

 

Die Krux bei dieser Neuregelung: Jeder muss selbst aktiv werden, wenn er glaubt, davon zu profitieren. Die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV) prüfen die Versicherungspflicht unter den neuen rechtlichen Bedingungen nur, wenn der Betroffene das veranlasst.  Wer also als Rentner glaubt, sich durch die Neuregelung ab dem 1.August besser zu stellen, sollte seine Krankenkasse um eine Neuberechnung bitten.

Können über 55-Jährige privat Krankenversicherte überhaupt noch in gesetzliche Krankenversicherung? Privat Krankenversicherte, die bereits 55 Jahre oder älter sind, haben es sehr schwer, sich überhaupt noch bei einer gesetzlichen Kasse zu versichern – und das gilt auch in der Rente. Als privat Krankenversicherter zum Pflichtversicherten in der KVdR werden? Ganz schwer, bis unmöglich. Das Portal für Steuerberater fasst es so zusammen:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung bei über 55-jährigen Versicherten endgültig verwehrt ist, wenn in den letzten fünf Jahren einerseits keine gesetzliche Krankenversicherung bestand und ein qualifizierter Grund für die fehlende Krankenversicherungspflicht, insbesondere das Überschreiten der Jahresentgeltgrenze oder die Ausübung einer selbständigen Tätigkeit, für mindestens 900 Tage vorlag. Nicht zwingend ist ein zusammenhängender Zeitraum. Ebenso ist der Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung bei absoluter gesetzlicher Versicherungsfreiheit verwehrt.

Und das Portal für Steuerberater liefert auch ein Beispiel dazu:

Herr Berger hat am 4. April 2014 sein 55. Lebensjahr vollendet. Bevor er sich am 1.1.2014 mit IT-Beratung selbständig gemacht hat, war er bis 31.12.2013 als Angestellter tätig und gesetzlich krankenversichert. Mit Aufnahme der selbständigen Tätigkeit wechselte er in die private Krankenversicherung. Im Mai 2014 wird ihm eine Stelle als Angestellter angeboten; das Gehalt würde unter der Jahresentgeltgrenze liegen. Diese Stelle würde er gern annehmen. Auch wenn Herr Berger bei Beginn des neuen Arbeitsverhältnisses über 55 Jahre alt ist, ist er gesetzlich krankenversicherungspflichtig, weil er innerhalb der letzten fünf Jahre gesetzlich krankenversicherungspflichtig war, d.h. er hat die Möglichkeit, obwohl er älter als 55 Jahre ist, in die gesetzliche Krankenkasse zurückzukehren.

 

Bis 40 für ein System entscheiden

Wer zu spät von der privaten in  die gesetzlich Krankenversicherung wechselt, zahlt in der Rente meist höhere Beiträge als Pflichtversicherte. Das 40. Lebensjahr ist somit eine Wendemarke.

Selbstständige müssen sich normalerweise selbst versichern – in der Regel bei einer privaten Krankenversicherung. Ausgenommen davon sind Künstler, Journalisten und Schriftsteller. Sie können sich bei der Künstlersozialkasse pflichtversichern lassen. Voraussetzung ist allerdings, dass „eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend ausgeübt wird“, so steht es im Gesetz. Dabei gilt, dass die „künstlerische oder publizistische Tätigkeit selbständig und erwerbsmäßig ausgeübt werden muss“.

Das gilt auch nur für „Künstler“, die niemand sonst beschäftigen, also Solopreneure.

Mindestverdienst 3900 Euro pro Jahr

Und noch eines kommt hinzu: Die Künstlersozialkasse erwartet, dass der „Künstler“ pro Jahr mindestens 3900 Euro verdient – wie sonst soll er sonst von seiner Kunst leben. Berufsanfängern wird eine Karenzzeit von drei Jahren zugestanden.

Wer Mitglied in der Künstlersozialkasse werden will, muss auch nachweisen, dass er „künstlerisch“ tätig ist.

Jetzt gibt es Ausnahmen von der vorteilshaften Versicherungspflicht – Pflicht klingt so nach Muss, ist in dem Fall jedoch von Vorteil.

Die Ausnahmen:

  • Wenn sie wegen einer anderen Beschäftigung versicherungsfrei sind, das gilt beispielsweise für Beamte, die nebenbei schreiben
  • Wenn sie neben ihrer „künstlerischen“ Tätigkeit noch andere Einkünfte erzielen, die 38 100 Euro in den alten Bundesländern und 34 200 Euro in den neuen Bundesländern überschreiten (Stand: 2017).
  • Wenn sie wegen einer abhängigen Beschäftigung in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sind.
  • Wenn sie das 55. Lebensjahr vollendet haben und in den vergangenen fünf Jahren nicht gesetzlich versichert waren
  • Wenn sie beispielsweise Arbeitslosengeld beziehen

Wenn sie versicherungsfrei sind, weil ihre Einnahmen die Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt. Diese Grenze liegt bei monatlich 4800 Euro, jährlich bei 57 600 Euro.

 




Hunde für Ruheständler – welcher Vierbeiner passt zu wem?

Was tun in der Rente? Warum nicht einen Hund anschaffen, der einen zwingt, jeden Tag Gassi zu gehen? Ein Hund bringt Leben in die Bude und Struktur in den Alltag. Hunde sind Stimmungsaufheller und geben Rentner das Gefühl, gebraucht zu werden – gut für Psyche und Körper.   

Mal ehrlich, wer geht schon bei schlechtem Wetter nach draußen? Freiwillig nur die wenigstens. Der innere Schweinehund ist meist übermächtig. Wer aber einen Hund hat, muss raus, weil der Vierbeiner Bewegung braucht. Hunde halten, so viel steht fest, ihr Herrchen und Frauchen fit. Das ist gut für die Gesundheit. Ganz abgesehen davon, sind Hunde sowas wie Kuppler. Mit einem Hund an der Leine lassen sich leichter Kontakte knüpfen.

Mit Hund fit bleiben

Wer sich im Alter einen Hund zulegt, bleibt lebendig und ist weniger rückwärts gewandt als Senioren ohne Hund. Herrchen und Frauchen kommen auch einfacher ins Gespräch mit anderen Hundehaltern – wie oft hören sie doch von Anderen, was ihr Jimmy oder ihre Susi doch für ein netter Hund sei. Mal ehrlich, wem passiert das schon ansonsten im Alltag.

Welcher Hund passt zu mir?

Nun zur Frage, wer passt zu wem? Nicht jeder Hund eignet sich für 60plus. Manche Hunde überfordern ältere Herrchens und Frauchens. Ein australischer Shepherd dürfte wohl eher nichts für Ältere sein. Diese Rasse braucht Aufmerksamkeit und viel Raum zum Spielen. Sie sind dafür gezüchtet, eine Herde zusammen zu halten, wenn sie das nicht können oder dürfen, wollen sie Fangen spielen – ob das aber das Herrchen oder Frauchen will? Also eher nichts für Senioren und Ruheständler.

Welchen Hund habt ihr?

Über das Ob und Wie soll hier nicht gesprochen werden, denn ein Tier kostet natürlich Geld, braucht das entsprechende Umfeld und lebt nur eine bestimmte Zeit. Deswegen meine Fragen an euch:

  • Welcher Hund passt zu wem?
  • Welchen Hund habt ihr?
  • Wie seid ihr dazu gekommen?
  • Wie heißt er?
  • Was ist das Besondere daran

Schickt ein Bild von Hund und Herrchen

Schickt mir ein Bild von eurem Liebling. Gern stelle ich Frauchen und Herrchen sowie Hund vor. Bild und einen Satz, wer wer ist – an info@vorunruhestand.de

Übrigens, der Hund auf dem Bild ist „Danjo“ oder „Danilo“, ein Russe

… und hier schon mal die ersten Hundefotos

Sammy – ein Shylti

Sammy von Knut Poczka

Sammy von Knut Poczka

Pantra

Pantra Langhaardackel-Dame vor 6 Wochen aus dem Tierheim geholt ... 14 Jahre alt von Wolfgang Raven

Pantra Langhaardackel-Dame vor 6 Wochen aus dem Tierheim geholt … 14 Jahre alt von Wolfgang Raven

Eddy

Eddy - 17 Jahre lang Begleiter von Regina Mireider

Eddy war 17 Jahre lang Begleiter von Regina Mireider

Felipa

Felipa, Spanierin, 6 Jahre schon bei Dagmar Zim

Felipa, Spanierin, 6 Jahre schon bei Dagmar Zim

Maxi

Maxi - Hunde-Omi von Feldkamp Sonja

Maxi – Hunde-Omi von Feldkamp Sonja

Burek, Gombi, Emma

15 Jahre alter Burek (schwarz), der braune Gombi (12 Jahre) und Kater Emma von Elke Henga

15 Jahre alter Burek (schwarz), der braune Gombi (12 Jahre) und Kater Emma von Elke Henga




Warum besseres Hören im Straßenverkehr Fahrradunfällen vorbeugt

„Rauf aufs Rad“ – für viele ist das mittlerweile mehr als nur ein flotter Spruch. Radfahren ist in Deutschland längst Volkssport. Hierzulande besitzen rund 67 Prozent der Menschen mindestens ein Fahrrad, viele sogar zwei und drei. Und sie nutzen es regelmäßig in der Freizeit oder für den Weg in die Arbeit.

Boom bei E-Bikes

Gerade E-Bikes erleben zurzeit einen regelrechten Boom. Deren Verkaufszahlen haben sich von 2010 bis 2016 mehr als verdoppelt. Besonders ältere Menschen gewinnen dank des zugeschalteten Elektromotors, neue Mobilität und Freiheit zurück.

Absatz E-Bikes

Absatz von E-Bikes ist deutlich gestiegen. Quelle: Statista

Die Medaille hat indes zwei Seiten, denn mit der wachsenden Zahl der Radler, wächst auch die Zahl der Unfälle. Von 2015 bis 2016 ist die Zahl der verunglückten Fahrradfahrer dem Statistischen Bundesamt zufolge um vier Prozent auf mehr als 81 200 gestiegen. Dabei sind Radler schon lange nicht mehr nur Opfer, sondern oft auch mitverantwortlich. Vielen davon sind Ältere.

Ältere Radler gefährdet

Warum das so ist? Ältere sind zum einen nicht mehr so reaktionsschnell, zum anderen nehmen sie die Umgebung nicht mehr so gut wahr – aber genau das ist wichtig, um gefährliche Situationen möglichst schnell erkennen zu können. Das Gehör spielt dabei eine wichtige Rolle – und hier die Fähigkeit des räumlichen Hörens. Denn Radfahrer tragen bei Unfällen meist die schwerwiegendsten Folgen davon. Neben dem Sehen ist das Hören der wichtigste Sinn, um Gefahren im Straßenverkehr rechtzeitig wahrnehmen zu können – und somit besonders wichtig für die Unfallprävention.

Fahrunfälle steigen mit dem Alter

Mit steigendem Alter nimmt die Gefahr eines tödlichen Verkehrsunfalls mit dem Fahrrad zu. Quelle: Statistisches Bundesamt

Sehen und Hören wichtig

Dem kann auch Dr. med. Christopher Spering von der Uni Göttingen und Leiter der AG Prävention der Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) nur zustimmen. Hören sei absolut essentiell, davon ist er überzeugt. „Da wir im Straßenverkehr viele visuelle Reize wahrnehmen und verarbeiten müssen, benötigen wir akustische Unterstützung“, so der Experte. Seiner Meinung nach verkennen wir oft, wofür wir unser Gehör einsetzen. So seien im Straßenverkehr visuelle Signale zum Einschätzen von Entfernungen oder Geschwindigkeiten meist nicht ausreichend. „Erst gemeinsam geben die visuellen und akustischen Reize das komplexe Straßenbild richtig wieder“, argumentiert Spering.

Beide Ohren für räumliches Hören

Für räumliches Hören braucht es beide Ohren. Das Ohr hilft uns, einen räumlichen Eindruck zu gewinnen. Wer nur auf einem Ohr gut hört, tut sich schon schwerer, Schallwellen richtig zuzuordnen und mögliche Gefahren einzuschätzen. Regelmäßige Hörtests, um möglichen Hörverlust zu erkennen und behandeln zu können, sind sehr wichtig. Heute gibt es für fast alle Arten von Hörverlust Lösungen, wie zum Beispiel Hörimplantate, um das Hören wieder zu ermöglichen.

Gefahren rechtzeitig wahrnehmen

Wer nichts mehr oder nur noch schwer hört, für den steigt das Risiko im Straßenverkehr. Das kann auch Isabelle Boberg bestätigen. Sie ist erfolgreiche Radsportlerin und Cochlea-Implantat-Trägerin. Ein Cochlea-Implantate ist, so viel zur Erklärung, ein elektronisch-medizinisches Gerät, das die Funktion der beschädigten Teile des Innenohrs, sprich der Gehörschnecke – auf Lateinisch Cochlea und Griechisch Kochlias – übernimmt. „Da ich während meiner Radsportwettkämpfe meine Audioprozessoren meistens ablege, merke ich sehr deutlich den Unterschied; würde ich so, ohne zu hören, am normalen Straßenverkehr teilnehmen, wäre es für mich viel schwieriger, andere Verkehrsteilnehmer wahrzunehmen und sie zu orten,“ erklärt Isabelle Boberg. „Wer nicht gut hört, dem fällt es schwer, Gefahren zu erkennen und, was noch wichtiger ist, wahrzunehmen, aus welcher Richtung andere Verkehrsteilnehmer kommen, die nicht zu sehen sind“, so die Radsportlerin. Ihr sei es auch wichtig als HörPatin über dieses Thema zu sprechen.

HörPaten als Mutmacher

Isabelle ist Teil des HörPaten-Programms, bei dem sich Interessierte und von Hörverlust Betroffene direkt bei Anderen informieren können, die bereits ein Hörimplantat tragen. Über die Website HörPaten können Interessierte Kontakt mit ihr – und anderen Implantant-Träger – aufnehmen und persönliche Eindrücke und Erfahrungen bekommen, die es so beim Arzt nicht gibt. Die HörPaten kommen aus ganz Deutschland und sind in allen Altersgruppen vertreten, sodass jeder seinen persönlichen HörPaten kontaktieren kann.

 




Fit bleiben – auch mental. So funktioniert’s

Fitness ist einer der Trends, die tatsächlich sinnvoll sind – wer fit ist und in Bewegung bleibt, lebt nachweislich gesünder. Oft wird bei aller körperlichen Ertüchtigung aber die mentale Komponente vernachlässigt. Das ist mehr als fahrlässig, denn schließlich ist die geistige Gesundheit mindestens genauso wertvoll.

Körper und Geist

Gehirntraining unterscheidet sich dabei im Grunde gar nicht so sehr von körperlichem Training; so wie bei einem untrainierten und wenig beanspruchten Körper Muskelkraft und Ausdauer immer mehr nachlassen, verliert das Gehirn an Leistungsfähigkeit, wenn es nicht genügend gefordert wird. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter die allgemeine Gehirn- und Gedächtnisperformance sowieso nachlässt – ein ganz normaler Vorgang, ähnlich dem altersbedingten körperlichen „Verschleiß“. Was viele nicht wissen: Der Gipfel der geistigen Leistungsfähigkeit ist mit spätestens 25 Jahren erreicht, danach lässt sie langsam, aber stetig nach.

Abhilfe schaffen Maßnahmen wie eine gesunde Lebensweise – genauso wichtig ist es aber, auch im fortgeschrittenen Alter weiterhin soziale Kontakte zu pflegen und intellektuell aktiv zu sein. Das Schöne an letzteren Anforderungen ist, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes spielend erfüllt werden können.

Spielend fit

Geistige Fitness kann man sehr effizient beim Spielen trainieren. Gerade komplexe Spiele wie Schach, die ein hohes Abstraktionsvermögen verlangen, sind hervorragend geeignet. Kartenspiele wie Skat oder Doppelkopf regen die grauen Zellen mit ihrem Anforderungsmix aus Regelkenntnis, Aufmerksamkeit und Taktik ebenfalls gut an und sind außerdem noch gesellig. Und auch simple Spiele wie Memory haben einen positiven Effekt.

Gehirntraining funktioniert aber auch als Solist(in): Kreuzworträtsel und Sudoku halten den Kopf auf Trab. Damit sich ein nachhaltiger Trainingseffekt erzielen lässt, ist aber Abwechslung das höchste Gebot. Denn wer zum Beispiel ausschließlich Sudokus löst, wird darin zwar immer besser, fordert sich aber auch immer weniger, und gerade dieses „gefordert sein“ ist essenziell. Wer nach neuen und unbekannten Spielen sucht, findet im Netz ein großes Angebot an kostenfrei spielbaren Denkspielen, bei denen vermutlich viele immer neuen Herausforderungen begegnen – für Abwechslung ist also gesorgt.

Auf diese Weise tut auch die 60plus-Generation spielend etwas für ihre geistige Gesundheit, und ganz nebenbei sie einem eventuell drohenden Bore-Out ein Schnippchen – denn wer sich mental anstrengt und mit anderen misst, hat gar keine Zeit, sich zu langweilen.

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Wie sich akuter Stress am besten abbauen lässt

Stress ist im Grunde nichts Schlechtes. Als instinktives Überbleibsel längst vergangener Zeiten half er den Jägern und Sammlern, in Gefahrensituationen Höchstleistungen zu erbringen, um das eigene Überleben zu sichern. Da Stress eine zutiefst natürliche und automatisierte Reaktion unseres Körpers ist, können wir oft nicht viel gegen sein Erscheinen tun. Aber wir können uns etwas unternehmen, in schnell abzubauen – und das sollten wir auch, denn häufiger akuter Stress oder gar Dauerbelastung kann schwere Folgen für Körper und Psyche haben: Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch erhöhten Blutdruck, Diabetes durch hohen Blutzuckerspiegel, Magen-Darm-Geschwüre wegen verringertem Stoffwechsel, um nur ein paar zu nennen. Wie aber akuten Stress abbauen?

Übergang vom Arbeitsleben zur Rente

Dass nur junge Menschen gestresst sind, ist ein Irrglaube. Denn mit dem Älterwerden verändern sich viele Dinge und nicht alle können damit gut umgehen. Eine problematische Situation ist etwa der Übergang vom Arbeitsleben zur Rente. Für viele war der Beruf jahrzehntelang Lebensinhalt. Fällt die Arbeit weg, bleiben oftmals nur noch Leere und unendlich viel Zeit, mit der manche nichts anfangen können. Andere haben einen übervollen Terminkalender, sind sportlich aktiv, engagieren sich in Vereinen, kümmern sich um die Familie, Haus und Garten – und sind schnell damit überfordert. Aber was hilft tatsächlich gegen plötzliche Stressattacken? Gleich zur Chemiekeule greifen? Besser nicht.

Kräuter – kein Hexenwerk

Viele Ratgeber schwören noch immer auf bewährte Heilkräuter gegen akuten Stress. Selbst homöopathische Arzneimittel enthalten stets irgendeine Form von Pflanzen- oder Blütenextrakt, die dort Heilung versprechen, wo die Allgemeinmedizin versagt. Die Wirksamkeit bestimmter Kräuter ist wissenschaftlich nachgewiesen. So hilft Passionsblume Studien zufolge zuverlässig gegen Angst und nervöse Unruhezustände. Ob die Wirkung von den in der Pflanze enthaltenen Flavonoiden oder den ätherischen Ölen herrührt, ist bis heute ungeklärt.

Auch Lavendel, Johanniskraut und Hopfen wurden zahlreichen Tests unterzogen, die allesamt positive Resultate lieferten. Bereits in kleinen oder verdünnten Dosen, zum Beispiel in Form von homöopathischen Globuli, Tees oder Essenzen wie von der Bach-Blüte Elm sollen sie Unruhe, Stress und Überforderung schon kurz nach der Einnahme lindern. Dabei scheiden sich die Geister darüber, ob der lindernde Effekt wirklich körperlichen oder eher psychischen Ursprungs ist.

Bewusstes Atmen

Entspannungsübungen gegen akuten Stress gibt es viele, von Meditation, über Spaziergänge bis hin zum ausgelassenen Tanzen. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Im Mittelpunkt steht die bewusste Atmung als Kernelement. Eine hilfreiche Übung ist die der Bauchatmung:

  1. Aufrecht hinsetzen.
  2. Tief durch die Nase in den Bauch einatmen und dabei bis zehn zählen.
  3. Ohne die Luft anzuhalten, langsam durch den Mund ausatmen und dabei bis zehn zählen.
  4. Jetzt den Atem für sechs bis zehn Sekunden anhalten.
  5. So lange wiederholen, bis spürbar Besserung eintritt.

Warum das hilft?

Warum das hilft? In Stresssituationen beschleunigt sich die Atmung automatisch, um Gehirn und Muskeln mit mehr Sauerstoff zu versorgen. Die Übung lenkt diese Abläufe wieder in normale Bahnen. Auch beim als Reiki bekannten Händeauflegen oder verschiedenen Klopfübungen steht bewusstes Atmen im Mittelpunkt. Welche Variante individuell am besten wirkt, lässt sich aber nur im Selbstversuch herausfinden.

Bild: Flickr meditation Syed Shameel CC0 1.0 Öffentliche Domäne




Wie die Autobranche unsere Gesundheit ruiniert

Offensichtlich nimmt es die Autobranche nicht sonderlich ernst mit dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, die in Artikel zwei des Grundgesetzes verankert ist. Wie anders ließe sich sonst erklären, dass ihre Dieselfahrzeuge ein Vielfaches an Stickoxide hinauspusten wie erlaubt? Und wenn sich die Geschädigten wehren, werden sie hingehalten oder gar noch angefeindet. Und so ruiniert die Autobranche unsere Gesundheit.

Diesel-Gipfel am 2. August

Aber der Reihe nach: Am Mittwoch, den 2. August treffen sich in Berlin mehrere Minister, darunter Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Umweltministerin Barbara Hendricks mit den Chefs von VW, Audi, Porsche, BMW, Ford und Opel sowie dem Verband der Automobilindustrie (VDA). Teilnehmer des „Nationalen Forums Diesel“ sind ferner der Deutsche Städtetag, die IG Metall und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Eingeladen sind die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Es fehlen Verbraucherschützer wie die Bundes Umwelthilfe oder der Bund Naturschutz.

Kein Verbraucherschützer beim Diesel-Gipfel

Die Teilnehmerliste sagt schon alles – die Mehrheit vertrat und vertritt die Meinung, das Eigentumsrecht der Autofahrer hat Vorrang vor dem Recht auf saubere Luft. Dabei müsste es genau umgekehrt sein, wie im Grundgesetz verankert. Warum reden wir nicht über „Rad statt Auto“. Der britische „The Guardian“ hat das Thema angestoßen und titelt „Swapping cars for bikes, not diesel for electric, is the best route to clean air“ (Der Tausch von Autos gegen Fahrräder ist der beste Weg zu sauberer Luft – nicht Diesel gegen Elektro). Wie wenig Räder im Alltag genutzt werden, lasse sich an Zahlen ablesen. So seien 2015 nur zwei Prozent der Wege in England mit dem Rad zurückgelegt worden, obwohl die durchschnittliche Länge jeder Fahrt lediglich sieben Meilen betragen habe. Der Wechsel zum Rad könnte nicht nur die Luftverschmutzung reduzieren, sondern auch andere Probleme wie Staus lösen.

Was sich die Kritiker einfielen ließen

 

Eben, weil dieser Diesel-Gipfel mehrheitlich von Vertretern der Industrie dominiert wird, sollte keiner allzu viel erwarten. Die Belange der belasteten Bürger wurden schon jahrelang hintangestellt, Klagen abgewiesen oder verschleppt.

Diesel dreckiger als erlaubt

Dabei ist mittlerweile längst bewiesen, dass Diesel-Fahrzeuge im Alltag deutlich mehr Stickoxide und Feinstaub emittieren als die vorgeschrieben. Der Diesel ist eine Mogelpackung. Die Folgen müssen alles tragen – nein, einatmen. Die Luft in den Ballungsräumen ist weit stärker belastet als zulässig. Wenn denn die Diesel so sauber wären, dürfte das nicht sein – es ist aber so.

Warum kocht das Thema gerade jetzt hoch? Die Grenzwerte für die gesundheitsgefährdenden Stickoxide werden schon seit Jahren regelmäßig überschritten. Der Druck kommt von außen, denn die Europäische Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Zudem hat der Druck der Umweltschutzverbände vor Verwaltungsgerichten zugenommen. Fahrverbote liegen nach jahrelangen Gerichtsverfahren jetzt in greifbarer Nähe. Fahrverbote drohen in Stuttgart, München und Hamburg.

Jetzt führt Ford auch noch die deutsche Autoindustrie vor“, wie die „Welt“ schreibt. Wer ein Fahrzeug mit Dieselmotoren der Euro-Normen 1 bis 3, die bis zum Jahr 2006 zugelassen worden sind, abgebe, solle je nach Modell zwischen 2000 und 8000 Euro „Umweltbonus“ erhalten. Der Kunde müsse jedoch einen neuen Ford kaufen. Pfiffig und werbewirksam. „Wir atmen alle die gleiche Luft, deshalb teilen wir die Bedenken bezüglich der Luftqualität in den Stadtgebieten und glauben, dass das Paket, das wir heute ankündigen, einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten kann“, so der Deutschland-Vize von Ford Wolfgang Kopplin über die Aktion. „Über die Weiterentwicklung unserer Fahrzeuge hinaus sind wir davon überzeugt, dass die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Städten und Kommunen und echte Innovationen die Luftqualität entscheidend verbessern können – auch kurzfristig“, so Kopplin.

Jetzt zwingt der Markt auch VW und seine Töchter zu Zugeständnissen. „Volkswagen bietet Besitzern von älteren Diesel-Autos einen Rabatt“, so das „Handelsblatt“. Die so genannte Umweltprämie solle beim Kauf eines neuen Golf 5000 Euro betragen. Das kommt einer Abwrackprämie für Diesel-Fahrzeuge gleicht. Das „Handelsblatt“ rät jedoch, das Kleingedruckte zu lesen.

Die Autohersteller haben getrickst und getäuscht und betrogen – und sie haben damit nicht aufgehört. Sie hoffen, auch in Zukunft die Lungen der Menschen weiter ungestraft belasten zu dürfen. Vielleicht hilft die Aktion von Ford, dass einige umdenken. Bei BMW hat der Vorstoß der Konkurrenz offensichtlich schon gewirkt: „BMW kündigte eine ‚Umweltprämie‘ von bis zu 2000 Euro an für Kunden mit einem Dieselfahrzeug mit Euro-4-Abgasnorm oder älter; Bedingung ist demnach der Erwerb eines BMW-Elektroautos i3, eines Plug-in-Hybrids oder eines Dieselwagens mit der Euro 6-Norm; die Aktion soll bis Ende 2017 laufen“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.

Der Staat als oberster Kontrolleur hat jahrzehntelang weggeschaut und die Autohersteller in ihrem Unrecht bestärkt. Erst Messungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ließen die Betrügereien auffliegen – und natürlich die USA: Im September 2015 deckte die US-Umweltbehörde EPA die illegalen Abschalteinrichtungen in Motorsteuerungen bei Diesel-Fahrzeugen von Volkswagen auf. VW hatte per Software den Motor so gesteuert, dass er im Labor die Abgasnormen erfüllt, aber nicht auf der Straße. Diese VW-Modelle wurden – und werden – aber nicht nur in den USA verkauft, sondern auch hierzulande. Amerika hat sich gegen diesen Betrug gewehrt, Deutschland nimmt ihn hin.

Kontrolleure schauen weg

Das Kraftfahrtbundesamt hat einfach weggesehen, statt seine Pflicht zu erfüllen und die Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen. Selbst moderne Diesel-Fahrzeuge, die der Euro-6-Norm sind Dreckschleudern, wie die DUH in Tests belegt. Im Sommer lagen die Stickoxidemissionen bei mobilen Messungen teils neunfach über dem Grenzwert von Euro 6, im Winter sogar 17,2-fach darüber. Aber dieses Abgas atmen wir alle ein – und das wird in der Diskussion um Euronorm und Grenzwerte geflissentlich übergangen.

Der Protest wird lauter und ist nicht mehr so leicht zu überhören. Stefan Stahl von der „Augsburger Allgemeinen“ bringt es auf den Punkt:

Eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit: Die Luft sollte in einer Stadt so sauber sein, wie es der Gesetzgeber vorschreibt. Doch in Stuttgart und München ist dies an bestimmten Straßen nicht der Fall. Die Politiker wissen das seit Jahren – und schauen weg. Der Glaube muss vorgeherrscht haben, es werde alles so weitergehen in der Auto-Republik Deutschland. Doch dann fühlte sich VW unverwundbar und glaubte sich mit manipulierten Dieselfahrzeugen selbst in den USA durchmogeln zu können. Was für eine unglaubliche Dummheit!

Die DUH formuliert es etwas härter: „Diesel-Abgase töten!“ Alle Verkehrsminister in dieser Zeit haben nur die Schultern gehoben und der Autobranche ansonsten freie Hand gelassen. Erst als der Skandal 2015 von der amerikanischen Umweltbehörde aufgedeckt wurde, wurde auch Dobrindt aus seinem Schlaf gerissen.

Gewinn wichtiger als Gesundheit

Ohne auf die Details einzugehen, lässt sich doch sagen, dass den Autokonzernen der Gewinn wichtiger war als die Gesundheit von Menschen. Die Branche wiegelt ab und verharmlost. Auf Dauer wird das aber nicht funktionieren. Es braucht jedoch eine andere Verkehrspolitik. Wann begreifen die Automanager, dass sie umdenken müssen – falls nicht, werden sie dazu gezwungen. Die Folgen des Einfach-weiter-so wären weit schlimmer.

Aber, der Diesel-Gipfel am Mittwoch dürfte vermutlich kaum einen Wendepunkt markieren, darauf lässt schon allein die Liste der Eingeladenen schließen. Die Runde wird vor allem versuchen, Fahrverbote zu vermeiden. Also, Augen zu und durch – auf Kosten der Bürger. Tatsächlich haben sich die Beteiligten auf ein Software-Update geeinigt. Das ist der kleinster gemeinsame Nenner und hilft der Umwelt nicht weiter. Diesel-Fahrzeuge werden also weiter unsere Atemluft verpesten. „Die 5,3 Millionen Dieselautos in Deutschland sollen mit einer neuen Software weniger Schadstoffe ausstoßen“, schreibt die „Welt“. Umweltschützer und Experten halten das, so die „Süddeutsche Zeitung“ allerdings für Augenwischerei. „Ein Software-Update bringt gar nichts“, zitiert sie etwa Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Was die Diesel-Gipfel-Besteiger versprechen – das Video zum Gipfel

Foto: Rueter/DUH




Wie Apotheker und Ärzte Patienten hinters Licht führen

Wer krank wird, sollte lateinisch können. Wenn nicht, machen ihm Ärzte und Apotheker ein X für ein U vor, führen uninformierte Patienten hinters Licht und in die Abgründe der Verschreibungspraxis. Wenn auf dem Rezept das Kästchen „aut idem“ (oder das Gleiche) angekreuzt ist, bekommt er eben nicht das Gleiche oder etwas Ähnliches, sondern wirklich genau das, was auf dem Rezept draufsteht, ansonsten schiebt ihm die Apothekerin oder der Apotheker ein anderes Medikament über den Tresen.

Uninformierte Patienten Apotheker und Ärzte setzen die Logik in der Praxis außer Kraft: Beim Ankreuzen dieses Kästchens „aut idem“ bekommen Patienten eben nicht das Gleiche, sondern genau das, was auf dem Rezeptformular draufsteht, also beispielsweise DiltaHexal 90mg Retardabl. Weil das aber jeder Patient verstehen würde, haben Ärzte und Apotheker das Kästchen schon gleich mal lateinisch beschriftet und dann noch die Logik umgekehrt. Schließlich bedeutet auch das Ankreuzen des Kästchens „Gebührenpflichtig“, dass der Patient Gebühren bezahlen muss – und nicht umgekehrt. Das heißt, Ärzte und Apotheker widersprechen sich bereits auf diesem Formular selbst. Das ist nichts anderes als Verbrauchertäuschung.

aut idem ins Gegenteil verkehrt

Die Bedeutung von „aut idem“ wurde ins Gegenteil verkehrt. Wenn ein Arzt heute „aut idem“ ankreuzt, muss der Apotheker das aufgeschriebene Medikament abgeben – und wenn es nicht angekreuzt ist, gibt’s nur „das Gleiche“.

Ok, dass Apotheker und Ärzte nichts von Logik halten, ist das eine, dass Apotheker und Ärzte ihre Patienten aber für dumm verkaufen, ist das andere. Warum informieren Apotheker ihre Kunden nicht, dass sie ihnen etwas anderes liefern als auf der Bestellung draufsteht, so wie das im normalen Umgang zwischen Lieferant und Kunden üblich ist. Schon mal was von den Prinzipien eines ehrbaren Kaufmanns gehört? Den Hausbesitzer möchte ich sehen, der sich mit einem Fenster ohne Sprossen zufriedengibt, wenn er ein Sprossenfenster bestellt hat. Aber in der Apotheke ist das mittlerweile normal, dass Patienten ein ähnliches Medikament bekommen, das aber nicht dasselbe ist, wie auf dem Rezept vermerkt. Vielen, ich hoffe nicht allen Apothekern, ist diese Abweichung nicht einmal ein informierender Satz wert.

Von wegen Kundenorientierung

Kundenorientierung sieht anders aus, anders als beispielsweise in Olching in der Bären-Apotheke. Was ist da in der Bären-Apotheke passiert? Statt DiltaHexal 90 mg schob die Apothekerin der Kundin Diltiazem AL 90 retard über die Theke. Das Üble daran, die beiden Packungen sehen sich zum Verwechseln ähnlich – und sie heißen ja auch ähnlich.

Ist das nun ein Einzelfall? Nein, das passiert deutschlandweit sicher millionenfach – jeden Tag. Michael Wenzel hat sein Erlebnis mit „aut idem“ treffend Mitte Februar 2017 in der „Westerwälder Zeitung“ erzählt: So viel vorweg, er hat beim Arzt auf „aut idem“ bestanden, da er ein anderes Medikament möglicherweise nicht vertrage. Ein Arzt, so viel zur Erklärung, erlaubt dem Apotheker demnach durch das Ankreuzen der beiden Wörter auf einem Rezept, ein anderes als das namentlich verordnete, aber wirkstoffgleiches Arzneimittel abzugeben. Aber zurück zu Wenzels Erzählung: „Kein Problem, heißt es, und Minuten später marschiere ich mit dem Rezept zur nächsten Apotheke. Kurzes Gespräch, dann ab nach Hause. Dort angekommen, bemerke ich, dass ich ausgerechnet das Mittelchen erhalten habe, das ich nun einmal überhaupt nicht haben möchte. Nichts mit ‚aut idem‘. Also, neues Rezept anfordern, es abholen, wieder zur Apotheke, zuvor erhaltenes Medikament umtauschen und die verträgliche Arznei in Empfang nehmen. So hätte es eigentlich laufen müssen. Denkste, denn als ich mit dem neuen Rezept vor der Apothekerin stehe, meint diese nunmehr fest, dass das kleine ‚aut idem‘-Kreuzchen falsch angebracht sei. Also wieder zum Arzt, dann zur Apotheke und anschließend zur Arbeit …“

Warum Ersatzmedikamente?

Die Krankenkassen wollen sparen und gestehen ihren Mitgliedern oft nur Medikamente zu, die den gleichen Wirkstoff enthalten aber billiger sind. Gleicher Wirkstoff heißt nicht, dass das Ersatzmedikament auch gleich verträglich ist, denn außer dem Wirkstoff enthalten Medikament ja auch andere Bestandteile. Hat nun der Arzt das „aut idem“-Feld nicht angekreuzt, muss die Apotheke eines der drei günstigsten Arzneimittel mit gleicher Stärke und Zusammensetzung des Wirkstoffs verkaufen.

Folgen der Rabattverträge

Was steckt dahinter? Krankenkassen vereinbaren mit Pharmakonzernen Preisnachlässe auf Arzneimittel. Angenommen, der Arzt verschreibt jetzt genau das Medikament, für das die Krankenkasse einen Rabatt ausgehandelt hat, dann bekommt der Patient das Medikament auch. Falls dieser Fall – und das meist so – nicht eintritt, bekommt der Kunde vom Apotheker ein anderes Medikament mit gleichem Wirkstoff – und das ist dann ein Medikament von einem Pharmahersteller, für das die Krankenkasse einen Vertrag abgeschlossen hat. Weil aber jede Krankenkasse andere Rabatte mit unterschiedlichen Pharmaherstellern aushandelt, bekommt Patient A, der bei Krankenkasse B Mitglied ist ein anderes Medikament als Patient B, der bei Krankenkasse B Mitglied ist. Und damit das Ganze auch nicht zu einfach ist, gilt ein einmal gewährter Rabatt ja nicht für alle Ewigkeit. Das heißt, sollte die Krankenkasse einen günstigeren Lieferanten finden mit höheren Rabatten, dann wird sich ihren bestehenden Vertrag aufkündigen und wechseln. Für den Patienten bedeutet das, dass er statt dem bisher verordneten und gut wirkenden Mittel ein anderes „aut-idem“-Produkt bekommt.

Verbraucher zahlen die Zeche

Wer also will, dass er ein bestimmtes Medikament bekommt, muss darauf achten, dass das „aut-idem“-Kästchen angekreuzt ist. Pech, wenn sich der Arzt weigert. Viele Ärzte gehen dazu über, einen Wirkstoff aufzuschreiben und nicht den Handelsnamen, um Problemen aus dem Weg zu gehen. Übrigens, es gibt noch die Möglichkeit, dass der Patient die Mehrkosten selbst trägt. Aber, um mal wieder kompliziert zu machen: Der Kunde zahlt in der Apotheke nicht den Aufpreis, sondern den kompletten Preis des Medikaments. Von der Krankenkasse bekommt er einen Teil des Preises zurück – so viel, wie eben das rabattierte Medikament gekostet hätte. In der Regel zahlt der Versicherte dann noch eine Art Verwaltungskosten.

 Wie lese ich mein Rezept? Ein Erklärvideo


Ein ziemlicher Irrsinn, um pro Medikament einige Cent zu sparen. Die Techniker Krankenkasse ist da indes anderer Ansicht, durch diese Praxis spare sie „bei gleicher Versorgungsqualität im Jahr über 250 Millionen Euro“.