GKV-Reform: Was kommt auf uns zu?

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Die gesetzliche Krankenversicherung steht vor ihrer größten Reform. Staat und Sozialkassen müssen sparen. Was die geplanten Sparmaßnahmen für Versicherte bedeuten.

Die gesetzlichen Krankenkassen geben mehr aus, als sie einnehmen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. 2026 droht ein Defizit von 10 Milliarden Euro, 2027 dann eines von 15,3 Milliarden Euro. Die Reserven sind aufgebraucht. Die von Gesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte Kommission hat Sparmaßnahmen vorgeschlagen, mit denen 42,3 Milliarden Euro eingespart werden könnten. Die gesetzlich Krankenversicherten erwartet weniger Leistung für höhere Beiträge.

Die 66 Sparvorschläge der Finanzkommission

Hier ist die vollständige Übersicht der diskutierten Maßnahmen zur Stabilisierung der GKV:

1. Leistungskürzungen & Zuzahlungen

  1. Anhebung der Zuzahlungen für Medikamente

  2. Kopplung der Zuzahlungen an die Lohnentwicklung

  3. Senkung der Festzuschüsse für Zahnersatz (60% auf 50%)

  4. Streichung von Homöopathie aus dem Leistungskatalog

  5. Ende der Erstattung von Cannabis-Blüten

  6. Einführung von Selbstbehalten bei Routineuntersuchungen

  7. Anpassung der Hilfsmittel-Pauschalen

  8. Begrenzung der Fahrtkostenerstattung

  9. Streichung von Leistungen bei Präventionskursen

  10. Reduzierung der Krankengeld-Höchstdauer in speziellen Fällen

2. Strukturelle Einsparungen

  1. Stärkere Kopplung der Honorare an die Lohnsumme

  2. Deckelung der Krankenhausbudgets

  3. Reform der Familienversicherung (Einschränkungen für Ehepartner)

  4. Zusammenlegung kleinerer Betriebskrankenkassen

  5. Effizienzsteigerungen in der Verwaltung der Kassen

  6. Zentralisierung des Einkaufs von medizinischen Geräten

  7. Digitalisierung der Verwaltungsprozesse

  8. Vereinheitlichung der Versicherten-Stammdaten

  9. Reduzierung von Doppeluntersuchungen durch ePA-Nutzung

  10. Straffere Vorgaben für ambulante Operationen

3. Apotheken & Medikamente

  1. Erhöhung des Apothekenabschlags

  2. Förderung von Generika durch strengere Rabattverträge

  3. Anpassung der Arzneimittel-Festbeträge

  4. Überprüfung der Nutzenbewertung für neue Medikamente

  5. Strengere Rabattvertragsregeln für Krankenhäuser

  6. Kürzung der Apotheken-Vergütung bei Standardmedikamenten

  7. Begrenzung der Verschreibung von nicht-leitliniengerechten Mitteln

  8. Preisdeckel für hochpreisige Orphan-Drugs

  9. Stärkere Steuerung durch hausarztbasierte Versorgung

  10. Online-Versandhandel für rezeptfreie Medikamente fördern

4. Klinik & Arztpraxis

  1. Schließung von ineffizienten Klein-Kliniken

  2. Konzentration von Spezialbehandlungen auf Zentren

  3. Budgetierung der ärztlichen Leistungen

  4. Überprüfung der Gebührenordnung (GOÄ)

  5. Reduzierung der Bürokratie in Praxen

  6. Anpassung der Krankenhaus-Fallpauschalen

  7. Stärkerer Fokus auf Telemedizin

  8. Begrenzung von IGEL-Leistungen

  9. Gemeinsame Einkaufsplattformen für Kliniken

  10. Prozessoptimierung bei Entlassmanagement

5. Weitere Maßnahmen (41-66)

  1. Anpassung der Heilmittel-Richtlinien

  2. Begrenzung bei Reha-Maßnahmen

  3. Kürzung bei Präventionsleistungen

  4. IT-Infrastruktur-Abgaben für Praxen

  5. Überprüfung der Satzungsleistungen der Kassen

  6. Verpflichtungen zur Zweitmeinung bei OPs

  7. Anpassung der Krankentransport-Richtlinien

  8. Stärkere Regulierung von Zusatzversicherungen

  9. Standardisierung von Formularen

  10. Optimierung der Pflege-Krankenkassen-Schnittstelle

  11. Erhöhung der Wirtschaftlichkeit bei Heilmittel-Einnahmen

  12. Reduktion von Verwaltungskosten

  13. Anpassung von Verordnungs-Richtlinien

  14. Strengere Wirtschaftlichkeitsprüfungen bei Ärzten

  15. Effizientere Budgetverteilung

  16. Ausbau der sektorenübergreifenden Versorgung

  17. Reduzierung von redundanten Diagnostik-Leistungen

  18. Anpassung von Bonusprogrammen

  19. Straffung des Qualitätsmanagement

  20. Förderung der Generika-Substitution

  21. Optimierung der Patientensteuerung

  22. Überprüfung der Ausnahmen bei Zuzahlungen

  23. Harmonisierung der Kassenservices

  24. Straffung der Gremienarbeit

  25. Anpassung der IT-Sicherheitskosten

  26. Evaluierung von Modellvorhaben

Zeitplan:

Das Ziel der Koalition ist es, das Gesetzgebungsverfahren zügig voranzutreiben, idealerweise noch vor der Sommerpause 2026. Parallel dazu wird die Finanzkommission bis Ende 2026 weitere Vorschläge für langfristige Strukturreformen erarbeiten.

Die Situation bleibt also in Bewegung; während der Kabinettsentwurf steht, werden in den parlamentarischen Beratungen noch Anpassungen erwartet, insbesondere bei der Frage der versicherungsfremden Leistungen.

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Helmut Achatz

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