120 000 Euro für ein Kind

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Wie gering der Anteil der Kinderlosen und umgekehrt der Anteil der Eltern (oder Alleinerziehenden) ist, lässt sich an Zahlen ausmachen:  Laut Statistischem Bundesamtes geben Eltern im Schnitt für ein Kind vom ersten bis zu dessen 18. Geburtstag mehr als 120 000 Euro – und das ist nur das Minimum. Ich habe den „Preis des Elternglücks“ 2006 für FOCUS Online einmal genau ausgerechnet und bin damals ebenfalls auf 120 000 Euro gekommen. Das heißt, heute dürften es mehr als diese 120 000 Euro sein. Darin sind die Transferleistungen der Kinderlosen für Familien mit Kindern bereits berücksichtigt. 120 000 Euro entscheiden darüber, ob jemand arm oder gutsituiert ist. Wer dann gar zwei und mehr Kinder hat, spürt selbst als Besserverdienender, wie er in die Ecke gedrängt wird.

Seit 2006 hat sich übrigens in der Rentenversicherung nur marginal etwas geändert. So wurde der Pflegebeitrag für Eltern (Alleinerziehende) mit Kinder um 0,25 Prozentpunkte ermäßigt und die Erziehungszeiten auf drei oder zweieinhalb (ab 2019) Rentenpunkte pro Kind erhöht. Das war’s dann aber auch schon. Ein Entgeltpunkt ist zurzeit (Stand 2018) im Westen 31,03 Euro wert. Das heißt, eine Mutter (oder Vater) bekommt pro Jahr pro Kind, so es denn nach 1992 geboren wurde, genau 93,09 Euro pro Jahr für die Erziehungsleistung; das macht bezogen auf 18 Jahre (93,09*18) sage-und-schreibe 1675,62 Euro – erbärmlich im Vergleich zu den 120 000 Euro, die ein Kind kostet. Ist das Kind vor 1992 geboren sind es nur (31,03*2*18) 1117,08 Euro. Die Mütterrente wird großzügig auf zweieinhalb Punkte auch für die Frauen (und Männer) angehoben, deren Kinder vor 1992 geboren wurden. Was für ein Hohn.

In die populistische Ecke abgeschoben

Das Bundesverfassungsgericht hat zwar schon einmal diesen unverhältnismäßigen Lastenausgleich kritisiert und erreicht, dass der Pflegebeitrag für Eltern ermäßigt wurde. Die Richter wiesen darauf hin, dass „für das System nicht nur das Zahlen von Beiträgen, sondern auch die Kindererziehung konstitutiv“ sei , so die ZEIT-Online-Redakteurin. Das Umlageverfahren der gesetzlichen Rente hat nur dann Bestand, wenn alle sich um beide Aufgaben kümmern. Das bisschen Pflegebeitrag und das bisschen Erziehungsgeld sind aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wie die Rechnung beweist.

Wer allerdings einen Familienlastenausgleich einfordert, wird sofort in die populistische Ecke gestellt, wie es Kerstin Herrnkind in ihrem Buch „Vögeln fürs Vaterland“ belegt. Für sie ist es „Bullshit“, „Kinderlose für den Zusammenbruch des Rentensystems verantwortlich zu machen“. Aber kein Wort darüber, dass sie als Kinderlose im Alter von den Kindern der anderen profitieren wird, denn deren Kinder zahlen dann ihre Rente, weil Deutschland ein solches Umlageverfahren hat. Johannes Schneider, Pilaths Kollege, schlägt in die gleiche Kerbe. Er, wie Herrnkind, verwechseln da etwas. Kinder kriegen ist und bleibt Privatsache, Kinder haben ist aber Gemeinschaftsaufgabe. Natürlich ist „die Freiheit des Einzelnen auch die Freiheit, keine Kinder zu bekommen“, wie Schneider argumentiert. Aber, warum sollen das Eltern finanziell büßen? Darauf blieb er die Antwort schuldig. Von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird zwar gern schwadroniert, wie Schneider beweist, aber die Eltern-Praxis hat nichts davon. Eltern, die nicht wissen, wo sie ihre schulpflichtigen Kinder nach dem Unterricht lassen, können ein Lied davon singen. Selbst für alle Kinder bis sechs Jahre gibt es längst nicht in allen Kommunen einen Kindergartenplatz.

Steigende Sozialabgaben aber belasten auch die Eltern. Familienverbände teilen denn auch Spahns Kritik am bestehenden Sozialsystem. Zumal Berechnungen des Deutschen Familienverbandes die Schieflage deutlich zeigen. Mit einem Jahresbruttoeinkommen von 30.000 Euro ist ein Ehepaar schon mit einem Kind nicht mehr in der Lage, aus eigener Kraft das Existenzminimum zu bestreiten.

Zwar zahlt der Dreipersonenhaushalt der „Welt“ zufolge nur rund 1000 Euro Lohnsteuer und bekommt rund 2300 Euro an Kindergeld; doch mehr als 6000 Euro gehen an die Sozialkassen. Damit stehen sich Familien nicht viel besser als Kinderlose.

Familien zahlen fast genauso viel an die Sozialkassen

Mit einem Jahresbruttoeinkommen von 30 000 Euro rutscht ein Ehepaar schon mit einem Kind ins Minusmehr in der

Die Frage, ob Familien in der Rentenversicherung entlastet werden, wird sich nicht ad acta legen lassen, da sich das Problem nicht von selbst löst, sondern verschlimmert.

Die ZEIT hat alle Fragen rund um das Thema dankenswerter Weise zusammengefasst.

 

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Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Reiner Populismus von Herrn Spahn! „Seht her, ich bin ja selbst betroffen“ , ist die Aussage.

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  2. Jawohl! Nur wer zwei Kinder großgezogen hat bekommt eine Rente!

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