Warum Deutschland der demografische Wandel ab 2020 mit voller Wucht trifft

Warum trifft Deutschland der demografische Wandel schon bald mit voller Wucht? Ganz einfach, weil Millionen Babyboomer in Rente gehen und ihre Schreibtische und die Werkbänke verlassen. Viele Betriebe, aber auch die Kommunen haben das immer noch nicht so richtig verinnerlicht. Damit dürfte sich einiges ändern in diesem Land.

13 Millionen Babyboomer gehen zwischen 2018 und 2031 in Rente gehen und scheiden aus dem Erwerbsleben aus“, stellt Peter Kupferschmid, Referatsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) lakonisch fest. Das seien 36 Prozent der Berufstätigen, betont er schon etwas alarmierender. Das stelle für die Gesellschaft eine Herausforderung dar. „Es kann nicht sein, dass wir nicht vorbereitet sind“, seufzt er.

Übergang ist nicht geregelt

Das ist aber nicht nur ein deutsches Problem, denn die „Zahl der Europäer über 65 Jahre wird sich in den kommenden Jahren verdoppeln“. Leider sei der „Übergang ins Alter nicht geregelt“, bedauert er. Es gebe keine Regelstrukturen mehr im Übergang vom Beruf in die Rente, anders als beim Übergang von der Schule in den Beruf.

Alles strukturiere sich in Deutschland um den Faktor Arbeit. Wer in dieses Regelsystem nicht mehr reinpasst, der fällt einfach heraus – wird abgeschaltet. So etwas wie ein Übergangsmanagement gibt es hierzulande schlichtweg nicht. Das dürfte sich für viele Betriebe allerdings noch rächen.

1964 der geburtenstärkste Jahrgang

Deswegen hat das BMFSFJ den „Runden Tisch Aktives Altern“ eingerichtet. Klingt gut, ist gut gemeint, ob das BMFSJ allerdings viel erreicht, darf bezweifelt werden. Andreas Mergenthaler vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung konfrontiert die Anwesenden mit der Größenordnung: „Der Jahrgang 1964 ist der geburtenstärkste Jahrgang überhaupt mit 1,4 Millionen Lebendgeborenen“. Dabei waren auch schon die Jahrgänge davor schon zahlreich. Und diese Jahrgänge gehen ab 2020 so langsam in Rente. Das werde auch eine Herausforderung für die Betriebe. 2015 haben die Babyboomer noch 36,6 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung gestellt, bis 2035 geht ihr Anteil gegen null.

1964 war der geburtenstärkste Jahrgang

1964 war der geburtenstärkste Jahrgang Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

Wer kümmert sich um den Übergang?

Dass diese Kohorte in Rente geht und damit den Betrieben fehlen wird, ist das eine, das andere ist, dass sich so gut wie niemand um das Übergangsmanagement kümmert. Klaus Schmitz vom Amt für Senioren und Generationsfragen der Stadt Nürnberg zeigt auf, was notwendig wäre. Übergangsmanagement sei ein Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Er plädiert für kommunales und betriebliches Übergangsmanagement. Die Betriebe müssten seiner Meinung nach endlich begreifen, dass sie sich um eine „lebensorientierte Personalpolitik“ kümmern müssen.

Nürnberg als Vorreiter

Er verweist dabei auf das Zentrum Aktiver Bürger (ZAB) in Nürnberg, das als unabhängige Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement fungiert. Es soll alle Altersgruppen zusammen bringen, die sich für die Stadtgesellschaft engagieren – ein Ansporn für die jungen Alten, die im ZAB neue Aufgaben finden.

Was bei diesem Runden Tisch auch deutlich wurde: Das Thema Bildung und Digitalisierung spielt beim Aktiven Altern eine wichtige Rolle. Michael Doh von der Psychologischen Alternsforschung der Universität Heidelberg verdeutlichte, welche Chancen die Digitalisierung bietet. Bildung und Digitalisierung haben seiner Meinung nach „positive Effekte auf die sozialen, emotionalen und körperlichen Ressourcen“. Wenn die Babyboomer lernen, mit der Digitalisierung umzugehen, dann bringe das viel für die gesellschaftliche Partizipation. Umgekehrt gilt für ihn, dass die digitale Exklusion zur sozialen Exklusion führt. Es braucht seiner Meinung nach neue Konzepte für die digitale Inklusion und die digitale Bildung.

Digitale Kluft vergrößert sich

Die Babyboomer-Generation ist allerdings alles andere als homogen: Da gibt es zum einen die männlichen Babyboomer im Westen mit guter Bildung, die nicht allein leben und zu 89 Prozent in der digitalen Welt angekommen sind. Und es gibt Frauen in der 60plus-Generation aus dem Osten, alleinlebend mit niedrigem Bildungsstand, die zu weniger als zehn Prozent digitale Medien nutzen. Doh spricht von „digitaler Kluft“.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Herausforderungen des Übergangsmanagements groß sind. Es braucht noch viel mehr Seniorennetzwerke und betriebliche Coaches, um diese Aufgabe zu bewältigen.




Wie Draghi die Deutschen systematisch enteignet

Der Chef der Europäischen Zentralban (EZB), Mario Draghi, lacht sich ins Fäustchen, wenn die Deutschen wegen der Enteignung ihres Vermögens durch die Notenbank klagen. “Selber schuld”, so sein Kommentar. Aber am Fakt, dass die Deutschen durch die EZB enteignet werden, ist nicht zu rütteln.

Und, es wird von Monat zu Monat schlimmer. Im Dezember stieg die Inflationsrate auf 1,7 Prozent, im Januar werden es laut Statistischem Bundesamt bereits 1,9 Prozent sein. Gleichzeitig bekommen die Deutschen immer weniger für Tagesgeld. Laut Ypos Finanzplanung liegt die durschnittliche Rendite für Tagesgeld irgendwo bei 0,07 Prozent. Beim Marktführer ING Diba gibt’s noch 0,35 Prozent. Aber bei den Großen wie der Postbank müssen sich Kunden mit 0,01 Prozent begnügen. Das heißt, wer sein Geld konservativ anlegt, verliert 1,89 Prozent: 0,01 minus 1,9 – im besten Fall immer noch minus 1,55 Prozent.

Der Realzins ist längst schon negativ - schlecht für Geldvermögen Bild: ypos-fp

Der Realzins ist längst schon negativ – schlecht für Geldvermögen Bild: ypos-fp

Wie soll da noch jemand fürs Alter vorsorgen? Nach dem der Ölpreis lange Zeit vergleichsweise tief war, zog er in den vergangenen Monaten wieder an. Auch Lebensmittel werden teurer, nicht zu vergessen die Mieten. Daran wird sich so schnell nichts ändern – im Gegenteil. Die ersten aus der Babyboomer-Generation müssen bereits aus den teuren Schwarmstädten wie München, Frankfurt und Hamburg wegziehen, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können.

Draghi ist das egal, weil er nur die Südländer im Blick hat. Für die Deutschen allerdings bedeutet seine Politik eine schleichende Enteignung. Die Sparer stecken in der Zwickmühle. Sie könnten ihr nur entkommen, wenn sie mehr in Aktien investieren.

„Die Nullzinspolitik bei steigender Inflation ist verheerend für den deutschen Sparer„, empörte sich Bayerns Finanzminister Markus Söder im „Handelsblatt“. Draghi dürfte sich davon kaum beeindrucken lassen. Niemand sollte damit rechnen, dass die EZB die Zinsen bald wieder anhebt. Draghi betonte erst vor kurzem wieder, dass die Zinsen noch lange niedrig bleiben werden.

Am stärksten gestiegen ist Energie mit einem Plus von 5,8 Prozent, gefolgt von Lebensmitteln (plus 3,2 Prozent). Die Nettokaltmieten sind angeblich „nur“ um 1,6 Prozent gestiegen – Münchner können darüber nur lachen.




Wehe, wenn die heile Rentenwelt zerbricht

Die gesetzliche Rentenversicherung steht auf tönernen Füßen und wird ohne Reformen nicht überleben. Eigentlich müsste das jeder begreifen. Politiker wie Andrea Nahles und Sigmar Gabriel gaukeln uns vor, dass das „bekloppt“ ist. Sind nicht eher sie bekloppt, weil sie die Wahrheit verschleiern? Wenn wir länger leben, weniger Kinder in die Welt setzen, werden wir auch mit weniger Rente auskommen und länger arbeiten müssen. An dieser Logik kommt keiner vorbei. Wehe, wenn die vermeintlich heile Rentenwelt zerbricht.

Fürchtet euch vor Altersarmut – Rente wird nicht reichen
Sinkendes Rentenniveau führt zur Altersarmut
Altersarmut-Anstieg droht, Rentenplus reicht nicht
Hohe Miete, Gefahr der Altersarmut, Münchner gefährdet
Viele Junge juckt Altersvorsorge herzlich wenig

Rente ist eine Umlageverfahren

Eins und eins ist zwei oder drei minus eins oder vier geteilt durch zwei – das gilt auch für die gesetzliche Rente, die als Umlageverfahren von den Beiträgen der aktiven Erwerbsbevölkerung gespeist wird. Die Verhältnisse zwischen Beitragszahlern und -empfänger ändert sich und damit muss sich auch die gesetzliche Rente anpassen. Einige Politiker, allen voran Bundessozialministerin Andrea Nahles gaukelt uns vor, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. „Nur einmal hatte Berlin den Mut und die Kraft aufgebracht, den Menschen die Wahrheit über den Zustand der Alterssicherungssysteme zu offenbaren und Anpassungen am Umlageverfahren vorzunehmen: Die Beiträge wurden gedeckelt, das Rentenniveau nach unten geschleust und das Renteneintrittsalter auf bis zu 67 Jahre erhöht“, erinnert Stephan Lorz von der „Börsenzeitung“. Und, was waren die Folgen? Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde abgestraft. Die Wähler wollten die Wahrheit nicht hören. Zugegeben, was Schröder einführte, war nicht alles toll, aber der Ansatz stimmte. Nahles dreht die Reformen wieder zurück, ohne Rücksicht auf die nachkommenden Generationen.

Wie funktioniert das Umlageverfahren – ein Erklär-Video

Anhebung des Renteneintrittsalters

Und noch immer ist es so, dass angeklagt wird, wer die Wahrheit sagt. So geht es zurzeit der Deutschen Bundesbank, die in ihrem Monatsbericht hochrechnete, dass „eine schrittweise Anhebung (des Renteneintrittsalters) auf etwa 69 Jahre bis zum Jahr 2060“ notwendig wäre. Und trotz dieses Schritts „stiege der Beitragssatz aber wohl auf eine Größenordnung von 24 Prozent, und das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung ginge auf eine Größenordnung von rund 44 Prozent zurück“. Das heißt, selbst das wird langfristig nicht reichen, um die Rente zu stabilisieren. Die Dänen haben das schon längst begriffen und lassen das Renteneintrittsalter bis 2022 auf 67 Jahre steigen, ab 2030 dann auf 68 Jahre, ab 2035 auf 69 Jahre – und dann ab 2060 alle fünf Jahre um ein weiteres Jahr, sodass unsere nördlichen Nachbarn dann ab 2100 erst mit 77 Jahren in Rente gehen.

Bei der Rente alles in Butter?

Aber das alles liegt ja weit in der Zukunft, deswegen ist es populär und wählerwirksam, den Leuten vorzugaukeln, alles wäre bei der Rente in Butter. „Schließlich könne es doch nicht sein, dass die Menschen immer länger leben, damit auch immer länger Rente beziehen, die Zeit ihres Erwerbslebens aber zementiert und jede Debatte darüber tabuisiert wird“, kritisiert Lorz.

Obwohl Andrea Nahles „erst“ im Juni 1970 geboren ist und damit 46 Jahre alt, macht sie Klientelpolitik für die Alten. Denn ausbaden werden ihre Politik die Jungen müssen. So schön es ist, dass die Lebenserwartung steigt, so zwingend ist es, dass Rentenpolitiker – und die Gesellschaft – sich darauf einstellen. Je länger Ruheständler ihr Altersgeld beziehen, desto mehr müssen sie in den aktiven Jahren vorgesorgt haben oder desto mehr künftige Beitragszahler müssen sie in die Welt gesetzt haben.

Nahles‘ Rechnung geht nicht auf

Wir alle werden erleben, dass Nahles‘ Rechnung nicht aufgeht, weil eins und eins eben nicht drei ist. Wahrscheinlich wird heimlich am System geschraubt, so dass für die Rentner unterm Strich weniger übrig bleibt, gleichzeitig werden die Beiträge steigen und zusätzlich wird der Bundeszuschuss zur Rente steigen. Schon heute überweist der Bund annähern 87 Milliarden Euro an die Rentenkasse, 2017 werden es dann mehr als 91 Milliarden Euro sein und schon in wenigen Jahren ist die 100-Milliarden-Euro-Marke geknackt. Nicht weiter schlimm, oder? Nun, das Geld, das an die Rentenkasse geht, fehlt anderswo – in der Bildung, bei der Infrastruktur oder der Verteidigung. Das ist ein schleichender Prozess, der erst dem auffällt, der Deutschland beispielsweise mal mit Skandinavien vergleicht.

Andrea Nahles weiß um die Brisanz des Themas und hat für Oktober Arbeitgeber, Gewerkschaften und Sozialverbände zu einem Treffen eingeladen – wichtigestes Thema „die gesetzlichen Rente“.

Also, es bleibt spannend. Insofern war das sicher nicht der letzte Beitrag zu dem Thema.

Schon in etwa 25 Jahren wird es mehr Nettoempfänger als Nettozahler geben, weil die Bevölkerung altert. Das hat das Prognos-Institut ermittelt im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Das trifft vor allem die Rentenkasse. Prognos zufolge ist derzeit die Gruppe der Nettozahler mit 56 Prozent noch in der Mehrheit. Doch ab 2020 gehen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer verstärkt in Rente. Gleichzeitig wachsen immer weniger Junge in die mittlere Altersgruppe nach. Im Jahr 2040 gehören laut der Studie folglich nur noch 49 Prozent der Bevölkerung zu den Nettozahlern. Dann stehen laut der Erhebung 38,2 Millionen Nettozahler 41 Millionen Nettoempfängern gegenüber – derzeit sind es noch mehr Zahler. Je nach dem sich die Bevölkerung entwickelt, droht 2040 Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen ein Finanzdefizit in zwei- bis dreistelliger Milliardenhöhe. Würde es keine höheren Beitragssätze und Steuern geben als heute, ergäbe sich durch die demografische Entwicklung beim Defizit der Haushalte demnach ein Wert von 144 Milliarden Euro im Jahr 2040. Allein zur Finanzierung der gesetzlichen Rente fehlten dann 83 Milliarden Euro. Würden die Sozialbeiträge für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung aber von derzeit knapp 40 auf knapp 50 Prozent im Jahr 2040 steigen, hätten die öffentlichen Haushalte nur ein Minus von 24 Milliarden Euro. Dies würde aber eine entsprechende Mehrbelastung der privaten Haushalte und Unternehmen bedeuten. Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) hatte angekündigt, im November ein Konzept für die Rente vorzulegen, in dem auch eine „Haltelinie“ fürs sinkende Rentenniveau definiert sein soll

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… und dazu passende Tweets




Macht Merkel Politik für die Babyboomer-Generation?

Was „Opakratie“ bedeutet, haben jüngst wieder junge Briten erfahren, die bei der Frage nach dem „Brexit“ von den Alten dank ihrer Mehrheit überstimmt worden sind. Die Babyboomer-Generation hält die Fäden in der Hand und bestimmt über das Schicksal der Nation – nicht nur in Großbritannien, sondern vor allem auch in Deutschland. Verspielen wir unsere Zukunft? Diese Frage treibt Wolfgang Gründinger in seinem Buch „Alte Säcke Politik“ aus dem Gütersloher Verlagshaus um.

Der Zukunftslobbyisten ist Sprecher der Stiftung Generationengerechtigkeit und hält mit seiner Ansicht über die Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht hinterm Berg. „Merkel macht Politik für die Generation der Babyboomer, und die wollen keine Wunder und keine Experimente, sondern ihre Ruhe“, so der heute 32-Jährige. Ruhe als erste Bürgerpflicht – Merkel verkörpert diese Eigenschaft und vermittelt sich auch den Bürgerinnen und Bürgern.

Ruhe heißt freilich nicht selten Stillstand. Genau das wirft der Anwalt der Jungen Merkel vor. Kein einziges Reformprojekt habe die Kanzlerin zu Ende geführt. „Bildungsrepublik, Regulierung der Finanzmärkte, Energiewende, Rentenreform, Elektromobilität oder digitaler Wandel: Überall regiert die Kanzlerin so vor sich hin und sonnt sich in alternativloser Beliebtheit“. Gündinger belässt es nicht mit Vorhaltungen, er kann sie auch belegen – seine Zeilen sind gespickt mit Anmerkungen und Charts.

Deutschland im Weckglas

Der Aktivist möchte die Gesellschaft mit seinem Buch aufwecken, denn das „Land im Weckglas“ brauche einen Weckruf.  Für diese kollektive Geisteshaltung spiegelt sich sogar in dem Verb „merkeln“ wider – einem der Jugendwörter des Jahres 2015. Übrigens hat sich „Smombie“ – eine Kombinationaus Smartphone und Zombie – durchgesetzt.

„In Deutschland haben die Alten das Sagen“, auch „weil die Politiker in vorauseilendem Gehorsam genau das tun oder genau das unterlassen, von dem sie glauben, dass die Mehrheit der Alten es möchte oder eben nicht möchte“, urteilt Gründinger. Ja, und? Ist das schlimm? Der Politikwissenschaftler meint „ja“, weil wir – und damit meint der Deutschland – unsere Zukunft verspielen. Viele ahnen es vielleicht und sie werden von einem unbestimmten Gefühl umgetrieben. Dafür findet der Autor die richtigen Worte. Seine Generation erbe keine schöne heile Welt. „Wir spüren die Probleme nur noch nicht, die sich zwar unter der Oberfläche, dafür aber umso massiver zusammenballen“, beschreibt er die Stimmung. Die auf Kurzatmigkeit geeichte Politik verwalte den Stillstand. Die Elite dieses Landes analysiert zwar gern die Probleme und begreift den Handlungsdruck, den Worten folgen jedoch keine Taten oder „zu spät, zu verzagt“. Oft genug folgen auch die „gänzlich falschen Taten. Dabei unterscheidet sich Merkel in nichts von der Sozialdemokratie, die „Opakratie“ drückt auch der „Sozialpolitik ihren Stempel“ auf.

Wir leben von der Substanz

„Deutschland fährt auf Verschleiß“, kritisiert der Kosmopolit und vergleicht uns mit anderen Nationen. Das betrifft Straßen, Wasserleitungen, Schulen, Kitas und Bahn. Die Merkel-Regierung investiert immer weniger in Infrastruktur, ablesbar an der nominalen Investitionsquote. In punkto Internet-Geschwindigkeit sind wir weit abgeschlagen, offene WLANs sind eher die Ausnahme als die Regel. Für Bildung geben wir deutlich weniger aus als Dänen, Isländer, Norweger, Kanadier, Belgier, Finnen und Franzosen. „Wir leben von der Substanz“, klagt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Das sei alles andere als Generationengerechtigkeit, empört sich Gründinger. „Generationengerechtigkeit heißt nicht nur, dass der Staat nicht mehr Schulden macht, als die nachfolgende Generation an Zinsen ertragen kann; Generationengerechtigkeit heißt auch – die Konsolidierung des Staatshaushalts darf keinesfalls auf Kosten der Zukunftsinvestition stattfinden“, so der Zukunftslobbyist.

Reform der Beamtenpension ist überfällig

Es ist sein Verdienst, diese Lage analysiert zu haben – und aktiv Partei zu ergreifen. Ja, wir Alten müssen uns den Spiegel vorhalten lassen. Wobei, die jüngsten populistischen Rentenentscheidungen gehen nicht von einem „Alten Sack“ aus, sondern von einer 46-jährigen Sozialistin, sprich Andrea Nahles. Sie hat die Mütterrente und die Rente mit 63 eingeführt. Die Arbeits- und Sozialministerien dreht die Reformen der Schröder-Ära nach und nach zurück, egal, ob sie finanzierbar sind oder nicht – und generationenverträglich. Sie verteilt Wahlgeschenke zu Lasten der nachfolgenden Generationen. Dabei leiden die Jungen ja nicht nur unter dem sinkenden Rentenniveau, sie spüren auch noch die anhaltend niedrigen Zinsen – und, die Merkel-Regierung hinterlässt ihnen noch ein herunter gewirtschaftetes Land. Ganz abgesehen davon, dass auf sie gigantische Schuldenberge warten und in der Zukunft abgetragen werden müssen.

Gründinger hat ein Problem verortet, dessen sich die meisten noch gar nicht so richtig bewusst sind: die Beamtenpensionen. Der Staat habe sich „eine gigantische und unsichtbare Last mit seinen Zahlungspflichten für die Beamtenversorgung auferlegt. Die Lasten werden sich Gründinger zufolge von heute 27 Milliarden Euro auf 86 Milliarden Euro im Jahr 2045 annähernd verdreifachen – und dafür gibt es keine Rückstellungen. Das wirklich Schlimme daran: niemand steuert ernsthaft dagegen. Warum das so ist? „Die Beamtenpensionen sind vermintest Terrain, das kaum ein Politiker zu betreten wagt, weil er sich der Abstrafung durch die Beamtenlobby sicher sein kann, jegliche Reformen aber mühselig sind und erst auf lange Sicht wirken“, hat Gründinger ganz richtig erkannt.

Niedrigzinspolitik führt ins Desaster

So brillant die Analyse, so schwach ist seine Handlungsanweisung für eine Änderung der Verhältnisse, die zurzeit gegen die Jungen gerichtet sind. Sich nur zu empören, reicht nicht. Auch der Aufruf, die Märkte zu verändern, führt in die Irre. Der Markt sind wir alle, aber nicht der Markt hat die Niedrigzinsphase eingeleitet, das war der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi. Geld kostet nichts mehr – und das ist fatal. Ja, die Bundesregierung wird noch von den Gläubigern bezahlt, wenn sie Anleihen ausgibt. Was für eine perverse Welt. Er weitet ungestraft die Bilanzsumme der EZB aus und bürdet den nachfolgenden Generationen eine unheimliche Last auf.

Wahrscheinlich muss der Leidensdruck noch viel, viel stärker werden, bis die Gesellschaft reagiert und erkennt, dass die gegenwärtige Politik die Zukunft verspielt. Das wird dann allerdings richtig schmerzen. Eine Vorgeschmack bekommen wir bereits.

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Haben wir Alten die Jungen wirklich versaut?

Haben die Babyboomer ihre Kinder zu Spießern erzogen, zu „blassen angepassten“ Jugendlichen? Haben wir Alten die Jungen wirklich versaut? Gibt es diesen Trend zum „Neo-Konventionalismus“ wirklich. Und, sind wir, ja, wir die Generation 50plus und 60plus daran schuld? Engagement egal, Politik egal – sind sie das, unsere Kinder? Nicht von ungefähr kennt heute noch jeder den Werbeslogan der LBS „Du Papa – wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden“, obwohl das schon eine halbe Ewigkeit zurückliegt.

Fünf Generationen und ihre Namen
Viele Junge juckt Altersvorsorge herzlich wenig
Kollabiert das Rentensystem?
Wann kommt es zum Aufstand der Jugend gegen Rentenpolitik?
So naiv sind die Jungen bei der Rente?

Klaudia Guesten hat sich in ihrem Blog mit der Generation Y – die Generation der von 1977 bis 1998 Geborenen – und der Erziehung durch die Babyboomer auseinandergesetzt und kann nur sagen „geht’s noch?“.


Ja, „Geht’s noch? Wir Babyboomer sollen die Generation Y versaut haben? Die neue Sinus-Studie offenbart dem Autor Sebastian Christ zufolge, dass uns, sprich den Eltern der Generation Y, die Visionen für eine bessere Zukunft abhanden gekommen sind. Aber unsere Generation erwarte gleichzeitig, dass die nächste Generation wie aus dem Nichts heraus mit neuen Ideen die Welt verändern solle – aus dem Nichts?“

Klaudia Guesten „kann da leider nicht folgen. Unsere Eltern und Großeltern waren Wegbereiter für eine neue Zukunft, nachdem Deutschland in Schutt und Asche lag. Über traditionelles Schubladendenken und erzkonservative Einstellungen brauche ich nicht streiten. Das verbuche ich unter ‚Generationenkonflikte’“.

Wo bleibt die Rebellion der Jungen?

Vielleicht, so meint sie, „sollte der Autor seine Eltern fragen, wie das so war in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren; wer auf die Straße gegangen ist und gegen Atomkraftwerke gestritten hat; wer gegen den § 217 demonstrierte und Menschen-Friedensketten bildete, um gegen den Nato-Doppelbeschluss aufzubegehren“. Wer erinnert sich noch an Wackersdorf, Gorleben, Brokdorf, Ostermärsche, Emanzipation und Frauenbewegung? Damit setzt sich Klaudia Guesten ausgiebig in ihren Blogartikeln „Generationen. Trends. Veränderungen„ auseinanender. „Anscheinend haben nachfolgende Generationen nicht unseren Kampfgeist geerbt – und wir haben das verbockt und unseren Kindern nichts von unseren Siegen oder Niederlagen erzählt.“

Diskurs verlagert sich ins Word Wide Web

Klaudia Guesten wagt „zu bezweifeln, dass wir uns in den letzten Jahren zurückgelehnt haben. Genauso wenig, wie ich die ‚Jungen’ über einen Kamm schere, möchte ich auch die Babyboomer nicht über einen Kamm geschert wissen“. Sie behauptet, dass „wir unsere Kämpfe – genau wie die ‚Jungen’ – heute digital fechten. Auch wir sind vernetzt. Auf Facebook, Twitter und anderen sozialen Kanälen. Wir unterzeichnen Petitionen bei Campact, wir lehnen uns gegen TTIP und Fracking auf. Der Diskurs wird weniger auf der Strasse geführt, er hat sich einfach ins Word Wide Web verlagert.“

So ein bisschen Spießer steckt doch in jedem von uns

Und noch eines Klaudia Guesten aufgefallen: „Wir ‚Alten’ haben heute ganz andere Kämpfe zu führen. Statista stellte bei Befragungen fest, dass die Altersdiskriminierung mit 49 Prozent über die Geschlechter-, Religions- und Herkunftsdiskriminierung triumphiert. Und das vor allem am Arbeitsplatz. Glück auf!“

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Fünf Generationen und ihre Namen

Fünf Generationen und ihre Namen – was heißt das? Zurzeit ist häufig die Rede von der Generation Y, wer aber sind die anderen Generationen? Die Generation Y ist die Bevölkerungskohorte – was für ein Wort – der von 1977 bis 1998 Geborenen. Sie sind entweder schon im Berufsleben oder beginnen ihre Karriere. Es sind die Berufseinsteiger unter 30 Jahren. Wie kommen sie in der Arbeitswelt an? Sie bringen viel Selbstbewusstsein mit, das in der Praxis jedoch oft nicht standhält. Vor allem Akademiker müssen spüren, dass der Berufsalltag eben doch etwas Anderes ist. Das ist nicht immer einfach zu verkraften.

„Zeit Online“ zufolge wollen sie flexibel arbeiten, dabei sind ihnen angeblich feste Arbeitsplätze „weniger wichtig als ihre persönliche Freiheit“. Sie suchen den Sinn hinter der Arbeit, womit sie manchmal im Berufsalltag anecken, weil der Chef so seine eigene Vorstellung hat und die auch nicht immer kommunizieren will oder kann. Ach ja, das Thema Work-Life-Balance spukt in ihren Köpfen herum. „Wäre doch schön“, so ihr Gedanken, das in der Praxis umzusetzen, was indes nicht ganz so einfach ist, wie sie schnell feststellen müssen.

Sie „mögen es, wenn sie ihre eigenen Tools wie Smartphone, Tablet oder Laptop mit zur Arbeit bringen können“, hat „Zeit Online“ festgestellt.

Wie sieht die Wirklichkeit aus? „Zeit online“ zitiert den DGB-Index „Gute Arbeit für junge Beschäftigte“, der zeige, wie sehr sich die jungen Beschäftigten nach einem sicheren Job sehnen, in dem sie ein ausreichendes Einkommen erwirtschaften. Dem DGB-Index zufolge haben „37 Prozent der unter 30-Jährigen haben ein atypisches Beschäftigungsverhältnis und gerade einmal 28 Prozent der unter 35-Jährigen verdienen in Deutschland mehr als 2500 Euro brutto“.  2500 brutto in München – das ist zuwenig zum Leben und zuviel zum Sterben.

Gefahr für die psychische Stabilität

Glück schlägt Geld Kerstin Bund

Glück schlägt Geld Kerstin Bund

Das sind natürlich alles keine guten Voraussetzungen für die psychische Stabilität. Nicht von ungefähr „steigt die Gefahr einer Depression, je später man geboren wurde“, so „Die Welt“. „Jeder Fünfte der Generation der Millennials, wie die Generation Y auch genannt wird, ist demnach depressiv“. Bei der Generation X und den Babyboomern seien es dagegen nur 16 Prozent der Amerikaner. „Die Welt“ bezieht sich dabei auf eine Untersuchung der US-Beratungsfirma Bensinger, DuPont & Associates (BDA). Die Sozio-Forscher befragten dazu amerikanischen Angestellten über einen Zeitraum von 18 Monaten erstellt. Die „Zeit“-Redakteurin Kerstin Bund hat über die Generation Y ein Buch geschrieben: „Glück schlägt Geld – Generation Y: Was wir wirklich wollen“. Den großen Wurf in ihrer Generation gebe es nicht. Der Sozialforscher Klaus Hurrelmann habe die Generation Y auch als „Egotaktiker“ bezeichnet, was es ganz gut treffe. Die Generation Y sei eine pragmatische, realitätsnahe Generation, so Bund. Bei ihr lasse sich auch keine gemeinsame Bewegung wahrnehmen. Übrigens, der Begriff Generation Y sei durch den 1991 erschienenen Roman von Douglas Coupland bekannt geworden. „Y“ stehe auch für das englische „why“, sprich warum, was ganz gut zu dieser Generation passe, die einiges hinterfrage und anders machen möchte.

 

Wer sind die Babyboomer?

Jetzt zu den Babyboomern: Das ist die Bevölkerungskohorte, um bei dem Begriff zu bleiben, der zwischen 1946 und 1964 Geborenen. Auf die Babyboomer folgt die Generation X – sie sind von 1965 bis 1977 geborenen, die Generation Y entstammt dem Zeitraum zwischen 1978 und 1999. Ach ja, die Generation Z gibt es auch noch – das ist die Nachfolge-Generation der Millennials. Die Dazugehörigen kamen zwischen 1999 und heute zur Welt – die „ältesten Jungen und Mädchen der Generation Z (Jahrgänge 1999-02) sind inzwischen Teenager“, so „Wikipedia“.

Z wie Zukunft: Die Nachfolger der Generation Y sind quasi von Geburt an online und seit der Grundschule bei Instagram und Snapchat aktiv. Nur: Wer sind die nach 1995 Geborenen? Erste Untersuchungen zeigen: Sie sind spießiger als erwartet. (aus youthmedia.ch)

Noch eine paar Sätze zu den Babyboomern. Dazu die „Die Welt“: „Die Babyboomer sind auch jene Altersgruppe, die mit elf Prozent am wahrscheinlichsten eine Abmahnung erhalten.“ Das zeige, dass sie zwar trotz psychischer Probleme meist weiter zur Arbeit gehen, dafür dann aber die meisten Probleme bekommen.

Nach der Generation Z fängt die Zählung wieder von vorne an: Die nach 2010 Geborenen werden als Generation Alpha bezeichnet. Dazu Futurist Mark McCrindle:

Kinder aus der Generation Alpha werden mit iPads in den Händen aufwachsen, das Haus nie ohne Smartphone verlassen und haben von Beginn weg die Möglichkeit, ihre Gedanken mit nur einem Klick zu sharen. Diese massiven technologischen Änderungen machen die neue Generation zu der sich am stärksten wandelnden Generation seit jeher.  Die Definition der neuen Generation begann 2005, als McCrindle und sein Team sich zu fragen begannen, was eigentlich nach der Generation Z kommt. McCrindle’s Team führte deshalb eine nationale Umfrage in Australien durch, bei der die Befragten potentielle Namen für die neue Generation vorschlagen konnten. „Alpha“ wurde sehr häufig erwähnt und passte gleich. Viele wissenschaftliche Disziplinen, wie beispielsweise die Meteorologie, wechseln zu griechischen Buchstaben, nachdem die römischen oder arabischen Nummern aufgebraucht wurden. Andere Vorschläge für die Betitelung dieser Generation waren zum Beispiel „Gen Tech“, „Digital Natives“ oder „Net Gen“. McCrindle hofft allerdings darauf, dass sich Generation Alpha durchsetzen wird. (aus studimedia.ch)

Generationen-Folge

  • 1933–1945 „Matures“
  • 1946–1964 „Boomers
  • 1965–1976 „Generation X“
  • 1977–1998 „Generation Y“, auch Echo Boomers oder Millenniums
  • 1999–2010 „Generation Z“
  • 2010-……  „Generation Alpha“

Wie tickt die Generation Y – ein erklärendes Video

Weiterführende Links:




Alte im Internet – nur die Hälfte der Bestager sind online

Tim Cole, Internet-Urgestein, Publizist, Blogger, Moderator und Speaker hat sich die Babyboomer und ihr Internet-Verhalten vorgenommen. Dabei kommt er zu interessanten Einsichten. Hier seine Ansicht, die auch in LEAD Digital erscheint.

Gastbeitrag von Tim Cole

Die Alten kommen – aber viel zu langsam! Laut ARD/ZDF-Onlinestudie wächst in der Bevölkerungsgruppe +60 die Internetnutzung am schnellsten. Etwas mehr als die Hälfte gibt an, das Internet „zumindest gelegentlich“ zu nutzen. Und darauf sind wir Alten ja auch mächtig stolz.

Leider sind uns Jungen weit voraus: Die Generation zwischen 14 und 19 ist, statistisch gesehen, zu 100 Prozent online. Kein Kid, der das Internet nicht selbstverständlich nutzt. Je älter, desto offline, könnte man das auf den Punkt bringen. Was an sich ja nichts Schlechtes sein muss. Nur haben die Alten ja in der Regel in den Unternehmen das Sagen. Und da wird die Sache zum Problem. So verlangen einer Studie des IT-Branchenverbands Bitkom zufolge 75 Prozent der Vorgesetzten in deutschen Betrieben von ihren Mitarbeitern absolute Präsenzpflicht im Büro. Home Office? Fehlanzeige! Flexible Arbeitszeitmodelle? Nicht mit uns! So ergibt sich eine Art „digitales Peterprinzip“: Nach der vom britischen Ökonomen Laurence J. Peter 1969 aufgestellten These wird jedes Mitglied einer ausreichend komplexen Hierarchie so lange befördert, bis es das Maß seiner eigenen Unfähigkeit erreicht hat.

Das ist fatal für die deutsche Wirtschaft, die sich entsprechend schwer tut, die anstehende Digitale Transformation zu wuppen. Höchste Zeit, dass wir Alten umdenken – oder uns aufs Altenteil zurückziehen!


 

Es sieht zurzeit danach aus, dass die Präsenzkultur in Deutschland sogar wieder zunimmt, wie einem Artikel in der „Zeit Online“ zu schließen ist.

„Die Möglichkeiten zur Heimarbeit sind gestiegen, aber Arbeitnehmer nutzen sie immer weniger. Experten machen dafür die Präsenzkultur in den Firmen verantwortlich“

Die Home Officer, sprich Angestellte, die zuhause arbeiten, habe 2012 bei nur 7,7 Prozent gelegen, 1996 seien es noch 8,8 Prozent gewesen – und 2008, zum Höhepunkt sogar 9,7 Prozent. Die Aussage von Henkel-Chef Kasper Rorsted, die Präsenz-Kultur sterbe aus, die Digitalisierung werde das endgültig beenden, klingt doch sehr optimistisch. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Weiterführende Links:

… und Coles Buch:

Digital Transformation

Digital Transformation

 

 




Rentenrücklagen ab 2020 aufgebraucht – Beiträge steigen kräftig

Die Rücklagen der Rentenversicherung schrumpfen zusehends. Noch reicht die sogenannte „Nachhaltigkeitsrücklage“ für 1,76 Monate, ja richtig gelesen „Monate“, aber schon dieses Jahr muss die Deutsche Rentenversicherung ans Eingemachte und zapft die Reserven an. Bis 2020 wird die Reserve nahezu aufgebraucht sein, wenn nicht schon früher. Dann muss die Rentenversicherung entweder die Renten kürzen oder die Beiträge erhöhen. Da Rentenkürzungen unbeliebt sind, wird sie die Beiträge erhöhen.

Rentenbeiträge steigen, Renten sinken

Rentenbeiträge steigen, Renten sinken

579,70 Euro pro Monat Rentenbeitrag

Es könnte indes sein, dass die Beitragserhöhung schon früher kommt. Aber, von Anfang an: Zurzeit zahlen abhängig Beschäftigte 18,7 Prozent, wobei sich der Arbeitgeber zur Hälfte daran beteiligt. Ab Januar steigen übrigens die Beitragsbemessungsgrenzen in Ost und West auf 5400 (5200) und 6200 (6050) Euro pro Monat. Das heißt, Besserverdienende im Westen zahlen ab Januar 579,70 Euro allein für die Rentenversicherung. Das wird eben in Zukunft nicht reichen, denn die Reserve kann nicht auf null fallen, weil sonst die Rentenversicherung immer in Kalamitäten käme, wenn die Wirtschaft in einem Monat mal nicht so brummt.

Rentenbeitragserhöhung ab 2020

Axel Reimann, Präsident der Rentenversicherung sagte der „Rheinischen Post“, dass ab 2020 mit Beitragssteigerungen zu rechnen sei. Wie weit sie steigen, das weiß keiner. Es sollen nicht mehr als 22 Prozent sein, aber was heißt das schon. „Wir wissen, dass die demografische Entwicklung 2030 nicht zu Ende ist“, räumt Reimann ein. Die Rentenversicherung wird uns schneller gedacht auf die Füße fallen, aber das will momentan niemand hören – und mal ehrlich, die wenigsten interessieren sich zurzeit dafür.

Schere geht immer weiter auf

Es ist einfach so, dass die Schere zwischen Beitragszahlern und Rentner immer weiter auseinander geht – die Zahl der Rentner steigt, die der Beitragszahler schrumpft. Bis die Flüchtlinge ins Rentensystem einzahlen, werden noch viele Jahre vergehen. Zuerst kostet sie dem Sozialstaat erst einmal Geld. Dabei ist die Abgabenlast schon heute erdrückend. Besserverdienenden bleibt nicht einmal mehr die Hälfte ihres Gehalts, der Rest geht an Fiskus und Sozialversicherung.

Wie sich die Beitragssätze entwickelt haben

Wie sich die Beitragssätze entwickelt haben

Babyboomer wird es treffen

Nur zur Erinnerung: 2020 ist gar nicht mehr so weit weg – das sind noch vier Jahre. Wir werden eine Zeit erleben mit harten Einschnitten ins Sozialsystem, weil das ansonsten nicht mehr zu bezahlen ist. Das trifft vermutlich die Babyboomer besonders, weil sie nicht mehr gegensteuern können.

 

Weiterführende Links:

 

 





Was „Brigitte Wir“ dazu gelernt hat

Die zweite Ausgabe von „Brigitte Wir – das Magazin für die dritte Lebenshälfte“ liegt am Kiosk. Gruner + Jahr will’s also wissen und die Zielgruppe der 55plus-Generation abdecken. Ich will meine Eindrücke schildern, die mir so beim Durchblättern gekommen sind.

Nur so viel vorweg, die aktuelle Ausgabe ist deutlich schlüssiger, redaktionell und auch visuell besser gemacht und geht stärker auf die Generation der Babyboomerinnen ein, die „weltoffenen, lebensklugen älteren Frauen“ (O-Ton „Brigitte Wir“). Mit Anzeigen für diese Klientel sieht es allerdings mau aus. Die wenigen sind auch nicht alle für Babyboomerinnen maßgeschneidert, denn ob ein junges Dessous-Model von Chantelle die Zielgruppe anspricht, wagen ich zumindest zu bezweifeln.

„Es gibt im Leben viele erste Male – Altwerden gehört dazu“

Ok, das sind Petitessen, insgesamt wirkt das Heft und vor allem die Mischung weit weniger abstrus als die Premierenausgabe. Die Frauschaft von Herausgeberin Brigitte Huber findet langsam zu einer eigenen Handschrift. Gelungen das Porträt von Hannelore Elsner und sehr einfühlsam mit Text von Evelyn Holst und Bildern von Sammy Hart. Treffend der Satz: „Sie war lange ein deutscher Star, der lieber ein französischer gewesen wäre“.

Ein bisschen abseitig erscheint die Reportage über eine Frau „Mutter Zivilcourage“, die Roma-Kindern den Weg in die Integration weist. Aber vielleicht kommt es auch nur mir so vor. Die pensionierte Lehrerin bringe Roma-Kindern Benimm und Schreiben bei, so Autor Mathias Becker. Kann schon sein, dass sich Babyboomerinnen mit Hermine Jinga-Roth identifizieren können.

„Brigitte Wir“ auch für Männer

Auch für Männer ist „Brigitte Wir“ lesenswert – und zwar der Artikel über „Das neue Wir-Gefühl“, sprich über „Paare und das Geheiminis ihrer langen Liebe“. Das Magazin geht der Frage nach, warum es einige Paare schaffen, „auch nach Jahren noch glücklich miteinander zu sein“. Diese Kunst lasse sich lernen, meint Autorin Birgit Schönberger. „Paare, die nach vierzig gemeinsamen Jahren noch leidenschaftlich miteinander diskutieren, Erotik versprühen, sich zu neuen Entdeckungen und Entwicklungen verführen, ihre Liebe mit allen Aufs und Abs als Geschenk und den Partner als Wunder betrachten, haben nicht einfach nur das große Los gezogen“, formuliert Schönberger griffig. Zu einer langen Liebe gehöre, sich immer wieder gemeinsam neue Stufen von Nähe, Reife und Sinnlichkeit zu erobern, so die Brigitte-Wir-Autorin.

Ein wenig „unbeschwertes Planschen“

Natürlich darf auch ein bisschen Gesellschaftskritik nicht fehlen: Dem Thema Meerverschmutzung widmet „Brigitte Wir“ zwei Seiten mit der Headline „Unbeschwertes Planschen“. Schade, dass es nur zwei Seiten sind – so ein bisschen mehr hätte es schon sein können. Aber vielleicht ist das ja Männersicht. Wir Vorruheständler, aufgewachsen in der Öko-Bewegung, sollten wieder stärker Verantwortung übernehmen. Unser Engagement ist eingeschlafen – Zeit, es wieder zu reaktivieren, allen schon unseren Enkeln zuliebe.

Was steckt noch in dieser zweiten Ausgabe? Die Rubrizierung „Vorwärts“, „Rückwärts“, „Seitwärts“, „Ran“ hat die Redaktion beibehalten.

Inhaltsverzeichnis:

Unter „Vorwärts“ stehen Artikel wie

  • die Reportage über Rumänien,
  • eine Kolumne über das undemokratische Alter und die Ungerechtigkeit der späten Jahre,
  • ein Gespräch mit der Soziologin Ruth Westheimer über Lust im Alter und
  • das Planschen in sauberen Meeren
  • das neue Wir-Gefühl und über
  • Mode – very british und very stylisch, eine Britin mit Schloss zeigt Abendmode

„Rückwärts“ enthält Themen wie

  • Frauen, die bewegen, weil sie sich selbst bewegen: der Lebensweg von Jane Goodall
  • Reise: New York – im Taxi durch Manhattan
  • Sätze, die wir lieben

„Seitwärts“ enthält mit Themen wie

  • Dem Porträt von Hannelore Elsner
  • Geschenk für die Enkel
  • ein bisschen Kultur
  • ein Porträt über Christian Brückner, dem Mann mit der berühmtesten Stimme

„Ran“ enthält die Themen

  • Psychologie – Sehnsucht nach Berührungen
  • Fotografie – Mutter-Tochter-Porträts
  • Gesundheit – Naturheilmittel gegen Gelenkentzündungen
  • Kosmetik – was Make-up kann
  • Porträt – von Irmgard Wegener
  • Flüchtlinge – wie Hamburgerinnen helfen
  • Das Letzte – Vera Sandberg über Fitness-Armbänder

Als besonderes Goody liegt dem Magazin ein Extra-Heft „Immunsystem“ bei, das viele nützliche Tipps enthält wie beispielsweise „Selbsthilfe bei Erkältungen“ und wie sich die Abwehr stärken lässt.




Wechseljahre, Andropause – das Geschäft mit der Gesundheit

Die Babyboomer-Generation kommt in die Jahre – und damit fangen die Zipperlein ein. Bei Frauen sind es die Wechseljahre, bei Männern die Midlife-Krise. Plötzlich reden die jungen Alten über Darmspiegelung und Gesundheitscheck. Die Medien entdecken eine Marktlücke und wollen die lukrative Klientel nicht länger der „Apotheken Umschau“ überlassen.

Der „FOCUS“ hat das schon lange erkannt und eigenständige Specials herausgebracht – über Gehirn, Rücken, Psyche, Krebs, Zähne, Haut und Herz. Jetzt kommen auch andere Publikationen auf den Trichter. So hat „Bild der Frau“ eine Sonderausgabe über „Wechseljahre“ herausgebracht. Natürlich dürfen lustvoll-packende Beispiele von Betroffenen nicht fehlen wie der Umzug von Inga in die Karibik oder der Berufswechsel einer Bankerin, die jetzt einen Hundefriseursalon führt. Und die photogeshopte Christiane Northrup legt den „Göttinnen, die nicht altern“ fünf Tipps ans Herz, „um lustvoller zu leben“. „Älter werden ist schön“, behauptet Schauspielerin Michaela May. Natürlich darf auch das Thema „Sex“ nicht fehlen. „Es wird inniger, näher, mehr gekuschelt – wenn die Hormone wanken, dauert alles ein wenig länger; doch die Lust bleibt – und es lohnt sich, die körperliche Liebe nicht aufzugeben“. Alles easy. So schön können Wechseljahre sein – wer’s glaubt.. Aber bei „Bild der Frau“ wird vieles weggelächelt. Da dürfen natürlich einige 50-jährige Promis nicht fehlen, wie Julia Roberts, Katja Riemann, Pierce Brosnan und George Clooney. Damit schafft „Bild der Frau“ ein ideales Werbeumfeld für Produkte wie „Always“, „Lasea“, „Klimaktoplant“ und „Vagisan“.

„Apotheken Umschau“ als großes Vorbild

Die „Apotheken Umschau“ ist da etwas ehrlicher und verschweigt nicht, dass „dieses Hormon-Ungleichgewicht typische Wechseljahrsbeschwerden hervorrufen kann – und dazu gehören vor allem Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Nervosität“. Auch ein Rückgang des Lustempfindens sowie ein Abbau der Scheidenhaut mit entsprechender Trockenheit der Scheide seien häufig.

„Stern“, „Geo“ und „ZEIT“ mischen auch mit

Der „Stern“-Ableger „Viva“ nimmt sich ebenfalls des Themas Wechseljahre an – und zwar für Frau und Mann. Das Magazin lässt drei Frauen und zwei Männer zu Wort kommen, es beschreibt Nutzen und Risiken von Hormontherapie und wie sich das Verständnis von Wechseljahren gewandelt hat. Die Magazin-Macher belassen es nicht mit netten Geschichten, sondern sie geben auch praktische Tipps. Viva diskutiert das Thema Hormon-Therapie, das mittlerweile deutlich kritischer gesehen wird als noch vor einigen Jahren. Das gilt übrigens auch für Männer. Sie haben mit 40 Jahren ihren Zenit erreicht – danach geht’s bergab mit Energie und Manneskraft. Testosteron hilft – vielleicht. Wobei Testosteron durchaus umstritten ist. Wer Probleme hat mit Erektion, wird wohl doch den Gang zum Urologen antreten – der misst den Testosterongehalt. Eine entsprechende Therapie ist freilich durchaus umstritten.

Gesundheit für die „Forever Forties“

Das Frauen-Magazin „Myway“ hat ebenfalls erkannt, was für eine wachsende Gruppe in die Wechseljahre kommt und hat ein 148-Seiten-Special zum Thema „Wechseljahre“ herausgebracht. Das Sonderheft gibt’s für 3,90 Euro am Kiosk. Für die „Forever Forties“ dröselt Myway die Wechseljahre auf – und „diesen Frauen Antworten auf all ihre Fragen zu liefern und sie auch in dieser neuen Lebensphase bestmöglich begleiten“. Die MYWAY- und Buch-Autorin Susanne Fröhlich widmet sich den „effektivsten Hormon-Yoga-Übungen für mehr Gelassenheit“.

„Stern“, „FOCUS“ sind nicht die einzigen, die sich dem Thema Gesundheit widmen. Jetzt steigt auch die „Bunte“ in dieses Segment mit „Bunte Gesundheit“ ein. Im Dezember wird das Gesundheitsspecial von der „ZEIT“ am Kiosk ausliegen – der Name „ZEIT Doctor“. Gruner+Jahr hat „Geo“ schon seit März mit der Reihe Geo Wissen Gesundheit ergänzt. Das aktuelle Magazin beschäftigt sich mit dem Herz.

„Mit dem wachsenden Anteil der Älteren steigt bei den potenziellen Lesern das Interesse am medizinischen Fortschritt, aber auch an Produkten und Dienstleistungen für Wohlbefinden; mit Gesundheit, Fitness und Wellness lässt sich krisensicher Geld verdienen – auch in den Verlagen“, schreibt der „Journalist“.

Zum Schluss noch eine nützliche Tipps und Links aus „Viva“

… und ein paar Buch-Tipps: