Wer wo wie lange lebt in Deutschland und warum

Der Frage, wer wo wie lange lebt, ist das Max-Planck-Institut für demographische Forschung in Rostock nachgegangen. Interessant war vor allem, ob es noch Ost-West-Unterschiede bei der Lebenserwartung gibt. Ja, aber kaum noch, so das Fazit. Vor allem die Frauen im Osten haben den Demographie-Experten zufolge den Rückstand gegenüber den Frauen im Westen nahezu aufgeholt.

Im Westen kommen Frauen auf 82,8 Jahre

Um es kurz zu machen – im Westen lag die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen bei 82,8 Jahren, im Osten bei 82,6 Jahren (Stand 2015); bei den Männern ist die Ost-West-Kluft noch etwas größer. Eine Studie von 2015 ergab, dass Männer im Osten im Schnitt 76,6 Jahre alt werden, Männer im Westen 78,0 Jahre. 2017 sieht die Situation schon ganz anders aus, wie der „Tagesspiegel“ im Juni 2017 schreibt. In Deutschland könne ein neugeborener Junge derzeit mit 78,2 Jahren rechnen; ein Mädchen komme auf 83,1 Jahre. Tendenz steigend. Im Deutschland während der Kaiserzeit hatten Neugeborene dem „Tagesspiegel“ zufolge hierzulande grade mal die Aussicht, 43 zu werden.

Wer wo wie lange lebt – abhängig von Wirtschaftskraft

Noch eins ist den Experten aufgefallen: Die Lebenserwartung hängt auch von der Wirtschaftskraft einer Region ab. Im Ruhrgebiet und im Saarland werden die Menschen nicht so alt – im Schnitt wohl gemerkt. Dafür fallen der Südwesten und der Süden Bayerns positiv auf. Statt Ost-West-Kluft bei der Lebensdauer gibt es den Forschern zufolge jetzt eine Süd-Nord-Kluft. Am ältesten werden die Frauen im Süden: Spitzenreiter bei der durchschnittlichen Lebenserwartung der Frauen ist Baden-Württemberg mit 83,6 Jahren, gefolgt von Sachsen, Bayern und Hessen. Der Atlas der Lebenserwartungen gleiche immer mehr einem Flickenteppich mit bundesweit einzelnen starken und schwachen Regionen, da auch im Westen Gebiete mit strukturellen ökonomischen Problemen zurückfallen. Das fiel auch dem „Tagesspiegel“ auf. Sie berufen sich dabei auf eine Studie des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.

Wo mehr Reiche wohnen, wird man älter. Weniger extrem als in den USA lässt sich das auch hierzulande nachweisen. So ergab eine Studie, dass man im Landkreis Starnberg im Durchschnitt gut acht Jahre länger lebt als in Pirmasens. Und das Robert-Koch-Institut hat errechnet, dass Männer aus benachteiligten Schichten in Deutschland zehn Jahre früher sterben als Geschlechtsgenossen aus bessergestellten Familien. Männliche Neugeborene der ärmsten Kategorie kommen demnach auf 70,1 Jahre, die wohlhabendsten auf 80,9 Jahre. Bei Frauen sind es 76,9 und 85,3 Jahre.

Das Ruhrgebiet fällt zurück

Lagen die Kreise mit der kürzesten Lebensspanne der Frauen 1996 noch im Osten, häufen sie sich jetzt den Forschern des Max-Planck-Instituts in Nordrhein-Westfalen. „Diese Teile des Ruhrgebiets sehen zwar auf der Karte klein aus, haben aber ähnlich viel Bevölkerung wie ein ostdeutsches Bundesland“, sagt Demograf Rembrandt Scholz. Das Schlusslicht unter den Bundesländern bei der Lebenserwartung der Frauen, das Saarland, liegt ebenfalls im Westen.

So habe eine Studie ergeben, dass Menschen im Landkreis Starnberg im Durchschnitt gut acht Jahre länger leben als in Pirmasens. Und das Robert-Koch-Institut hat dem „Tagesspiegel“ zufolge errechnet, dass Männer aus benachteiligten Schichten in Deutschland zehn Jahre früher sterben als Geschlechtsgenossen aus bessergestellten Familien. Männliche Neugeborene der ärmsten Kategorie kämen demnach auf 70,1 Jahre, die wohlhabendsten auf 80,9 Jahre. Bei Frauen sind es 76,9 und 85,3 Jahre.

„Heute liegen deutschlandweit vor allem hoch entwickelte Regionen vorne“, so Rembrandt Scholz vom Max-Planck-Institut. Das hänge auch mit Wanderungsströmen zusammen. Hoch entwickelte Regionen ziehen Menschen mit hohem Bildungsgrad an, die deutlich länger leben.

Das Berlin-Institut hat auch festgestellte, dass „im Endeffekt die Lebenserwartung vor allem an zwei Faktoren hängt: Sozialstatus und Bildung“. Beides bedinge einander, es beeinflusse Einkommen und berufliche Stellung, Wohnsituation, Ernährung, Risikoverhalten – alles ganz wesentliche Faktoren für Gesundheit und langes Leben.

Damit haben gerade Vorruheständler in Baden-Württemberg und Bayern, zuvorderst Frauen, eine deutlich längere Spanne, die sie genießen können. Die Grafik unten spricht für sich.

Weiterführende Links:

Wer wo wie lange lebt

Wer wo wie lange lebt – Flickenteppich mit Süd-Nord-Gefälle. Ost-Deutschland hat aufgeholt, dafür ist das Ruhrgebiet zurückgefallen, wie aus einer Studie des Max-Planck-Institut hervorgeht

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Die 10 besten Tipps für ein langes, gesundes Leben

Was ist das Geheimnis eines langen und gesunden Lebens? Wer sollte das besser wissen als die Älteren unter uns. Was haben sie gemeinsam – und wie können Andere davon profitieren? Die zehn besten Tipps für ein langes und gesundes Leben.

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran …“ – wer kennt das Lied von Udo Jürgens nicht. Aber wer mit 66 Jahren erst in Schuss kommt, für den ist dann auch schon Schluss. Wer alt werden will, muss früh anfangen – und nicht erst mit 66. Warum aber bleiben einige auch im Alter geistig und körperlich fit und andere nicht? Wie ticken Superager?

Öfter mal das Gehirn fordern

Lisa Feldman Barrett, eine Psychologie-Professorin an der Northeastern University und Kollegen am Massachusetts General Hospital haben sogenannte Superager untersucht und mit Altersgenossen verglichen. Dabei zeigte sich, dass gewisse Hirnregionen der Superager eher denen von 25-Jährigen entspricht – offensichtlich kaum betroffen vom Alterungsprozess. Ohne auf die Details einzugehen, wie wird jemand zum Superager? Die beste Antwort sei, so Lisa Feldman Barrett, an etwas angestrengt zu arbeiten, sich auch mal geistig anzustrengen – ab und an mal ein Kreuzworträtsel zu lösen oder ein Sudoku reicht nicht. Übrigens gilt das auch für die körperliche Fitness. Das heißt, sich anzustrengen fordert Körper und Geist. „If you don’t use it, you lose it“, wie das so schön auf Englisch heißt.

Gibt es dafür irgendwelche Tipps oder Rezepte? Panayiotis Mallis, Vice Chairman der Cyprus Adult Education Association (CAEA) glaubt, zehn Denk- und Verhaltensweisen gefunden zu haben, die einem helfen, mental und körperlich möglichst lang fit zu bleiben. Mallis weiß, wovon er redet: Er ist 83 Jahre alt. Der Zypriot nennt es

„Decalogue of Longevity – healthy Ageing

– und das sind seine Tipps:

  • Strong appetite. Damit meint er nicht, immer kräftig zu essen, sondern sich angemessen zu ernähren. Das heißt, möglichst auf Fastfood zu verzichten.
  • Firm will. Ein fester Wille. Das Gegenteil ist Wankelmut, sich gern vom eigenen Weg abbringen zu lassen.
  • Continous battle against indifference. Beständiger Kampf gegen Gleichgültigkeit und Desinteresse. Begeisterungsfähigkeit und Schaffensfreude. Wer für etwas Feuer fängt, vergisst seine Zipperlein.
  • Unlimited patience. Ausdauer, Geduld und Beharrlichkeit – drei Wörter, die am besten ausdrücken, was damit gemeint ist.
  • Enthusiam. Sich für etwas begeistern.
  • Self control. Diese Geisteshaltung dürfte sich mit Selbstbeherrschung am besten umschreiben lassen.
  • Discreet lenience. Damit ist dezente und taktvolle Nachsicht mit den Fehlern Anderer gemeint. Das heißt nicht, zu allem Ja und Amen zu sagen, sondern dem Anderen respektvoll und nachsichtig auf einen Fehler hinzuweisen.
  • Always humour. Seinen Humor nicht zu verlieren, auch in schwierigen Situationen. Mit Humor lässt sich vieles leichter ertragen.
  • Ability to disentangle complications. Disentangle steht für „entflechten“. Gemeint ist damit, schwierige Situationen zu vereinfachen, genau zu hinterfragen, worin das wirkliche Problem besteht.
  • Skill to live alone. Die Fähigkeit, auch allein zurecht zu kommen. Im Leben kommt es vor, dass jemand allein dasteht, auch wenn es anders geplant war. Einige kommen mit der Situation gar nicht zurecht, andere nur schlecht. Jeder sollte darauf vorbereitet sein und es sich zumindest vorstellen, besser noch, es einzuüben.

Letztlich geht es darum, lebendig und aufmerksam zu bleiben, den Kontakt zu suchen und neugierig zu bleiben. Gesundes Essen, ausreichender Schlaf und angemessener Sport tragen sicher das Übrige dazu bei.

Der Mensch braucht Rituale

Wer sich gewisse Rituale erhält, den wirft so schnell nichts aus der Bahn – auch das hilft, den Verfall hinauszuzögern. Ein Ehrenamt hilft, sich gebraucht zu fühlen und fördert den Kontakt und bringt Selbstbestätigung.

Erasmus+ bietet übrigens vom 18. bis 23. Oktober 2017 wieder einen Trainingskurs für Lehrer und Dozenten aus der Erwachsenenbildung an zum Thema „Learning in later life“, denn viele Gesellschaften in Europa stehen vor dem Problem der Alterung. In diesem Trainingskurs geht es genau um diesen Prozess und wie er am besten zu meistern ist. Europas Staaten sind gefordert, das als Herausforderung zu sehen, statt als Bedrohung. Die Älteren sollen auch künftig aktiv am Leben teilnehmen – in Familien, Gemeinden und in der Gesellschaft.  




Renten-Desaster schlimmer als gedacht

Das Rentensystem ist marode und die Perspektiven düster – düsterer als viele ahnen. Allein in diesem Jahr muss der Bund 86 Milliarden Euro zuschießen, damit die Rentenversicherung nicht kollabiert. Dazu kommen 6,5 Milliarden Euro für die Grundsicherung im Alter. Das ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs, denn in den kommenden Jahren wird der Rentenzuschuss über die 100-Milliarden-Euro-Marke klettern. Dazu kommen Zuschüsse für die Kranken- und Pflegeversicherung von 13 Milliarden Euro. Alles zusammengenommen sind es damit bereits mehr als hundert Milliarden Euro für die sozialen Sicherungssysteme. Das heißt, heute schon muss der Bund jeden dritten Euro dafür ausgeben. Übrigens, dabei sind die Ausgaben für die Pensionäre noch gar nicht mit eingerechnet. Wenn erst der geburtenstärkste Jahrgang 1963 in Rente geht, steht das System auf der Kippe.

Ansprüche nicht mehr zu finanzieren

Warum? Weil die Ansprüche irgendwann von der Gemeinschaft nicht mehr zu finanzieren sind. Statt sich eines Besseren zu belehren, setzt Schwarz-Rot immer noch eins drauf – von der Mütterrente bis zur solidarischen Lebensleistungsrente. Das heißt, die Lücke zwischen den einklagbaren Rentenzusagen und ihrer Finanzierung wird immer größer. Was das letztlich bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen: entweder höhere Rentenbeiträge oder mehr Schulden.

Gigantische Rentenkrise droht

Übrigens ist Deutschland damit nicht allein – in allen Industrieländern droht eine Rentenkrise, die alles in den Schatten stellen wird, was wir bisher kennen.

Experten der Citigroup haben einmal hochgerechnet, was uns da erwartet. In ihrer Studie „The coming pensions crisis“ kommen sie auf ein Volumen der nicht gedeckten oder unterfinanzierten staatlichen Rentenansprüche in den 20 OECD-Ländern (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) von 68,5 Billionen Euro (68 500 000 000 000). Einfach unvorstellbar! Dagegen nehmen sich die öffentlichen Schulden der 20 Industrieländer von 38,6 Billionen Euro ja richtig harmlos aus.

Lücken bei Betriebsrenten

Wer jetzt glaubt, die private oder betriebliche Altersvorsorge wird es schon richten, der sollte sich die Zahlen der Citigroup verinnerlichen. Auch die Betriebsrenten sind längst nicht gedeckt und Lebensversicherungen werfen immer weniger ab. Den Berechnungen der Citi-Experten haben Konzerne in den USA und Großbritannien nur 82 Prozent ihrer Verpflichtungen finanziert.

„Rund um den Globus sind die sozialen Rentensysteme – sowohl staatliche als auch private – massiv unterfinanziert“, zitiert die „Welt“ Farooq Hanif, einer der Autoren der Citi-Studie. „Damit das Pensionssystem nicht explodiert, müssen Staatsausgaben gekürzt, Firmengewinne gekappt und die Ansprüche der Rentner reduziert werden. Das wird ein Kraftakt für Arbeitgeber, Beschäftigte und Politiker weltweit werden“, so die „Welt“.

Demographie größtes Problem

Hauptproblem ist der demographische Wandel, der zwar schon seit langem absehbar war, aber von den meisten nicht ernst genommen wurde. Vor allem wurden daraus keine – oder nur unzureichend – Konsequenzen gezogen.

In den kommenden Jahren wird die Politik sagen müssen, wem sie was wegnimmt, denn das Sozialsystem dürfte bald nicht mehr finanzierbar sein. „Wenn die ältere Generation mehr bekommt, muss die jüngere die Rechnung dafür bezahlen. Und solange die Bundesregierung nicht offenlegt, welche Generationen von ihrer Politik profitieren und welche darunter leiden werden, hat sie ihren Job nicht gemacht“, zitiert die „Welt“ den Bostoner Wissenschaftler Laurence Kotlikoff.

Hier die Dimension einmal als Grafik:

Finanzierungslücke bei der Rente

Finanzierungslücke bei der Rente (78 tn = 78 Billionen Dollar/68,5 Bio. Euro) Quelle: Citi




Ostdeutschland attraktiv für 50plus und 60plus

Rentner und Vorruheständler überlegen sich mittlerweile nach Ostdeutschlands umzuziehen.  Jahrzehntelang sind Junge – und Alte – aus Ostdeutschland in den Westen gezogen. Das hat sich offensichtlich umgekehrt. Eintagsfliege oder Trendwende? Bereits seit vier Jahren ziehen dem Berlin-Institut zufolge mehr Menschen aus Westdeutschland – oder dem Ausland – in den Osten. Allerdings profitieren davon einige „Schwarmstädte“ überproportional, darunter Leipzig, Dresden, Jena, Erfurt, Potsdam und Rostock. Gefragt bei Pensionären sind auch Wohnorte in Küstennähe.

Empty-Nest- und Ruhestandswanderer

Die Demographen vom Berlin-Institut unterscheiden bei ihrer Untersuchung die sogenannten „Empty-Nest-Wanderer“ und die „Ruhestandswanderer“: Was sind „Empty-Nest-Wanderer“? Kurz gesagt, solche Eltern, deren Kinder das Nest verlassen haben – meist über 50. Wenn das Haus leer ist, überlegen sich zumindest einige, umzuziehen. Viele sind es allerdings nicht, denn die Umzugsbereitschaft ist in dieser Altersgruppe nicht mehr sonderlich hoch. Von 1000 Einwohnern zwischen 50 und 64 Jahren hätten sich in den neuen Bundesländern im Jahr 2013 nur rund 16 für einen Umzug in eine andere Gemeinde entschieden, so das Institut. Die 52 000 Empty-Nest-Wanderer im Jahr 2013 seien eine überschaubare Gruppe. Es könnte indes mehr werden, mutmaßen die Demographen. „Auch wenn große Wanderungsströme in dieser Altersgruppe bislang ausbleiben, haben die neuen Bundesländer insgesamt bei den Empty-Nest-Wanderern die Trendwende geschafft“, so das Institut. Besonders beliebt bei der Altersgruppe zwischen 50 bis 64 Jahren sind Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Am liebsten haben Empty-Nest-Wanderer laut Berlin-Institut die neun ostdeutschen Großstädte. Leipzig habe es den 50- bis 64-Jährigen besonders angetan. Verlierer seien allerdings kleine Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern.

Meer und Berge ziehen

Gefragt sind bei Empy-Nest-Wanderer auch attraktive Gemeinden Küstennähe, Kurorte und landschaftlich schöne Gegenden. So können laut Berlin-Institut die Küstenorten Binz, Heringsdorf und Sassnitz an der Ostsee einen Positiv-Saldo verbuchen. In Sachsen gelte das für  Oderwitz im Vorland des Zittauer Gebirges und die zweitälteste sächsische Stadt Dohna.  „Auch die beiden thüringischen Kurorte Bad Berka und Bad Liebenstein können bei den Empty-NestWanderern im Saldo einen Zuzug verbuchen“, so die Demographen. Gleiches gelte für das Moor-, Mineral- und Kneippheilbad Bad Schmiedeberg und die beschauliche Hansestadt Havelberg in Sachsen-Anhalt.

Wichtig ist den Empty-Nest-Wanderer wohl, dass die Gemeinde, in die sie ziehen, in punkto Arzt, Apotheken und Läden gut ausgestattet sind, so dass die Zuzügler keine allzu weiten Wege zurücklegen müssen.

Wo es die Ruhestandswanderer hinzieht

Die neuen Bundesländer sind bei den über 64-Jährigen gefragt. „Besonders Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern locken Ruhestandswanderer an“, so das Berlin-Institut. Der Rentenbeginn ist ein einschneidender Abschnitt im Leben. Zwar bleibt das Gros der Rentner in ihrer vertrauten Umgebung, einige allerdings entscheiden sich zu einem Neuanfang. Denn, der Beruf hält sie ja nicht mehr an einem bestimmten Wohnort – sie sind jetzt endlich frei, selbst zu entscheiden, wo sie residieren wollen. Einige ziehen näher zu ihren Kindern und Enkeln, andere drängt es ans Meer oder in die Berge. „Es waren zuerst ältere Wanderungswillige, die es vermehrt in die neuen Bundesländer zog“, konstatieren die Berliner Forscher. Die Wanderungsbewegung setzte schon vergleichsweise früh ein. Viele zogen es nach Mecklenburg-Vorpommern des Meeres wegen. Nach Brandenburg zog es laut Berlin-Institut Rentner wegen altersfreundlicher Städte. Dieser Trend dürfte allein schon wegen der wachsenden Zahl der Rentner anhalten. „Denn je älter die stark besetzten Jahrgänge der Babyboomer werden, desto mehr verschieben sich auch unter den Wanderern die Anteile zugunsten höherer Altersgruppen“, konstatieren die Forscher. Sie gehen auch davon aus, dass es zwischen 2013 und 2030 mehr Rentner werden – ihr Zahl steige von drei auf 3,7 Millionen.

Mittelgroße Städte gefragt

Dabei zieht es die Ruhestandswanderer nicht unbedingt in die Großstädte, anders als die Jungen. Sie wollen es lieber etwas beschaulicher und suchen sich mittelgroße Städte aus, das heißt, Städte mit 10 000 bis 50 000 Einwohner – ablesbar an den Zahlen des Berlin-Instituts, das für mittelgroßen Städte im Jahr 2013 ein Plus von insgesamt 3,4 Ruhestandswanderern je 1000 Einwohner in dieser Altersgruppe verbuchte. Wichtig ist für die Ruhestandswanderer, dass es am Ort Supermarkt, Arzt und Post gibt.

Auch kleine Gemeinden können Magnete für ältere Wanderungswillige sein. Einigen von ihnen hilft dabei ihre reizvolle Landschaft. So verzeichnen etwa die beiden kleinen Gemeinden Alt Schwerin und Blankenhof eine Nettozuwanderung bei den über 64-Jährigen. Beide liegen in Europas größtem geschlossenem Seengebiet, der Mecklenburgischen Seenplatte. Die über 1000 Seen der Regionen locken nicht nur Touristen an, sondern können auch einige ältere Menschen dazu bewegen, ihren Lebensabend dort zu verbringen. Andere Gemeinden haben ältere Menschen als Zielgruppe ausgemacht und sich auf deren Bedürfnisse spezialisiert. Dazu zählt etwa das malerische Burg im brandenburgischen Spreewald, das als staatlich anerkannter Ort mit Heilquellenkurbetrieb nicht nur Übernachtungsgäste anzieht, sondern auch einen Zuzug von Ruheständlern verzeichnet. Ähnlich attraktiv ist der Kurort Bad Elster im sächsischen Vogtland, eines der ältesten Mineral- und Moorheilbäder Deutschlands, oder das staatlich anerkannte Heilbad Bad Klosterlausnitz in Thüringen. (O-Ton Berlin-Institut)

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Alter als attraktive Lebensphase, die besten Ideen

Ältere in der Stadt, altern in der Stadt – wie geht das? Die besten Ideen und Vorhaben im und für das Alter in der Stadt sollen prämiert werden mit dem „Deutschen Alterspreis“ von der Robert-Bosch-Stiftung. Sie sucht Initiativen für ein altersfreundlicheres Stadtleben, sie sucht auch Beispiele, wie Ältere ihre Stadt mitgestalten. Dafür hat sie 120 000 Euro ausgelobt, die am 24. November in Berlin den Preisträgern überreicht werden.

Nominiert sind sechs Projekte:

  • Mobia – Mobil bis ins Alter Saarbahn GmbH, Saarbrücken
  • Jugendzentrum für Senioren Kinder von gestern e.V., München
  • Ich-Verein für soziales Engagement Thomas Henrich, Nürnberg/Fürth
  • x-mal Mensch Stuhl – Fassaden-Inszenierung Angie Hiesl, Köln
  • Magazin sechs+sechzig Verein zur Förderung des Dialogs der Generationen, Nürnberg
  • Griesheim – Die besitzbare Stadt, Griesheim

Insgesamt haben sich wohl 244 Projekte und Initiativen um den „Deutschen Altenpreis“ beworben.

Eine elfköpfige Jury hat die sechs Nominierten daraus ausgewählt. Zu den Jury-Mitgliedern gehören Dr. Stephan Articus (Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Städtetages), Professor Dr. Clemens Becker (Chefarzt an der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart), Anja Gockel (Modedesignerin), Professor Dr. Dr. Andreas Kruse (Direktor des Instituts für Gerontologie, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg), Professor Dr.-Ing. Gesine Marquardt (Professorin für Sozial- und Gesundheitsbauten an der TU Dresden), Dr. Wolfgang Malchow (Mitglied des Aufsichtsrats der Robert Bosch GmbH), Thomas Osterkorn (Chefredakteur viva!), Professor Susanne Porsche (Filmproduzentin), Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg (Vizepräsidentin des Deutschen Roten Kreuzes), Dr. Henning Scherf (früherer Präsident des Senats und Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen) und Hildegard Schooß (Gründerin und ehemalige Leiterin des Mehrgenerationenhauses Salzgitter).

Alte sollen in der Stadt wohnen bleiben können

Anliegen der Stiftung ist es, dass älteren Menschen in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben dürfen. Das wird künftig noch ein Problem werden, denn auch die Jungen zieht es in die Stadt, so dass sie den Alten die Wohnung streitig machen. Steigende Nachfrage bei nur schwach wachsenden Angebot lässt die Preise, sprich Mieten steigen – und da können viele Alte irgendwann nicht mehr mithalten. Der demographische Wandel wird zum Verteilungskampf.

Die Projekte sollen zeigen, wie beispielsweise Alten in der Stadt mobil bleiben und wie das Engagement der Älteren unsere Gesellschaft bereichern.

Alle Informationen zum Deutschen Alterspreis unter www.alterspreis.de

Die Projekte:

 




Altwerden mehr als Glotzen, Sinnstiften als Aufgabe für 60+

In seinem Buch „Das neue Zeit-Alter“ begründet Lothar Seiwert, „warum es gut ist, dass wir immer älter werden“. Das Buch ist zwar schon von 2014, aber grundsätzlich sind die Gedanken des Zeit-Gurus immer noch gültig. In seinem Buch beschreibt Seiwert, was sich verändern kann, wenn wir unsere Einstellung zum Altern ändern und überdenken.

Aber auch Seiwert kommt nicht drum herum, auf die Demographie einzugehen, genauer gesagt, den demographischen Wandel. Das heißt, die Zahl der Älteren steigt. Seit Erscheinen des Buchs ist allerdings einiges passiert: Durch die Flüchtlingswelle strömen deutliche jüngere Menschen nach Deutschland, die einer Blutauffrischung gleichkommen. Ob wir diese Menschen aus Syrien, Afghanistan und Äthiopien integrieren können, steht auf einem anderen Blatt – ich wünschen es uns allen.

Zahl der Älteren steigt

Dennoch, steigt die Zahl der Älteren. Spätestens in zehn bis 15 Jahren wird der geburtenstärkste Jahrgang 1964 in Rente gehen. Da „rollt ein Tsunami auf uns zu“, wie es Seiwert formuliert. „Wir sind eine Gesellschaft, die nicht nur immer älter, sondern gerade schlagartig steinalt wird“. Der demographische Wandel – ist da. Die Folgen schrecken. Er warnt bereits an dieser Stelle, dass „eine weißhaarige Gesellschaft von Ziellosen, die ihre Zeit vor dem Fernseher, in Sprechstundenzimmern und in Pflegeheimen verbringt, keine überlebensfähige Option ist“.

Auf Probleme durch diesen Wandel will ich hier nicht noch einmal eingehen, schließlich habe ich in diesem Blog schon mehrfach darüber geschrieben, erinnert sei nur an „Wer wo wie lange lebt“, „Lebenserwartung, Hartz IV“. Was heute schon Probleme bereitet, ist die Rekrutierung junger, qualifizierter Mitarbeiter gerade in den MINT-Berufen, wobei MINT für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik steht. Bis die jungen Flüchtlinge so weit sind, dass sie diese Lücken füllen können, wird es dauern – und kosten. Die Rente mit 63 hat dieses Problem noch verschärft.

Krieg der Generationen?

Seiwert malt im ersten Teil seines Buchs eine düstere Zukunft. Seine Kernsätze: „Immer weniger Junge müssen immer mehr Alte finanzieren. Das Problem dabei – wer die Mehrheit hat, hat die Macht und das sind nicht mehr die, die den Wohlstand erwirtschaften, sondern in verbrauchen – die Alten“. Der zweite: „Der Krieg der Generationen hat begonnen. Die Jungen werden mehr und mehr zur Kasse gebeten bis über die Schmerzgrenze hinaus – und irgendwann die Rentner sogar rückwirkend.“ Gut, mal schauen, wie gesagt – im Moment ändert sich das Land, auch mit Auswirkungen auf die Altersstruktur.

Seiwert will uns aber nicht ohne Hoffnung entlassen: Wir haben „die zweite Luft“, wie ein Taucher, der eine Ersatzfläche auf neun Meter Tiefe hängt, um den Druckausgleich gemütlich und ohne Atemnot durchsteht. Das heißt bezogen auf uns Babyboomer: Es ist noch „eine Menge für jeden von uns drin“, so Seiwert. „So langsam beginnen wir das zu realisieren.“ Der Ruhestand in seiner bisherige Form habe ausgedient. Wir können es Seiwerts Meinung nicht mehr leisten, einfach so rumzuhängen und zu chillen. Das sei verschwendetes Leben und totes Kapital. Als Schluss mit dem Ruhestand – aus dem wird der Un-Ruhestand.

Altersgerechte Arbeitsplätze

Seiwert plädiert für eine „reife Wirtschaft“. Das klingt ambitioniert, so recht zieht die Wirtschaft aber noch nicht mit. Es gibt positive Beispiele, aber viele Unternehmen wollen die Älteren immer noch am liebsten so schnell wie möglich loswerden. In Nordeuropa scheint das indes besser zu funktionieren als in Deutschland. Seiwerts Kernsätze sind: „Neue Arbeitszeitmodelle entlasten unser gesamtes Leben – das gilt für alle Generationen“, dann: „Ältere Arbeitskräfte sind gefragt wie nie. Was sie an Erfahrung und Wissen mitbringen, wiegt mögliche körperliche oder kognitive Defizite auf“ – und: „Aktive Gesundheitsvorsorge und lebenslange Lernen erhöhen die Beschäftigungsfähigkeit von Mitarbeitern“. Na ja, ob das gilt: „gezielte Umbauten am Arbeitsplatz und altersgerechte Schulungen machen Unternehmen für ältere Arbeitnehmer attraktiv“?

Produktiv für die Gesellschaft

Aber auch für die Rentner hat Seiwert eine bittere Wahrheit: „Das Geld, das die kommenden Rentnergenerationen während ihrer Lebensarbeitszeit volkswirtschaftlich aufbrachten und zur Vorsorge abführten, wird nicht reichen, einen so langen Lebensabend, wie er heute üblich ist, zu finanzieren. Die ganze Sache rechnet sich nicht, wie … Es gibt also schon allein eine wirtschaftliche Notwendigkeit, dass die über 65-Jährigen künftig weiter zur Wertschöpfung beitragen – ob nun durch einen späteren Renteneintritt, durch Zuverdienst neben der Rente oder durch eine gesellschaftliche Lösung wie ein Pflichtjahr mit unentgeltlicher Arbeit. Die Rente muss gesamtwirtschaftlich gegenfinanziert werden, denn die junge Generation ist damit schon rein zahlenmäßig überforder.“ Der Pop-Philosoph David Precht hatte ja mal sogar das „soziale Pflichtjahr für Senioren“ gefordert. Davon ist mittlerweile keine Rede mehr, aber etwas muss sich ändern.

Einige Senioren agieren bereits als Mentoren, Tutoren oder Lehrer, um schwachen Schülern zu helfen sowie Flüchtlingen Deutsch zu lehren. Das ist ein Anfang, immerhin. Es wird noch mehr Engagement brauchen.

In seinem Schlusswort plädiert Seiwert, „den Pakt der Generationen neu zu überdenken“. Dem ist nichts mehr hinzufügen.

Ein paar Literaturtipps von Seiwert:

  • Grün, Anselm: Die hohe Kunst des Älterwerdens, Deutscher Taschenbuchverlag
  • Mika, Basch: Mutprobe – Frauen und das höllische Spiel mit dem Älterwerden, Bertelsmann
  • Scherf, Hennig und Uta von Schrenk: „Mehr Leben“, Herder
  • Schirrmacher, Frank: Das Methusalem-Komplott, Heyne
  • Schechner, Erich: War’s das, Kösel
  • Schmid, Wilhelm: Gelassenheit, Insel
  • Seiwert, Lothar: Die Bären-Strategie, Ariston
  • Welser, Maria von: Heiter weiter!, Südwest
  • Wittmann, Marc: Gefühlte Zeit, C.H.Beck

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Höhere Steuern für mehr Rente

Höhere Steuern für mehr Rente – klingt ketzerisch. Schon heute zahlen die Bürger pro Kopf mehr als tausend Euro pro Jahr für die Rentenversicherung, denn so hoch ist der Bundeszuschuss an die Rentenversicherung. Insgesamt geht es dabei um 84,3 Milliarden Euro. Ohne dieses Geld wäre die Rentenversicherung schon längst kollabiert. Genau sind es 1021 Euro – die Rechnung ist zugegeben etwas vereinfacht, aber 84,3 Milliarden Euro (der Bundeszuschuss in diesem Jahr) umgelegt auf die 82,56 Millionen Deutschen ergibt diesen Betrag. Steuern muss ja schließlich jeder zahlen – selbst das Baby über seine Eltern, denn auch Windeln und Milchpulver werden besteuert, vom Kindersitz ganz zu schweigen. Familien mit Kindern tragen somit zur Stütze des Rentensystems bei, obwohl sie ja bereits Rentenbeiträge zahlen und die zukünftige Rentengeneration aufzieht.

Bundeszuschuss bald hundert Milliarden

Das reicht aber immer noch nicht: Rentenexperten prognostizieren, dass der Steuerzuschuss des Bundes sich in kommenden Jahren auf knapp hundert Milliarden Euro erhöhen wird. Bereits in vier Jahren wird ein Zuschuss von 97,8 Milliarden Euro erwartet so die „Bild“ unter Berufung auf den Finanzplan 2015 bis 2019 des Finanzministeriums.

Rentenexperten wie Reinhold Schnabel von der Uni Duisburg-Essen mahnte, der Bundeszuschuss dürfe nicht weiter steigen, aber damit kämpft er gegen Windmühlenflügel. Es wird so kommen, weil die demographische Entwicklung sich nicht bremsen, geschweige denn umkehren lässt.

Höhere Steuern für mehr Rente

Letztlich wir diese Entwicklung auf eine Steuererhöhung hinauslaufen, denn die Renten weiter zu kürzen, wie es Klaus Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), anspricht, lassen sich wohl kaum durchsetzen. Schon heute liegen viele Renten unterhalb der Armutsgrenze und müssen aufgestockt werden. An einem Renten-Soli wird der Bund wohl langfristig nicht vorbeikommen.

Auslöser für die Kostenexplosion ist nach Ansicht des „Versicherungsbote“ die „Rente mit 63“. Nach dem neuesten Finanzplan des zuständigen Bundesfinanzministeriums werde der frühere Ruhestand für langjährig Versicherte etwa doppelt so teuer als geplant. „Wissenschaftler warnen, ohne Leistungskürzungen lasse sich der Rentenzuschuss nur über Steuererhöhungen finanzieren“, so der „Versicherungsbote“.

Andrea Nahles, ihres Zeichen Bundesministerin für Arbeit und Soziales, hat sich mit der „Rente mit 63“ offensichtlich ziemlich verrechnet. „Nach dem neuesten Finanzplan des zuständigen Bundesfinanzministeriums wird der frühere Ruhestand für langjährig Versicherte etwa doppelt so teuer als geplant“, so das Blatt.

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Kollabiert das Rentensystem?

Kollabiert das Rentensystem? Vielleicht nicht mittelfristig, aber langfristig sieht es nicht gut aus. Der Präsident des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat von der Bundesregierung eine Reform des Rentensystems gefordert. „Trotz der Migration wird es nach der mittleren Prognose des Statistischen Bundesamtes im Jahre 2030 doppelt so viele Alte ab 65 Jahren in Relation zu den Jungen von 15 bis 64 Jahren geben wie noch im Jahr 2000“, sagte Sinn dem „Tagesspiegel am Sonntag“.

Kollabiert das Rentensystem?

Sinn sieht ein Problem auf unser Rentensystem durch die Babyboomer zukommen. Das wichtigste Thema, das sich mit dem Jahr 2030 verbindet, sei die Demographie, denn die Babyboomer, die 1965 geboren wurden und nun 50 Jahre alt sind, werden dann 65 sein und das derzeit normale gesetzliche Rentenalter erreichen, so Sinn im Tagesspiegel. Dieser Generation profitiert vom Rentensystem, weil die Rentenbeitrag noch vergleichsweise moderat waren dank der Masse der Babyboomer. Sie selbst jedoch haben nur wenig in künftige Beitragszahler investiert und viel zu wenig Kinder groß gezogen. Das wird sich schon in wenigen Jahren rächen. Dann schlägt die Demographie gnadenlos zu.

Entweder höhere Beiträge oder niedrigere Renten

„Deutschland hat je 1000 Einwohner weniger Neugeborene als jedes andere entwickelte Land dieser Erde, wenn man die Kinder der Migranten herausrechnet“, konkretisiert der „Tagesspiegel“.  Trotz der Migration werde es nach der mittleren Prognose des Statistischen Bundesamtes im Jahre 2030 doppelt so viele Alte ab 65 Jahren in Relation zu den Jungen von 15 bis 64 Jahren geben wie noch im Jahr 2000. Das bedeutet dem „Tagesspiegel“ zufolge entweder doppelte Beitrags- und Steuerlasten in Relation zu den Arbeitseinkommen der aktiven Bevölkerung oder halb so hohe Renten. „So oder so bahnt sich ein Verteilungskonflikt an, der das Staatswesen erschüttern kann“, prognostiziert das Blatt.

Der Aufbau einer kapitalgedeckten Zweit-Rente ist angesichts dieser Ausgangslage ein Muss. Das wollen viele nur nicht gern hören – und zerreden sogar die Riester-Rente, die genau den Aufbau einer kapitalgedeckten privaten Rente als Ziel hat. Was ist die Alternative? Selbst vorzusorgen – dafür fehlt vielen die Konsequenz, mit der Folge, dass sie gar nichts machen. Das ist freilich keine Lösung.




Junge Alte länger fit

Junge Alte länger fit – warum das so ist? Die jungen Alten sind noch ganz schön fit – werden sie auch bleiben müssen, denn die Herausforderungen, die auf diese Gruppe zukommt ist enorm. Mit 17 Millionen sind es auch ziemlich viele. Was treibt die jungen Alten um, welche Probleme haben sie und wie gehen sie damit um. Dieser Frage ist das Statistische Bundesamt in ihrem Datenreport „Generation 65+“ nachgegangen.

Das Interessanteste vorweg – der Anteil der Senioren (65+) ist auf 21 Prozent gestiegen, das heißt, jeder fünfte Deutsche ist älter als 65, fünf Prozent sogar älter als 80. Der Jugendquotient (Zahl der unter 20-Jährigen bezogen auf die Zahl der 20- bis unter 65-Jährigen) fiel der Behörde zufolge auf  31, er rangiert damit unter dem Altenquotient (Zahl der 65-Jährigen und Älteren bezogen auf die Zahl der 20- bis unter 65-Jährigen) mit 34. Anfang 1955 war das noch umgekehrt. So lag der Jugendquotient damals bei 50 und der Altenquotient bei 18, seit 2006 übersteigt der Altenquotient den Jugendquotienten.

Mehr Omas als Opas

Die Zahl der Jungs ist im Baby- und Kindesalter um fünf Prozent größer als die der Mädchen. Das ändert sich jedoch ab dem Alter von 60: Es sterben mehr Männer als Frauen, so dass das weibliche Geschlecht dann überwiegt. Der Altersgruppe der 70- bis 80-Jährigen überwiegen die Frauen mit einem Anteil von 55 Prozent, bei der Altersgruppe 80+ ist der Anteil sogar bei 68 Prozent. Das heißt, Männer sind dann Mangelware – oder anders ausgedrückt, es gibt viel mehr Omas als Opas.

Mangelware sind auch Kinder: 1964 wurden 1,36 Millionen geboren, 2009 mit 665 000 nur noch etwa die Hälfte. Das hat natürlich gravierende Auswirkungen auf das Rentensystem.

Dramatischer Bevölkerungsrückgang

Denn die Mädchen, die heute nicht geboren werden, können später als Frau auch keine Kinder bekommen. Es kommt zum Bevölkerungsrückgang, denn selbst die angenommene Zuwanderung wird nicht ausreichen, diesen Rückgang aufzuhalten.

Der Bevölkerungsrückgang wird den Statistikern zufolge bis 2020 erst moderat ausfallen. 2020 werden etwa zwei Prozent weniger Menschen als 2009 in Deutschland leben, 2030 etwa fünf Prozent und 2060 schließlich 21 Prozent weniger. Absolut wird sich die Einwohnerzahl von derzeit 81,8 Millionen auf 64,7  im Jahr 2060 vermindern. Gerade der Osten Deutschland wird sich regelrecht entleeren, das gilt insbesondere für Mecklenburg-Vorpommern, das jetzt schon zu den am dünnsten besiedelten Bundesländern gehört.

Älter und einsamer

Wir werden nicht nur immer älter, wir werden auch immer einsamer. So nimmt gerade die Zahl der alleinlebenden Frauen ab 60 deutlich zu – bei der Gruppe 75+ leben sogar 60 Prozent allein. Bei den Männern dieses Alters sind es nur 20 Prozent.

Die demographische Entwicklung wirkt sich natürlich auf die gesetzlichen Renten aus. Für männliche Neurentner  in den alten Bundesländern zeigt sich den Statistikern zufolge ein deutlicher Rückgang ihrer Entgeltpunkte (EP), die ja maßgebend sind für die Rente: Die Anwartschaften des Medianrentners sinken im Zeitverlauf von etwa 47 um knapp elf Prozent auf 42 EP im Jahr 2009. Die Folge: Neurentner des Jahres 2009 bekommen im Schnitt vergleichsweise geringere Altersrenten als Neurentner der vorangegangenen Jahre. Am schlimmsten trifft es dabei die Rentner mit niedriger und mittlerer Rente. Nominal sank ihre Rente von 1072 im Jahr 1993 auf 1013 im Jahr 2009 – die Inflation trifft sie damit richtig hart.

Vergleich mit den europäischen Nachbarn

Noch ein Blick über den nationalen Gartenzaun – und ein Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn:

Die Deutschen arbeiten im Schnitt länger als die meisten Nachbarn. So weist Deutschland bei den 60- bis 64-Jährigen 2014 eine Erwerbstätigenquote nach international vergleichbarer Abgrenzung der Arbeitskräfteerhebung von 53 Prozent aus, in Estland ist sie genauso hoch, in Schweden liegt sie bei 66 Prozent – der EU-Durchschnitt lag 2014 nur bei 37 Prozent.

In punkto Geburtenrate ist Deutschland so ziemlich das Schlusslicht. Damit sich die Bevölkerung eines Landes auf natürliche Weise jedoch reproduzieren kann, ist in hochentwickelten Ländern eine Zahl von durchschnittlich 2,1 Kindern je Frau erforderlich. Davon ist Deutschland mit 1,4 weit entfernt. Solange die Geburtenziffer unter diesem Wert bleibt, wird jede folgende Müttergeneration dem kleinen Einmaleins der Statistiker zufolge kleiner als die vorherige. Von den 27 EU-Ländern erreichte nur Irland 2009 knapp den Durchschnittswert von 2,1, in Frankreich waren es 2,0 Kinder je Frau. Die geringsten Geburtenziffern der EU verzeichneten Lettland, Portugal und Ungarn mit jeweils 1,3 Kindern je Frau. In Deutschland lag die durchschnittliche Kinderzahl mit 1,4 nur knapp darüber. Aber das sind die Werte von 2009 – 2015 sieht es deutlich schlechter in Deutschland aus, gemessen an der Geburtenrate von 2009 bis 2013, die sich auf die Zahl der Kinder pro tausend Einwohner bezieht. In dieser Beziehung ist Deutschland auf dem letzten  Platz mit einer Rate von 8,28 Geburten auf je tausend Einwohner. Um das auszugleichen, müssten jedes Jahr mehr als eine halbe Millionen Menschen einwandern.

„Berliner Morgenpost“: 65 oder älter – und stolz darauf