Die Riester-Rente hat ausgedient – Versicherer steigen aus

Zum 1. Januar 2017 ist die Riester-Rente 15 Jahre alt geworden. Aber so jung sie auch ist, hat sie bereits ausgedient. Die ersten Versicherer steigen aus dem Riester-Geschäft aus – und die Zahl der Riester-Verträge stagniert schon seit 2013.

Schuld daran ist die Zinsflaute. Die Leute haben keine Lust mehr auf Riester, weil die Rendite zu wünschen übrig lässt. Die Zahl der Verträge hat sich bei etwas mehr als 16 Millionen eingependelt – und stagniert auf diesem Niveau. Jetzt haben auch die Versicherer die Lust an Riester verloren. Wer beispielsweise eine klassische Riester-Rente abgeschlossen hat, muss mindestens 83 Jahre alt werden, um die eingezahlten Beiträge einschließlich Zulagen wieder heraus zu holen – bei einigen Anbietern muss er sogar deutlich älter werden.

5000 verschiedene Riester-Varianten

Die Vielfalt an Riester-Verträgen ist groß. So kommt der Finanzprofi Axel Börsch-Supan, einschließlich Produkten wie Banksparplänen, Fondssparplänen und dem 2008 eingeführten „Wohn-Riester“ auf mittlerweile mehr als 5000 verschiedene Riester-Vertragsvarianten.

So lustlos die Kunden, so frustriert sind mittlerweile auch die Versicherer selbst. Die Begeisterung hat schwer nachgelassen. So legt beispielsweise die Öffentliche Lebensversicherung Braunschweig laut „finanzen.net“ ihr Riester-Neugeschäft vorerst auf Eis. Das gleiche gelte für Cosmos Direkt und die zum Talanx-Konzern gehörende PB Versicherung. Die Debeka wolle erst zum 1. April wieder einsteigen; die DEVK Anfang Mai, die Barmenia frühestens im zweiten Quartal. Mit der Wiederaufnahme von Riester wollen sich auch die Alte Leipziger Zeit lassen und die Nürnberger.

Was ist bloß mit Riester los?

Was ist bloß los mit Riester? Der Absatz von Neuverträgen stagniert und ist bei einigen Anbietern rückläufig, ferner binden die Regularien Ressourcen. Die Kunden sind unzufrieden mit den Renditen von Riester-Verträgen – manche sind sogar richtig sauer auf die Versicherer, weil unterm Strich nur ein paar Euro rauskommen, obwohl sie jahrelang eingezahlt hatten.

Null Durchblick im Tarifdschungel

Problem für Verbraucher sei auch die Intransparenz der Verträge, so die Verbraucherschützerin Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Den Durchblick im Tarifdschungel zu behalten, ist allerdings nicht einfach. „Durch die Komplexität der Verträge wird ein Kostenvergleich selbst für Fachleute beinahe unmöglich gemacht“, so Börsch-Supan. Bei weitgehend gleicher Ausgestaltung gebe es sehr teure und sehr günstige Produkte. Das Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik hat in seiner Studie 36 repräsentative klassischen Riester-Rentenversicherungen verglichen und kam dabei auf erschreckende Differenzen. Der günstigste Anbieter kommt auf eine Kostenquote von 2,5 Prozent und der teuerste von 20 Prozent. Das heißt umgekehrt, wer einen schlechten Anbieter hat, dem geht schon mal richtig viel Rendite flöten.

Rendite blieb auf der Strecke

Hauptproblem ist jedoch, dass die Versicherer die von den Kunden erwarteten Renditen nicht mehr erwirtschaften können. Selbst die Experten von Max-Planck-Institut lügen sich da in die eigenen Taschen. Sie extrapolieren einfach die Verhältnisse aus den Jahren zwischen 2002 und 2015 auf den Zeitraum von 2015 bis 2060. In ihrem Ausgangsszenario gehen sie von einer Verzinsung von 4,5 Prozent pro Jahr aus einer Inflation von 1,5 Prozent – und schwupps kommen sie auf eine reale Verzinsung von drei Prozent. Nur leider hat das mit der Realität nichts zu tun, wie jeder weiß. Ok, einige Seiten später haben sie ihr Szenario revidiert.

Wenn selbst die Experten ratlos sind, wie dann erst die Praktiker.

Riester braucht eine Komplett-Reform – oder muss gleich ganz abgeschafft werden.

Schon im August 2016 hat Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU) eine Reform der Riester-Rente gefordert – passiert ist bislang nichts. Er schlug beispielsweise vor, „ob wir die Entscheidung über die Zulagen nicht doch bei den Finanzämtern ansiedeln können“. Denn, so sein Argument, das Finanzamt prüfe ohnehin schon, ob dem Riester-Sparer Steuervorteile zustünden. Auch das mit der Beantragung von Zulagen will er ändern. Sie solle es automatisch geben, und nicht erst nach Antrag. Fakt ist, dass viele Riester-Sparer die Formulare gar nicht ausfüllen und allein deswegen keine Zulagen bekommen. Ferner kritisiert der die Verwaltungskosten, die viel zu hoch seien. Es sei falsch gewesen, dass die Riester-Rente nicht als verpflichtende Zusatzvorsorge ausgestaltet worden sei. Ja, was die Rendite betrifft, so gebe es zu viele Vorgaben, die eine vernünftige Rendite abschwächten. Aber, wie gesagt, das war schon im August 2016.

 




Warum kommt Riester zunehmend in Verruf?

Die Riester-Rente kommt nicht von ungefähr zunehmend in Verruf. Kein Wunder, dass „Die Linke“ die Riester-Rente am liebsten gleich ganz abschaffen möchte und sie in die gesetzliche Rentenversicherung integrieren. Tatsächlich hat die Riester-Rente einen schlechten Ruf und wird nur von der Hälfte der Beschäftigten überhaupt angenommen. Von den 16,5 Millionen Verträgen werden nur 13,3 Millionen überhaupt bespart – und von den besparten zahlen annähernd sechs Millionen Riester-Sparern zu wenig ein, um die volle staatliche Zulage zu bekommen. Das ist mehr als jämmerlich. Es versteht sich ja wohl von selbst, dass sich damit die Versorgungslücke nicht schließen lässt.

Aber zu den Fakten: Um die volle staatliche Zulagen zu bekommen, müssen Riester-Sparer mindestens vier Prozent ihres Brutto-Einkommens in ihren Riester-Vertrag einzahlen. In den Jahren 2011 und 2012 waren das dem Bundesfinanzministerium zufolge nur rund 5,9 Millionen. Deswegen haben die Abgeordneten in einem entsprechenden Antrag (18/8610) gefordert, „die Riester-Rente in die gesetzliche Rentenversicherung zu überführen“. Linken-Rentenexperte Matthias W. Birkwald kritisiert, die Riester-Rente sei nicht nur gescheitert, sie habe sich zu einem echten Desaster für die Bundesregierung entwickelt. In ihrem Antrag schildert die Linke das Problem ziemlich drastisch:

Die Riester-Rente war und ist nicht dazu geeignet, die politisch aufgerissene Sicherungslücke der gesetzlichen Rente effektiv zu schließen: Seit 2005 hat das Versorgungsniveau aus gesetzlicher Rente und Riester-Rente nur einmal, im Jahr 2010, die Höhe des Sicherungsniveaus zu Beginn der Reform erreicht. Danach nie wieder. Ausweislich des Rentenversicherungsberichts 2015 wird es von der Bundesregierung bis 2029 auch nicht mehr erwartet werden. Damit gibt die Bundesregierung selbst zu: Die in die gesetzliche Rente gerissene Lücke ist alleine mit der Riester-Rente nicht zu schließen“.

Schätzungsweise dürfte es derzeit in punkto Riester rund 35 Millionen unmittelbar Förderberechtigten geben. Dagegen nimmt sich die Zahl der Riester-Sparer ziemlich bescheiden aus.

„Die Linke“ fordert weiter:

die Sparerinnen und Sparer mit geförderten privaten Altersvorsorgeverträgen sollen das Recht erhalten, das bisher im Kapitaldeckungsverfahren angesparte Kapital (Beiträge, staatliche Zuschüsse und Zinsen) freiwillig in die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung zu überführen, so dass Anwartschaften auf ihrem persönlichen Rentenkonto bei der Deutschen Rentenversicherung entstehen. Die Wechselkosten des Riester-Vertrags werden auf ein sachlich gebotenes Minimum begrenzt. Von den Rentenversicherungsträgern werden keine Kosten für die Überführung erhoben.

Es wird interessant zu verfolgen, was aus diesem Antrag wird.

Aber selbst wer einen Riester-Vertrag hat und die volle Zulage bekommt, kann trotzdem der Dumme sein, denn, so Thomas Dommermuth, GeschäftsführerInstitut des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), die Hälfte der Riester-Angebote hält er für schlecht, ein Drittel nennt er in einem Artikel der „Welt“ gar „Schrott“. Dommermuth rät in dem Artikel „insbesondere von Riester-Versicherungen ab, die den Großteil aller verkauften Verträge ausmachen“.

FOCUS-Online hat jüngst anhand eines konkreten Beispiels durchgerechnet, wie viel Rendite ein Riester-Sparer rechnen darf: Realistisch kommt dabe eine Rendite von 0,55 Prozent heraus. Die Verbraucherzentrale rät deswegen von Riester ab. „Anstelle eines Riester-Produkts können Sie Ihr Geld auch monatlich in einen ETF-Sparplan stecken, also einen Indexfonds, oder in einen Banksparplan investieren“, schreibt FOCUS-Online. Der ETF-Sparplan werde die Renditen der Riester-Produkte trotz Zulage und Steuervorteil toppen.

Ab 1. Januar 2017 gibt es übrigens ein  neues Produktinformationsblatt (PIB) zur Riester-Rente. „Dieses Blatt ist so konzipiert, dass ein Vergleich verschiedener Produkte künftig problemlos möglich ist“, so das Bundesministerium für Finanzen. Es sei für alle genau und einheitlich vorgegeben, welche Informationen über das Produkt wo und wie zu platzieren sind. Insbesondere werde eine detaillierte Übersicht über die Kostenstruktur von den Anbietern verlangt. Somit könne ein Verbraucher auch erkennen, wie chancen- und risikoreich das von ihm gewählte Produkt ist. Die Produktinformationsstelle Altersvorsorge in Kaiserslautern ordnet alle Produkte einer sogenannten Chancen-Risiko-Klasse zu.

Weiterführende Links:

https://twitter.com/Linksfraktion/status/738341191582945280

https://twitter.com/NielsNauhauser/status/738376169448443904




Wie sicher ist die Riester-Rente wirklich?

Wie sicher ist die Riester-Rente wirklich? Die Riester-Rente wird in Frage gestellt – nicht nur vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, sondern auch von anderen.  Die Arbeitsministerin Andrea Nahles von der SPD hält jetzt dagegen und erklärt die Riester-Rente für „sicher“.

„Sicher“ heißt nur vom Grundsatz her, nicht von der Höhe, wie jeder mittlerweile wissen dürfte. Der ehemaligen Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm hat ja etwas Ähnliches proklamiert. Jetzt wiederholt Nahles, was Blüm schon einmal vorexerziert hat.  „Der Staat garantiert, dass alle Riester-Inhaber ihr Geld ausgezahlt bekommen“, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Auch für die staatlichen Zulagen gebe es Vertrauensschutz, die zahle der Staat weiterhin. „Wer eine Riester-Rente abgeschlossen habe, habe „alles richtig gemacht“, so die Ministerin. Was Vertrauensschutz wert ist, weiß jeder, der in eine Pensionskasse eingezahlt hat, die im Nachhinein als sozialversicherungspflichtig erklärt wurde.

Was taugt der Vertrauensschutz?

Auf den Vertrauensschutz des Staates sollte indes niemand vertrauen. Jeder Riester-Sparer, der seine Abrechnung einmal genau unter die Lupe nimmt, wird schnell feststellen, dass die „einbehaltenen Abschluss- und Vertriebskosten“ und die „einbehaltenen Verwaltungskosten“ einige Prozent der gesamten eingezahlten Beiträge plus Grund- und eventuell Kinderzulagen ausmacht. Für Familien mit Kindern lohnt sich Riester zwar immer noch wegen der hohen Zulagen – aber auch nur für sie. Die Versicherungen schaffen es heute kaum noch Überschüsse zu erzielen, weil die Zinsen ja durch die Europäische Zentralbank abgeschafft wurden. Insofern ist Riester momentan nur eine Umverteilung der Zulagen – abgewickelt von den Versicherungen.

Riester-Rente ist nicht reformierbar

Genau wegen dieser Umstände verliert die Riester-Rente an Glaubwürdigkeit. Nahles will die Riester-Rente jetzt reformieren, denn mittlerweile hat sich auch in der Öffentlichkeit herumgesprochen, dass die Versicherer immer weniger verdienen. Die Kritik an der Riester-Rente kommt übrigens auch von Norbert Blüm, der sie für gescheitert hält und nicht reformierbar. Er sagte der „Bild am Sonntag“: „Riester ist Pfusch, den man nicht reparieren kann. Die Bundesregierung sollte Riester beenden und die staatliche Förderung dafür stattdessen in die gesetzliche Rente einzahlen.“

Steuer von der Riester-Rente

Nur zur Erinnerung: Natürlich müssen Rentner in der Auszahlphase auf die Riester-Rente Steuern zahlen. Die Riester-Rente ist auch nur eingeschränkt sozialabgabenfrei – für pflichtversicherte Rentner. Freiwillig versicherte Rentner müssen allerdings Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Übrigens, pflichtversicherte Rentner sind solche, die die sogenannte Vorversicherungszeit erfüllen, das heißt, dass sie von ihrem Berufsstart bis zum Ende ihrer Karriere in der zweiten Hälfte dieses Zeitraums mindestens für neun Zehntel Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung waren. Klingt kompliziert, ist kompliziert – wer also in seiner Jungend privatversichert war und dann irgendwann umgeschwenkt ist und in die gesetzliche Krankenversicherung schlüpfte, muss genau nachrechnen, ob für die die 9/10tel-Regelung gilt. Wenn ihm da einige Monate fehlen, zahlt er auch im Alter auf seine Riester-Rente die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Das sind zurzeit annähernd 18 Prozent.

Tja, Riester enthält eine ganze Menge Fallstricke. Das Konstrukt ist einfach zu kompliziert.

Weiterführende Links: 




Mehr Durchblick im Renten-Wirrwarr

Deutschlandrente, Mütterrente, Flexi-Rente, Mindestrente, solidarische Lebensleistungsrente – wer blickt da noch durch im Renten-Wirrwarr? Dann gibt es noch die Rente mit 63 – mit und ohne Abschlag; langjährig und besonders langjährig Versicherte. Rente ist richtig kompliziert geworden.

Steuern und Sozialabgaben auf die Rente

Mit der Rentenerhöhung kommen noch ganz andere Umstände ins Spiel, wie Steuern und Versicherungen. Denn die Rentenerhöhung wird „in vollem Umfang“ besteuert während die bisherige Rente je nach Rentenbeginn „nur“ zu 72 Prozent (ab 2016), zu 74 Prozent (ab 2017) oder zu 76 Prozent (2018) besteuert wird. Für jetzt noch Aktive allerdings, die ab 2040 in Rente gehen erhöht sich der „Besteuerungsanteil“ auf hundert Prozent. Parallel dazu sinkt das Rentenniveau, was die SPD wieder ausgleichen will, obwohl es der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, der ja aus ihren eigenen Reihen stammt, eingeführt hat. Dazu ein Rückblick in der „Welt“.

Zur Sanierung der Rentenkasse verordnete Schröder den Ruheständlern 2004 eine Nullrunde. Der Sozialexperte Bert Rürup entwickelt zudem den Nachhaltigkeitsfaktor, der dauerhaft den Anstieg der Renten bremst. Die große Koalition setzte den Reformweg zunächst mit der Einführung der Rente mit 67 fort, wich später aber mit überplanmäßigen Rentenerhöhungen vom Sparkurs ab. Auch führte sie eine Rentengarantie ein, die sichert, dass die Altersbezüge selbst dann nicht sinken dürfen, wenn die Löhne schrumpfen. Mit der jetzt geplanten Zuschussrente für Geringverdiener und Verbesserungen für ältere Mütter geht es nun sogar wieder um teure Leistungsausweitungen. Und die Opposition will am liebsten noch mehr verteilen.

Eine Gruppe in der SPD will nun wieder ein höheres Rentenniveau – von mehr als 50 Prozent.

Also was genau heißt das jetzt im Einzelnen?

  • Die „Deutschland-Rente“: Das ist so eine Art Riester-Rente aber ohne Riester. Aufgebracht haben den Begriff Ende 2015 der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) und Finanzminister Thomas Schäfer (CDU). Diese Rente soll nach den Vorstellungen der Politiker ein einfaches Standardprodukt für die private Altersvorsorge sein – und der Träger ohne Gewinnabsicht. Für alle Arbeitnehmer, die nicht aktiv widersprechen, solle, so der Vorschlag, der Arbeitgeber künftig zusätzlich Beiträge für die Deutschland-Rente an die Deutsche Rentenversicherung überweisen – ähnlich wie die regulären Rentenbeiträge. Den Fonds, wo die Gelder auflaufen, soll laut Schäfer staatlich organisiert sowie eigenständig und unabhängig sein.
  • Die Flexi-Rente: Die Politiker stellen sich vor, dass sie den Rentenbeginn flexibler gestalten können. Im Grunde soll es ähnlich funktionieren wie bei der Rente mit 63 nach 45 Versicherungsjahren. Die Versicherten würden dann eine Teilrente beziehen und daneben weiterarbeiten. Der Arbeitgeber soll dann weniger Sozialbeiträgen zahlen, wenn er einen Rentner beschäftigt.
  • Die solidarische Lebensleistungsrente: Das ist die Kombination aus Solidarrente, wie von der SPD gewünscht, und Lebensleistungsrente, wie von der CDU vorgeschlagen. Damit wollen die Politiker Geringverdienern unter die Arme greifen. Möglicher Start: bis 2017. Wer 40 Jahre Rentenbeiträge gezahlt hat, aber zu wenig Rentenansprüche angesammelt hat, soll,so die Idee, sich besser stellen, indem seine Ansprüche aufgewertet werden. Finanziert werden soll das aus Steuermitteln. Wenn es nach Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles geht, soll die „solidarische Lebensleistungsrente“ langjährigen Beitragszahlern mit geringem Einkommen eine Rente oberhalb des Sozialhilfeniveaus sichern.  Aus Steuermitteln sollen Rentenansprüche von Geringverdienern aufgestockt werden, die 40 Jahre Beiträge gezahlt, aber weniger als 30 Rentenpunkte angesammelt haben. Das soll verhindern, dass die Betroffenen auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen sind. Geld im Haushalt ist bereits reserviert.
  • Die Ost-West-Angleichung: Das „Rentenüberleitungsabschlussgesetz“ sieht vor, dass West- und Ost-Renten bis 2020 angeglichen werden. Warum es geht? Ein Rentenpunkt soll im Osten ebenso viel wert sein wie ein Rentenpunkt im Westen. Momentan ist das noch nicht so – im Westen sind es 29,21 und im Osten 27,05 Euro. Der Unterschied beträgt zurzeit 7,4 Prozent. Ursprünglich war geplant, dass sich diese Differenz bis 2019 auf 6,5 Prozent reduziert. Der thüringische Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft, Wolfgang Tiefensee, will – wie auch andere aus der SPD – eine komplette Angleichung. Das kostet natürlich – die Rede ist von vier Milliarden Euro. Jetzt ist noch vorauszuschicken, dass einen Rentenpunkt bekommt, wer ein Jahr lang das durchschnittliche Entgelt aller Arbeitnehmer verdient hat – wer mehr verdient hat, bekommt einen höheren Rentenpunkt, wer weniger verdient hat, einen niedrigeren. Allerdings gibt es Unterschiede beim durchschnittlichen Entgelt in Ost und West. Ein Rentenpunkt in Ost- und Westdeutschland ist nicht gleich viel wert: Im Osten gibt’s schon einen Punkt für 31 594 Euro, im Westen erst bei 36 267 Euro. Der Hintergedanken: Im Osten wird doch eh weniger verdient. Damit wird der Ost-Rentenpunkt um 14,8 Prozent aufgewertet. Damit nicht genug, denn die Verhältnissen in Ost und West waren anders, vor allem für Frauen. Für DDR-Mütter waren staatliche oder betriebliche Kinderkrippen und Kindergärten eine Selbstverständlichkeit, entsprechend konnten sie auch problemlos Familie und Beruf vereinbaren. Im Westen war das ganz und gar keine Selbstverständlichkeit. Viele Mütter mussten Teilzeit arbeiten, weil sie ihre Kinder nirgends unterbringen konnten. Entsprechend fehlen Frauen in Westdeutschland im Alter Rentenjahre. Frauen im Osten waren häufiger erwerbstätig. Laut Rentenbericht lag die Gesamtrente 2014 im Durchschnitt für Frauen im Osten bei 972,85 Euro, im Westen bei 708,46 Euro.
  • Das Rentenniveau: Das ist leider auch etwas kompliziert. Das Rentenniveau orientiert sich optimistisch an 45 Beitragsjahren und wie viel die Rente mit der entsprechenden Punktezahl wert ist Vergleich zum Einkommen eines Durchschnittsverdieners, der noch im Beschäftigungsverhältnis ist. Derzeit liegt dieses Niveau bei 47,5 Prozent. Es sinkt peu à peu ab – bis 2029 nach jetziger Vorausberechnung auf 44,6 Prozent. Es wird noch weiter absinken. Der Gesetzgeber schreitet erst dann ein, wenn das Rentenniveau bis 2020 unter 46 Prozent und bis 2030 unter 43 Prozent sinken würde. Wer sich also auf eine auskömmliche Altersrente verlässt, ist gekniffen, den 43 Prozent werden dafür nicht reichen. Die Riester-Rente kann diese Lücke nicht auffülllen, angesichts von Negativ-Zinsen sowieso nicht.

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Ist Nullzins das Aus für Riester?

Wie wollen die Anbieter der Riester-Rente überhaupt noch die erforderliche Rendite erwirtschaften angesichts der Niedrigzinsphase? Diese Frage hat sich auch der CDU-Arbeitnehmerflügel gestellt und kommt zu einem vernichtenden Urteil. Die Unionspolitiker halten die Riester-Rente für gescheitert und fordern eine Rückabwicklung der Reform. „Die Riester-Rente ist spätestens mit der Niedrigzinsphase an die Wand gefahren“, so der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, dem „Handelsblatt“ gegenüber. Die Einführung der Riester-Rente habe sogar das Niveau der gesetzlichen Rente um vier Prozent gesenkt und damit der Altersarmut bei Normalverdienern den Weg bereitet. Diese Meinung vertritt übrigens der Ex-Sozialminister Norbert Blüm schon lange und klagt die Ausplünderung der gesetzlichen Rente an.

Schäuble-Bond statt Riester-Rente

Auch der künftige Chef des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hält die Riester-Rente für „grundlegend falsch aufgestellt“. wie er dem „Spiegel“ sagte. Die Ökonomen fordern dem „Handelsblatt“ zufolge die Förderung anderer Formen der privaten Altersvorsorge. So schlage der Würzburger Wirtschaftsprofessor Peter Bofinger einen „Schäuble-Bond“ vor: „eine Staatsanleihe mit ein bis zwei Prozentpunkten Zinsaufschlag, aber nur für Sparer, die in diese Anleihe für die private Altersvorsorge investieren“. Da der Staat vom Niedrigzins profitiert, soll er einen Teil dieses Vorteils an die Bürger zurückgeben.

Zinsen nähern sich der Null

Die Volkswirte der Volks- und Raiffeisenbanken haben das einmal exemplarisch durchgerechnet: „Zieht sich die Normalisierung der Zinsen bis zum Jahr 2050 hin, fallen die Einkommenseinbußen der Riester-Sparer entsprechend drastischer aus. Erst im Jahr 2050 kann die Rentenlücke durch die Riester-Rente wieder geschlossen werden, die Riester-Rente fällt bis zu 40 Prozent niedriger aus als im Basisszenario“. Dabei sind die Annahmen der Volkswirte immer noch zu optimistisch, denn die Umlaufrendite ist mittlerweile auf 0,09 Prozent abgerutscht. Umlaufrendite ist die durchschnittliche Rendite aller im Umlauf befindlichen Staatsanleihen – einige Staatsanleihen weisen schon eine Negativrendite aus, das heißt, der Gläubiger wird noch bestraft dafür, dass er dem Staat Geld leiht – einfach nur pervers. Übrigens, vor fünf Jahren lag die Umlaufrendite noch bei 3,2 Prozent.

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Betriebliche Altersvorsorge – Bumerang für die Rente

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) kann zum Bumerang für die Rente werden. Wie das, klingt doch Geld vom Arbeitgeber vordergründig verführerisch. Aber, lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge, bei der ein Teil des Gehalts umgewandelt wird, wirklich? Es lohnt sich auf alle Fälle nachzurechnen. Der vermeintliche Vorteil heute kann sich im Alter schnell als Nachteil entpuppen. Anstöße, Anregungen und Tipps liefern Stephan Busch und Tom Wonneberg in ihrem Blog. Sie rechnen genau aus, was es für Arbeitnehmer praktisch bedeutet, sich auf die betriebliche Altersvorsorge einzulassen:

Gastbeitrag von Stephan Busch und Tom Wonneberg von Progress-Dresden

Im Alter weniger Geld als geplant

Wer nicht aufpasst, hat im Alter weniger Geld als geplant. Also, doch nicht alles so toll bei der betrieblichen Altersvorsorge. So abwegig es vielleicht klingt – die betriebliche Altersvorsorge (bAV) hat so ihre Tücken. Sie steht, nur so viel vorweg, neben der gesetzlichen Rente als Basis, Riester als zweite Säule. Meist entscheiden sich die Beteiligten für die Direktversicherung, da sie für alle Beteiligten eine einfache und unkomplizierte Lösung ist. Dabei schließt der Arbeitgeber mit einer Versicherung eine Rentenversicherung ab. Der Vertrag „gehört“ dem Betrieb, die Leistung erhält jedoch der Arbeitnehmer.

Recht auf die Betriebsrente

Entscheidender und Gegenstand dieses Beitrags ist die Bezahlung des Vertrags. Da gibt es drei Möglichkeiten: eine reine Arbeitgeberfinanzierung, eine reine Arbeitnehmerfinanzierung und eine Mischform. Um die betriebliche Altersversorgung in Deutschland zu stärken, wurde 2002 das Betriebsrentengesetz dahingehend verändert, dass jeder Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf Einrichtung einer Betriebsrente hat. Bietet der Arbeitgeber bislang nichts an, muss er zumindest die Möglichkeit einräumen, eine rein arbeitnehmerfinanzierte bAV zu installieren.

Seitdem steigt vor allem die Zahl dieser sogenannten Entgeltumwandlungen. Dabei verzichtet der Arbeitnehmer auf einen Teil seines Bruttogehalts oder eine Erhöhung des Bruttogehalts zugunsten einer bAV.

So funktioniert die Entgeltumwandlung

Vordergründig spart der Arbeitnehmer Steuern und Sozialabgaben, den sie bemessen sich am Bruttogehalt. Ist es niedriger, sind entsprechend weniger Abgaben fällig. Um das zu veranschaulichen, hier ein Beispiel:

 

Ohne bAVMit bAV
Bruttogehalt2.500€2.400€
Lohnsteuer (Single, Lohnsteuerklasse I)342€316€
Sozialversicherung (Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung)523€502€
Nettogehalt1.635€1.582€
Beitrag bAV0€100€
Tatsächlicher Aufwand53€
„Förderung“47%

In dem Beispiel verzichtet der Angestellte also auf hundert Euro Bruttogehalt, die in eine Rentenversicherung gesteckt werden. Tatsächlich sinkt sein Nettogehalt jedoch nur um 53€. Findige Vertreter und Makler sprechen also von einer staatlichen Förderung von 47 Prozent. Toll! Oder?

Was der Vertreter verschweigt

Diese „Förderung“ hat jedoch auch Nachteile, über die die Vertreter, Makler und auch der Chef eher selten sprechen. Denn nicht nur die Abgaben bemessen sich am Bruttogehalt, sondern auch nahezu alle Sozialleistungen. Im Klartext heißt das, weniger Brutto bedeutet weniger Elterngeld, Arbeitslosengeld, Krankengeld, Erwerbsminderungsrente und Altersrente!

Wie sich das in Zahlen auswirkt, haben wir hier näherungsweise aufgelistet – am Beispiel von zwei Angestellten – Tom und Stephan genannt:

Tom (ohne bAV)Stephan (mit bAV)Differenz
Brutto2.500€2.400€
Netto1.635€1.582€-53€
Krankengeld1.295€1.235€-40€
Elterngeld1.008€974€-34€
Arbeitslosengeld980€950€-30€
Volle Erwerbsminderungsrente885€850€-35€
Altersrente1.165€1.120€-45€

Die „Förderung“ von 47 Euro „klaut“ der Staat also wieder klammheimlich, wenn ich Sozialleistungen beziehe.

Kehrseite der Medaille bei Rentenbezug

Die zweite Kehrseite der Medaille findet sich während des Rentenbezugs, also der Leistungsphase. Tom verzichtet auf die Entgeltumwandlung in seinem Betrieb und schließt stattdessen eine private Rentenversicherung (3. Schicht) ab. Stephan entschließt sich für den Abschluss einer bAV mittels Entgeltumwandlung. Beide sparen so hundert Euro im Monat für ihre Altersvorsorge. Beide beziehen später 200 Euro garantierte Rente aus ihrem Vertrag. Die Berechnungsgrundlagen sind jeweils die gleichen.

TomStephanDifferenz
Aktuelles Bruttogehalt2.500€2.400€
Bruttorente Gesetzliche Rente1.165€1.120€-45€
Bruttorente Zusatzrente200€200€
Nettorente GRV990€959€-31€
Nettorente Privat/bAV192€124€-68€
Gesamtrente1.182€1.083€-99€

Während Tom, der mit der privaten Rentenversicherung vorgesorgt hat, sich über knapp 1200 Euro freut, guckt Stephan, der mittels bAV vorgesorgt hat in die Röhre und wundert sich, warum er 100 Euro weniger im Monat erhält. Nicht nur, dass er während des Erwerbslebens weniger Sozialleistungen als sein Lieblingskollege bekommt, nein, nun hat er auch noch hundert Euro weniger Rente pro Monat!

Krankenkassen langen bei Betriebsrenten zu

Wie kann das sein? Nun, die Rente aus einer betrieblichen Altersversorgung (2. Schicht) wird zu hundert Prozent besteuert. Die aus einer privaten Rente (3. Schicht) nur mit dem sogenannten Ertragsanteil. Das ist die Differenz aus eingezahlten Beiträgen und ausgezahlten Leistungen. Wer mit 67 Jahren später in Rente geht, muss nur 18% seiner privaten Rente versteuern. Außerdem wird auf die Betriebsrente der komplette Krankenkassen- und Pflegebeitrag fällig.

Anders gesagt: Was ich im Berufsleben an Sozialversicherungsbeiträgen „einspare“, zahle ich später „zurück“. Ähnlich ist es mit der Steuer. Das gilt im Übrigen auch für die „Riester-Rente“.

Wer profitiert von der Entgeltumwandlung?

Doch wer profitiert nun von einer Entgeltumwandlung? Vor allem der Arbeitgeber! Denn dieser zahlt ja auf das Bruttogehalt die Arbeitgeberbeiträge. Diese reduzieren sich ebenfalls. Während jedoch der Arbeitnehmer in der Rente auf den kompletten Kosten der Krankenkasse sitzen bleibt, ist der Arbeitgeber aus der Pflicht entlassen. Daneben profitiert „der Staat“ über die gesetzliche Rentenversicherung. Einerseits zahlt er weniger gesetzliche Rente, da ja weniger eingezahlt wurde und andererseits entfällt der hälftige Beitrag zur Krankenkasse (Krankenversicherung der Rentner) der gesetzlichen Rentenversicherung. Alle, die eine gesetzliche Rente beziehen, erhalten darüber hinaus die Hälfte des Beitrags zur Krankenkasse. Wer eine Betriebsrente bezieht, trägt diesen Beitrag komplett allein – ja, richtig gelesen.

Fazit

Wer eine rein arbeitnehmerfinanzierte betriebliche Altersversorgung abschließt, verzichtet auf Sozialleistungen und hat weniger Rente. Es profitieren nur der Arbeitgeber und die gesetzliche Rentenversicherung. Also doch keine betriebliche Altersvorsorge? Kommt drauf an! Bei einer Mischfinanzierung – Arbeitnehmer und -geber – ist zu rechnen. Zahlt der Arbeitgeber allein, rechnet es sich immer. Besteht die Wahl zwischen einer Lohnerhöhung und einer arbeitgeberfinanzierten Betriebsrente in gleicher Höhe, ist es sinnvoller, die Lohnerhöhung zu nehmen – und selbst vorzusorgen.

Übrigens, der Chef kann seine Mitarbeiter ja auch anders fördern – durch steuerfreie Zuschüsse zum Kindergarten, Fahrtkosten, Jobticket, Rückenschule und Massage.


Ein paar Takte über Stehpan und Tom:

Stephan Busch und Tom Wonneberg pflegen seit etwa zwei Jahren einen Blog. Schwerpunkt unserer Arbeit ist das Thema „Umgang mit Geld“. Unser Ziel ist es, dass die Menschen gesund mit ihrem Geld leben können und es die Basis eines erfüllten Lebens nach ihren Vorstellungen ist. Wir wollen das Thema Geld, als grundlegende Ressource unserer Gesellschaft aus der Tabuzone herausholen. Wir wollen es zum selbstverständlichen Gegenstand machen. Ein Thema, über das man ungezwungen und selbstbewusst spricht, um dazu zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Weiterführende Links: 




Hat Blüm doch Recht? Österreichs Rentnern geht’s besser

Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm geißelte die Demontage der gesetzlichen Rente. Er wirft seinen Politikkollegen vor, die Altersvorsorge den Lobbyisten überlassen habe. Vielleicht hat Blüm doch Recht mit seiner harschen Kritik. Darauf lässt ein Vergleich mit Österreich schließen, den die Hans-Böckler-Stiftung angestellt hat.

So ein Vergleich ist durchaus zulässig, denn die Lebensverhältnisse in beiden Ländern sind ähnlich. Trotzdem seien die beiden Länder bei den Reformen ihrer Rentensysteme ganz unterschiedliche Wege gegangen, schreibt die Datev (Genossenschaft der Steuerberater).

Das lasse sich an verschiedenen Zahlen festmachen, so die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung. Die Experten stellen eine Rechnung auf: Danach erhielten etwa langjährig versicherte Männer, die 2013 in Deutschland neu in Rente gingen, eine monatliche Altersrente von durchschnittlich 1050 Euro. Österreicher, die in den Ruhestand gehen, verbuchen dagegen auf 1560 Euro auf ihrem Konto am Monatsende – bei 14 Auszahlungen pro Jahr. Damit nicht genug, auch für die heute Jüngeren seien die Perspektiven in Österreich für zukünftige Rentner wesentlich besser als in Deutschland. Allerdings, das darf nicht verschwiegen werden, zahlen Österreicher auch höhere Beiträge für die gesetzliche Rente. Österreich setzt, anders als Deutschland, weiterhin weitgehend auf die umlagefinanzierte gesetzliche Rente (GRV), während in Deutschland das Rentenniveau systematisch abgeschmolzen wird. Übrigens, in Österreich sind auch die Selbstständigen einbezogen worden.

Einschnitte bei der gesetzliche Rente

„In Deutschland wurde und wird über die kommenden Jahre das Niveau dieser ‚ersten Säule’ dagegen deutlich reduziert, um den Beitragssatz in der GRV zu stabilisieren“, schreibt die Datev. Die Differenz sollte eben durch staatlich subventionierte Riester-Vorsorge ausglichen werden. Dumm nur, dass viele da nicht mitmachen – weil sie nicht wollen oder nicht können. Weder haben alle eine betriebliche Altersvorsorge, noch riestern sie. Nur etwas mehr als die Hälfte habe Aussicht auf eine betriebliche Rente. Dazu kommt, dass viele Riester-Verträge kaum Rendite abwerfen – wie auch, da die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank viele Pläne zunichte macht. Diese Negativ-Trends werden sich eher noch verschlimmern.

Höheres Rentenniveau in Österreich

Österreicher dürfen sich den Experten der Hans-Böckler-Stiftung zufolge über ein Rentenniveau von 78,1 Prozent (brutto, vor Steuern und Sozialabgaben) und 91,6 Prozent (netto) aus freuen; in Deutschland sei das zukünftige Rentenniveau der GRV hingegen weitaus niedriger: 37,5 Prozent netto und 50,0 Prozent brutto.

Riester kann nicht alles ausgleichen

Jetzt der entscheidende Satz: Der große Rückstand der Deutschen lasse sich durch private Zusatzvorsorge selbst unter den aus Sicht der Forscher zu optimistischen Annahmen der OECD nur zur Hälfte ausgleichen. Auch was die Rentenanpassung betrifft, sind die Österreicher besser dran: Während die österreichische GRV einen jährlichen Inflationsausgleich vorsehe, koppele die deutsche GRV die Rentenentwicklung an das Wachstum der Löhne, allerdings gedämpft unter anderem durch den sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor. In den vergangen zehn Jahren hätten die unterschiedlichen Anpassungsmechanismen tatsächlich aber zu einem deutlich größeren Abstand.

Höhere Beitragssätze in Österreich

Die Österreicher müssen vordergründig für ihre Rente tiefer in die Tasche greifen: Der Beitragssatz liege in der Alpenrepublik seit 1988 unverändert bei 22,8 Prozent, in Deutschland seien es im Jahr 2015 18,7 Prozent. Wer jedoch ein bisschen mehr will, als das, was ihm die GRV gönnt, muss riestern. Die vier Prozent für die Riester-Vorsorge hinzu gerechnet, unterscheiden sich die Beitragssätze in beiden Ländern kaum noch. Dazu kommt der Studie zufolge, dass die österreichischen Arbeitgeber einen höheren Anteil am Rentenbeitrag tragen als die Beschäftigten (12,55 Prozent versus 10,25 Prozent), während es in Deutschland umgekehrt ist.

Übrigens, passen die Österreicher auch die Renten an die Pensionen an, was hierzulande einfach ausgeblendet wird.

Die Forscher schlagen vor, den „Riester-Faktor aus der Rentenformel zu entfernen und so das Leistungsniveau der GRV zu stabilisieren“.

Insgesamt zeigt Österreich, dass es auch anders geht – zum Nutzen der Rentner. Nach den Reformen in Deutschland ist „ein System übrig geblieben, das in Zukunft viele noch nicht einmal vor Altersarmut schützen wird“, schreiben die Wissenschaftler der Hans-Böckler-Stiftung. Das habe zwei der Studie zufolge Ursachen:

  • Erstens erreiche weder die betriebliche noch die Riester-Rente alle Beschäftigten. Umfragen zeigen, dass nur rund 35 Prozent „riestern“. Aussicht auf eine betriebliche Rente haben gut 56 Prozent. Knapp 30 Prozent aller Arbeitnehmer nutzen keine der freiwilligen Vorsorgeformen. Das gilt besonders häufig für Beschäftigte mit niedrigen Einkommen. Sie hätten zwar eine zusätzliche Absicherung besonders nötig, verzichten aber darauf – oft aus finanziellen Gründen.
  • Zweitens bringen insbesondere viele Riester-Verträge nach Einschätzung der Wissenschaftler nicht die Renditen, die nötig wären, um Lücken in der gesetzlichen Rente auszugleichen. Das zeige sich an den hohen Gebühren und am stetig sinkenden Garantiezins, der von 4 Prozent im Jahr 2000 auf mittlerweile nur noch 1,25 Prozent herabgesetzt wurde.

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Mehr Transparenz bei Riester-Verträgen gefordert

Wie transparent sind Riester-Verträge? Der Bundesgerichtshof (BGH) setzt sich am heutigen Mittwoch mit diesem Thema auseinander. Er soll letztlich klären, ob Branchenprimus Allianz die Überschussbeteiligung bei Riester-Verträgen entsprechend transparent kommuniziert habe. Der Bund der Versicherten und die Verbraucherzentrale Hamburg sind der Meinung, dass gerade Geringverdiener, Kinderreiche und ältere Sparer keine Kostenüberschüsse erhielten.

Die Vorinstanzen haben übrigens dem Bund der Versicherten Recht gegeben. Danach habe die Allianz nicht genug darauf hingewiesen, dass Riester-Kunden erst ab einem Garantiekapital von 40 000 Euro an Kostenüberschüssen beteiligt werden. 40 000 Euro ist schon eine stattliche Marke, die gerade die ärmere Klientel kaum erreicht. Im Kleingedruckten heiße es, dass Kunden an Überschuss beteiligt würden, nur wer genau lese, begreife letztlich die tatsächliche Ungleichbehandlung. Aber gerade Riester war eben gedacht vor allem für sozial Schwächere. Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV kritisiert, dass „bei derart intransparenten Verträgen Verbraucher leiden und Steuerzahlen gezwungen werden, schlechte Verträge zu subventionieren“.

Der BGH hat jetzt n-tv zufolge zwei Klauseln in den Riester-Rentenversicherungsverträgen der Allianz für intransparent und unwirksam erklärt, weil sie Verbraucher, die aus ihren sogenannten Eigenbeiträgen weniger als 40000 Euro ansparen, benachteiligen. „Die Betroffenen, meiste ältere, ärmere oder kinderreiche Verbraucher, werden nicht an den Kostenüberschüssen des Unternehmens beteiligt und erhalten somit weniger Geld“, so der Sender. In den Klauseln sei nicht deutlich geworden, dass Verträge, die ein Garantiekapital von 40 000 Euro unterschreiten, von vornherein von einer Überschussbeteiligung ausgeschlossen seien, ist dem Urteil zu entnehmen (Az. IV ZR 38/149).

Die Allianz soll n-tv zufolge demnach 30 bis 50 Prozent ihrer Riester-Versicherten auf Grundlage unklarer Geschäftsbedingungen völlig von der Beteiligung an den Kostenüberschüssen ausgeschlossen haben. Die Richter vom BGH erklärten die Klauseln nun für unwirksam, „weil nur an anderer Stelle auf die Einschränkung der Kostenüberschussbeteiligung hingewiesen wurde“.

Hier die Antwort der Allianz:

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat heute (13. Januar 2016) in einem Revisionsverfahren zur Kostenüberschussbeteiligung bei der Allianz RiesterRente ein Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart bestätigt und einen Passus der Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) für unwirksam erklärt.

Die Verbraucherzentrale Hamburg sowie der Bund der Versicherten (BdV) hatten beanstandet, dass der Modus für die Kostenüberschussbeteiligung in den AVB nicht hinreichend transparent dargestellt sei. Die Kläger gingen davon aus, dass Allianz Leben die Riester-Kunden benachteilige, da diese erst ab einem für den Vertrag erzielten Garantiekapital von 40.000 Euro an den Kostenüberschüssen beteiligt würden. Diese Regelung hat Allianz Leben in die AVB aufgenommen, um sicherzustellen, dass die Beteiligung an den Kostenüberschüssen verursachungsorientiert erfolgt. Da die von Allianz Leben erhobenen Kosten vor allem von der Höhe der zu zahlenden Beiträge abhängig sind, entstehen Kostenüberschüsse nur durch Verträge mit überdurchschnittlichem Beitrag.

Das OLG Stuttgart als Vorinstanz hatte die Verständlichkeit der Regelung zur Kostenüberschussbeteiligung bei der Allianz RiesterRente bemängelt und den entsprechenden Passus in den AVB für intransparent erklärt. Diese Beurteilung wurde vom BGH heute bestätigt. Allianz Leben wird die Entscheidungsgründe abwarten, auswerten und die Vorgaben der Rechtsprechung berücksichtigen.

Weiterführende Links:

https://twitter.com/BdVeV/status/687235882743640064

https://twitter.com/buhldata/status/686977995500875776




Wie die gesetzliche Rente geplündert wird

Wie die gesetzliche Rente geplündert wird – die Deutsche Rentenversicherung muss für viele versicherungsfremde Leistungen aufkommen. Insofern ist es ist höchste Zeit, sich mal wieder an das Thema Rentenniveau zu erinnern. 2012 lag das Durchschnittrentenniveau noch bei 50,4 Prozent, heute bei 47,8 Prozent, bis 2030 kann es bis auf 43 Prozent absinken, ohne dass eine Regierung groß gegensteuern müsste. Das heißt, egal was wir machen, wir bekommen als Rentner sowieso weniger Geld. Der Grund für diesen Automatismus ist die 2002 von der damaligen Regierung – es war Rot-Grün – beschlossene Festlegung, die Demographie zu berücksichtigen und auf Jung und Alt zu verteilen. Das lässt sich alles ganz einfach mit der Rentenformel umsetzen, die kontinuierlich verändert wird – es kümmert ja sowieso niemand, außer er ist dann persönlich davon betroffen. Per Rentenformel wird die alljährliche Rentenanpassung berechnet: mit zwei nachträglich eingebaute Dämpfungsfaktoren. Mit diesen zwei Faktoren sorgt die Deutsche Rentenversicherung, dass die Rentenerhöhungen auf Dauer hinter der Lohnentwicklung zurück bleibt.

Höhere Rentenbeiträge für höheres Rentenniveau
Sinkendes Rentenniveau führt zur Altersarmut
Fürchtet euch vor Altersarmut – Rente wird nicht reichen
Viele Junge juckt Altersvorsorge herzlich wenig
Warum sich die Jungen auf höhere Rentenbeiträge einstellen müssen

Nur mal zur Erinnerung – die beiden Faktoren:

– Der Nachhaltigkeitsfaktor: Damit berücksichtigen die Rentenpolitiker das Verhältnis von Rentnern zu Beschäftigten. Wächst die Zahl der Rentner, fallen die Rentenerhöhungen weniger stark aus – außer es es Wahljahr wie 2017, dann steigen schon im Vorfeld die Renten höher, um das Wahlvolk, darunter eben viele Rentner, zu beruhigen.

– Der Riester-Faktor: Der Riester-Faktor geht auf den ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester zurück. Der Riester-Faktor unterstellt, dass alle Beschäftigten fürs Alter zusätzlich vorsorgen, brav Geld ansparen um die Versorgungslücke im Alter selbst zu schließen. Aber es legen nun mal nicht alle vier Prozent ihres Einkommens zurück, auch weil sie es teilweise nicht können. Er sorgte bis 2013 dafür, dass die Renten unterm Strich um gut fünf Prozent weniger stiegen. Nur dumm, dass eben nicht alle riestern. Ihnen wird es im Altern schlecht gehen, weil die Versorgungslücke immer weiter aufklafft.

Das „Handelsblatt“ hat vor kurzem ausgerechnet, dass diese Kürzungsfaktoren etwa 4,4 Prozentpunkte ausmachen – um soviel seien die „Rentenanpassungen seit 2003 hinter der für die Rentenerhöhungen ansonsten maßgeblichen Lohnentwicklung zurückgeblieben“. Damit nicht genug, „zwischen 2016 und 2029 sollen es noch einmal fast acht Prozentpunkte sein“. Der Linken-Rentenexperte Matthias W. Birkwald hat ausgerechnet, dass Rentner heute 722 Euro pro Jahr mehr hätten, „würden die Rentenkürzungen bis zum Jahr 2015 rückgängig gemacht“. Und, „im Jahr 2029 wären es sogar 2939 Euro mehr Rente jährlich“.

Ich freue mich über möglichst viele Kommentare hier im Blog … legt einfach los. 

Weiterführende Links:

https://twitter.com/migrewe/status/686889464564695040

https://twitter.com/ihre_vorsorge/status/685085712014794756

https://twitter.com/Auswandern_Buch/status/684295729611948032

https://twitter.com/oekomobil/status/686870929750798336




Angst vor der Rente? Absturz im Alter? Filme zum Thema

„Ihr solltet hier wirklich interessante Filme einstellen“, schreibt Jürgen Scheffler als Kommentar unter meine „Filme“-Seite mit Senioren- und Alten-Filmen. Recht hat er! Er hat auch gleich einen Link drangehängt zu einer YouTube-Übersichtsseite mit Filmen über Rente, Pension, Armut und Niedriglohn, Alter und Riester.

Angst vor der Rente – Absturz in die Armut

Und diese Liste enthält:

  • So brachte „Phoenix“ am 18. August eine Dokumentation über „Angst vor der Rente – Absturz in die Armut“, in der die Filme-Macher erklären, warum die gesetzliche Rente geplündert wird, warum das Rentenniveau weiter sinkt, warum es zu Riester kam und Norbert Blüm vielleicht doch nicht ganz so daneben liegt. Er wirft seinen Politikkollegen vor, dass die „Brandstifter Feuerwehr spielen“ und echauffiert sich über das Kartell der Lobbyisten, die seiner Meinung nach „Gehirnwäsche“ betrieben hätten. Für Blüm ist es die „Bild“, die Rentenlügen verbreitet – was ihm ja vorgeworfen wird. Die „Alterskatastrophe“ sei für ihn nur eine Medienkampagne – erfunden, um die gesetzliche Rente abzuwickeln und den Versicherungen neue Kunden zuzuführen. Ingo Blank und Dietrich Krauß schauen auch mal hinter die Kulissen und zeigen auch, was passiert, wenn einmal ein Finanzinstitut wie die Göttinger Gruppe pleite geht und Hunderttausende ihre Altersvorsorge verlieren. Zugegeben, ein krasser Fall.
  • „37°“ brachte ebenfalls im August die Sendung „Schuften bis zum Schluss – arme Rentner im reichen Deutschland“. „37 Grad begleitet Rentner, die ums tägliche Überleben kämpfen“, heißt es in der Info dazu.
  • Im „ZDF“ kam im März 2015 „Arm trotz Rente – Niedriglöhne und die Folgen“. Es gibt viele solcher Beispiele, darunter die Doku „zum Leben zu wenig: Wenn die Rente nicht reicht“, „Die Wahrheit über die Armut in Amerika“, „Obdachlos trotz Rente – Niedriglöhne und die Folgen“ und „Pension schlägt Rente“.
  • Bei „Maischberger“ kam am 15. September „Rente ist schrecklich! Die Lüge vom glücklichen Ruhestand“

Es lohnt sich, einfach mal reinzuschauen. Das Dauer-Thema Rente ist angesichts der Flüchtlingskrise etwas in den Hintergrund gerückt. Schade.

Übrigens, „Flüchtlinge“ ist zum Wort des Jahres gekürt worden, nach „Je suis Charlie“ und „Grexit“.

 

https://www.youtube.com/watch?v=y9ljukCR2sU

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