Live-Blog: Was passiert bei einer Knie-OP – und was danach?

Gesundheit

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Das Knie ist ein Meisterwerk der Beweglichkeit – leider kann es irgendwann an seine Grenzen stoßen. Manchmal hilft dann nur noch eine Knie-OP, bei der das Kniegelenk teilweise oder vollständig durch ein künstliches Gelenk ersetzt wird. 

Künstliches Kniegelenk

Bei mir ist das der Fall. Die konservative Therapie ist an ihre Grenzen gestoßen, und jeder Schritt im Alltag schmerzt; es führt dann kein Weg mehr an einem künstlichen Kniegelenk vorbei. Jetzt ist es bei mir so weit: Ich bekomme eine Knie-Totalendoprothese (TTE). In diesem Beitrag nehme ich euch Schritt für Schritt mit – von der OP-Vorbereitung über die ersten Tage in der Klinik bis hin zur dreiwöchigen stationären Reha. Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert!

Warum dieser Eingriff nötig ist

Das Knie ist das größte Gelenk unseres Körpers. Wenn der Knorpelüberzug durch jahrelangen Verschleiß (Arthrose) abgerieben ist, reiben Knochen direkt auf Knochen – das führt zu erheblichen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Alltag.
Laut meinem Aufklärungsbogen des Orthopädiezentrums steht bei mir ein doppelseitiger Oberflächenersatz (Totalendoprothese / TTE) an:
  • Der Eingriff: Die abgenutzten Knorpel- und Knochenflächen am Oberschenkelknochen und Schienbeinkopf werden präzise abgetragen.
  • Das Implantat: Es wird eine Oberflächenprothese eingesetzt, die das Gelenk ersetzt. Zwischen den Metallkomponenten dient ein sogenanntes Inlay aus speziellem Kunststoff als neuer Puffer und Gleitlager.
  • Die Verankerung: Bei mir wird die Prothese einzementiert. Der Vorteil des schnell härtenden Knochenzements liegt darin, dass das Bein in der Regel sehr früh wieder voll belastet werden kann.

📋 Der Fahrplan für die nächsten Wochen

  1. OP-Tag & Klinikaufenthalt (ab 30.9.): Vorbereitung, Operation unter Narkose und erste Mobilisation direkt in der Helios-Klinik München-West.
  2. Stationäre Reha (05.10. – 25.10.): Drei Wochen intensive Physiotherapie, Kraftaufbau und Gangschulung in der Hessing-Klinik in Augsburg.

📝 Live-Tagebuch: Updates aus Klinik und Reha

Hinweis: Dieser Abschnitt wird täglich aktualisiert. Die neuesten Beiträge finden Sie immer oben!

 

Tag 13 – 12. Oktober: 2. Woche 

+++ Start in die zweite Reha-Woche: Der neue Therapieplan lag auf der Tablettrutsche bei der Essensausgabe. Es geht los mit Lymphdrainage, dann kommt Geh- und Cardiotraining. Am Nachmittag lege ich mein operiertes Bein wieder auf die Motorschiene und lasse es passiv bewegen. 

Tag 12 – 11. Oktober: Ausflug 

+++ Reden wir über Schmerz: Was ist Schmerz? Laut Definition der International Association for the Study of Pain (IASP) ist Schmerz „ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potenzieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird“. Schmerzen zeigen, wie weit ich gehen kann, auch im übertragenen Sinn. Schmerzen erfüllen eine wichtige Rückmeldefunktion. Wie lässt sich der Schmerz einordnen? In der Reha gibt es eine Skala von 0 bis 10: 0 (kein Schmerz) bis 10 (unerträglicher Schmerz). Leichtes Ziehen oder Dehnungsgefühl. 1 – 3 heißt, völlig unbedenklich, normales Zeichen der Gewebeanpassung; 4 – 5 heißt, deutlich spürbarer Belastungsschmerz beim Üben. Der Schmerz sollte innerhalb weniger Stunden nach der Therapie oder spätestens am nächsten Morgen wieder auf das Ausgangsniveau sinken; 6 – 10 bedeuten stechenden, scharfen Schmerz oder starkes Pulsieren im Ruhezustand. Ein klares Signal zur Reduzierung der Belastung. Ein Physiotherapeut braucht eine Rückmeldung, um die Belastung exakt zu dosieren. Deswegen fragen Physiotherapeuten immer nach, wie sich der Schmerz anfühlt, entsprechend werden Anwendungen angepasst. Wenn die Trainingseinheiten besonders intensiv waren, kann das Knie mit Erwärmung und Schwellung reagieren. Da hilft Kühlen und Hochlagern.
+++ Das Knie fühlt sich immer noch warm an – ist das normal? Anscheinend schon.
Ja, das Knie muss arbeiten; Wärme zeigt an, dass das Gewebe heilt und sich umbaut. Und wie lange dauert das? Mir wurde gesagt, eine spürbare Erwärmung sei normal – das kann vier bis sechs Wochen nach der OP dauern. Danach dürfte sich das Knie langsam wieder normal temperiert anfühlen. Bei mir liegt die OP jetzt elf Tage, sprich eineinhalb johanneskirche 1Wochen, zurück. Bei einem künstlichen Kniegelenk, sprich einer Endoprothese, kann es bis zu zwölf Monate dauern, bis sich das Knie nach stärkerer Belastung erwärmt.
+++ Um mir die Füße zu vertreten, mache ich einen kleinen Spaziergang durch den Park hinüber zur Klinik und einen Besuch der St. Johanneskirche in der Hessing-Klinik. Sie ist der Klinik angegliedert, das heißt, der Besucher geht durch die Klinik, um zur Kirche zu gelangen. Die St. Johanneskirche ist eine der wenigen Simultankirchen der Region. Hier teilen sich katholische und evangelische Christen seit über einem Jahrhundert ein Gotteshaus. Klinikgründer Friedrich von Hessing war gelernter Orgelbauer. Die außergewöhnliche Kirchenorgel entstand nach seinen Vorstellungen; Teile wurden sogar in den Werkstätten der Heilanstalt gefertigt – ein verstecktes Kleinod.

 

Tag 11 – 10. Oktober: Mahlzeit

 +++ Samstags und sonntags läuft alles ein bisschen anders: Heute ist der Beginn des Frühstücks um eine halbe Stunde vorgezogen, sprich auf 7.30 Uhr. Das heutige Reha-Programm geht auch nur bis zum späten Vormittag.
+++ Zeit mal übers Essen zu reden: Zum Frühstück gibt’s bei mir immer Müsli, ich will ja schließlich etwas für meine Verdauung tun und dem Darm seine Ballaststoffe gönnen. Ich habe mir meine Nahrungsmittelzusatzstoffe mitgenommen, dazu gehören Fibraform (ein Komplex aus fünf löslichen und unlöslichen Ballaststoffen wie Akazien-, Apfel- und Haferfasern sowie Flohsamenschalen) und Beta-Glucane aus Haferkleie plus Artischocken-Extrakt. Meine Omega-3-Kapseln dürfen nicht fehlen und ein Multivitamin-Präparat. Zum Mittagessen serviert mir die Küche heute Spaghetti mit Tomatensauce und Veggie-Frikadelle, als Vorspeise steht Maissuppe auf dem Menü, begleitet von Chinasalat – und als Nachspeise eine Banane. 

+++ Der Nachmittag ist frei. 

Tag 10 – 9. Oktober: Was passiert nach der Reha?

+++ Kampf mit den Schmerzen: Das Schmerzmittel Tilidin wirkt vier bis fünf Stunden, das heißt, wenn ich es am Abend einnehme, werden die Schmerzen bis drei oder vier Uhr gedämpft, danach kommen sie zurück. Ich wälze mich noch eineinhalb Stunden im Bett hin und her und nehme dann die Morgenration.
+++ 7.40 Uhr: Anziehen des Kompressionsstrumpfes.
+++ 8.00 Uhr: Die „Augsburger Allgemeine“ wird gebracht.
+++ Der Reha-Tag beginnt mit Lymphdrainage.
+++ 10.30 Uhr: Gruppentraining Stretching
+++ 11.30 Uhr: Gerätetraining: Wie schon an Tag 8 geht’s los mit dem Liegerad, es folgt Knie beugen und strecken mit einer auf dem Boden liegenden Hantel, Pulldown mit 200 Kilo und Abduktorenmaschine.
+++ Nach dem Mittagessen: Training der Untere-Extremitäten-Gruppe, sprich Dehn- und Streckübungen, dieses Mal mit Terraband.
+++ 15.00 Uhr: Motorschiene
+++ In den Pausen mache ich mir so meine Gedanken über die Zeit nach der Reha. Ich soll dann das Knie noch nicht voll belasten und keine schweren Lasten tragen. Da wir zu zweit im Haushalt leben, brauche ich für die ersten Wochen keine Haushaltshilfe. Wenn das nicht so wäre, würde die Krankenkasse die Kosten für eine Haushaltshilfe übernehmen – bis zu 4 Wochen nach der Reha. Die Kassen rechnen direkt mit dem Pflegedienst/Sozialdienst ab. Der Eigenanteil liegt gesetzlich bei 5 bis 10 € pro Kalendertag. Wenn das in Frage kommt, ist es am besten, sich sofort  an den Sozialdienst der Reha-Klinik zu wenden. Die Ärzte der Reha-Klinik stellen die Notwendigkeit (Attest) aus, und der Sozialdienst reicht den Antrag direkt bei der Krankenkasse ein, damit die Hilfe rechtzeitig bereitsteht. 

Damit der Heilungsverlauf des neuen Kniegelenks nach der Entlassung optimal weitergeht, verordnet die Reha-Klinik in der Regel eine ambulante Nachsorge – genannt T-RENA (Therapeutische Reha-Nachsorge der Deutschen Rentenversicherung) mit gezieltem Geräte- und Aufbautraining (meist 26 Termine innerhalb von 6 Monaten). Wird direkt in der Reha-Klinik durch den Reha-Arzt ausgestellt. Das Gleiche gilt für Hilfsmittel. Für Fahrten vom Reha-Standort nach Hause gilt: Transportschein für die Heimfahrt stellt die Reha-Klinik aus. Okay, brauche ich nicht, da ich abgeholt werde. 

Tag 9 – 8. Oktober: Ein bisschen Routine

+++ Für 7.30 Uhr ist die Visite der Chefärztin angesagt – ein kurzer Kontrollbesuch.
+++ Anziehen des Kompressionsstrumpfes.
+++ Gleich nach dem Frühstück trifft sich eine kleine Gruppe im Gemeinschaftsraum im dritten Stock zu einer Info-Veranstaltung über Hilfsmittel. Dabei geht es um das Greifen von Gegenständen am Boden, das Anziehen von Strümpfen, um Hilfsmittel für das Duschen und darum, wo man die entsprechenden Hilfen bekommt.
+++ 11.00 Uhr Cardiotraining, das heißt, Radeln auf dem Heimtrainer – und zwar eine halbe Stunde.
+++ Noch vor der Mittagspause steht Krankengymnastik auf dem Therapieplan mit der „heißen Rolle“. Die Physiotherapeutin bringt ein zusammengerolltes Handtuch, das mit heißem Wasser getränkt ist – das verstreicht sich auf meinem operierten Bein und legt im Anschluss das ausgerollte Handtuch auf mein Bein. Es folgt eine leichte Massage, um die Muskeln zu lockern.
+++ 14.00 Uhr Motorschiene – das Bewegtwerden hat einschläfernde Wirkung.
+++ 15.30 Uhr Gehtraining. Da es geregnet hat, bleiben wir im Gebäude. 

Tag 8 – 7. Oktober: Kampf gegen die Schmerzen

+++ Die Nacht war alles andere als erholsam: Es ziepte hier und drückte dort – ich wachte mehrmals auf und musste meine Liegeposition verändern.
+++ Morgens kommt immer so gegen 7.30 Uhr die Schwester und zieht mir den Kompressionsstrumpf an.
+++ Nach dem Frühstück bin ich auf der Station im zweiten Stock zur Messung der „Vitalzeichen“, das heißt, Blutdruckmessung. Natürlich ist er viel zu hoch, was wunder nach der Nacht.
+++ um 10.00 Uhr dann Motorschiene. Ich reduziere die Gradzahl von 90 auf 80. Gestern waren es noch 90 Grad, was mich wohl etwas überforderte.
+++ 11.30 Uhr Trainingstherapie: 10 Minuten auf dem Liegerad, Knie beugen und strecken mit einer auf dem Boden liegenden Hantel, Pulldown mit 200 Kilo und Abduktorenmaschine (Beim Fitness-Training geht es dabei um die Hüftabduktoren an der Außenseite des Gesäßes und der Hüfte, die das Bein seitlich vom Körper weg bewegen).
+++ 14.00 Uhr Stretching: Wir üben mit und ohne Stab, lassen den Kopf nach rechts und links fallen, strecken den Hals, führen die Hand mit dem Stab einmal nach rechts und nach links, drücken uns mit den Ballen und der Ferse ab.
+++ Der Trainingstag endet um 15.30 Uhr mit Lymphdrainage. 

Tag 7 – 6. Oktober: Reha-Plan und Medikation

+++ Gestern bekam ich den Reha- und Medikationsplan. Mal schauen, was ich alles einnehmen muss. Da sind: – Rivaroxaban ist ein arzneilicher Wirkstoff aus der Gruppe der gerinnungshemmenden Medikamente (Antikoagulanzien), im Volksmund oft als „Blutverdünner“ bezeichnet. Dient zur Prophylaxe venöser Thromboembolien nach großen orthopädischen Eingriffen.
– Metamizol (oft als Metamizol-Natrium bekannt, Handelsname u. a. Novalgin oder Novaminsulfon) ist ein stark wirksames Schmerzmittel (Analgetikum) und Fiebersenker (Antipyretikum) aus der Gruppe der Pyrazolone. Es wirkt zudem krampflösend (spasmolytisch) auf die glatte Muskulatur.
– Tilidin ist ein verschreibungspflichtiges Schmerzmittel aus der Gruppe der schwach wirksamen synthetischen Opioide. Es mindert die Schmerzwahrnehmung im zentralen Nervensystem und wird bei mittelstarken bis starken Schmerzen eingesetzt.
+++ Die Schwester kam und hat mir den Kompressionstrumpf übergezogen. Mal schauen, ob ich das den ganzen Tag aushalte.
+++ Kurz vor 8.00 Uhr kam die Ärztin zur Visite. Aber da wir ja gestern schon das Arztgespräch hatten, gab es nicht viel zu besprechen.
+++ Um 8.00 Uhr dann Blutentnahme.
+++ Nach dem Frühstück dann volles Programm: Zuerst Trainingsplanerstellung und Einweisung bei einigen Geräten, darunter Radtrainer, Beinspreizer, Pulldown. Dann die Motorschiene für 40 Minuten; Befunderhebung, Training der Untere-Extremitäten-Gruppe, sprich Dehn- und Streckübungen und zum Ausklang noch ein Gehtraining im Freien.
+++ Zwischendurch habe ich mir ein Kühlpack geholt. 

Tag 6 – 5. Oktober: Beginn Reha

+++ Am 5. Oktober ist um 9.00 Uhr Aufnahme in der Hessing-Klinik in Augsburg. Wir fahren mit einem dicken Puffer los, geraten aber in Augsburg gleich in mehrere Staus, sodass wir erst mit einer Dreiviertelstunde Verspätung ankommen. Na gut, heute passiert nicht so viel: Aufnahme, Arztgespräch, Einweisung. Das Ambiente ist ganz anders als in der Helios-Klinik, aber es ist ja auch eine Reha-Klinik. Ich gönne mir ein Einzelzimmer und bekomme diesen Blick: 

hessing klinik
Hessing Klinik in Augsburg – Blick aus meinem Fenster

+++ Zur Begrüßung bekomme ich meinen Reha-Plan für die laufende Woche: Ich bin jeden Tag bis 16.00 Uhr verplant, am Samstag nur bis Mittag. 

Tag 5 – 4. Oktober: Zwischenstation Zu Hause

+++ Die Schwester bringt den Entlassbrief und ich darf nach Hause. Ich rufe sofort meine Frau an und lasse mich abholen. Mein Bettnachbar darf ebenfalls nach Hause gehen – er war einen Tag weniger im Krankenhaus als ich, aber ihm wurde auch „nur“ ein Teilschlitten eingesetzt. Ich packe meine Reisetasche und warte auf meine Frau, die auch schon rund 20 Minuten später eintrifft. Zum Mittagessen gibt es Flammkuchen und Salat sowie ein frisches alkoholfreies Bier, danach einen Espresso. In der Nacht schlafe ich im eigenen Bett. Davor allerdings packe ich meine Sachen für die dreiwöchige Reha in der Hessing-Klinik in Augsburg.
+++ Die letzte Nacht in der Helios-Klinik. Heute habe ich besser geschlafen als in den Nächten zuvor, bin aber froh, das Krankenhaus verlassen zu können. Wie mir mein Bettnachbar erzählt hat, gab es in der Nacht wohl auf dem Gang Tumulte und Hilferufe. Das ist freilich auf Krankenstationen normal.
+++ Zum Schluss noch ein kurzes Resümee zur Klinik: Schwestern, Pfleger und Ärzte sind absolut top und geben sich viel Mühe. Das Essen ist leider keine kulinarische Meisterleistung, um es gelinde auszudrücken – meistens ziemlich verkocht und ohne Vitamine. Aber gut, es ist ja Krankenhausessen.
+++ Dafür bekomme ich als Ausgleich einiges an Medikamenten: Tinzaparin, Macrogol, Metamizol, Pantoprazol und Tildin-Hydrochlorid sowie Naloxon-Hydrochlorid. 

krankenhausessen
Krankenhausessen – das Frühstück

Tag 4 – 3. Oktober: Röntgenbilder

+++ Kurz vor 5 Uhr kommt eine Schwester und bringt die Tagesration an Medikamenten.
+++ Heute ist ja Tag der Deutschen Einheit, das heißt, die Physiotherapie fällt aus, insofern passiert hier und heute nicht allzu viel.
+++ Der Stationsarzt trifft mich auf dem Gang bei meiner Krückenübung und fragt nach, wie es mir geht. Soweit ist alles okay. Ich weise ihn darauf hin, dass ich noch Röntgenbilder für die Reha-Klinik brauche.
+++ Zwischenzeitlich werden wieder einmal der Blutzuckerspiegel sowie Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung gemessen.
+++ Eine Schwester kommt und holt mich zum Röntgen ab. Da es doch ein weiterer Weg ist, lasse ich mich im Rollstuhl fahren. 

röntgenbild knie Endoprothese
Röntgenbild Knieendoprothese.   Quelle: Helios-Klinik

+++ Zum Glück habe ich meinen Apple dabei, und das WLAN in der Klinik ist auch okay. Zum Bettgehen ziehe ich mir einen bayerischen Krimi rein: „Weißbier im Blut“. Ein ziemlich abgründiger Film in Niederbayern mit Sigi Zimmerschied als Ermittler Kreuzeder und Luise Kinseher als Kellnerin Gerda Bichler. Alle anderen spielen eher Nebenrollen. Ja, der Film ist ein Krimi, beleuchtet aber theologische und moralphilosophische Fragen zum Schuldprinzip. „Weißbier im Blut“ erinnert so ein bisschen an Eberhoferkrimis, allerdings ist dieser Film rauer, derber, langsamer und damit hintergründiger als ein Eberhoferkrimi. 

Tag 3 – 2. Oktober: Nachwehen der Operation 

+++ Jetzt kommen die ganzen Nachwehen der OP: Die Nacht war alles andere als angenehm: Ich musste mich mehrmals umbetten, um die Schmerzen erträglicher zu machen, obwohl ich mir vor dem Einschlafen noch eine Schmerztablette geben lassen hatte. Das Knie ist dick angelaufen und lässt sich kaum noch abbiegen; die Oberschenkelmuskulatur ist total verhärtet.
+++ Am späteren Morgen profitiere ich dann doch noch von ein paar Stunden Schlaf; wache so gegen 6 Uhr auf. Es ist noch dunkel.
+++ Ich greife zu meinem Smartphone, um mich abzulenken.
+++ Da kommt auch schon die Schwester und bringt uns unser „Menü“ – die Tablettenbox für morgens, mittags und abends.
+++ Der Harndrang zwingt mich zum Aufstehen, ich will aber meinen Zimmergenossen nicht wecken, so stakse ich im Halbdunkel mit meinen Krücken zum Bad.
+++ Nach ein bisschen Dösen kommt der Arzt und fragt nach meinem Befinden. Ich erzähle ihm vom angeschwollenen Knie und dem verhärteten Oberschenkelmuskel. Er meint, er wolle mir keine Drainage legen lassen, weil sich dadurch die Infektionsgefahr erhöht. Ich brauche halt Geduld, was nicht meine Stärke ist. Er fragt weiter, wann ich wohin in die Reha gehen will. Am Sonntag holt meine Frau Sonja mich ab und bringt mich am Montag nach Augsburg in die Hessing Klinik. Das sei okay. Ich werde also am Sonntag abgeholt.
+++ Zwischenzeitlich kommt die Physiotherapeutin und bringt die mechanische Beinschiene. Wir üben vorher noch das Treppengehen. Beim Treppaufgehen wird das gesunde Bein zuerst aufgesetzt, beim Treppabgehen das operierte Bein.

Tag 2 – 1. Oktober: Erste Schritte im Krankenhaus

+++ Da ich gestern nach der OP noch Stunden vor mich hindämmerte und zwischenzeitlich auch schlief, bin ich natürlich mitten in der Nacht aufgewacht. Ich greife zum Smartphone, um mich abzulenken, bette mein operiertes Bein regelmäßig um und schiebe die Bettdecke unter das Knie.
+++ Am Morgen kommt eine Schwester und bringt Medikamente für den Tag in einer Tablettenbox, um die Tabletteneinnahme zu strukturieren; eine halbe Stunde später kommt die nächste Schwester mit einer Dexamethason-Infusion. Dexamethason ist ein sehr starkes, künstlich hergestelltes Glukokortikoid (Kortisonpräparat) und hat eine ausgeprägte entzündungshemmende, abschwellende und das Immunsystem dämpfende Wirkung. Dexamethason hemmt Entzündungsreaktionen und mindert Wundschmerzen; das  reduziert den Bedarf an stärkeren Schmerzmitteln (wie Opioiden) nach dem Eingriff. Problem: Dexamethason lässt den Blutzuckerspiegel steigen. Deswegen wurde später mein Blutzuckerspiegel gemessen: Er lag bei 205. Der Schwellenwert ist 150. 
+++ Als Nächstes bekomme ich eine Schmerztablette; kurz darauf kommt die nächste Infusion: Jonosteril ist eine isotonische Vollelektrolytlösung, die verlorenes Blut ersetzen und den Blutkreislauf stabilisieren soll. Das ist keine reine Kochsalzlösung, sondern enthält neben Wasser, vor allem Natriumchlorid, Natriumacetat-Trihydrat, Kaliumacetat, Calciumacetat-Monohydrat und Magnesiumacetat-Tetrahydrat.
+++ Noch vor dem Frühstück erscheint der behandelnde Arzt und versichert, dass alles gut gelaufen sei. Ich sei für das Team eine Besonderheit gewesen: Meine Knochen sind so fest, dass er drei Sägeblätter brauchte, weil die ersten zwei stumpf geworden waren.
+++ Ach, bevor ich es vergesse: Zwischenzeitlich brachte die Schwester einen Zimmergenossen – einen älteren Herrn, so in meinem Alter. Kaum hatte er sich eingerichtet, wurde er auch schon zur OP gefahren.
+++ Endlich bringt die Schwester das Frühstück.
+++ Ein Pfleger kommt zur Blutabnahme; dabei wurde der erhöhte Blutzuckerspiegel festgestellt. Als er sich verabschiedet, meine ich nur ironisch: „Da geht der Vampir.“
+++ spartanisches Mittagessen: heute zwei Pfannkuchen mit Vanillesoße.
+++ Am Nachmittag kommt die Physiotherapeutin: Wir üben Krückengehen den Gang rauf und runter; anschließend darf eine mechanische Beinschiene mein Bein beugen und strecken.
+++ Wir beide bekommen Besuch von unseren Ehefrauen
+++ Vor dem Zubettgehen bekommen wir noch eine Schmerztablette. 

 

Tag 1 – 30. September: Der Tag der Operation

+++ Alles gepackt – und ab geht’s in die Helios-Klinik München-West. Es ist noch ziemlich ruhig. Ich soll mich um 7.00 Uhr einfinden, bin aber schon früher da.
+++Empfang in der Station. Ich bekomme mein Zimmer zugewiesen;  auf dem Bett liegen ein OP-Hemdchen und eine Netzhose. Der Krankenpfleger verweist auf die „Speisekarte“. Ich frage nach, wann meine OP stattfindet. Er meint: „zwischen 11 und 12 Uhr“. Ich bin noch allein im Zweibettzimmer. Das kann sich aber ändern. Ich räume meinen Schrank ein, verabschiede mich von meiner Frau und warte auf meine OP.
+++ Da ich bis zur OP etwas Zeit habe, checke ich, ob es schon so etwas Ähnliches wie einen Live-Blog zum Thema gibt. Fehlanzeige! Aber ich finde einschlägige Infos zu einem neuen Kniegelenk bei Dr. Manuel Köhne. Auf Instagram (Account kniehueftop) bekomme ich einen Eindruck, was auf mich in den kommenden Stunden zukommt: 

 

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+++ Ich lebe noch! Dieser Gedanke und die Frage nach der Uhrzeit keimten in meinem Hinterkopf auf. Menschen erschienen an meinem Bett. Ein leichter nachhaltiger Schwachschmerz erinnerte mich an die OP. Das Gefühl, keinen Hunger zu spüren, aber Durst wabert durch meine innere Welt. Ein tiefer Wunsch nach Ruhe erfüllt mich. Ich bin dankbar, dass ich das Zimmer für mich habe. Ich tauche langsam auf, wie aus der Tiefe – nur ist das umgebende Element nicht Wasser, sondern Luft. Dankbar für spaßige Bemerkungen der Schwestern. Die Sonne scheint schräg ins Zimmer und deutet an, dass es Abend ist. Jeder bisschen Druck stört, deshalb ziehe ich mich am „Dreieck- oder Patientenhaltegriff“ ein Stück nach oben. Ich fühle mich schwindelig, flau, benommen, blümerant,  schwimmig und schlaftrunken. Um 21 Uhr injiziert die Schwester eine Thrombosespritze. Ich dämmere durch die Nacht. 
Bild: iStock

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Helmut Achatz

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