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Börsenchef Leithner fordert eine radikale Rentenreform: Mit Aktiendepots ab der Geburt und mehr Kapitalmarkt könnte das Rentenniveau deutlich steigen.
Der Druck im Kessel der gesetzlichen Rentenversicherung steigt massiv. Während die Bundesregierung Milliardenlöcher im Haushalt stopft, fordert Stephan Leithner, Chef der Deutschen Börse, ein wirkliches und mutiges Umsteuern in der Rentenpolitik. „Wir können nicht länger zusehen, dass immer größere Milliardenbeträge aus dem Bundeshaushalt aufgebracht werden müssen, um die Löcher in der Rentenkasse zu stopfen“, wie die „Welt“ berichtet. Sein Urteil ist deutlich: Das aktuelle Rentenniveau von 48 Prozent sei angesichts steigender Lebenshaltungskosten schlicht „unsozial“.
Die drei Säulen neu denken
Leithner begrüßt die Pläne der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz, die private und betriebliche Vorsorge zu stärken. Das Ziel: Ein Gesamtniveau von 65 Prozent – ein Wert, der allein durch die gesetzliche Umlagefinanzierung nicht mehr erreichbar ist. Eigentlich beruht die Altersvorsorge in Deutschland auf dem Drei-Säulen-Modell. Eigentlich, denn zu wenige haben neben der gesetzlichen Rente noch eine Betriebs- oder Privatrente. Erschreckend, vier von zehn Beschäftigten haben weder eine betriebliche noch eine private Altersvorsorge. Das heißt, sie verlassen sich allein auf die gesetzliche Rente. Bei 48 Prozent Rentenniveau tut sich für diese Gruppe eine große Rentenlücke auf. Insofern ist von einem Mehr-Säulen-System keine Rede. Mehr Menschen brauchen eine Zusatzvorsorge – höchste Zeit, das laut und deutlich auszusprechen.
Vermögensaufbau ab der Wiege
Besonders spannend ist Leithners Vorschlag zur sogenannten Frühstart-Rente. Statt kleiner monatlicher Beträge plädiert er für einen Paukenschlag zur Geburt:
- 4.000 Euro Einmalbetrag vom Staat für jedes Neugeborene.
- Nutzen des Zinseszinseffekts über Jahrzehnte.
- Zusätzliche steuerfreie Einzahlungen durch Großeltern (bis zu 5.000 Euro).
Betriebsrente für alle
Ein weiterer Hebel ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Während heute nur etwa jeder zweite Arbeitnehmer davon profitiert, fordert Leithner eine Abdeckung von 90 Prozent – orientiert an Vorbildern wie der Schweiz oder den Niederlanden. Die bAV müsse Standard in jedem Arbeitsvertrag werden. Allerdings müsste der Staat dann auch die Finger in der Auszahlphase lassen. Heute ist es leider so, dass sich Staat und Sozialkasse bei den Betriebsrentnerinnen und -rentnern bedienen: Sie zahlen, gemildert nur durch den GKV-Betriebsrentenfreibetrag, die vollen Kranken- und Pflegekassenbeiträge, sprich, den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil.
Finanzbildung durch Erleben
Gegen die grassierende Aktien-Skepsis in Deutschland setzt der Börsenchef auf die Macht der Zahlen. Angesichts einer durchschnittlichen Dax-Rendite von sieben bis neun Prozent pro Jahr sei das Depot der beste Lehrer:
Die beste Finanzbildung ist der Depotauszug“,
so Leithner.
Es gehe nicht darum, Gutverdiener reicher zu machen, sondern Menschen mit geringen Einkommen eine echte Teilhabe am Produktivkapital zu ermöglichen. Nur so lasse sich die drohende Rentenlücke effektiv schließen.
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