Homeoffice oder das Ende der Präsenzkultur

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Chefs stellen sich noch quer

Überzogen? Sicher nicht, wie die fünf Praxisbeispiele beweisen, die „Wirtschaftswoche“ anführt. Das Magazin zitiert die Verwaltungsmitarbeiterin eines Herstellers von medizinischem Bedarf oder die Mitarbeiterin bei einem mittelständischen Maschinenbauer in Süddeutschland, die beklagt, dass Homeoffice „von der Geschäftsführung aus Misstrauen den Mitarbeitern gegenüber nicht erlaubt wird“.

Offensichtlich weigern sich selbst angesichts der Bedrohung durch Corona immer noch einige Unternehmen grundlegend umzudenken. Deswegen hat die Grünen-Politikerin Laura Sophie Dornheim „Wirtschaftswoche“ zufolge bereits seit Tagen unter dem Hashtag #MachtBüroszu Berichte von Arbeitnehmern gesammelt, deren Vorgesetzte sich querstellen. In ihrer Excel-Liste finden sich mehr als 130 Unternehmen. „Zum Teil fürchte ich auch, dass die technische und kulturelle Unfähigkeit zu Homeoffice in vielen Behörden und Verwaltungen die Politik davon abhält, hier konsequente Maßnahmen zu verhängen“, so Laura Dornheim.

Die Grünen-Politikerin Laura Sophie Dornheim (@schwarzblond) hat den Hashtag #MachtBuerosZu gestartet. Seitdem bekommt sie Nachrichten von Arbeitnehmer*innen, die gerne zuhause arbeiten würden, aber bisher nicht dürfen. Das könnte sich mit den neuen Homeoffice-Regeln ändern. pic.twitter.com/8pSsWmGkt5

— Deutschlandfunk Nova (@dlfnova) January 20, 2021

Bezeichnend auch der Post von Jacob Liedtke in „Facebook“, in dem er schreibt, dass „Appelle offenkundig nicht reichen, um die letzten Trutzburgen der Büropräsenz zur Einsicht zu führen“. Unter dem Hashtag #machtbueroszu finden sich in den sozialen Medien mittlerweile verstärkt unzählige Schilderungen von beratungsresistenten Chefinnen und Chefs. Die Blindheit und Ignoranz macht Liedtke fassungslos. „Dass die Einschränkungen privater Kontakte geregelt wird, aber die Kontakte am Arbeitsplatz nur mit einem kurzen Appell behandelt werden, ist unverständlich“, meint die Grünen-Vorsitzende Katrin Göring-Eckardt.

Ignoranz in Deutschland

„Fassungslos“ ist das passende Wort für die Ignoranz, wie Deutschland die digitale Transformation mit den Herausforderungen im Arbeitsalltag verschlafen hat. Offensichtlich braucht es Verordnungen und Gesetze, um einen Paradigmenwechsel zu erzwingen. Tim Cole, Autor des Buchs „Digitale Transformation“, tingelt schon seit Jahren durch Deutschland und plädiert eben für diese Transformation, zu der auch Homeoffice gehört – bislang fand sein Appell aber längst nicht bei allen Widerhall. Was braucht es noch, um Deutschlands Unternehmen in punkto Homeoffice aufzurütteln und die digitale Transformation endlich ernst zu nehmen?

Umdenken ist angesagt

Umdenken ist angesagt. „Das Umdenken muss aber zuallererst in den Köpfen der Führungskräfte stattfinden“, sagt Ard-Jen Spijkervet, Chef des Bürobedarfsspezialisten Leitz. Viele Chefinnen und Chefs haben wohl immer noch die Vorstellung, dass ihre Mitarbeiter zuhause faulenzen würden. Sie selbst sind aber oftmals zu faul und desorganisiert, klare Ziele vorzugeben, wie es Peter Drucker schon in den 50er-Jahren propagierte. Management by Objectivs oder Führung durch Zielvereinbarung verlangt einen organisierten Chef, der auch führen will und kann. Dann ist auch Homeoffice kein Problem.

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Helmut Achatz

Macher von vorunruhestand.de

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