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Der Sommer war groß, der Oktober golden – der November besinnlich. Es wird Zeit zurückzuschauen und nach vorne zu blicken. Dafür braucht’s den November, ein Monat, um Einkehr zu halten.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Sich besinnen auf das, was uns dieses Jahr geschenkt hat, Freundschaften aufzufrischen, die Familien um sich zu sammeln. Dafür braucht’s den November. Christian Morgenstern hat es so stimmig beschrieben:

„Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen,
ohne Not geht niemand aus,
alles fällt in Sinnen.“

November haben ihren eigenen Charme

Angeregt zum Besinnen hat mich Lutz Prauser, der auf seinem Blog fragt, was mir spontan zum Thema Novemberglück einfällt. Beim Nachdenken darüber ist es so einiges:

Das fängt mit Allerheiligen an – ein Tag, an dem wir nicht nur die Gräber unserer Toten besuchen, sondern auch die Lebenden. Wir treffen uns am Grab, blicken zurück, reden über das, was war und hätte sein können. An Allerheiligen sehen wir Menschen wieder, zu denen wir vielleicht ein ganzes Jahr keinen Kontakt hatten. Wir knüpfen das unsichtbare Band neu. Die Zeit bleibt für eine Weile stehen, wir spüren, dass wir endlich sind.

Wir sehnen uns nach Nebel, Raureif, Regen und Kälte, denn der „Sommer war sehr groß“, wie es Rainer Maria Rilke in seinem Gedicht „Herbsttag“ verbal ausmalt.

„Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gibt ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wir sehnen uns nach der Schwere, denn das Leichte haben wir zur Genüge genossen. Wir sehnen uns nach Rückzug, denn wir waren so lange offen. Wir sehnen uns nach drinnen, denn draußen waren wir so oft.

Schluss mit Tomate-Mozzarella

Vorbei die Zeit von Tomate-Mozzarella und Wurstsalat, jetzt ist Fondue Savoyarde und Raclette angesagt, Eintopf und Grünkohl mit Pinkel. Es darf wieder deftig sein. Leichtkost war gestern. Die Saison ist eröffnet und das erste Fondue schon längst ausgestippt, Caquelon und Rechaud stehen wieder im Schrank und warten auf den nächsten Einsatz. Dazwischen darf es aber auch ein Raclette sein. Meine Kinder haben zusammengelegt und mir vor Jahren eines zu Weihnachten geschenkt – auch aus Eigennutz, weil sie (fast) alle gerne Raclette essen. Irgendwann habe ich dieses Ritual einmal eingeführt – und das setzt spätestens im November ein, wenn die Tage kürzer werden und die Nächte länger. Fondue und Raclette wechselten sich dann alle Sonntage ab. Mittlerweile sind sie alle ausgezogen, erinnern sich aber noch gern an die Zeit – und kommen auch wieder, wenn Vater einlädt.

Apropos Kinder, so ein bisschen vermisse ich dieses „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne …“ und den Martinsumzug am 11. November, wenn Scharen von Kindern mit ihren Laternen durch die Straßen ziehen. Meine Kinder sind mittlerweile groß und Enkel haben sich noch nicht angekündigt.

Am 11. 11. fängt der Karneval an

War da nicht noch was am 11.11.? Richtig, um 11:11 Uhr fängt im Rheinland der Karneval an – also, von wegen besinnlich. Die Jecken fiebern diesem Tag entgegen und dann kann sie nichts mehr halten.

Zu meinen November-Ritualen gehört der Türkranz – wie auf dem Blog-Foto. Natürlich ist es für mich selbstverständlich, ihn selbst zu binden. Ich umrunde dann mein Gärtchen mit Gartenschere und Tüte bewaffnet, schnippele mal hier einen Zweig ab und mal da, bis die Tüte schließlich voll ist. Gleich an der Zufahrt wächst Ilex, der sich bereits teils rot gefärbt hat, dazu die Heckenrosen, das ganze garniert mit Efeu und Kirschlorbeer.

„Le Beaujolais Nouveau est arrivé“

„Le Beaujolais Nouveau est arrivé“ – damit kündigt sich der neue Weinjahrgang an. Am dritten Donnerstag im November wird der Primeur, der erste Wein des gleichen Jahres ausgeschenkt. Die Franzosen machen ein Mords Bohei daraus. Der Wein aus dem Beaujolais darf acht Wochen nach der Lese getrunken werden. 2018 war’s der 15. November, an dem die erste Flasche Beaujolais nouveau entkorkt wurde. Ich habe ihn noch nicht probiert, aber es wird höchste Zeit, das nachzuholen. Übrigens, soll er dieses Jahr „exceptionnel“ sein.

Glühmost als Alternative zu Punsch

November ist auch die Saison für Glühmost – ja, richtig gehört „Glühmost“. Glühwein kann ja jeder, aber Glühmost ist was Besonderes und die perfekte Alternative zu Glühwein, Grog und Punsch. Bei einem Kaminfeuer oder einer Kerze lässt sich Schmuddelwetter besser aushalten. Für Glühmost braucht’s natürlich Apfel/Birnenmost, eine Zimtstange, Sternanis und Nelken, einen Apfel und Calvados. Das ultimative Rezept für Glühmost findet ihr natürlich auf meinem Blog.

Wo ist die Lichterkette?

Je intensiver ich nachdenke, desto mehr fällt mir zum Novemberglück ein. Ist November nicht auch der Monat, in dem wir auf den Dachboden klettern, um nach der Weihnachtsbeleuchtung zu suchen? Die Tage werden kürzer, so dass es mittlerweile schon um 17 Uhr dunkel wird – und früher. Also, raus mit den Lichterketten, -vorhängen und -sternen! Und was passt besser zum LED-Rentier-Schlitten als eine Weihnachtsplätzchensammlung. Es wird höchste Zeit, die Rezepte für Kokoskipferl, Dominosteine und Husarenkrapfen heraus zu kramen.

Erschöpft vom Nachdenken über das Novemberglück braucht’s eine Pause – am besten bei einem spannenden Buch. Wir müssen nicht länger ein schlechtes Gewissen haben angesichts des Nieselwetters, dass wir auf der Couch abhängen und ganz entspannt einen Krimi verschlingen oder uns von einem Historienroman fesseln lassen.

Mal ehrlich, so übel ist der November gar nicht – oder?

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

2 Comments

  1. Toll – danke fürs Mitmachen. Ich glaube, ich sollte auch frühzeitig auf den Speicher klettern und die Lichterkette suchen. Sowas kann ja viel Zeit in Anspruch nehmen. 😉
    Und ja – ich bin auch begeistert, dass sich der Speiseplan jetzt erst mal ändert.

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    1. Hat mir richtig Spaß gemacht 😉

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