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Wieder fällt ein Teil des Altersvorsorge-Mix weg. Der Garantiezins für Lebensversicherungen wird zwar nicht abgeschafft, wie der Bundesfinanzminister eigentlich geplant hatte. Die Bundesregierung ruderte wieder zurück. Dafür wird der Garantiezins ab 2017 gesenkt, was einer „Bankrotterklärung“ für die Altersvorsorge gleichkommt, zumindest was klassische deutsche Lebensversicherungen betrifft. Denn, künftig lohnt sich der Abschluss einer Lebensversicherung schlicht nicht mehr. Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten sieht schwarz für diese Anlageform.

 

Entwicklung Garantiezins

Entwicklung Garantiezins

Schon heute liegt der Garantiezins nur noch bei 1,25 Prozent – es waren mal vier Prozent vor 15 Jahren. Und dann ging es systematisch nach unten: 3,25 Prozent von 2000 bis Anfang 2014, 2,75 Prozent dann bis Anfang 2007, 2,25 Prozent bis Anfang 2012, dann 1,75 Prozent – und seit Anfang 2015 nur noch 1,25 Prozent. Um welche Beträge es dabei geht, lässt sich am besten an der Statistik der Deutschen Bundesbank ablesen: 18 Prozent des Vermögens privater Haushalte liegen bei Versicherungen, bezogen auf das Geldvermögen von 5,23 Billionen Euro sind es nach Schätzung der Allianz 37 Prozent das heißt, mehr als 1,9 Billionen Euro. Und es geht noch weiter nach unten: Die klassische Lebensversicherung stehe kurz vor der Bankrotterklärung, schreibt die “Welt”. So soll “der sogenannte Garantiezins zum 1. Januar 2017 auf unter ein Prozent sinken – genau genommen auf 0,9 Prozent”. Aktuell liegt er noch bei 1,25 Prozent.

Altkunden trifft es nicht

Für bestehende Verträge gilt die Abschaffung des Garantiezinses nicht:

Alle Sparer, die in den vergangenen Jahren eine Lebenspolice abgeschlossen haben, können beruhigt sein: Das Zinsversprechen, das ihnen die Versicherung gegeben hat, ist weiterhin gültig. Nur wer mit dem Gedanken spielt, in Zukunft eine Police abzuschließen, wird sich auf keine staatlich verordnete Garantiehöhe mehr berufen können. (Welt)

Vermögen der privaten Haushalte

Vermögen der privaten Haushalte

Für Junge allerdings ist die Lebensversicherung als Form der Altersvorsorge damit uninteressant. „Finanztipp“ schrieb schon im Februar 2015: „Finger weg vom Neuabschluss“.

Klassische Lebens- und Rentenversicherungen lohnen sich nicht mehr. Das liegt an den niedrigen Zinsen und den hohen Kosten. Von 1,25 Prozent Garantiezins verbleiben im Durchschnitt nur 0,42 Prozent.  Schlecht sind auch die Aussichten für die über den Garantiezins hinausgehende Überschussbeteiligung.

„Ebenfalls von Bedeutung für die Geldvermögensbildung der privaten Haushalte waren die Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionseinrichtungen, die netto um gut 13 Milliarden Euro aufgestockt wurden. Die ungeachtet der derzeit sehr niedrigen Renditen fortgesetzte Präferenz für diese Anlageform, die typischerweise als risikoarm gilt, deutet zusammen mit der Bedeutung der Bankeinlagen in der Geldvermögensbildung auf eine anhaltend hohe Risikoaversion der privaten Haushalte hin.“ (Deutsche Bundesbank)

Versicherungskonzerne müssen kreativ werden

Die Versicherungskonzerne werden sich in Zukunft wohl etwas Neues einfallen lassen müssen – und sie können abgesehen vom Wegfall der Verordnung des Bundesfinanzministers Garantiezusagen abgeben. Aber die Deutschen werden auch weiter Lebensversicherungen abschließen – im vergangenen Jahr waren es immerhin mehr als 370 000, was wieder einmal beweist, wie risikoavers die Deutschen sind und sich damit ins eigene Fleisch schneiden, denn mit dieser Haltung lässt sich keine attraktive Altersvorsorge aufbauen.


Was ist der Garantiezins? Mit dem Garantiezins, der auch Höchstrechnungszins genannt wird, können Versicherungskunden nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten sicher rechnen. Momentan, sprich 2015, liegt er für Neuverträge noch bei 1,25 Prozent, zwischenzeitlich lag er schon mal bei vier Prozent. In Alt-Verträge sind damit vier Prozent festgeschrieben. Die Absenkung auf 0,9 Prozent geht vom Finanzministerium aus, das damit skeptischer ist als die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV). Die deutschen Aktuare hätten den Garantiezins gern noch länger bei 1,25 Prozent behalten und empfahlen, Garantiezins für Neuverträge erst ab 2018 auf ein Prozent zu senken. Festgelegt wird die Höhe des Garantiezinses vom Finanzministerium – und zwar per Verordnung. Übrigens, die Bundesregierung wollte den Garantiezins sogar schon mal ganz abschaffen, änderte dann aber ihre Meinung.  Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – kann gut sein, dass der Garantiezins nicht ganz wegfällt. Das soll aber erst 2018 geprüft werden.

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Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

6 Comments

  1. […] private Sterbegeldversicherung ähnelt der Lebensversicherung,  das heißt, vor dem Vertragsabschluss wird eine Summe festgelegt, die die Nachkommen bei einem […]

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  2. […] Doch mit einigen Änderungen lässt sich Geld sicher anlegen und bringt dennoch Ertrag. Noch immer setzen vor allem ältere Menschen auf das Girokonto. Doch das ist nicht zeitgemäß, da es keine Zinsen auf das Ersparte gibt – und ohne entsprechende Rendite hat der Ruheständler auch keine Chance, im Alter seinen Wohlstand zu erhalten. Auch die zweite liebste Anlageform, die Lebensversicherung, bringt nicht mehr genügend Rendite. […]

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  3. tja, so isses! Die für Deutsche so wichtige Lebensversicherung liegt auf dem Sterbebett. Sie ist gewissermaßen austherapiert. Ihr Hinweis darauf, dass der Deutsche risikoavers ist, trifft total zu. Woran liegt das? Wir denken immer noch in Kategorien unserer Ahnen, dass ja das Altersruhegeld die Vollversicherung für unseren Lebensabend ist. Denkste! Seit immerhin 10 Jahren ist bekannt, dass die ursprünglich kalkulierten Renditen der LVs im Sinkflug sind und wir entgegenriestern (was auch immer davon zu halten ist) müssen. Kurz: wir müssen zusätzliche Wege beschreiten, im Alter auch noch “kraftvoll zubeißen zu können”. An Aktien trauen sich Versicherte einfach nicht ran?? Wieso eigentlich nicht? Wo liegt das Risiko beim Besitz von Aktien? Na klar: Horrorszenarien wie 2008 etc. brennen sich in die übervorsichtigen Seelen von uns Deutschen ein? Ich bin der Meinung, dass ein vernünftig geführtes Aktienpaket mit entsprechender Risikostreuung (nicht von jedem Dorf n´en Hund), aber mit Jahrhundertfirmen drin, die über einen langen Zeitraum einfach ordentlich gemanaged und auf Sicht auch eine ordentliche Dividende abwerfen, eine äußerst komfortable Alters- und Vermögenssicherung darstellen. Eines darf der risikoscheue Deutsche dann jedoch nicht machen: jeden Tag im Internet nachgucken, ob “seine Aktie” zum Gipfel ansetzt oder gerade in den Keller rauscht. Das verträgt eine in die Jahre gekommene Seele nicht. Wer sich da nicht so auskennt, ist gut beraten, sich nicht durch die Bank, sondern einen ausgewiesenen unabhängigen Berater auf Honorarbasis ein ordentliches Portfolio zusammenstellen zu lassen, in dem natürlich auch heute noch festverzinsliche Papiere und auch ausgewiesen gute Fonds enthalten sind. Auch die Menge an Zahngold im Mund reicht für Krisenzeiten nicht aus. Hier empfiehlt sich auch noch ein kleiner Anteil für Zeiten, in denen nichts mehr gehen sollte. Grundsatz fürs Alter: Freut euch des Lebens, an der Gesundheit, der Freiheit, dem Frieden und seid geduldig. Auch eine VW-Krise (Aktie) wird uns in drei, vier Jahren nur noch wage im Gedächtnis sein. Namen der Vorstände haben wir bis dahin völlig vergessen!, aber nicht das Unternehmen.

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    1. “austherapiert”, was für eine passende Beschreibung

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