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Um die 45-Jahre-Rente zu retten, fordern die Grünen eine Überlastungsschutzrente für Kranke. Die Rentenkasse fürchtet sich vor einem Bürokratiemonster.
Wer nach Jahrzehnten im Beruf gesundheitlich nicht mehr kann, soll eine Alternative zur abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren bekommen. So lautet die Forderung von SPD und Grünen. Doch diese Alternative würde ein Bürokratiemonster erschaffen.
Die Rentenkommission hat die Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte mit 45 Beitragsjahren („Rente mit 63“) vorgeschlagen. Sozialpolitiker aus allen Parteien überlegen, wie sie diese Härte abmildern können – und brachten den Begriff der „Schutzrente“ ins Spiel.
Jetzt haben die Grünen einen neuen Begriff geprägt: die „Überlastungsschutzrente“ – eine neue Form der Berufsunfähigkeitsrente. Gemeint sind Menschen, die zwar noch arbeiten könnten, aber eben nicht mehr in ihrem langjährigen Beruf. Wer nach einer individuellen Untersuchung nicht mehr in seinem erlernten Beruf arbeiten kann, sollte einfacher in Rente gehen können.
Erschaffung eines Bürokratiemonsters
Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) erteilt dieser Idee nun eine klare Absage. In ihrer Stellungnahme zur Anhörung nennt sie die Prüfung einer Berufsunfähigkeit „sehr aufwändig und streitbefangen“.
Eine automatisierte Prüfung – etwa nur auf Basis von Lebensalter und sozialmedizinischen Daten – schließt die DRV für die geplante Überlastungsschutzrente aus. Sie befürchtet eine „neue Bürokratiebelastung“ mit vielen Gutachten, Widersprüchen und Gerichtsverfahren. Genau das wollte man mit der Abschaffung der alten Berufsunfähigkeitsrente im Jahr 2001 eigentlich vermeiden.
Bedenken der Rentenkasse
Die DRV zeigt sich in einer aktuellen Stellungnahme vor dem Sozialausschuss jedoch sehr skeptisch. Ihre zentralen Bedenken:
- Hoher Prüfaufwand: Die individuelle Feststellung einer Berufsunfähigkeit sei in der Praxis extrem aufwändig und berge hohes Konfliktpotenzial.
- Keine Automatisierung möglich: Eine vereinfachte Prüfung rein auf Basis von Alter und sozialmedizinischen Daten schließt die DRV aus.
- Drohende Bürokratie: Die Einführung einer solchen Rente würde nach Ansicht der Rentenversicherung vor allem eine neue administrative Belastung schaffen.
Für viele Betroffene ist das ein Rückschlag. Gerade wer körperlich hart gearbeitet hat – auf dem Bau, in der Pflege, im Handwerk – schafft oft keine 45 Versicherungsjahre am Stück und fällt auch nicht automatisch in die Erwerbsminderungsrente. Die Lücke zwischen „kann nicht mehr im alten Beruf“ und „ist nicht erwerbsgemindert“ bleibt damit groß.
Reha vor Rente
Statt einer neuen Rentenart setzt die Rentenversicherung auf Prävention. Längeres Arbeiten soll durch frühere Hilfen möglich werden.
Zwei Vorschläge stechen hervor:
- Zugriff auf Krankenkassen-Daten: Informationen zur Arbeitsunfähigkeit sollen helfen, Reha-Bedarfe viel früher zu erkennen. Das biete „eine frühzeitige und gute Grundlage“, um Menschen zu identifizieren und gezielt zu beraten, bevor der Beruf endgültig zu belastend wird.
- Lockerung beim Reha-Deckel: Die DRV befürwortet, die jährliche Ausgaben-Obergrenze für Reha-Leistungen aufzuweichen. Mehr Budget würde bedeuten, dass mehr Anträge bewilligt werden könnten.
Berufsunfähigkeit statt Arbeitsunfähigkeit?
Die Überlastungsschutzrente würde den Blick von der Arbeitsfähigkeit auf die Berufsfähigkeit verschieben. Statt zu fragen: „Können Sie noch irgendeinen Job machen?“, würde geprüft: „Können Sie Ihren jahrzehntelang ausgeübten Beruf noch machen?“ Genau darin liegt ihr sozialpolitischer Sprengstoff.
Was heißt das für den Vorruhestand?
Eine schnelle Härtefall-Lösung für Menschen mit Berufsunfähigkeit ist damit vom Tisch. Wer gesundheitlich am Limit ist und keine 45 Jahre voll hat, muss weiterhin den schwierigen Weg über die Erwerbsminderungsrente oder Abschläge bei der vorgezogenen Altersrente prüfen. Der Fokus der Politik verschiebt sich klar in Richtung: Reha vor Rente. Für Arbeitnehmer heißt das: Arbeitsunfähigkeitszeiten dokumentieren, Reha-Anträge früh stellen und sich beraten lassen, bevor die Überlastung chronisch wird.
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