4,25 Prozent? Der Tagesgeld-Bluff

Finanzen

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Neubanken locken wieder mit Spitzenzinsen. Doch beim genauen Hinsehen zeigen sich Zinsstaffeln und Fristen. Wo sich das Umschichten lohnt.

Der Zins-Krimi geht weiter

In Zeiten, in denen viele Filialbanken beim Tagesgeld kaum die Inflation ausgleichen, ist auf dem Markt der Neobanken und FinTechs ein neuer Preiskampf entbrannt. Mit aggressiven Lockangeboten buhlen Anbieter wie Revolut, Chase oder etabliertere Vertreter wie Sparda-Bank und Ikano um die Ersparnisse der Deutschen. Doch was taugen die Angebote für Anleger, die ihr Geld im Vorruhestand sicher und ertragreich parken wollen?

Die aktuellen Zins-Highlights auf einen Blick

  • Revolut als Spitzenreiter: Die britische Neobank prescht mit 4,25 % Zinsen p.a. voran – allerdings ist es ein Angebot mit vielen Haken.
  • Chase zieht nach: Die US-Branchengröße bietet starke 4,00 % Zinsen p.a. ebenfalls für vier Monate, punktet jedoch bei höheren Beträgen.
  • Solide Alternativen: Häuser wie die Sparda-Bank oder die Ikano Bank bieten verlässliche Aktionen ohne verschachtelte App-Hürden.

Die Top-Angebote

Bank / Anbieter Zinssatz p. a. Aktionsdauer Maximalbetrag Einlagensicherung
Revolut 4,25 % 4 Monate bis 25.000 € Deutschland (über Deutsche Bank)
Chase 4,00 % 4 Monate bis 1.000.000 € Deutschland
Ikano Bank 3,91 % 3 Monate bis 100.000 € Schweden (EWR)
Advanzia Bank 3,76 % 3 Monate ab 3.000 € Luxemburg (AAA)
ING 3,75 % 4 Monate bis 250.000 € Deutschland (AAA)

Die Haken bei Revolut

  1. Der Top-Zins gilt nur bis 25.000 Euro

Die beworbenen 4,25 Prozent werden ausschließlich für Guthaben bis 25.000 Euro gezahlt. Wer höhere Beträge anlegt, erhält für den darüber hinausgehenden Teil deutlich niedrigere Zinsen. Für viele Vorruheständler mit größeren Rücklagen verliert das Angebot damit schnell an Attraktivität.

  1. Der Spitzenzins ist zeitlich begrenzt

Die 4,25 Prozent gelten nur für vier Monate. Danach fällt die Verzinsung je nach Kontomodell deutlich niedriger aus. Wer dauerhaft hohe Erträge erzielen will, muss den Markt weiter beobachten und gegebenenfalls erneut wechseln. 

  1. Ohne Girokonto geht nichts

Um das Angebot nutzen zu können, müssen Neukunden zusätzlich ein Revolut-Girokonto eröffnen. Das Tagesgeld dient damit auch als Instrument zur Kundengewinnung und ist kein eigenständiges Sparprodukt. 

  1. Kartenzahlungen sind Pflicht

Wer den Aktionszins über die gesamte Laufzeit behalten möchte, muss regelmäßig aktiv werden. Nach einer Schonfrist sind mindestens drei Kartenzahlungen pro Monat erforderlich. Wer diese Bedingung übersieht, rutscht vorzeitig in die niedrigere Standardverzinsung.

Checklist für Zins-Hopper

Für Sparer, die im Ruhestand ihr Erspartes als Liquiditätsreserve nutzen wollen, sind solche Angebote auf den ersten Blick verlockend. Um keine bösen Überraschungen zu erleben, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  1. Aktionszins vs. Basiszins: Nach Ablauf der vier Monate fällt der Zins bei Revolut spürbar ab – je nach Abomodell auf 1,25 bis 2,50 %. Wer nicht regelmäßig Konten wechselt („Zins-Hopping“), landet schnell wieder im Mittelfeld.
  2. Kontonutzung als Bedingung: Bei Angeboten wie dem von Revolut ist das Tagesgeld oft an ein kostenloses Girokonto gekoppelt. Zudem muss das Geld aktiv im App-Bereich „Sparen“ angelegt werden – auf dem Hauptkonto bringt es keine Rendite.
  3. Produktform beachten: Während Revolut mittlerweile echtes Tagesgeld mit deutscher Einlagensicherung bis 100.000 Euro anbietet, setzten manche FinTechs in der Vergangenheit auf Geldmarktfonds. Prüfen Sie vorab, ob es sich um eine klassische Bankeinlage mit gesetzlicher Einlagensicherung

Lohnt sich das Umschichten?

Wer kurzfristig einen Notgroschen oder Restbeträge zwischenparken möchte (bis 25.000 Euro), nimmt bei Revolut in vier Monaten ordentliche Zinserträge mit – dank täglicher Zinsgutschrift profitiert man sogar leicht vom Zinseszins. Wer größere Beträge sicher parken möchte, wählt eher Anbieter wie Chase (bis 1 Million Euro) oder setzt auf Festgeld-Staffeln bei etablierten deutschen Banken, um sich das Zinsniveau langfristig zu sichern.

 

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Helmut Achatz

Macher von vorunruhestand.de

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