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Sparen bei Nullzinsen – lohnt sich das noch? Hat der Weltspartag damit ausgedient? Wie geht Sparen heute? Und wann ist Weltspartag überhaupt? Am einfachsten zu beantworten ist noch die Fragen, wann Weltspartag ist. Weltspartag ist am letzten Werktag im Oktober – und zwar am 30. Oktober 2017.

Ärmer dank Sparen

Der Slogan „dein Sparschwein – ein wertvoller Schatz. Mach mehr daraus“ der Sparkasse Kraichgau klingt wie Hohn. Für Guthaben auf dem Jugendsparkassenbuch zahlt die Sparkasse Kraichgau (Stand 23. Oktober 2017) 0,25 Prozent, ab 2500 Euro Guthaben allerdings nur noch 0,025 Prozent. Die Stadtsparkasse München beispielsweise zahlt sogar nur 0,01 Prozent Zinsen pro Jahr – immerhin nicht „0“, das traut sie sich nicht, noch nicht. Damit lässt sich nicht „mehr aus seinem Geld machen“, wie die Sparkassen propagieren. Der Sparkassenverband hat anlässlich des Weltspartags 2017 einiges zum Thema Sparen zusammengetragen. Allerdings steht da nichts über Realzinsen. Realzinsen? Realzinsen sind die nominalen Zinsen minus Inflationsrate – und die sind zurzeit negativ. Wie das? Na, wenn die Stadtsparkasse München 0,01 Prozent Zinsen bietet und die Inflation (Stand September 2017) bei 1,8 Prozent liegt, dann schrumpft mein reales Vermögen um -1,79 Prozent. Das heißt, ich vernichte mit Sparen mein reales Vermögen. Das klingt unlogisch, ist aber so. Kinder zum Sparen anzuhalten, ist eine … ja, was? Kinder zum Sparen anzuhalten ist eine dreiste Frechheit. Wie wäre es denn, wenn der Sparkassenmensch den Kindern einmal vor Augen führt, was reale Zinsen sind. Da helfen auch die Kugelschreiber und Schlüsselanhänger nichts, die Sparkassen und Banken am Weltspartag Kindern schenken.

Eigentlich sollten die Sparkassen und Volksbanken – auch bei den Volks- und Raiffeisenbanken gibt’s meist nur 0,01 Prozent – diesen Tag still und heimlich begraben. Denn seinen Zweck, Kinder fürs Sparen zu begeistern, erfüllt er angesichts dieser Zinssätze sicher nicht. Wenn an dem Tag beim Leeren gefüllter Spardosen kleine Geschenke verteilt werden, dann tun Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken ihren kleinen Kunden damit einen Bärendienst.

Früher gab’s höhere Zinsen

Das war schon mal anders, wie wir Alten uns sicher erinnern können. Da war das Spar-Büchse-Leeren ein freudiges Ritual. Wer kann sich noch an die alten Sparbüchsen erinnern? Da kam der Mann von der Sparkasse mit seinem Schlüssel, leerte die Büchse, zählte das Geld und trug die Zahl ins Sparbuch ein. Lang ist’s her.

Dank Gespartem plus Zins konnten sich die Kinder dann ein Rad leisten oder etwas Anderes. Finanzprofi Robert Halver sagte vor einiger Zeit, der

„Weltspartag ist kein Freudentag mehr, er ist ein Volkstrauertag“.

Schuld daran ist die Europäische Zentralbank (EZB). Ihr Chef Mario Draghi hat die Zinsen auf 0 gedrückt – in Worten: null: Er verlangt von Banken und Sparkassen Strafzinsen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken. Das heißt, die Finanzinstitute wollen gar kein Geld mehr, weil sie für Überschüssiges ja Strafgebühren zahlen müssen.

Sparen ist kontraproduktiv

Sparen ist sogar kontraproduktiv bei einem Zins von 0,01 Prozent, denn gleichzeitig verliert das Geld an Wert wegen der Inflation, die mittlerweile bei 1,87 Prozent liegt. Das heißt, wer sein Geld zur Sparkasse bringt, verliert pro Jahr 1,79 Prozent. Vor einem Jahr lag der Verlust „nur“ bei 0,69 (0,7 Inflation minus 0,01) Prozent. Je länger die Nullzins-Phase dauert, desto höher wird der Schaden für den Sparer. Der Inflationscheck von Ypos veranschaulicht das sehr bildlich.

Wer wirklich noch Zinsen für sein Geld bekommen will, muss schon anderswo suchen – beispielsweise bei Zinsplattformen wie Zinspilot, Weltsparen und Savedo, die Einlagen bei Banken im europäischen Ausland ermöglichen und mittlerweile Milliarden eingesammelt haben. Aber selbst dort, bekommen Sparer zwar ein paar Zehntel Prozent mehr, das reicht aber immer noch nicht, um die Inflation auszugleichen.

Draghi zwingt Anleger ins Risiko

Oder er muss etwas mehr Risiko eingehen und beispielsweise auf Indexfonds (ETF) setzen. Das Frankfurter Fintech-Unternehmen Ginmon hat dafür einen interessanten Ansatz gewählt – mit digital verwalteten ETFs. Lars Reiner, Gründer und Geschäftsführer von Ginmon erinnert sich zwar noch gern daran, wie er mit seinem Großvater vor 20 Jahren am Weltspartag die Sparkasse besucht hat:

„Feierlich wurden 100 Mark auf mein Konto eingezahlt; die Verzinsung betrug zwei Prozent“. Sein Opa habe sich sogar noch an Zeiten von deutlich über vier Prozent erinnern können. Am 91. Weltspartag stelle sich Reiner mittlerweile die Sinnfrage, ob sich der Weltspartag durch die niedrigen Zinsen nicht selbst abgeschafft hat. „Dass die Geldinstitute am Weltspartag auch heute noch gut besucht sind, liegt an den Werbegeschenken“, vermutet Reiner.

Weiterführende Links:

Fidelity: Über Geld spricht man nicht 
Finanzwelt: Wie viel Rendite ist realistisch 
Versicherungsbote: Geldanlegen als Schulfach – Sparwissen der Familie unzeitgemäß

 

 

 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

3 Comments

  1. […] gerade die Ergebnisse für September 2017 veröffentlicht. Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig. Von Sparen halten die Deutschen zurzeit wenig. Sie stecken ihr Geld lieber in den Konsum – oder investieren in Immobilien. Der Spar- und […]

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  2. Tja, was soll ich sagen, dein Blog-Beitrag bestätigt doch meine Überlegungen. Draghi zwingt Sparer ins Risiko

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  3. Hallo Helmut,

    Ich habe vorhin einen Artikel zu einem ähnlichen Thema verfasst – komme allerdings zu etwas anderen Schlüssen.

    https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/10/27/finanzielle-freiheit-trotz-niedrigzinsumfeld/

    Was meinst Du?

    Viele Grüße,
    FF

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