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Tag 4 meiner Tour de France – Karten lügen selten, zumindest in unserem technischen Zeitalter. Die Strecke von La Mure bis Gap weist einige aufstrebende > auf und einige  <, manchmal sogar >> und <<. Wer nur ein bisschen Karten lesen kann, weiß, was das heißt: Steigungen und Gefälle. Das schlimmste Stück auf der Route Napoleon war dann der Col Bayard mit 1248 Höhenmetern. Aber davon später. 

Kurz nach La Mure bog ich auf eine Nebenstraße ab, die nach St-Pierre führt. Der Abstecher hat sich gelohnt: der Montagen de Féraud zeigt sich in voller Schönheit, niemand der stört, Kiefern säumen den Weg – und ab und an Kuhglockengeläut. Und unten, einige Hundert Meter tiefer, fließt der Drac. 

Napoleon allgegenwärtig 

Nach einigen Kilometern geht es leider zurück auf die viel befahrene N85, besser bekannt als Route Napoleon. Ich quäle mich weiter Richtung Corps, links und rechts gehen die Wege ab zu irgendwelchen Pässen – zum Col de l’Holme, zum Col de Prés Salés. Ich bin mit mir und meinem Rad beschäftigt. Der Atem geht stoßartig, die Anstiege wollen nicht enden. Ab und an zieht eine Gruppe junger Rennradler an mir vorbei mit einem flockigen „bon Courage“. Ja, alter Mann, „von Courage“ kannst du brauchen. 

Rauf und  runter – ohne Ende

Irgendwann muss ich doch oben sein, aber da kommt nach der Abfahrt schon der nächste Anstieg. Am liebsten würde ich absteigen und schieben – aber welche Schmach!. Also weiter die Zähne zusammen gebissen und jeden Meter abgezählt. Schließlich kommt ein Schuld: noch zwei Kilometer bis Corps. Es ist Mittag und ich haben mir geschworen, dort erst einmal eine längere Pause einzulegen. Wen sehe ich dort am Brunnen im Ort: die Rennradler-Gruppe. Die müssen sich auch erst mal abkühlen und Kalorien aufnehmen. Sie grüßen mich auch jovial. 

Mein geliebtes Menthe à l’eau

In der Snack-Bar stelle ich mein Rad ab und lasse mir einen Tisch zuweisen. Mehr als einen Salat bringe ich jetzt aber nicht runter. Und wie es der Zufall so will, steht auf der Speisetafel – ja Tafel ist das richtige Wort – Salade Nicoise. Dazu ein Menthe à l’eau (Minzsirup mit Wasser) – und die Welt ist wenigstens für den Moment wieder in Ordnung. 

In Ordnung eben nur für den Moment, denn die Route Napoleon wartet noch mit weiteren Anstiegen auf, die schließlich am Col Bayard enden. Ich muss – ich gestehe es ein – mehrmals absteigen und schieben, weil mich die Kräfte verlassen. Wie unwürdig. ist mir in dem Moment aber ziemlich Wurscht. Meine beiden Trinkflaschen sind fast leer – und noch immer sind es vier Kilometer bis zur Passhöhe. Irgendwie schaffe ich es dann doch – und komme oben an. 

Mütze, Helm, Mütze …

Erst mal Wechsel von der Schirmmütze zum Fahrradhelm, denn den hatte ich abgesetzt. Leider gab’s auf der Passhöhe kein Restaurant, sonst hätte ich mir wenigstens etwas zum Trinken bestellt. 

Dann die Abfahrt nach Gap – fünf Kilomenter, mit einem Gefälle von teilweise zwölf Prozent. Mein erster Gedanke in Gap: schnell ein Hotel finden, raus aus Trikot und Radlhose und unter die Dusche. Zug Glück gibt’s Tripadvisor. Die App wies ein Ibis-Hotel aus. Beim Abstellen des Rads fällt mir ein Bus von „Unholzer“ auf. Das ist das Busunternehmen in Olching – was für ein Zufall. 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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