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Der offizielle Zusatzbeitrag von 2,9 % ist nur Theorie: In der Praxis zahlen wir 3,13 %. Warum explodieren die Gesundheitskosten und wie kann jeder Hunderte Euro sparen?
Die Schere zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) immer weiter auseinander. Während das Bundesgesundheitsministerium einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent als Orientierung vorgibt, berechnet das IGES-Institut für Anfang 2026 eine reale Belastung von 3,13 Prozent.
Warum die Schätzung in die Irre führt
Der offizielle Wert ist eine rein rechnerische Größe – und zugleich eine Wunschvorstellung. Maßgeblich für die Berechnung dieses Werts ist §242a Sozialgesetzbuch V – er ergibt sich aus der Differenz zwischen den voraussichtlichen Ausgaben der Krankenkassen und den Einnahmen des Gesundheitsfonds, geteilt durch die beitragspflichtigen Einnahmen aller Mitglieder.
In der Praxis legen die Kassen ihre Sätze individuell fest, um ihre Defizite zu decken. Und diese Defizite haben es in sich: Das GKV-System kämpft mit einer strukturellen Lücke von jährlich bis zu acht Milliarden Euro.
Die Kostentreiber: Krankenhäuser und Pharma
Die Ausgaben steigen deutlich schneller als die Einnahmen. Allein die Kosten für Krankenhausbehandlungen sind innerhalb von zehn Jahren um über 45 Prozent gestiegen. Hinzu kommen teure Arzneimittel, insbesondere in der Krebstherapie, die das System massiv belasten. Experten warnen bereits: Bis 2029 könnte der Zusatzbeitrag auf über vier Prozent klettern.
Massive Preisunterschiede: Ein Vergleich lohnt sich
Für Versicherte bedeutet das „Kassenchaos“ aber auch eine Chance. Die Spanne zwischen den Anbietern ist gewaltig:
- Günstigste Kasse: BKK firmus (2,18 % Zusatzbeitrag)
- Teuerste Kasse: BKK 24 (4,39 % Zusatzbeitrag)
Rechenbeispiele:
Bei einem Monatseinkommen von 4.000 Euro brutto macht der Unterschied zwischen der günstigsten und der teuersten bundesweiten Kasse über 530 Euro im Jahr aus.
Bei einer Rente von 2.000 Euro brutto im Monat ist die potenzielle Ersparnis ebenfalls nicht zu unterschätzen:
Hier ist die konkrete Berechnung für das Jahr 2026:
Die Ersparnis im Vergleich
Wenn Sie von der teuersten bundesweit geöffneten Krankenkasse zur günstigsten wechseln, ergibt sich folgende Differenz:
| Merkmal | Teuerste Kasse (BKK 24) | Günstigste Kasse (BKK firmus) | Differenz (Gesamt) |
| Zusatzbeitragssatz | 4,39 % | 2,18 % | 2,21 Prozentpunkte |
| Beitrag pro Monat | 87,80 € | 43,60 € | 44,20 € |
| Ihr Anteil (50 %) | 43,90 € | 21,80 € | 22,10 € |
Jährliche Ersparnis: Auf das ganze Jahr gerechnet sparen Rentner 265,20 Euro.
Gerade wer auf sein Budget achten muss, sollte nicht tatenlos zusehen, wie die Beiträge steigen. Da die medizinischen Regelleistungen gesetzlich vorgeschrieben und damit nahezu identisch sind, ist der Zusatzbeitrag der wichtigste Hebel für Ersparnisse. Ein Wechsel der Krankenkasse ist heute unkompliziert und kann die Rentenkasse spürbar entlasten.
Kündigung
Die spezielle „Sonderkündigungs-Frist“ (bis 31.01.) wegen Beitragserhöhung für den Entfall der 12-Monats-Bindung ist jedoch bereits verstrichen, denn die meisten Krankenkassen haben zum 1. Januar 2026 ihre Zusatzbeiträge erhöht. Aber jede und jeder hat die Möglichkeit, regulär zu kündigen.
Wer einfach so die Kasse wechseln möchte (ohne dass der Beitrag erhöht wurde), muss zwei Bedingungen erfüllen:
- Kündigungsfrist: 2 Monate zum Monatsende.
- Bindungsfrist: Sie müssen mindestens 12 Monate bei Ihrer aktuellen Kasse versichert gewesen sein.
- Beispiel: Sie melden sich im März bei einer neuen Kasse an. Der Wechsel erfolgt dann zum 1. Juni.
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