Auch im Alter jung bleiben – wie das funktioniert

Was mit der neugewonnenen Freiheit anfangen? Diese Frage stellen sich viele Senioren im Ruhestand. Es lohnt sich etwas Neues anzufangen, um im Alter jung zu bleiben. Nichtstun ist keine Alternative.

Aller Anfang ist schwer, zugegeben. Aber, wer nicht anfängt, hat schon aufgehört, den Alterungsprozess auszubremsen. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran …“ – in dem Lied von Udo Jürgens schimmert die Lust durch, die späte Freiheit zu nutzen, die sich uns „Ruheständler“ bietet. Allerdings, wer mit 66 Jahren erst in Schuss kommt, für den ist dann auch schon bald Schluss. Denn, wer alt werden will, muss früh anfangen.

Dem Leben eine Richtung geben

Einige Antworten auf die Frage, wie dem Leben eine neue Richtung geben – und die braucht es, denn die Rente ist der dritte Lebensabschnitt und der braucht eine Neuausrichtung. Wie die für den Einzelnen aussieht, muss jeder selbst entscheiden. Wer sich allerdings nicht entscheidet, entscheidet sich dafür, dass andere über ihn entscheiden – spätestens, wenn er im Seniorenheim landet.

Natürlich empfindet jeder das Älterwerden anders – wir alle müssen Einbußen akzeptieren. Wir sind nicht mehr so gelenkig, nicht mehr so flexibel, hören schlechter, sehen schlechter und sind nicht mehr so ausdauernd. Leider nimmt im Alter auch die Häufigkeit von Demenz zu. In Deutschland wird die Zahl der Menschen mit Demenzerkrankung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zufolge auf derzeit 1,7 Millionen geschätzt. Gesunde Lebensweise mit viel Bewegung, geistiger Forderung und befriedigenden sozialen Kontakten kann das Risiko zu erkranken, senken.

Nützliche Anti-Aging-Tipps

Also, regelmäßig bewegen, bewusst ernähren, begeistert lernen, vergnügt genießen und gelegentlich spielen – das sind nur einige Tipps, auch im Alter jung zu bleiben.

Panayiotis Mallis, Vice Chairman der Cyprus Adult Education Association (CAEA) glaubt, zehn Denk- und Verhaltensweisen gefunden zu haben, die einem helfen, mental und körperlich möglichst lang fit zu bleiben. Mallis weiß, wovon er redet: Er ist 83 Jahre alt.

Im Alter jung bleiben

1. „Strong appetite“ gehört für ihn dazu – und damit meint Mallis, sich gesund zu ernähren, seinem Magen nicht zu viel zuzumuten. Gerade gemäßigtes Hungern hilft anscheinend, das Altern zu verlangsamen. Nicht von ungefähr werden Bewohner der japanischen Insel Okinawa älter als die meisten anderen. Sie haben sich eine spezielle Regel auferlegt, das so genannte Hara hachi Bu“: „Der Magen soll bestenfalls zu 80 Prozent gefüllt werden – ein sublimes Hungergefühl gehört also auf Okinawa zur Esstradition“. Das Übergewicht raubt uns unsere Lebenszeit. Außerdem behauptet die Statistik, dass die ältesten Menschen der Erde ein niedriges Gewicht haben oder normalgewichtig sind.

2. Regelmäßiges Bewegen ist wohl einer wichtigsten Anti-Aging-Tipps. Tägliche Bewegung und körperliche Aktivität, wie Staubsaugen, Fenster putzen, Treppe steigen statt Aufzug zu nehmen und zu Fuß zum Einkaufen gehen statt mit dem Auto zu fahren, fördern unsere Gesundheit, trainieren unser Herz-Kreislaufsystem und aktivieren sogar unser Gehirn. Ganz abgesehen davon, dass gemeinsames Bewegen unseren Alltag auflockert und die sozialen Kontakte fördert.

3. „Always humour“ ist auch einer von Mallis‘ Tipps. Sich nicht allzu ernst zu nehmen, mal spielerisch herangehen und Fünfe gerade sein lassen. Spielen ist übrigens eine gute Übung, etwas mit Humor zu sehen, denn zum Spielen gehört auch das Verlieren. Spielen fordert unseren Geist, macht Spaß und fördert soziale Kontakte. Vielleicht war im Berufsleben nie die Zeit dafür, sich einmal mit den Kindern hinzusetzen und Halma oder Siedler von Catan zu spielen. Jetzt wäre die Zeit, sich mit den Enkeln zusammenzusetzen. Spielen hält uns geistig beweglich und schafft einen Ausgleich zum stressigen Alltag. Senioren von heute haben darüber hinaus dank Internet ganz andere Möglichkeiten als früher. Online finden sich leichter Mitspieler – und Spiele. Die Palette reicht von traditionellen Karten- und Brettspielen bis zum Eisenbahn-Simulator. Wer Poker, Bakkarat, Blackjack oder Roulette spielen will, geht in Casinos wie codeta. Dabei muss es eben nicht immer um Geld gehen. Spaß ist trotzdem garantiert.




Wie die Zahl der Rentner im Ausland steigt

Mittlerweile lebt jeder 14ste Rentner im Ausland. Ihre Zahl steigt – von 2000 bis 2017 von 1,1 auf 1,5 Millionen. Die meisten Renten werden nach Italien überwiesen, gefolgt von Spanien und Österreich.

Mehr Rentner im Ausland

Die Statistik der Deutschen Rentenversicherung kann richtig spannend sein. Wer den aktuellen Rentenbericht liest, kommt ins Staunen. Von den 25,66 Millionen Renten werden 1,75 Millionen ins Ausland gezahlt, das sind annähend sieben Prozent. Die mit Abstand meisten werden danach nach Italien überwiesen. Insgesamt sind es rund 374 000. Natürlich sind da viele ehemalige Gastarbeiter dabei, aber auch viele Deutsche, die mittlerweile in Italien leben und dort ihren Ruhestand genießen.

Die Tendenz, sich die Rente ins Ausland überweisen zu lassen, steigt. 2000 waren es erst 1,21 Millionen Renten, die die Deutsche Rentenversicherung nach Italien, Spanien und Kroatien beispielsweise transferierte, 2017 waren es dann schon 1,75 Millionen. Natürlich sind das nicht alles Altersrenten, sondern auch Witwen-, Waisen-, Erziehungs- und Erwerbsminderungsrenten.

Meisten Renten gehen nach Italien

Wer die Statistik genau liest, dem fallen so einige Besonderheiten aus. Klar abzulesen ist, woher in den 70er-, 80er- und 90er-Jahren die Gastarbeiter kamen. Italien liegt in der Liste weit vorn, entsprechend hoch ist der Anteil der Renten, die an Italiener überwiesen werden, die im Alter wieder zurück in ihre angestammte Heimat ziehen. Dazu kommen natürlich auch einige Deutsche, die nach Bella Italia umgezogen sind. An zweiter Stelle folgt bereits Spanien mit rund 225 000 Rentenzahlungen und mehr als 150 000 Rentnern, die heute zwischen San Sebastian und Alicante leben. An dritter und vierter Stelle folgen Österreich und Griechenland.

Ex-Jugoslawien stark vertreten

Das ehemalige Jugoslawien ist mit Kroatien, Serbien, Bosnien und Slowenien in der Statistik der Rentenversicherung ebenfalls stark vertreten. Nach dem Zerfall des Tito-Reichs flüchteten viele nach Deutschland und fanden hier Arbeit. Einige gehen wieder zurück und lassen sich ihre Rente dorthin überweisen.

ZahlungenAlle RentenAltersrentenDurchschnitts-Rente in €
Zahlungen Insgesamt2566168018180251875.68
Zahlungen Inland2390589916933571915.61
Zahlungen Ausland17540961246228333.25
Italien374021266015240.93
Spanien225057162948316.18
Österreich11998487437374.17
Griechenland10036272829422.21
Kroatien9255659697411.53
USA9099872943283.46
Frankreich8987570511382.03
Türkei7211836329658.25
Niederlande6961951570312.51
Schweiz5731148747282.27
Kanada5403842001222.62
Serbien4731031172319.29
Bosnien/Herzegowina4216023443343.78
Israel3628525249341.41
Belgien3051318334318.66
Australien2956722974231.65
Portugal2415617674506.11
Großbritannien2245018255303.47
Slowenien2190415877398.19
Polen1827110132302.24
Schweden1380011482299.53
Ungarn115338521438.96
Thailand61393634968.58
Marokko3333997714.06
Philippinen25291319806.48
Indonesien464299738.92
Vatikanstadt22259.73
Staatenlos/ungeklärt1685452660.91

Was auch auffällt – die Zahl der Rentner, die ihren Ruhestand in Thailand oder auf den Philippinen verleben, ist vergleichsweise klein, dafür sind die Durchschnittsrenten mit 800 bis weit über 900 Euro vergleichsweise hoch. Das lässt darauf schließen, dass es vor allem Deutsche sind, die dorthin gezogen sind. Auch Marokko fällt diesbezüglich auf. Es dürfte der gleiche Effekt sein.

Ins Auge fallen ferner die zwei Renten, die in die Vatikanstadt überwiesen werden und die vielen staatenlosen Rentenempfänger.

Das sind ja nur die nackten Daten. Interessant wäre es zu erfahren, wer konkret wo wohnt und wie es ihm dabei geht. Wollt ihr nicht ein bisschen über euch erzählen? Wäre sicher spannend auch für alle, die darüber nachdenken, ihren Ruhestand im Ausland zu verleben. Nutzt einfach die Kommentarfunktion dafür. Daaaaanke.




Rastlos im Beruf, ratlos im Ruhestand? Was tun?

Raus aus dem Job, rein in die Rente – viele Männer fallen dann in ein Loch. „Rastlos im Beruf, ratlos im Ruhestand“, der Titel des Buchs von Wolfgang Schiele trifft den Nagel auf den Kopf. Was so harmlos klingt, endet bei einigen im Desaster. Das muss nicht so kommen.

Rastlos im Beruf, ratlos im Ruhestand

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben“, heißt es in einem Gedicht von Hermann Hesse über die Stufen des Lebens. „Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmende Gewöhnung sich entraffen“, womit der deutsch-schweizerische Dichter die Aufgabe unserer letzten Heldenreise treffend beschreibt. Die Entberuflichung verlangt uns einiges ab, auf das uns niemand wirklich vorbereitet hat. Aber wozu gibt es Bücher wie „Rastlos im Beruf, ratlos im Ruhestand“ von Wolfgang Schiele?

Wie den Übergang meistern

Der Übergangscoach und Resilienztrainer hat sich die Zeit genommen, seine Erkenntnis in diesem Buch zusammenzufassen. Ihm geht es darum, vor allem uns Männern zu helfen, diese Zäsur im Leben zu meistern. Gerade Männer brauchen dieses Buch dringend. Für einige könnte es sogar ein Erste-Hilfe-Anleitung sein. Schiele spricht von „Heldenreise“ – und darauf sollten wir uns einrichten. Wir müssen uns im Übergang bewähren und eigene Verwandlungen vollziehen. Wer sich davor drückt, wird Schiffbruch erleiden wie einst Odysseus. Der Held aus Ithaka ist allerdings dann doch noch heimgekehrt, was er seiner List und seinem Durchhaltevermögen verdankte.

Von Odysseus lernen

Rastlos im Beruf, ratlos im Ruhestand?

Rastlos im Beruf, ratlos im Ruhestand?

Nur ist nicht jeder Übergängler so listenreich wie Odysseus. Das darf angesichts der Zahlen bezweifelt werden: Die Suizid-Rate gerade unter Senioren ist vergleichsweise hoch. 45 Prozent aller Selbsttötungen sind der Deutschen Stiftung Patientenschutz von Menschen im Seniorenalter. Sicher sind einige dabei, die quälende Schmerzen nicht mehr aushalten und sich deshalb das Leben nehmen, ein anderer Teil kommt aber mit dem Abschied aus dem Beruf nicht klar und wird depressiv.

Wider den Renten-Blues

Schiele hat das Problem, den Rentner-Blues so aufgedröselt, dass jeder nachvollziehen kann, wie aus der anfänglichen Euphorie ein Gefühl der Bedeutungslosigkeit wird, das schließlich zum Suizid führt. Gerade Männer sollten sich die Bore-Out-Uhr genau anschauen und sich fragen, wo ihr Zeiger steht – noch beim inneren Rückzug oder schon beim Zweifel am Sinn des Lebens.

Schiele belässt es aber nicht bei der Analyse der Übergangsprobleme – er bietet Lösungen an. Wer auf der Bore-Out-Uhr schon bei sieben oder acht angekommen ist, braucht dringend den Erste-Hilfe-Koffer des Übergangscoach. Wer noch bei drei oder vier ist, sollte sich überlegen, wie er zu einer Vision – der bildhaften Vorstellung einer zukünftigen Realität – kommt und daraus Ziele ableitet. Ziele motivieren und geben uns Halt in der dritten Lebensphase, wie einst Odysseus, der alles daransetzte, zu Frau und Kind zurückzukehren. Dieses Ziel half ihm, alle Widerstände zu überwinden.

Das Beste aus der Rente machen

Aufblühen oder abwracken? Wer seinen Ruhestand nicht aktiv gestaltet, muss sich nicht wundern, wenn er versauert. Diesen Ruhestand zu gestalten, das ist die Herausforderung – und sie verlangt planmäßiges Vorgehen. Nichts schlimmer, als den Tag zu verdaddeln oder einfach so vor sich hinzudämmern. Wer nichts tut, macht vieles verkehrt. „Wer jeden Abend sagen kann – ‚ich habe gelebt‘ -, dem bringt jeder Morgen einen neuen Gewinn“, schrieb einmal der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca. „Jeder ist seines Glückes Schmied“, heißt ein Sprichwort. Das heißt, wir haben es in der Hand, aus diesem letzten Lebensabschnitt das Beste draus zu machen. Warum das so ist und wie es gelingen kann, lässt sich in Schieles Buch nachlesen.

Was ist unsere Erfahrung wert?

Es ist dem Buch anzumerken, dass es von einem verfasst wurde, der weiß, wovon er schreibt. Rührend bis mitfühlend das Kapital, in dem Schiele beschreibt, wie er seinen „virtuellen beruflichen Suizid“ einleitete, indem er die Dateien auf seinem Rechner löschte, die Festplatte jungfräulich abzugeben. Mit Erstaunen verinnerlicht er, dass es für seinen Posten keine Nachfolgeregelung gibt. Seine Erfahrungen zählen nichts mehr. Das schmerzt.

Schiele rückt die Herausforderung des Übergangs ins Bewusstsein und liefert praktikable Lösungen – unterlegt mit Beispielen und Checklisten. Sein Buch ist im wahrsten Sinn des Worts ein Handbuch zur „aktiven Gestaltung der dritten Lebensphase“. In dem 288-Seiten-Werk steht alles, was ein Unruheständler wissen muss.

Und falls eine Frage unbeantwortet bleiben sollte – Schiele ist im Internet unter www.coachingfiftyplus.de zu erreichen und auf seinem Blog Späte-Freitheit-Ruhestand.

Zwei, drei Jahre Vorbereitungszeit

Rente hat uns niemand beigebracht – diese Erkenntnis ist das große Motto des Buchs, dass jeder Vorruheständler lesen sollte. Ruheständlern kann es übrigens auch nicht schaden. Besser ist es allerdings, sich schon zwei oder drei Jahre vor der Entberuflichung mit der dritten Lebensphase zu beschäftigen. Nur wer verstanden habe, wie wichtig es ist, „die Droge Arbeit wie ein Antidepressivum gezielt auszuschleichen, um psychischen Entzugsproblemen aus dem Weg zu gehen“, kann gelassen nach der Abschiedsfeier in Rente gehen.

Leider gibt es viele Männer, die ihrem Job nachtrauern und es nicht schaffen, sich mental von Beruf und Firma zu verabschieden, die immer noch ihrer alten Bedeutung nachtrauern und dabei vergessen, das Hier und Jetzt zu genießen und einen neuen Sinn zu finden. Dabei hätten sie im Ruhestand die Chance, die „Schatztruhe der Kindheit zu öffnen“ und Versäumtes nachzuholen. Denn erstmals im Leben sind wir frei von Zwängen und müssen weder Schule noch Arbeitgeber gerecht werden.

Kunst des späten Gelingens

Das wohl wichtigste Kapitel in Schieles Buch ist das über „die Kunst des späten Gelingens“. Er will uns animieren, wertschätzend und versöhnlich Abschied vom bisherigen Karriereweg zu nehmen, in die Schatztruhe der Kindheitsträume zu greifen, auf die Lebenserfahrung zu bauen und sich der vielfältigen Kompetenz bewusst zu werden. Wer das Wort „Salutogenese“ noch nicht kannte, lernt es in Schieles Buch kennen – Salutogenese heißt nichts anderes, als Gesundheit aktiv zu pflegen, vorzubeugen statt nachzubehandeln. Und dazu gehört, sich seiner verbleibenden Lebenszeit bewusst zu werden und sie zu strukturieren – nach Jahren, Wochen und Tagen. „Akzeptieren Sie das Altern und gehen Sie souverän und selbstbestimmt damit um“, rät Schiele Ruheständlern. Schaff‘ dir deine neue Identität lautet der Impetus, sprich, gib‘ dir einen Schubs – und zwar nachhaltig. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Alpenüberquerung oder Tour de France?

Was das ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Das kann ein Nord-Süd-Alpenquerung sein, die persönliche Tour de France, ein Buch oder eine neue Sprache. Oder wie wäre es mit Vorlesen im Kindergarten, mit Acrylmalerei oder dem Initiieren einer Bürgerbewegung. Vielleicht fällt da dem Einen oder Anderen Konstantin Weckers Lied „Sage nein ein. Da heißt es im Lied: „Ob als Penner oder Sänger, Bänker oder Müßiggänger, ob als Priester oder Lehrer, Hausfrau oder Straßenkehrer, ob du sechs bist oder hundert, sei nicht nur erschreckt, verwundert, tobe, zürne, misch dich ein – sage nein!“. Mitmischen ist wie eine Verjüngungskur.

Schiele macht Lust aufs aktive Altern, größer kann ein Kompliment kaum sein. Der Ruhestand ist Unruhestand – das ist unsere Aufgabe und unsere Chance.

Das Buch
„Rastlost im Beruf, ratlos im Ruhestand?“von Wolfgang Schiele.
Erschienen 2018 im Springer-Verlag, Heidelberg.
288 Seiten, Preis: 19,99 Euro
ISBN 978-3-662-56567-7
ISBN 978-3-662-56567-4



Warum Deutschland Radland werden muss

In punkto Radfreundlichkeit hinkt Deutschland hinterher – Holland, Dänemark und selbst Frankreich sind weiter. Deutschland muss Radland werden, nur so können wir dem Klimawandel entgegenwirken.

 Radweg? Fehlanzeige! In vielen deutschen Städten sind Radler Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse. Von sechs Milliarden Euro Investitionen in den Straßenbau kommen der „Wirtschaftswoche“ nur hundert Millionen bei der Rad-Infrastruktur an . Das sind prozentual 1,6 Prozent. Die „ZEIT“ spricht sogar von nur 0,5 Prozent. Dabei weiß jeder, dass Radler nicht nur den Radlern gut tun, sondern auch der Umwelt. Trotzdem passiert wenig. Woran liegt’s?

Vielleicht liegt es daran, dass Politiker sich chauffieren lassen, statt selbst zu strampeln, vielleicht liegt’s an der fehlenden Lobby. Wer tritt schon für Radler ein? Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) – aber ansonsten? Den meisten Politikern sind die Radler ziemlich wurscht, wie das in Bayern heißt.

Warum Deutschland Radland werden muss

Die Radlern können noch so viel gegen diese Wurschtigkeit protestiern, es passiert vergleichsweise wenig. Dabei wären mehr Radler gut für die Radler selbst und die Umwelt. Wer radelt, tut etwas für seine Gesundheit und entlastet die Umwelt. Aber Radfahren wird hierzulande zu wenig gefördert. Mal ehrlich, wo gibt es in den Innenstädten schon wirklich ausgewiesene Radwege? Selbst wenn, sind sie von Autos zugeparkt. Die ZEIT-Redakteurin Lea Frehse fleht jedes Mal auf der Fahrt zur Redaktion, dass sie nicht von rücksichtslosen Autofahrern umgenietet wird.

Eingeklemmt zwischen Lkws und Autos

Wer durch Olchings Hauptstraße fährt, einer Stadt im Münchner Speckgürtel fährt, betet am besten vorher, dass er heil an der S-Bahn ankommt, denn auf der Hauptstraße sind Radler nicht vorgesehen. Lkws brettern nur wenige Zentimeter an den Radlern vorbei; Autofahrer biegen knapp hinter den Pedalisten rechts ab; Ein-Parker setzen ohne Rücksicht einfach zurück. So geht das jeden Tag. Es ist ein Wunder, dass „nur“ so wenig Radler unter die Räder kommen.

Die ZEIT-Redakteurin – und nicht nur sie – fragt sich: „Geht’s noch?“. Was ist mit Klimaschutz und Gesundheitsvorsorge? Wir erleben den Klimawandel hautnah in Form steigender Temperaturen und sind dennoch nicht bereit, unser Mobilitätsverhalten zu hinterfragen. Wir Radler werden wie Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse betrachtet. Was läuft da schief in diesem Land?

Kopenhagen Welt-Rad-Hauptstadt

Warum tut sich Deutschland so schwer mit seinen Radlern? In anderen Ländern funktioniert es doch auch – erinnert sei nur an Holland und Dänemark. Für die Dänen ist es selbstverständlich, selbst Möbelstücke mit dem Rad zu transportieren. In Kopenhagen gibt es Radschnellwege und Radgaragen. Kopenhagen ist sogar die Fahrrad-Welthauptstadt – noch vor Amsterdam. Wer schon einmal in Kopenhagen oder Amsterdam war, weiß, welche Rolle dort das Rad spielt. Und bei uns?

Spießrutenlaufen in Deutschland

„Radfahrer fristen ein Dasein am Rand von Autoschneisen, manchmal in Lebensgefahr“, schreibt Lea Frehse. Liegt es an der Auto-Lobby, dass sich in Deutschland so wenig bewegt in punkto Radlfreundlichkeit? Da dürfte viel dran sein. Das Bewusstsein ist wohl nicht da, anders als in Frankreich, das sein Tour-Fahrer bejubelt. Städte, durch die das Paleton saust, brezeln ihre Straßen und Schaufenster auf mit Trikots und sonstigen Devotionalien. In Städten wie Bordeaux gibt es gut beschilderte zweispurige Radtrassen. Davon sind Städte wie München, Frankfurt oder Berlin weit entfernt.

Radler haben kaum Lobby

Aber leider ist die Lobby der Radler, der ADFC einfach zu schwach hierzulande. Er hat erst vor kurzem wieder – unterstützt durch eine Sternfahrt zum Königsplatz – ein Radgesetz für Bayern gefordert. So fordert er beispielsweise ein verbindliches Radverkehrsprogramm, ein durchgängiges Radwegenetz, Radabstellplätze, eine Verdoppelung des Budgets für die Förderung des Radverkehrs, mehr Personal für die Umsetzung des Radverkehrsprogramms und eine deutliche Verbesserung der Fahrradmitnahme in Bus und Bahn. Also, nichts Unverhältnismäßiges. https://www.radgesetz-bayern.de/

„Sichere und entspannte Mobilität für alle“ – ja, so einfach könnte es sein, wenn Politiker umdächten. Radelnde Bürger würden etwas für ihre Gesundheit und die Gesundheit ihrer Mitbürger tun, sie würden die Umwelt entlasten und den Mobilitätsstress reduzieren.

Musterbeispiel Wuppertal

Einzelne Kommunen wie Wuppertal preschen vor. Eine stillgelegte Bahntrasse wurde zum zentralen Radweg ausgebaut. Insgesamt kann Wuppertal auf 67 Kilometer Radwege verweisen. Aber, das ist leider nicht die Norm, sondern eher die Ausnahme. „Für eine echte Wende muss das Auto Platz machen“, fordert Lea Frehse. Ja, das ist so. Warum brauchen Autos so viel Platz? Warum muss jeder unbedingt vor dem Geschäft parken? Weniger Platz für Autos, mehr Platz fürs Rad! Das würde zur Entschleunigung und zur Verbesserung der Luftqualität in den Städten beitragen.

Braucht’s eine Tour d’Allemagne?

Vielleicht brauchen wir auch eine Tour d’Allemagne – in Frankreich sind Autofahrer Radlern gegenüber deutlich zuvorkommender als in Deutschland. Die Tour de France hat offensichtlich das Bewusstsein der Autofahrer verändert. Ganz abgesehen davon fahren viele selbst Rad und sind entsprechend umsichtiger, wenn sie Velos überholen. Von Franzosen, Holländern und Dänen können sich Deutsche eine Scheibe abschneiden.




MVV-Tarifreform zu Lasten der Rentner

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) reformiert seine Tarife. Leider geht die MVV-Tarifreform zu Lasten der Rentner, besonders die aus dem Umland. Wer als Senior öffentlich fährt, wird bestraft. Gelten soll das ab 9. Juni 2019.

MVV-Tarifreform lässt Rentner bluten

„Viel einfacher und klarer strukturiert, mit günstigeren Preisen für die Mehrheit der Haushalte und mehr Bewegungsraum mit vielen Tickets: Die Tarifreform ist eine systematische Neugestaltung des MVV-Tarifs und damit die umfassendste Weiterentwicklung seit dem Verbundstart 1972“, behauptet der MVV. Allerdings müssen Rentner und Senioren bei der Reform finanziell bluten, denn sie zahlen teilweise deutlich mehr als heute – und sind auch noch anders benachteiligt.

Aber der Reihe nach – noch müssen der Stadtrat München und die Kreistage der acht Verbundlandkreise dieser Tarifreform zustimmen, die ab 9. Juni 2019 gelten soll. Es dürfte freilich kaum noch Änderungen geben, dafür liest sich die Info des MVV schon viel zu konkret.

Isarcard 65 deutlich teurer

Wie lebensfremd die Tarifreform ist, lässt sich an der Tatsache ablesen, dass die Isarcard für Ältere künftig Isarcard65 heißen wird. Bisher galt sie ab 60, künftig erst ab 65 Jahre. Allerdings gehen viele Münchner und Bewohner im Umland deutlich vor 65 in Rente – und haben dann entsprechend weniger Geld. Die Reformer argumentieren, dass sie ja dafür „freie Fahrt den ganzen Tag“ gewähren und die Sperrzeit von sechs bis neun Uhr streichen.

Das Seniorenticket entspreche dem geringeren Mobilitätsverhalten im Alter und sei auch deshalb so günstig. Was für eine Rosstäuscherei – die Isarcard 65 für das Gesamtnetz (M+6) als Monatskarte wird ab Juni 2019 mit 89,40 Euro sage-und-schreibe 29,4 Prozent mehr kosten als die bisherige vergleichbare Isarcard mit 69,10 Euro. Die Isarcard 65 als Monatskarte für den Innenraum wird „nur“ um 1,9 Prozent auf 49 Euro steigen.

Schlechte Karten für Enkel-Ausflüge

Die Reformer haben die Altersgrenze auf 65 Jahre angepasst, damit es nicht zu „Kannibalisierungseffekten“ mit den Berufspendlern kommt. Was für ein Argument!

Ach ja, wenn Oma und Opa mit den Enkeln den MVV nutzen will, dann zahlen sich auch mehr. Die Gruppen-Tageskarte Innenraum kostet mit 14,90 Euro 16,4 Prozent mehr als bislang. Die Gruppen-Tageskarte M+2 kostet mit 16,40 rund 15 Prozent mehr als die bisherige Gruppen-Tageskarte XXL.

So sieht senioren-freundliche Tarifpolitik aus. Das Schlimme dabei, die Reformer klopfen sich noch verbal auf die eigene Schulter.

 

 

 




Tag 52 meiner Tour de France

Tag 52 meiner Tour de France – Tag 52 ist gleichzeitig das Ende meiner Tour de France. Dieses Mal endet sie ganz geplant in Straßburg. Von Bordeaux bis Straßburg sind es 1634 Kilometer, 12 255 Meter Steigung, 69 329 verbrauchte Kalorien – das Navi registriert alles.

Tag 52 meiner Tour de France

Die Strecke Sarrebourg-Strasbourg hat mich mit Frankreich ausgesöhnt. Schon kurz nach Sarrebourg beginnt ein Radweg direkt am Marne-Rhein-Kanal entlang – gut ausgebaut, ohne große Steigungen, schattig, kühl und abwechslungsreich. Da sind selbst 80 Kilometer ein Klacks.

Am Marne-Rhein-Kanal entlang

Ich winke den Bootsfahrern zu, weiche Mitradlern aus und lasse die Landschaft an mir vorbei ziehen. Wie gerufen bietet sich gegen Mittag ein Kiosk am Kanal an, wo ich einen Hühnchen mit Salat esse und dazu ein Panache, sprich ein Radler. Allerdings hat der gute Mann vom Kiosk keine Zitronenlimonade – so entschließen wir uns, das Bier mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser zu mischen. Auch ok.

Mein Ziel Straßburg erreicht

Ich komme schon um halb drei Uhr in Straßburg an – Zeit genug, in aller Ruhe zu duschen. Das Hotel hat ein Schwimmbad, das ich nur zu gerne nutze. Es bleibt noch Zeit, in die Stadt zu fahren, dieses Mal aber mit der Tram und nicht mit dem Rad. Das hängt abgesperrt in der Radl-Garage und wartet bis morgen auf den Heimtransport.

Straßburg ist das Ziel meiner Tour de France

1634 Kilometer in 24 Tagen

Tja, insgesamt bin ich in diesen 24 Tagen von Bordeaux bis Straßburg 1634 Kilometer geradelt – vermutlich waren es noch einige Kilometer mehr, da ich manchmal vergaß, von „Pause“ auf „Aufnahme“ umzustellen. Der erste Teil „meiner“ Tour de France endete ja in Bordeaux, der zweite Teil sollte in Bordeaux beginnen. Dazwischen lagen einige Schwierigkeiten mit der Bahn, mit Autobahnbrücken und Nägeln auf der Straße.

Meine Regenjacke musste ich in den annähernd dreieinhalb Wochen nur einmal auspacken. Ich hatte auch sonst Glück – kein Unfall oder schlimmere Panne. Schlauch wechseln ist normal. Die Seine-Überquerung hat meine Flexibilität heraus gefordert. Dieses Mal hatte ich keine Probleme mit Bakterienkulturen in der Trinkflasche, weil ich sie jeden Abend mit Spülmittel und heißem Wasser behandelte – also keine Diarrhoe. Dank Flohsamenschalen hat’s auch mit der Verdauung prima geklappt. Regelmäßiges Einreiben mit Protect-Salbe verhinderte Scheuerstellen im Schritt weitgehend– bis auf einmal. Aber wozu gibt es Arnika als Globulis – hatte ich mir extra mitgenommen.

 

Ich habe einiges dazugelernt – und es beim zweiten Teil besser gemacht.

„Tour de France für alte Knacker“ als Buch

Statt iPad Mini habe ich dieses Mal einen Asus Transformer Mini dabei mit Tastatur. Damit schreibt es sich einfach besser. Allerdings lässt die Antenne zu wünschen übrig. Gelegentlich fand mein Asus kein WLAN, wo mein Handy keine Probleme hatte.

Die Erfahrungen, die ich während dieser 52 Tage gemacht haben, will ich in einem Buch zusammenfassen – der Titel „Tour de France für alte Knacker – eine Reise vom Berufsleben in die Rente“. Impuls für diese Tour war: eine Zäsur zwischen Berufsleben und Rente. Zugegeben, „meine“ Tour war ein heftiger Einschnitt – vielleicht geht’s auch eine Nummer kleiner. Aber diese Tour war eine gute Erfahrung und hat ihren Zweck erfüllt – Abstand zum bisherigen Leben zu gewinnen, Zeit für Selbstreflexion, ein ganz bewusster Orts- und Sprachwechsel. Ich kann heute sagen: Ich bin in der Rente angekommen – und genau das wünsche ich alle Anderen auch, die in Rente gehen. Nichts schlimmer, als dem Alten nachzuweinen und in der Vergangenheit zu verharren. Die Rente bietet neue Möglichkeiten – nutzt sie!

Meine Tour de France soll ein Beispiel geben – nicht mehr, nicht weniger.

3494 Kilometer in 52 Tagen

Übrigens, insgesamt habe ich in den 52 Tagen auf meiner Tour de France 3494 Kilometer zurückgelegt. Pro Tag habe ich sicher mehr als hundert Euro gebraucht – für Hotelzimmer, Essen und Trinken, Eintritte, Zugfahrt und Verschleißteile. Dabei habe ich nicht immer im Restaurant gegessen, sondern mich – zwangsweise – ab und an selbst versorgt, nun, weil schlichtweg in manchen Orten an manchen Tagen kein offenes Lokal zu finden war.

à bientôt

Morgen bin ich zurück in Olching, wo andere Herausforderungen auf mich warten – welche, werdet ihr in Kürze lesen.




Tag 47 meiner Tour de France

Tag 47 meiner Tour de France – Le Bal du 14 Juillet, Frankreich feiert sich. Heute ist Nationalfeiertag und das Land defiliert, singt und tanzt. In Paris, Toulouse, Bordeaux und Nimes sind die Avenues und Stadien voll. Am Morgen flimmert die Militärparade über die Bildschirme der Nation, am Abend ist großer Ball.

Tag 47 meiner Tour de France

Der Tag fängt allerdings ganz anders an. Von Soissons nach Berry-au-Bac, das nördlich von Reims liegt, reiht sich ein Soldatenfriedhof an den anderen – Soupir, Œuilly, Pontavert. Hier liegen italienische, deutsche und französische Soldaten begraben – tausende. Im Ersten Weltkrieg verliefen hier die Fronten zwischen den deutschen und französischen Armeen. Die Massierung von Kreuzen und Grabsteinen stimmt nachdenklich. Ich halte und lasse das Bild auf mich wirken – welch‘ ein Irrsinn.  Mein nächstes Ziel heißt Reims. Ich radle auf der D925 durch die Dörfer der Picardie – vorbei an Soldatenfriedhöfen, Weizenfeldern und Kartoffeläckern, vorbei an einer Zuckerfabrik und Getreidemühlen – die Landschaft leicht wellig. Ab Berry-au-Bac stoße ich auf den Kanal der Aisne, an dessen Rand der Radweg verläuft. Leider endete er sechs Kilometer vor Reims in einem Treidelpfad. Eigentlich wollte ich schon einen anderen Weg suchen – da verwandelt sich der Pfad wieder in einen asphaltierten Radweg, der mich bis nach Reims führt.

Aussöhnung zwischen Adenauer und de Gaule

Das Hotel liegt vergleichsweise City-nah. Nach Dusche und kurzer Erholung flaniere ich in die Stadt Richtung Kathedrale, die berühmt ist. Die Fassade ist weitgehend renoviert. Die Kathedrale in Reims ist eine Art Nationalheiligtum der Franzosen, schließlich wurden hier die französischen Könige gekrönt. Für die Deutschen hat sie eine besondere Bedeutung: Deutsche Truppen beschossen die Kathedrale im Ersten Weltkrieg mehrere Tage lang – militärisch sinnlos, aber entehrend, dachten zumindest die deutschen Militärs damals. Am 8. Juli 1962 trafen sich der damalige französische Staatspräsident Charles de Gaule und der damalige deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer zu einer Messe in der Kathedrale, um die deutsch-französischen Beziehungen zu entkrampfen. Eine Platte mit Inschrift vor dem Eingang zur Kathedrale erinnert an diesen Tag.

Reims und Champagner

Reims und Champagner gehören einfach zusammen, sitzen hier doch einige berühmte Kellereien. Natürlich musste ich einen Champagner in der Bar vor der Kathedrale trinken – immerhin neun Euro hat der Spaß gekostet.

Tag 47 meiner Tour de France

Champagner vor der Kathedrale in Reims trinken – der wahre Luxus

Bal du 14 Juillet

Es ist Feiertag, sommerlich, entsprechend voll sind die Cafés und Bars. Die Franzosen genießen den Tag sichtlich. Am Abend gibt es in Reims – wie in vielen anderen französischen Städten – ein Feuerwerk. Im Fernsehen läuft „Le Bal du 14 Juillet“, übertragen aus Nîmes. Die Franzosen singen bei den Liedern begeistert mit. Die Show hat Volksfestcharakter – eine bewundernswerte Leichtigkeit.

Heutige Distanz: 89 Kilometer – von Couloisy nach Reims. Morgen geht es weiter Richtung Verdun, wobei ich bereits in Sainte-Menehould übernachte.

Nächstes Etappenziel ist Reims

à demain




Tag 45 meiner Tour de France

Tag 45 meiner Tour de France – „Véloroute Paris-London“, immerhin bin ich heute mehr als 20 Kilometer auf dieser Route gefahren. Im Hotel logieren einige Engländer, die diese Tour gerade radeln. Die Idee, beiden Metropolen per Radweg zu verbinden, ist toll. 

Tag 44 meiner Tour de France

Heutige Distanz: 82 Kilometer – von Rouen nach Beauvais. Der Anfang war alles andere als ermutigend, eher entmutigend – es ging zehn Kilometer bergauf, bei Gegenwind und -licht, schlechten Straßen und viel Verkehr. Zumindest war es nicht ganz so heiß. Trotzdem habe ich zwischendurch wieder die Striche auf der Straße gezählt – noch einer, und noch einer und noch einer … Irgendwann war ich dann endlich oben und es lief besser. Glücklicherweise sind französische Autofahrer zuvorkommend, sie fahren langsam und mit großem Abstand an Radlern vorbei. Die Tour de France ist wohl ins kollektive Gedächtnis gesickert und hat die Mentalität geprägt, anders kann ich es mir nicht vorstellen. Ab und zu ist aus dem Auto ein aufmunterndes „Allez“ zu hören.

Wo immer es geht, sind sogenannte multifunktionale Streifen eingerichtet für Langsamfahrzeuge – oder Radler. Nur bei der N31 war’s halt einfach eng. Auf Dauer kann das ganz schön zermürben.

Einmal Sandwich und Volvic bitte

In Gournay-en-Bray gönne ich mir eine Pause im Intermarché – bei Sandwich und Volvic Citronnade. Eine Pause im Supermarkt ist zum einen billiger und geht zum anderen schneller.

In Gournay-en-Bray stoße ich auf die Véloroute Paris-London – Tatsache, die gibt’s wirklich. Deswegen musste ich auch unbedingt ein Foto machen. Der gut ausgebaute Radweg führt mich bis Beauvais – ein Traum. Die Fahrplan ist glatt, der Weg führt durchwegs durch Wald, die Übergänge sind ordentlich beschildert – und es geht leicht bergab. Die Stimmung der Radler ist entsprechend entspannt. Hier begrüßt sich jeder. Die Véloroute führt mich morgen noch etwas weiter, bevor ich dann wieder Nationalstraße fahren muss.

Von Rouen nach Beauvais

Vielleicht noch ein paar Worte zur L’Avenue Verte London-Paris. Es gibt zwei Varianten – eine durch die Picardie, die 472 Kilometer lang ist, eine durch die Normandie mit einer Länge von 406 Kilometer. Wer will, kann sich ausführlich im Internet über die L’Avenue Verte London-Paris informieren.

Wer über den Ärmelkanal übersetzt, nimmt die Fähre von Dieppe nach Newhaven. Also, es geht gemütlich zu, auch auf der Fähre. Entschleunigung heißt das Ziel.

Von Rouen nach Beauvais

Die Kathedrale in Beauvais nimmt sicher jeden gefangen, der hier her kommt. Die gotischen Baumeister wollten Gott so nah wie möglich sein, deswegen haben sie höher gebaut als alle anderen – die Gewölbehöhe erreicht 48 Meter und ist damit Weltrekord für gotische Kathedralen. Saint-Pierre wird auch als „Le Pantheon de l’architecture françaisegepriesen.

Leider wurde Beauvais im Zweiten Weltkrieg sowohl von der deutschen Luftwaffe, wie von den Allierten bombardiert, so dass schätzungsweise 80 Prozent der Häuser in Schutt und Asche lagen. 

 

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Tag 43 meiner Tour de France

Tag 43 meiner Tour de France – „ein Ticket nach Le Havre“. Ja, ich bin mit dem Bus gefahren, weil ich ansonsten keine Chance sah, von Honfleur über die Seine zu kommen. Es gibt zwei Autobahnbrücken – Radler sind nicht vorgesehen. Also bleibt nur Bus-Fahren.

Tag 43 meiner Tour de France

Aber von Anfang an: Mein Provider hat mir gestern mitgeteilt, dass mein Datenvolumen nahezu aufgebraucht ist und mein mobiler Internet-Zugang demnächst abgeschaltet wird. Was tun? Ohne Internet unterwegs ist das so eine Sache. Ich will doch gelegentlich ein Bild verschicken, in Google Maps nach dem Weg schauen, zwischendurch eine Whatsapp verschicken – oder eine Vokabel nachblättern. Geht dann alles nicht mehr.

Ich bin per Zufall auf die Seite Amumot von Andre gestoßen, der verrät, wo es Prepaid-Karten gibt und was die kosten. Also, ich fahre zur nächsten Ortschaft und will eine Prepaid-Karte von Mobile.free   kaufen. Meine EC-Karte nimmt der Automat nicht, erst mit der Kreditkarte funktioniert’s. Für annähernd 30 Euro unbeschränkte Anrufe plus Internet – und das einen Monat lang. Mal schauen, wie ich damit zurechtkomme. 

Besser gelaunt radle ich Richtung Honfleur. Die Strecke hält leider einige Steigungen parat – das kostet Kraft. In Honfleur bewundere ich noch den Hafen und die vertäuten Schiffe, dann allerdings erwartet mich eine böse Überraschung. Die Brücke über die Seine ist für Radler gesperrt. Ich frage einen entgegenkommenden Radler, der kann mir allerdings auch keine Hoffnung machen. Ich umrunde noch einmal den Kreisverkehr in der Hoffnung, vielleicht doch eine Radspur zu finden, die mich hinüberbringt.

Vergeblich, was also tun? In Honfleur ein Taxi nehmen? Ich kalkuliere schon mal den Betrag: 40 bis 50 Euro werden es wohl sein. Erscheint mir die einzige vernünftige Idee. Also, ich radle zurück nach Honfleur, bemerke dabei den Bus 20 mit der Aufschrift „Le Havre“. Spontan disponiere ich um – und will Bus fahren. Nach kurzer Diskussion mit dem Busfahrer, darf ich mitfahren. Mein Rad verstaue ich im Gepäckfach unten. Für 4,90 Euro komme ich schließlich von Honfleur nach Le Havre – manchmal muss der Mensch Glück haben.

Von Deauville nach Fécamp

Alles andere ist weniger spektakulär. Ach ja, fast hätte ich es vergessen – heute, am 10. Juli 20 Uhr spielten das französische Team gegen das belgische um den Einzug ins Finale der Fußball-WM. Frankreich gewinnt 1:0 gegen Belgien. In Fécamp rasen Autos und Motorräder hupend durch die Stadt, um den Sieg zu feiern. Jetzt geht es gegen Kroatien oder England – je nachdem, wer gewinnt. Das Hupkonzert will schier nicht enden. Die Stadt ist aus dem Häuschen – überall Gepfeife und Gesänge. Mit der Mannschaft hat Frankreich gute Chancen, dieses Mal Fußball-Weltmeister zu werden. Felicitation!

Übrigens, das war meine nördlichste Etappe – ab morgen geht es Richtung Südosten, zurück nach Deutschland. Es bleiben mir allerdings noch einige Hundert Kilometer bis Straßburg. Von Bordeaux bis Fécamp habe ich 911 Kilometer herunter gestrampelt. Laut Google Maps sind es noch 665 Kilometer bis Straßburg – annähernd zehn Tage.

à demain




Tag 40 meiner Tour de France

Tag 40 meiner Tour de France – Le Mont-Saint-Michel ist ein absolutes Muss für jeden Bretagne-Besucher. Eigentlich gehört er ja schon zur Normandie, aber was soll’s. Von außen imposant, von innen überlaufen – so das knappe Urteil.

Tag 40 meiner Tour de France

Aber der Reihe nach – von heute geht’s ostwärts. Nach einem Tag Pause radle ich jetzt Richtung Osten. Den Tag Ruhe hatte ich dringend nötig. Es läuft wieder rund – mein Hintern hat sich auch erholt, das Fahren macht wieder Spaß. Die Strecke bis Le Mont-Saint-Michel ist weitgehend eben – eine Bucht eben. Die Radlwege sind gut ausgebaut, so dass ich zügig vorankomme. Ich poltere kurz nach elf Uhr über den Holzsteg, der den heiligen Berg mit dem Festland verbindet. Autos sind tabu. Wer will, kann einen Shuttle-Bus nehmen oder ein Droschke. Radfahren ist angeblich auch verboten, was ich nicht ganz einsehen will. Auf der Hinfahrt bleibe ich unbehelligt, auf der Rückfahrt werden ich von der Polizei freundlich gebeten abzusteigen. „D’accord“.

Falsches Wetter für gute Bilder

Kaum ein Wölkchen am Himmel, warm, sonnig – das gibt leider keine spektakulären Bilder ab. Ganz ohne Foto geht’s natürlich nicht. Le Mont-Saint-Michel gibt sich von außen ja noch unbeeindruckt, innen sieht die Sache anders aus. Touris wuseln durch die engen Gassen – schlimmer als auf dem Münchner Marienplatz. Es ist viel spanisch und japanisch zu hören, deutsch eher weniger – der heilige Berg ist bei deutschen Touristen wohl nicht mehr ganz so „in“. Auch die Erklärungen sind in englisch, spanisch und japanisch.

Weltkulturerbe Mont-Saint-Michel

Die Geschichte des Mont-Saint-Michel beginnt um 708, als Aubert, der Bischof von Avranches – wo ich übrigens heute übernachte – für den Erzengel Michael eine Kirche errichten ließ. Dank seiner exponierten Lage, begriffen die Menschen schon früh, dass der heilige Berg etwas Besonderes sein muss. Sie pilgerten im 10. Jahrhundert zum Mont-Saint-Michel. Benediktinermönche bauten – natürlich mit Hilfe der normannischen Herzöge – den heiligen Berg aus. Vor und im Hundertjährigen Krieg mit England wurde der Berg zur Trutzburg ausgebaut – uneinnehmbar für die Engländer. Im Zuge der Revolution war’s dann vorbei mit der Klostergemeinschaft und Pilgerfahrten. Aus der Abtei wurde ein Gefängnis. Erst 1874 setzte ein Umdenken ein und der Mont-Saint-Michel wurde Baudenkmal und restauriert. Seit 1979 gehört der Mont-Saint-Michel zum Weltkulturerbe.

Die Abteikirche thront 80 Meter über dem Meer. Auf der Turmspitze überragt die vergoldete Statue des heiligen Michaels Berg und Bucht. Der Dachstuhl ist eine hölzernes Tonnengewölbe – für Mitteleuropäer ungewöhnlich.

Um die Abteikirche gruppen sich schneckenförmig alle anderen Säle und Gebäudeteile – das Refektorium, der Gastsaal, der Kreuzgang, die Wandelhalle und der Rittersaal.

Es ist imposant, was in den Jahrhunderten entstanden ist und welche wechselhafte Geschichte dieser Ort erlebt hat.

Von der Geschichte eingeholt

Nach der Besichtigung geht’s weiter Richtung Avranches, wo ich ein Hotelzimmer gebucht habe. Auf der Fahrt nach Avranches holt mich die deutsche Geschichte ein. In Mont-de-Huisne hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräber Anfang der 70er Jahre für die deutschen gefallenen Soldaten einen Soldatenfriedhof errichtet – mit Urnen. Annähernd 12 000 Soldaten haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Wie sagte doch Albert Schweitzer so treffen: „Die Soldatengräber sind die großen Prediger des Friedens“.

Tour de France

Der deutsche Soldatenfriedhof in Mont-de-Huisne

Blick auf amerikanischen Panzer

Und wo übernachte ich heute? Im Hotel Patton – das ist nicht irgendwie französisch, sondern leitet sich ab vom US-General George Patton, dem am 30. Juli 1944 bei Avranches der Durchbruch durch die deutschen Linien gelang. Auf dem Place Patton steht eine Säule mit den Daten und davor ein amerikanischer Panzer.

Ostwärts von Saint-Malo nach Avranches

So viel zur Geschichte von Avranches.

Anscheinend übernachte ich häufig in geschichtsträchtigen Hotels – aber eher unbeabsichtigt. Morgen geht’s weiter nach Bayeux, eine Herzensangelegenheit. Ich habe so viel über Wilhelm den Eroberer gelesen, der Normanne, der 1066 England eroberte. Sein Bruder, der Abt von Bayeux ließ einen Wandteppich mit Szenen der Eroberung anfertigen, der in Bayeux zu sehen ist. Wird ein hartes Stück – über 90 Kilometer, das heißt, früh aufbrechen.

à demain