Arm im Alter? Wie hoch ist euer Altersarmutsrisiko? Testet euch selbst

Arm im Alter? Ich doch nicht! Ein Test bringt Licht ins Dunkel. Der Sozialverband Deutschland hat einen Selbsttest programmiert, den jeder problemlos im Internet durchspielen kann. Das Ergebnis zeigt, ob jemand armutsgefährdet ist oder nicht.

Der Altersarmut-Test des Sozialverbands Deutschland SoVD ist anonym und fragt beispielsweise, wie hoch das Einkommen ist, ob ich befristet oder unbefristet beschäftigt bin, wie es um die Gesundheit bestellt ist,  ab – nach Art und Höhe. Bei der Einschätzung, wie hoch das Altersarmutsrisiko ist, spielt eine Rolle, ob jemand alleinerziehend ist oder pflegebedürftige Verwandte hat. Noch immer ist es so, dass Alleinerziehende ein deutlich höheres Armutsrisiko haben als Paare. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn wegen der Kindererziehung können sie häufig nicht voll erwerbstätig sein, was die spätere Rente schmälert. Schön wäre es natürlich, wenn es mehr Ganztagsbetreuung gäbe – die Realität sieht freilich meist anders aus.

Werde ich mal arm im Alter sein?

Wer den Altersarmut-Test macht, bekommt eine Einschätzung über das individuelle Risiko, im Alter arm und auf Grundsicherung angewiesen zu sein. Es werde viel über Altersarmut geredet und zum Teil auch gezielt damit Stimmung gemacht, so der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer.

1000 Euro monatlich reichen nicht

Grundsätzlich gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens hierzulande verdient oder als Rente bezieht. Das sind in absoluten Zahlen: für Alleinstehende monatlich rund 1000 Euro, für Familien mit zwei Kindern bei rund 2000 Euro netto.

Viele bekommen sogar weniger als 1000 Euro monatlich

Darüber, wie Altersarmut entsteht und wie sie wirksam bekämpft werden kann, informiert der Sozialverband umfassend im Rahmen einer deutschlandweiten Informationskampagne. Neben aktuellen Zahlen, Daten und Fakten hat der Verband ein Konzept veröffentlicht, das konkrete Lösungswege aufzeigt. Die Kampagne richtet sich sowohl an die politischen Entscheidungsträger als auch an die Bevölkerungsgruppen, für die das Risiko wächst, im Alter zu verarmen.

Rentner in Not – Armes reiches Deutschland

Nur so viel zum SoVD – der SoVD „vertritt die sozialpolitischen Interessen der gesetzlich Rentenversicherten, der gesetzlich Krankenversicherten und der pflegebedürftigen und behinderten Menschen. Über 560 000 Mitglieder sind bundesweit organisiert. Der Verband wurde 1917 als Reichsbund der Kriegsopfer gegründet.“

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Warum „Rente“ ein Wahlkampfthema ist

Die Union möchte das Thema „Rente“ am liebsten ganz aus dem Bundestagswahlkampf heraus halten. Das wiederum will der Sozialverband VdK der Union nicht durchgehen lassen und gibt sich kämpferisch. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher legte die Finger in die Wunde und fordert die „soziale Spaltung zu stoppen“. Ihre Bestandsaufnahme fällt wenig schmeichelhaft für Bayern aus.

Rentenpolitik auf dem Prüfstand

Der VdK stellt die Pflege- und Rentenpolitik auf den Prüfstand und kommt zu einem ganz anderen Ergebnis als beispielsweise die Union und vor allem als CSU-Chef Horst Seehofer, der den Freistaat als „Vorstufe zum Paradies“ betrachtet. Nicht von ungefähr titelt der „Münchner Merkur“ „so (un)sozial ist Bayern wirklich“. Klar, dass die Union dieses Thema aus dem Wahlkampf am liebsten nicht ansprechen will. „Eine Reform ist unausweichlich, Experten warnen bereits vor den Folgen“, schreibt die „Zeit“. Die CDU wolle deshalb eine Kommission einsetzen, die bis 2019 Vorschläge erarbeiten soll.

Davon könne beileibe keine Rede sein, so Mascher. Die Armutsgefährdung für Ältere in Bayern sei sehr hoch. „Die Quote der Empfänger von Grundsicherung im Alter hat sich zwischen 2010 und 2015 von 2,1 auf 2,8 Prozent erhöht“. Das dürften schätzungsweise 120 000 ältere Menschen sein, die ohne Hilfe vom Staat nicht über die Runden kommen. Dabei ist das sicher nur die halbe Wahrheit, denn 60 Prozent gehen nach Schätzung von Armutsforschern nicht zum Amt, um einen Antrag auf Grundsicherung zu stellen – „aus Unwissenheit, aber vor allem aus Scham“, so Mascher.

In Bayern nicht alles weiß-blau

Das ist ein anderes Bild, als die bayerische Sozialministerin Emilia Müller so gern in ihrem Sozialbericht zeichnet. Und dieses Bild würde die CSU gern auch im Bundestagswahl wie eine Monstranz vor sich hertragen – oder das Thema „Rente“ am besten gleich ganz ignorieren. In ihrem Wahlprogramm schreibt die CSU, eine Kommission werde Antworten für die Rente nach 2030 liefern. „Die Weiterentwicklung der Rente nach 2030 soll in einem gesellschaftlichen Konsens unter Einbeziehung der Tarifpartner geregelt werden“, so die windelweiche Formulierung. Sie will eine Rentenkommission einsetzen, „die bis Ende 2019 Vorschläge erarbeiten soll“. Das heißt letztlich, das Thema „Rente“ auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschieben. „Bis 2030, also 13 Jahre lang, de facto Stillstand bei der Rentenpolitik?“, fragt Mascher. Das werde es mit dem VdK nicht geben.

Nöte von Rentnern

Dabei sind die Nöte vieler Rentner drängend – auch und gerade im reichen Bayern. Die Mieten machen gerade ältere Münchner ärmer. In München sind die Mieten von 2007 bis 2015 um 28 Prozent gestiegen. Viele müssen sogar beim Essen sparen oder Flaschen sammeln gehen, um sich ihre Wohnung überhaupt noch leisten zu können. Manche müssen gar in billigere Wohnungen umziehen.

Armutsgefährdung wächst

Insofern dürfte es nicht sonderlich wundern, dass die Armutsgefährdung in Bayern dem VdK zufolge bei über 65-Jährigen bei 21,8 Prozent – die durchschnittlichen bayerischen Werte, sprich den „Landesmedian“ zugrunde gelegt. Besonders hart trifft es ältere Frauen in Bayern, „denn 24,4 Prozent von ihnen haben ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze“, so Mascher.

Die Armutsgefährdung wird sich künftig eher noch verschärfen, denn die Neurenten erreichen in Bayern kaum noch die Armutsschwelle, die in Bayern derzeit bei 1025 Euro pro Monat liegt – viele Neurenten liegen unter dieser Schwelle, ablesbar auch an den Zahlen der Deutschen Rentenversicherung. Die durchschnittliche Altersrente bei Männer liegt nur knapp über dieser Schwelle, bei Frauen liegt der Durchschnitt eklatant darunter.

Durchschnittliche Renten von Bestandsrentnern in Bayern 2015

RegierungsbezirkRenten gesamtRenten wegen Erwerbsminderung Renten wegen Alters Renten wegen Todes   
MännerFrauenMännerFrauenGesamtWitwenWitwerWaisen
Oberbayern779.89774.39740.741094.16653.65546.23608.68290.8170.06
Niederbayern689.63800.56732.771020.83527.02497.8550.74263.24174.15
Oberpfalz692.79778.65722.431029.64534.24512.15568.28263.57172.81
Oberfranken735.15774.48747.91052.78628.26520.99575.18301.96175.31
Mittelfranken767.91754.28728.781101.13647.22543.38606.12296.38170.2
Unterfranken738.22791.5724.351104.56552.86540.98602.18266.34174.49
Schwaben743.12767.57734.791078.26599.08529.04591.62277.19170.79
Bayern gesamt747.95776.56734.31078.12610.41532.11592.03283.39171.82

Quelle: VdK/Deutsche Rentenversicherung

Durchschnittliche Renten von Neurentnern in Bayern 2015

RegierungsbezirkRenten gesamtRenten wegen Erwerbsminderung Renten wegen Alters Renten wegen Todes   
MännerFrauenMännerFrauenGesamtWitwenWitwerWaisen
Oberbayern729.51742.39681.521029.41657.39482.51619.02275.91167.29
Niederbayern673.97758.65650.441031.63526.19447.63569.89229.58176.17
Oberpfalz691.32756.46649.691066.65553.06453.57575.26236.28174.96
Oberfranken710.22746673.921054.54630.46459.28585.57273.4173.51
Mittelfranken729.62737.03654.891066.555654.22478.44615.35281.68167.05
Unterfranken724.94776.52644.761101.55585.4480.27619.21239.3172.38
Schwaben707.15747.38667.221032.31596.67469.12604.01253.05169.63
Bayern gesamt714.87750.66663.951048.88615.59471.14603.81260.96170.32

Quelle: VdK/Deutsche Rentenversicherung

Mütterrente muss besser werden

Die VdK-Präsidentin stößt die Kritik der Wirtschaft sauer auf, die sich über „zu viele Rentengeschenke“ beklagt. Gemeint ist die Mütterrente – der VdK hat erreicht, dass die Kindererziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder von einem auf zwei Jahre pro Kind aufgestockt wurden. Der VdK will aber die Gleichstellung – und fordert die Aufstockung auf drei Jahre pro Kind, wie es für Kinder, die nach 1992 geboren wurden mittlerweile selbstverständlich ist. Damit nicht genug, Frauen, die Grundsicherung beziehen, wird die dank Kindererziehungszeiten höhere Rente mit der Grundsicherung verrechnet. Der VdK fordert deswegen einen Freibetrag von 200 Euro. Mascher meint, „Kinder groß gezogen zu haben, darf nicht weniger wert sein, als über einen Versicherungskonzern eine private Altersvorsorge abgeschlossen zu haben“. Der VdK kennt viele Beispiele von Frauen, die auf diese 200 Euro dringend angewiesen wären.

Mehr Geld für Erwerbsgeminderte

Mütterrente ist nicht der einzige Stein des Anstoßes: Der VdK fordert von der Politik die Abschaffung der Rentenabschläge für Erwerbsminderungsrentner, die eben wegen diesen Abschlägen von 10,8 Prozent in hohem Maß armutsgefährdet seien.

Leider ist auch die vermeintliche Verbesserung durch das Pflegegesetz eher eine Verschlechterung. Der VdK sieht viele Verlierer. Es könne nicht sein, dass Pflegebedürftige Anspruch nur auf dem Papier hätten. Bayern habe besonders hohe Hürden aufgebaut bei der Auswahl eines Pflegedienst-Anbieters, die viele einfach nicht erfüllen können. Von Flächendeckung für die konkrete Entlastung im Alltag könne keine Rede sein – „und wenn überhaupt vorhanden, sind die Anbieter oft auf Monate ausgebucht“. Ambulante Dienste seien oft so teuer, „dass oft nicht mehr als drei, vier Stunden pro Monat dafür herausspringen“. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen fühlen sich nach Meinung Maschers oft verschaukelt, weil sie zwar Pflegestufe eins anerkannt bekommen haben, aber die Leistungen nirgends abrufen können.

Desaster bei Kurzzeitpflege

Besonders viel im Argen liege bei der Kurzzeitpflege. Kurzzeitpflege, so viel zur Erklärung, ist dafür gedacht, dass pflegende Angehörige auch einmal Urlaub machen können. Aber dafür müsste Plätze geben. „Tatsächlich finden Betroffene in Bayern aber kaum solche Angebote, die Zahl der Kurzzeitpflegesätze sinkt sogar mehr und mehr“, prangert Mascher an. So seien im März 2012 in 205 bayerischen Heimen 966 feste Kurzzeitpflegeplätze angeboten worden, im März 2017 seien es nur noch 796 Plätze gewesen. Allein das sagt schon viel über den desolaten Zustand in Bayern aus.

Soziale Spaltung stoppen

Der VdK lässt die Muskeln spielen mit seiner Aktion „soziale Spaltung stoppen“. Was durchaus verständlich ist, hat er doch nach eigenen Angaben allein im Juli 2017 immerhin 4226 neue Mitglieder gezählt – „ein Rekord“, so der VdK-Landesvorsitzende in Bayern Michael Pausder. Insgesamt habe der VdK in Bayern 665 000 Mitglieder. Und „VdK-Mitglieder werden immer kämpferischer und aktiver“. Bei den sieben bayerischen VdK-Großveranstaltungen im Juli 2017 seien die Hallen mit 600 bis 700 Besucher überall „rappelvoll“ gewesen.

Wie gut kennt ihr euch bei Rente und Altersvorsorge aus?

Renten-Quiz

Das Thema Rente geht Junge und Alte an, denn die Noch-Beitragszahler werden irgendwann selbst Rentenempfänger. Was weißt du über Rente, Demographie, Altern und Ruhestand?

Bestenliste: Renten-Quiz

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Warum die Rentenlücke zwischen Frau und Mann so groß ist

Es vergeht im derzeitigen Wahlkampf kaum ein Tag, an dem in den Medien nichts über die Renten, deren Sicherung und etwaige Wahlversprechen zu lesen ist. Jetzt sind durch Nachfrage der Grünen-Bundestagsfraktion neue Zahlen zur Rentenlücke zwischen Männern und Frauen bekannt geworden. Demnach klafft immer noch eine große Lücke zwischen dem Einkommen von Männern und Frauen. Warum ist die Rentenlücke so groß? Wie kommt es dazu und wie verläuft die Entwicklung?

Rentenlücke bei 53 Prozent

Die gute Nachricht vorweg –  die Rentenkluft zwischen Männern und Frauen wird kleiner. Allerdings nur in winzigen Schritten. Deutschlandweit hat sich die Differenz bei der Altersvorsorge zwischen Männern und Frauen von 2010 bis 2015 um lediglich vier Prozent verringert. Das heißt, die Lücke hat sich jährlich nur um 0,8 Prozent seit 1995 geschlossen. Diese Daten stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion, erklärt Spiegel Online. Danach haben Frauen nur 47 Prozent der Bezüge von Männern zur Verfügung. Das heißt im Umkehrschluss, die Lücke in Deutschland beträgt noch immer 53 Prozent. In den alten Bundesländern gibt es sogar einen sogenannten „Gender Pension Gap“ (Geschlechter-Renten-Lücke) von 58 Prozent. Wesentlich geringer fällt sie in den östlichen Bundesländern aus: Hier gehen die Renten zwischen Männern und Frauen „nur“ um 28 Prozent auseinander. Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, rechnet gegenüber Spiegel Online vor, dass es „bei jetzigem Tempo noch bis etwa 2080“ dauert, „bis die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern geschlossen ist“. FOCUS-Online hat genau hinterfragt, wo Rentner am meisten bekommen und wo am wenigsten.

Gründe für die Rentenlücke

Mehrere Faktoren sind die Ursache für diese Kluft und die nur allmähliche Verbesserung: Da unser Rentensystem auf jährlichen Einzahlungen in die Rentenkasse beruht, spielen Faktoren wie die Erwerbsbeteiligung, die Teilzeitquote oder Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit – etwa durch die Kinderbetreuung – eine maßgeblich Rolle für die Berechnung der Bezüge. Natürlich ist auch die Höhe des Gehalts ein entscheidender Faktor: Denn die Grundlage für die Berechnung sind Entgeltpunkte, die sich aus den „beitragspflichtigen Jahresverdiensten“ ergeben, erklärt dieser Ratgeber zur jährlichen Renteninformation. Darüber hinaus sind die Gehälter nach wie vor ungleich verteilt: Der Bruttostundenlohn von Frauen ist durchschnittlich noch immer um 21 Prozent niedriger als der von Männern. Zudem übernehmen Frauen häufiger die Kinderbetreuung und die Altenpflege: So investieren sie im Schnitt 52,4 Prozent mehr unentgeltliche Pflegearbeit für die Betreuung von Angehörigen als Männer. Die Zahlen zeigen, dass die Politik in Deutschland auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch eine sozialpolitische Großbaustelle zu betreuen hat.

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Rente oder Beamtenpension? Fakten, Vorurteile, Modellrechnung

Um Rente und Beamtenpension ranken sich einige Mythen. Wie steht es um die Fakten in punkto Beamtenpension und Rente? Wie sehr unterscheiden sich Renten und Beamtenpension in Art und Höhe? Es wird Zeit, das Thema öffentlich zu diskutieren, da die Beamtenpension ja vom Steuerzahler beglichen werden müssen.

Welche Dimension die Zahlungen angenommen hat, verdeutlicht die Vermögensrechnung des Bundes für 2016. Dem „Handelsblatt“ zufolge sind die Pensionslasten des Bundes im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Die zu erwartenden Kosten für Pensionsleistungen und Beihilfen der heute aktiven Beamten belaufen sich mittlerweile auf annähernd 647 Milliarden Euro – das sind rund 63 Milliarden Euro mehr als zu Beginn des Jahres 2016, wie aus der aktuellen Vermögensrechnung des Bundes hervorgeht. Allein die Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen des Bundes belaufen sich insgesamt auf annähernd 478 Milliarden Euro, ein Plus von rund 42,1 Milliarden Euro.

Pensionslasten steigen deutlich

 4237042735Zuwachs
Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen*58397064698063010
Rückstellungen für Pensionsleistungen43585047796042110
für ehemalige Bahnbeamte66390685202130
für ehemalige Postbeamte15937017101011640
Rückstellungen für Beihilfeleistungen14812016902020900
für ehemalige Bahnbeamte25930278301900
für ehemalige Postbeamte58140647706630
*in Millionen Euro

So richtig traut sich niemand an das Thema, dabei sind die Ungleichheiten eklatant, leider zuungunsten der Rentner. Der Bund der Steuerzahler prangert die Ungleichheit schon seit mehr als zehn Jahren an – passiert ist seit dem nichts. Fakt ist, dass bis 2050 eine Kostenlawine von knapp 1,4 Billionen Euro auf die deutschen Steuerzahler zurollt, so der Bund der Steuerzahler. Denn, zu den Bundesbeamten kommen ja noch die Landes- und Kommunalbeamten.

Große Unterschiede zwischen Rentnern und Pensionären

Übrigens, wer wissen will, was Pension und Rente unterscheidet, ist am besten auf der Seite „aktive Rentner“ aufgehoben, die den Unterschied detailliert erklären. Bislang ist das Thema immer wieder versandet und ploppt nur gelegentlich wieder auf. Der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg warnt in der „Wirtschaftswoche“ von einer tickenden Zeitbombe. Insgesamt habe der Staat, so die „Wirtschaftswoche“ „versteckte Schulden in einem Ausmaß von mehr als einer Billion Euro, die wir als Lasten zu schultern haben, ohne dass wir dafür eine Rückstellung gebildet haben“. Vor allem Rentner und Rentenbeitragszahler tragen die demografischen Lasten, von den Beamten ist nichts zu hören. „Und das ist eine schreiende Ungerechtigkeit“, so Raffelhüschen. Wenn es Zumutungen gebe, dann müsse es sie für alle geben.

Vor mittlerweile sechs Jahren hat der Beamtenbund seine Broschüre „Die 7 Irrtümer zur Beamtenversorgung – Fakten statt Vorurteile“ herausgebracht. Ziel des Beamtenbunds war es, der „Neiddiskussion“ entgegenzutreten. Die Ungleichheiten sind seit dem allerdings eher größer als kleiner geworden, da das Rentenniveau weiter sank – und weiter sinken wird. An das Thema wagte sich bislang niemand so richtig ran. Erst am 20. Januar 2017 veröffentlichte „Bild“ einen detaillierten Vergleich zwischen Pension und Rente. Danach bekommt ein Bundesbeamter im Schnitt eine Pension von 2940 Euro, die Durchschnittsrente von Männern im Westen liegt bei 1079 Euro im Monat, im Osten bei 1181 Euro.

Die Argumente der Beamten

Wie sieht es aus mit der Ungleichheit zwischen Renten und Beamtenpensionen? Das hat nichts mit Neid zu tun, wie Beamte sofort unterstellen, sondern damit, dass es hierzulande eine deutliche Schieflage gibt zwischen Pensionen und Renten, die von allen Steuerzahlern finanziert werden muss. Max Schindlbeck, stellvertretender Vorsitzender der DBB Bundesseniorenvertretung hat im Juni 2014 hat in einem Beitrag in „AiR – Aktiv im Ruhestand“, dem  Magazin des dbb für Ruhestandsbeamte, Rentner und Hinterbliebene auf eine Modellrechnung des  baden-württembergischen Finanzministeriums verwiesen. Danach komme ein Meister aus der freien Wirtschaft nach 47 Berufsjahren auf 1676 Euro gesetzliche Rente, ein mit ihm vergleichbarer Eichbeamter erhalte 1830 Euro.

Schindlbeck verweist weiter darauf, dass „Pensionäre ihre Bezüge versteuern, die gesetzliche Rente ist für die große Mehrheit ihrer Bezieher weiterhin steuerfrei“. Und dann kommt das Argument, Pensionäre hätten in der Regel neben ihrer Pension keine weiteren Alterseinkünfte. Viele Rentner jedoch bezögen über die gesetzliche Rente hinaus noch Betriebsrenten. Ein Vergleich, dem nur der Betrag zugrunde liegt, den der Rentner von der Deutschen Rentenversicherung beziehe, sei also unvollständig. Dann verweist Schindlbeck darauf, dass zwei von drei Beamten im gehobenen und höheren Dienst seien, das heißt, sie haben mindestens einen Fachhochschulabschluss.

Soweit Schindlbecks Argumente. Übrigens bringt die Broschüre des Deutschen Beamtenbunds die gleichen Argumente ins Spiel. Dabei leben die Beamten „auf Wolke sieben“, wie es FOCUS Online formuliert und vorrechnet.

Was Pensionären so bekommen – das Gros liegt über 2000 Euro

Verteilung nach Pensionsklassen 
Höhe der Pension in EuroAnteil der Pensionäre in Prozent
weniger als 18008.8
1800 bis 200010.9
2200 bis 260029.3
2600 bis 300015.6
3000 bis 340010.5
3400 bis 38007.6
3800 bis 42005.6
4200 bis 46004.9
4600 bis 50002.5
mehr als 50004.3
100

Quelle: Versorgungsbericht des Bundesministeriums des Innern

Ich meine, diese Argumente in punkto Pensionen und Renten sind nicht stichhaltig Dazu muss ich allerdings weiter ausholen – und werde es auch. Es gibt Vergleichsrechner, Beispiele und andere Hilfsmittel.

Der Vergleich:

  1. Angestellter

Habe mir im Dezember 2014 eine Kurzauskunft bei der Deutschen Rentenversicherung geben lassen. Nach 42 Versicherungsjahren, in denen auch Pflichtbeitragszeiten als Wehrdienstleistender und ein Monat Arbeitslosigkeit dabei sind, bekomme ich bei meinem Ausscheiden mit 63 Jahren annähernd 1900 Euro Rente. Wenn ich bis zur Regelaltersgrenze weiter arbeiten würde, wären es 2248,80 Euro. Regelaltersgrenze bedeutet in der Rentenversicherung für alle des Geburtenjahrgangs 1954 genau 65 Jahre plus acht Monate. Von den knapp 1900 Euro gehen die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung weg – das sind etwa 198 Euro. Das heißt, unterm Strich bleiben knapp 1700 Euro netto. Sorry, da kommt ja noch die Steuer: Abhängig vom Jahr des Renteneintritts ist ein Teil der Rente zu besteuern. Der Freibetrag liegt bei 8004 Euro für Singles und 16 007 Euro für Verheiratete. Bei einem Renteneintritt 2017 müsste ich 72 Prozent meiner Rente versteuern. Übrigens, die Rente mit 63 ist für alle mit Studium eine Utopie, weil sie nie die nötigen 45 Beitragsjahre zusammenbekommen. Langer Rede, kurzer Sinn: nach 42 Beitragsjahren beträgt die Rente 1900 Euro.  

Soweit die Nabelschau, jetzt zur Pension eines vergleichbaren Beamten mit ähnlicher Ausbildung und ähnlichem Versicherungsverlauf.

  1. Beamter

Ein Wirtschaftsingenieur steigt in den gehobenen Dienst ein und darf berechtigt hoffen, nach A 11 besoldet zu werden, wie das im Beamtendeutsch heißt. Wer sich schlau machen will, was der Bund so anbietet, schaut am besten auf der Seite bund.de vorbei. Ok, zurück zum Vergleich. Wäre ich 1980 zum Start nach dem Studium statt in die private Wirtschaft zum Staat gegangen, wäre meine Leben sicher anders verlaufen. Was dürfte ich jetzt zu Beginn meiner Pension erwarten?

Dank Internet kann das jeder ausrechnen – auf der Seite vdata.de.

Ok, bei meinen Daten:

  • Jahrgang 1954, Geschlecht männlich, verheiratet
  • Vier Kinder
  • West
  • Berufseinstieg 1980
  • Besoldungsordung: A
  • Besoldungsgruppe: 11
  • Besoldungsstufe: 5

Es ergäbe sich ein Altersruhegehalt mit 63 Jahren von: 2182 Euro. 

Unterschied zwischen Rente und Pension. 2182 minus 1900 = 282 Euro.

Das letzte Bruttogehalt eines Beamten läge mit 63 Jahren bei 3543 Euro. Da Beamte weder Arbeitslosen-, noch Rentenversicherung zahlen müssen, ist das Nettogehalt bei annähernd 3000 Euro. Angestellt, die ja sowohl Kranken-, Arbeitslosen-, Pflege- und Rentenversicherung zahlen müssen, kommen in der Privatwirtschaft kaum drüber. Um mit 3000 Euro netto nach Hause zu gehen, muss ein Angestellter in der Privatwirtschaft mittlerweile weit mehr als 6000 Euro brutto verdienen. Übrigens bekommen Pensionäre auch noch Weihnachtsgeld, anders als Rentner, so steht es zumindest in der Besoldungstabelle.

Anders als Beamte können Angestellte in der freien Wirtschaft meist keine durchgängige Erwerbsbiographie vorweisen. Mal ehrlich, in welcher Branche gibt es das heute noch: Bei den Medien sicher nicht, in der Gastronomie – ih wo, in der Finanzbranche schon lange nicht mehr, im Handel, von wegen, in der Automobilbranche – vielleicht,  in der Logistikbranche – schön wär’s. Also gehen Beschäftigten in der Privatwirtschaft auch noch Monate oder sogar Jahre ab, in denen sie nichts oder deutlich weniger verdient haben. Anders als Beamte, die eine durchgängige Erwerbsbiografie vorweisen können. Gut, sie müssen sich nach dem Dienstherrn richten und vielleicht auch mal eine Versetzung einkalkulieren – aber, wer in der freien Wirtschaft muss das nicht. Ich habe den Arbeitgeber mehrmals gewechselt – und auch den Einsatzort.

Soweit die übergeordnete Situation.


Und jetzt zu den „Die 7 Irrtümer zur Beamtenversorgung – Fakten statt Vorurteile“:

Der Beamtenbund hat sich von dem Finanzmathematiker Werner Siepe mal eine Studie zusammenstellen lassen, um die Vorwürfe zu entkräften, dass es Beamten im Ruhestand besser geht als Angestellten. Herr Siepe vergleicht öffentlich Angestellte mit Beamten, was allein schon unzulässig ist. Beamten kommen auf einen Pensionssatz nach 40 Dienstjahren von 72,2 bis 72,6 Prozent. Davon können Angestellte in der Privatwirtschaft nur träumen. So viel schon mal die Ausgangsbasis.

Aber gehen wir gleich zum Wesentlichen:

  1. Die Pension ist doppelt und dreifach so hoch wie die Rente

Da hat Siepe wohl recht. Es ist notwendig, den einzelnen Fall zu betrachten, wie ich es auch oben getan habe. Bei einem solchen „fairen“ Vergleich schmilzt das finanzielle Plus auf – 13 Prozent.  Wie gesagt, mit viel Glück. Wer in der „falschen“ Branche angefangen hat, muss mit deutlich weniger rechnen.

  1. Durchschnittspension und -rente sind direkt vergleichbar

„Durchschnittliche Pensionen belaufen sich auf 2600 Euro, die gesetzliche Rente bei Durchschnittsverdienern mit 40 oder 45 Beitragsjahren aber nur auf 1088 oder 1224 Euro.“  Siepe schließt, dass in den Bruttopensionen quasi schon eine Betriebsrente enthalten sei. Er glaubt tatsächlich, dass jeder in der privaten Wirtschaft automatisch eine Betriebsrente bekäme. Was für eine rosa Brille. Offensichtlich hat Siepe keine, aber schon überhaupt keine Ahnung, was in der privaten Wirtschaft abläuft! Die wenigsten Betriebe zahlen noch eine Betriebsrente – das war mal. Die Arbeitswelt hat sich in den vergangen 15 bis 20 Jahren dramatisch verändert.

  1. Die Pension beträgt 71,75 oder 75 Prozent des durch­schnittlichen Bruttogehalts der letzten drei Jahre

„Die Pension wird immer aus dem zuletzt erzielten Bruttogehalt (sog. Brutto­endgehalt) berechnet, sofern keine Beförderung in den letzten zwei Jahren erfolgt ist (siehe § 5 Abs. 1 und 5 des Beamtenversorgungsgesetzes 1). Den Durchschnitt aus den Bruttogehältern der letzten drei Jahre als Berechnungs­grundlage hat es in der Beamtenversorgung nie gegeben, sondern nur bei nicht-beamteten Arbeitnehmern des öffentlichen Dienstes bis Ende 2001. Der aktuelle Höchstpensionssatz beträgt je nach Bund, Bundesland oder Kom­mune zwischen 72,2 und 72,6 Prozent des Bruttoendgehalts. Höchstsätze von 75 oder 71,75 Prozent kommen nur in Medienberichten vor, nicht in der Praxis der Pensionsberechnung.“  Übrigens, bis 2001 lag der Pensionssatz noch bei 75 Prozent und wurde dann auf knapp 72 Prozent des letzten Bruttoeinkommens abgesenkt. Weitere Reformen sind nicht vorgesehen. Und anders als Arbeitnehmer zahlen Beamte keine Beiträge. Ihre Pensionen sind steuerfinanziert.Arme, arme Pensionäre. Rentner wären froh, wenn der Höchstrentensatz wenigstens bei 70 Prozent läge. Davon kann keine Rede sein: Er ist von 2005, als er noch bei 52,6 Prozent lag auf mittlerweile 47,8 Prozent gefallen – und wird weiter auf voraussichtlich 44 Prozent im Jahr 2030 fallen. „Das ist keine überraschende Entwicklung, sondern war vorhersehbar und politisch genau so gewollt“, schreibt die Zeit.

Anders die Beamtenpension: Das Pensionsniveau sei eine Zumutung meint Professor Winfried Fuest, Experte für Finanz- und Steuerpolitik am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Er hält das aktuelle Pensionsniveau von 71,75 Prozent für dramatisch zu hoch. „Im Grunde ist das eine Zumutung für den Steuerzahler“, sagt er. Schließlich genössen Beamte daneben eine ganze Reihe zusätzlicher Pensionsprivilegien. So habe ein Beamter bereits nach fünfjähriger Dienstzeit Anspruch auf eine Mindestpension von 1365 Euro; der Standardrentner hingegen brauche 45 Berufsjahre, um auf gerade mal 1224 Euro zu kommen.

  1. Bei Pensionen und Renten fallen keine oder gleich hohe Steuern an

„Pensionen werden im Gegensatz zu gesetzlichen Renten und Betriebsrenten im Prinzip voll besteuert, es gibt lediglich einen steuerlichen Pensionsfreibetrag, der beispielsweise für die Neupensionäre im Jahr 2010 jährlich 3120 Euro aus­macht.“ Soweit die Theorie: Bei Beamten machte der steuerpflichtige Anteil 2010 rund 88 Prozent der Bruttopension aus, bei Rentner „nur“ 60 Prozent.  Das hat sich seitdem geändert: 2017 sind 72 Prozent der Rente zu versteuern. Das Argument der Beamtenfunktionäre fällt in sich zusammen.

  1. Krankenversicherungskosten der Pensionäre werden nicht berücksichtigt

„Beim Vergleich von Pensionen und Renten werden die Beiträge der Pensionäre zur privaten Krankenversicherung und Pflicht-Pflegeversicherung unterschla­gen, da die Berechnung angeblich zu kompliziert sei oder zu stark schwanke. Richtig: Rund 98 Prozent der Pensionäre zahlen Beiträge in die private Krankenversi­cherung (PKV) und die Pflicht-Pflegeversicherung, die insbesondere vom Fami­lienstand, Eintrittsalter und Gesundheitszustand abhängen. Im Durchschnitt muss der Pensionär mit monatlichen Beiträgen in Höhe von rund 180 Euro (alleinstehend) bzw. 360 Euro (verheiratet) rechnen, sofern er 40 Jahre Beamter und seit dem Eintritt in das Beamtenverhältnis bei einer privaten Krankenkasse versichert war.“ Meiner jüngsten Rentenauskunft zufolge muss ich 198 Euro für Kranken- und Rentenversicherung zahlen. Dagegen kommen Beamte auch nicht schlechter weg. Übrigens brandet die Diskussion wieder auf, Beamte in die gesetzliche Krankenversicherung zu integrieren. „Beamten-Bonus abschaffen: Wie Deutschland 60 Milliarden Euro sparen könnte“, schreibt FOCUS Online. „Eine gesetzliche Krankenversicherungspflicht für Beamte würde laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung die Haushalte von Bund und Ländern in Milliardenhöhe entlasten; die öffentlichen Haushalte könnten dadurch bis 2030 mehr als 60 Milliarden Euro sparen, ergab die am Dienstag von der Stiftung vorgelegte Untersuchung“, so FOCUS Online. Momentan seien demnach 85 Prozent der deutschen Beamten privat versichert. Bund und Länder zahlen dafür eine steuerfinanzierte Beihilfe – Der Bund gab im Jahr 2014 laut Bertelsmann-Stiftung 4,5 Milliarden Euro für Beamtenbeihilfe aus, in den Ländern lagen die Ausgaben bei 7,4 Milliarden Euro. Und die Ausgaben werden weiter steigen: die des Bundes bis 2030 auf 6,6 Milliarden und diejenigen der Länder auf 13,6 Milliarden Euro.

  1. Keine wirkungsgleiche Übertragung der Rentenreformen auf die Beamtenversorgung

„Das Niveau der gesetzlichen Rente sinkt laufend durch die Rentenreformen, während das Pensionsniveau gleich hoch bleibt. Die Absenkung des Rentenni­veaus wird nicht wirkungsgleich auf die Beamtenversorgung übertragen. Richtig: Das Pensionsniveau sinkt ab dem Jahr 2003 in acht Stufen von maximal 75 % auf 71,75 % des Bruttoendgehalts. Alle Bundesregierungen haben erklärt, dass sie auch künftig die Absenkung des Rentenniveaus wirkungsgleich und systemgerecht auf die Beamtenversorgung übertragen wollen.“ Für Rentenversicherte klingt das wie Hohn, wenn sie auf das Rentenniveau schauen und es mit dem Pensionsniveau vergleichen. Ein regelrechter Schlag ins Gesicht ist die Aussage von Olaf Scholz, Ex-Minister für Arbeit und Soziales: „Die rentenrechtliche Regelung ist dabei wirkungs­gleich übertragen worden, indem die Berücksich­tigung von Hochschulzeiten als ruhegehaltfähige Dienstzeit verringert wurde“. In der Rentenversicherung zählt die Hochschulausbildung überhaupt nicht, wie ich meinen  Versicherungsverlauf entnehme.

  1. Die Pensionsausgaben steigen explosionsartig bis zum Jahr 2050

„Die Pensionsausgaben steigen explosionsartig von 42 Mrd. Euro in 2010 auf 150 Mrd. Euro im Jahr 2050, also um mehr als das Dreifache. Nach neueren Berechnungen sollen die Pensionsansprüche über die gesamte Pensionsbezugs­zeit im Jahr 2050 rund eine Billion Euro ausmachen. Richtig ist, dass die künftigen Pensionsausgaben allein durch die zunehmende Anzahl von Pensionären um geschätzte 60 Prozent steigen werden („Mengen­effekt“). Es ist aber falsch, bei der Hochrechnung auf das Jahr 2050 ein gleich­bleibendes Pensionsniveau sowie eine sehr hohe jährliche Gehaltssteigerung von 3 Prozent zu unterstellen („Preiseffekt“). Wenn man von einer realistischen Gehaltssteigerung in Höhe von durchschnittlich 1,5 Prozent pro Jahr ausgeht, sinken die Pensionsausgaben im Jahr 2050 laut Drittem Versorgungsbericht der Bundesregierung von 2005 bereits auf 82 Mrd. Euro.“ Soweit die Sicht des Beamtenbunds. Der Steuerzahlerbund sieht das ganz anders. Danach rollt allein auf Baden-Württemberg eine Pensionslawine zu. Das Land müsse 192 Milliarden Euro zurücklegen, um alle bis zum Jahr 2050 zugesagten Versorgungsleistungen für Beamte erfüllen zu können. Das ist eine tickende Zeitbombe. Deutschland hat 16 Bundesländer – insofern erscheint die Zahl von einer Billion Euro durchaus plausibel.

 

Der CDU-Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann fordert eine grundsätzliche Diskussion über die Alterssicherung in Deutschland. „Wir brauchen in der nächsten Wahlperiode eine Rentenkommission, die grundlegende Fragen klärt“, sagt er dem „FOCUS“ . Es gehe um „eine Diskussion ohne Tabus“.  Dabei nimmt Linnemann auch die künftige Absicherung von Staatsdienern in den Blick. Steigende Verpflichtungen für Beamtenpensionen sieht der CDU-Politiker langfristig als Problem: „Es muss dringend auch die Frage besprochen werden, wer in Zukunft verbeamtet werden kann“, drängt Linnemann. „Denn offensichtlich werden zu wenig Rückstellungen für künftige Pensionen gebildet.“ Der promovierte Volkswirt empfiehlt, „künftig nur noch diejenigen zu verbeamten, die hoheitliche Aufgaben wahrnehmen“. Linnemann ist Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung von CDU und CSU und gehört dem Vorstand der CDU an.

Wie viele Pensionäre gibt es in Deutschland?

Pensionäre in Deutschland 2015

Bund gesamt448490
Bund133410
Bund, darunter Beamte, Richter63235
Bund, darunter Berufssoldaten70175
Bundesbereich, darunter Bundeseisenbahn*97915
Bundesbereich, darunter Post*211745
Bundesbereich, darunter rechtlich selbständige Einrichtungen**5420
Länder655215
Lander, Schuldienst366760
Länder, Vollzugsdienst114495
Länder, übrige Bereiche173960
Kommunen84745
Sozialversicherung*16505
Gesamt2442070
* Einschließlich Versorgungsempfänger/-empfängerinnen nach dem Gesetz zu Art. 131 Kap. II des Grundgesetzes. Post: Deutsche Post AG, Deutsche Telekom AG, Postbank AG. Rechtlich selbständige Einrichtungen: einschließlich Bundesagentur für Arbeit ** Ohne Forschungseinrichtungen.

Stand: 1. Januar 2015. Quelle: Statistisches Bundesamt

Unsere Beamten: Treue Diener – teure Diener? – eine Doku von „Phoenix“ vom 11.12.2013

https://www.youtube.com/watch?v=7ZShu8BthZY

Weiterführende Links:


News rund ums Thema Beamtenpension:

"So ungleich geht es zwischen Pension und Rente zu" laut "Bild" Foto: vorunruhestand+++ 20. Januar 2017: Der „Bild-Vergleich: Rente oder Pension – so groß sind die Unterschiede wirklich!“. Bundesbeamte bekommen laut „Bild“ im Schnitt 68,1 Prozent des letzten Gehalts als Pension. Damit liege das Versorgungsniveau der Staatsdiener 20 Prozentpunkte höher als das der Rentner. „Bild“ stellt einen Vergleich an zwischen Rente und Pension. Die Durchschnittspension eines Bundesbeamten liegt laut „Bild“ bei 2940 Euro, die Rente für Männer liegt danach im Westen im Schnitt bei 1079 Euro, im Osten bei 1181 Euro.

 

 

 

„So ungleich geht es zwischen Pension und Rente zu“ laut „Bild“ Foto: vorunruhestand+++ 1. November 2016: Die bestbezahlten Politrentner in Deutschland sind „FOCUS Online“ zufolge ehemalige Minister aus Nordrhein-Westfalen. Im Schnitt bekommen sie mehr als 7600 Euro monatlich. Damit liegen ihre Pensionen sogar deutlich höher als die von früheren Bundesministern. Diese bekommen „nur“ 4600 Euro. Auch in vielen anderen Bundesländern kassieren frühere Kabinettsmitglieder mehr als ihre Kollegen im Bund. In Hamburg sind es im Schnitt 6800 Euro, in Baden-Württemberg 6700 Euro. Dies geht aus dem Alterssicherungsbericht 2016 hervor. Insgesamt bekommen die 3907 Ex-Abgeordneten aller Parlamente sowie ihre Hinterbliebenen jedes Jahr 130,5 Millionen Euro überwiesen. Den größten Teil davon machen rund 50 Millionen Euro für die ehemaligen Bundestagsabgeordneten und deren hinterbliebene Ehepartner aus. Das Bundesarbeitsministerium rechtfertigt die hohen Bezüge von ehemaligen Regierungmitgliedern in seinem Bericht damit, dass diese keine anderen bezahlten Ämter oder Berufe ausüben könnten. Dadurch solle ihre Unabhängigkeit sichergestellt werden. Der Bund der Steuerzahler kritisiert die hohe Belastung für die öffentlichen Haushalte.

+++ 18. Oktober 2016: Beamtenpensionen sind teuer. Daher baut die Regierung seit dem Jahr 2007 einen Vorsorgefonds auf. Ein wichtiges Ziel dieses Fonds gibt sie nun jedoch auf. Auch die Bundesregierung als Dienstherr von mehr als 300 000 Bundesbeamten bekommt damit ein Problem: Ihr seit zehn Jahren bestehender Kapitalstock für künftige Pensionen verzinst sich nicht mehr wie erhofft.

+++ 12. Oktober 2016: Die Zahl der hessischen Beamten und Richter im Ruhestand ist im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent auf 66 580 gestiegen, meldet FOCUS-Online und beruft sich auf Zahlen des Statistischen Landesamts in Wiesbaden. Mehr als die Hälfte der Beamten im Ruhestand (rund 64 Prozent) seien zuvor als Lehrer tätig gewesen. 30,1 Prozent der Beamten und Richter gingen in Pension, weil sie die gesetzlich festgesetzte Altersgrenze erreicht hätten. Insgesamt erhielten zu Beginn des Jahres 85 050 Personen Versorgungsbezüge. Dazu zählen neben den Pensionären auch Empfänger von Witwen- beziehungsweise Witwergeld sowie Waisengeld.

+++ 14. September 2016: Das Wirtschaftsmagazin „plusminus“ der ARD brachte am 14. September eine Sendung über Wahl-Beamte und ihre Pension. Die Fakten sind haarsträubend. „Um monatlich 2.400 Euro Rente zu bekommen, muss ein Durchschnittsverdiener im Westen 79 Jahre arbeiten, im Osten sogar 84 Jahre. Dann ist er gut und gerne 100 Jahre alt – das ist natürlich unmöglich! Ganz unmöglich ist es trotzdem nicht. Es geht sogar viel schneller. Wir erklären, wie Sie diese 2.400 Euro Rente schon nach sechs Jahren Arbeit bekommen und zwar sofort und ganz ohne in die Rentenkasse eingezahlt zu haben. Carsten Meyer bekommt diese Pension schon seit seinem 40. Lebensjahr, komplett finanziert aus Steuergeldern. Er bekommt sie nicht nur, er hat sogar Anspruch darauf, denn er hat in Weimar sechs Jahre lang als Baubürgermeister gearbeitet. Damit hat er selbst ein Problem: „Ich finde es absurd und moralisch schwierig, dass man bereits mit 40 eine Pension bekommt, ob man will oder nicht. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Ich habe mal nachgefragt, man kann sie nicht ablehnen. Allein sein Ruhegehalt wird den Steuerzahler bis zum eigentlichen Rentenalter von 67 Jahren knapp 800.000 Euro kosten.“

+++ 30. August 2016: Davon können viele Rentner nur träumen: Wenn die Beamten des Bundes rückwirkend zum 1. März 2,2 Prozent und ab Februar 2017 noch einmal 2,35 Prozent mehr Gehalt bekommen, wie es ein Gesetzesentwurf von Bundesinnenminister Thomas de Maizière vorsieht, dann steigt die Mindestpension eines Bundesbeamten auf 1660 Euro! 94 Prozent aller Rentenbezieher bekommen weniger! – Quelle: http://www.express.de/24660158  +++

+++ 25. August 2016: Pensionsfonds kämpft mit Niedrigzinsen – Geld sparen lohnt sich derzeit nicht, denn es gibt keine Zinsen. Dem Staat geht das nicht anders. Ein Problem ist das zum Beispiel bei den Pensionsfonds. Darin legen die Bundesländer Geld an, um daraus später die Pensionen der Beamten zu bezahlen. Die Rendite soll den Steuerzahler zukünftig entlasten. Die ist aber in vielen Bundesländern auf weniger als ein Prozent geschrumpft, hat eine Umfrage der „Süddeutschen Zeitung“ ergeben. So auch in Sachsen-Anhalt. +++

+++ 16. August 2016: Wegen des Skandals um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen sieht sich VW mit zahlreichen Klagen von Anteilseignern konfrontiert, deren VW-Aktien drastisch an Wert verloren. Als erstes deutsches Bundesland hatte Bayern vor rund zwei Wochen angekündigt, wegen Verlusten bei einem Pensionsfonds für Beamte vor Gericht zu ziehen. Dabei geht es um maximal 700 000 Euro. +++

+++ 15. August 2016: Die langfristigen Kosten der Pensionen für EU-Beamte sind einem Bericht zufolge drastisch gestiegen. Von Ende 2014 bis Ende 2015 seien die Verbindlichkeiten um 8,9 Prozent angewachsen und summierten sich damit auf insgesamt 63,8 Milliarden Euro, so die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Zahlen der EU-Kommission. 2011 hatten sie noch bei 34,8 Milliarden Euro und damit etwa halb so hoch gelegen wie nun. Von den Ende 2015 festgestellten Kosten entfallen laut „Bild“ 7,4 Milliarden Euro allein auf die Gesundheitsversorgung. Weitere 1,5 Milliarden Euro kosteten die Pensionen der EU-Führungsspitze. Die EU-Kommission führt den Anstieg der Pensionsverpflichtungen auf die niedrigen Zinssätze zurück. Deshalb müssten die Langfrist-Berechnungen angepasst werden. +++

 

 


Hubert Joachim aus Bobingen hat auf einen Leserbrieg in der „Schwabmünchener-Allgemeinen“ eine Ausarbeitung von einem Pensionär erhalten – hier die Zeilen des Pensionärs:

„Die Beamten zahlen für ihre Pension nichts ein. Die Pension der Beamten wird aus der Staatskasse bezahlt. Die Beamten sind mit ihrer Pension besser gestellt als Rentner. Dieses oder ähnliches liest oder hört man immer wieder. In den Medien wird immer wieder auf die scheinbar unverdienten Pensionen der Beamten verwiesen. Die Beamten würden keine Beiträge für ihre Altersversorgung leisten, heißt es. Es zeigt, daß die Zusammenhänge über das Zustandkommen des Ruhegehaltes eines Beamten verloren gegangen sind.
Es ist richtig, der Beamte leistet in dem Sinne keinen Beitrag, sondern es werden Gehaltsteile einbehalten, die leider nicht förmlich ausgewiesen werden. Es ist in Vergessenheit geraten, daß dieser Umstand bei der Schaffung des Bundesbeamtengesetzes 1951 berücksichtigt wurde. Der Dienstherr schuldet den Beamten nach den Grundsätzen des Berufsbeamtentum in der aktiven Zeit und im Ruhestand eine angemessene Besoldung. Diese Alimentation wird durch eine eigenständige Beamtenbesoldung und Versorgung gewährleistet. Sie ist der Grund, daß die Beamten nicht in die gesetzlichen Versicherungssysteme einbezogen sind.
Die in der amtlichen Begründung des Entwurfs des Bundesbeamtengesetzes von 1951 enthaltene Aussage lautet: „Die Höhe der Besoldung ist mit Rücksicht auf die Versorgung niedrig gehalten“. Nach zu lesen ist dies in der Bundestagsdrucksache 2846, Seite 35, vom 19. November 1951. Die amtliche Begründung wurde in damaliger Zeit vom Bundesfinanzministerium, welches federführend war, in folgender Art präzisiert. Bei der Besoldungsfestsetzung wurde entsprechend dem zu Grunde gelegten Eckmannvergleich von einem Versorgungsbeitrag von pauschal 7 % ausgegangen. Der Eckmannvergleich stellte einen Bezug zum Sozialversicherungssystem her. Hierdurch wurde ein nachvollziehbarer Ausgangsmaßstab für die Festsetzung der Beamtenbesoldung gebildet. Ein Vergleich wurde folgendermaßen ermöglicht; die Bruttolöhne der Arbeiter wurden um 7 % gekürzt. Diese Kürzung umfaßte die regelmäßigen Abzüge für die Alters- und Arbeitsplatzsicherung. Abzüge dieser Art werden bei Beamten nicht gemacht. ( siehe finanzpolitische Mitteilungen Nr. 222, Seite 1888, vom 26. 11. 1955 ) Mit der Orientierung an dem Eckmannvergleich wurde eine Betrachtungsweise gefunden, die einer Kürzung der Beamtenbesoldung um 7 % gleichkam.
Weiterhin heißt es in den Finanzpolitischen Mitteilungen der Bundesregierung vom 26. 11. 1955, Nr. 222, Seite 1884: „Die Steigerung des Durchschnittslohnes ( in der Wirtschaft ) ist allerdings, von beiden Ausgangspunkten gesehen, wesentlich höher als die der Beamten, Angestellten und Arbeiter im öffentlichen Dienst“.
Durch das Bundesbesoldungsgesetz von 1957 wurden die Beamtenbezüge nochmals um 7 % gekürzt. Mit Rücksicht auf die Altersversorgung heißt es. Es war ein Zusatz vorhanden, der Besagte, daß dieser Anteil vom Staat zur späteren Versorgung der Ruheständler verwendet werden sollte. Der Zusatz wurde natürlich nicht umgesetzt und das Geld nicht für die spätere Versorgung weggelegt.
Mit dem Versorgungsreformgesetz des Bundes vom 9. 7. 1998 wurde eine Versorgungsrücklage des Bundes eingeführt. Die jährlichen Gehaltserhöhungen der Beamten sind ab 1999 um jeweils 0,2 % verringert. Diese Versorgungsrücklage sollte damit finanziert werden. Mit dem Versorgungsänderungsgesetz 2001 wurde das Gesetz von 1998 geändert und führte zu einer Kürzung der Versorgung auf 71,75 % der Bezüge. Mit diesem Gesetz wurde eine Versorgungsrücklage eingeführt, was ja weiterhin ausgesagt, daß das Bundesbesoldungsgesetz von 1957 nicht umgesetzt wurde.
Je beschäftigtem Arbeitnehmer in der Wirtschaft sind seit 1951 die Bruttolohn- und Gehaltssummen wesentlich stärker gestiegen als der vergleichbare Wert für Beamte. Die damaligen Ausführungen der amtlichen Begründung zum Entwurf des Bundesbeamtengesetzes gelten somit auch weiterhin.

– 2 –

Das bisher gesagte über den Vorwegabzug wird durch Urteile, Schreiben und Untersuchungen bestätigt.
Ein Schreiben des Bundesinnenministerium vom Aug. 2000 kommt zu folgender Feststellung: „Im System der Beamtenbesoldung und Versorgung ist seit den fünfziger Jahren eine Eigenbeteiligung der Beamten an ihrer Versorgung vorgesehen. Die Pensionen sind wirtschaftlich gesehen auf einbehaltenen, lediglich nicht förmlich ausgewiesenen Gehaltsbestandteilen aufgebaut. Dies bedeutet, bei der Bemessung der Besoldung der aktiven Beamten ist der spätere Versorgungsanspruch bereits berücksichtigt. Die Festlegung der Besoldung unter Berücksichtigung der späteren Versorgung bewirkt also mittelbar einen Gehaltsverzicht“.

Ähnlich fiel auch ein Urteil des VG – Schleswig, Schl HA 2001, 193, aus. Es lautet: „Auch bisher haben Beamte im Vergleich zu Arbeitnehmern durch ihre von vornherein etwas niedriger bemessenen Bruttobezüge zu ihrer Altersversorgung beigetragen, aber in anderer Weise als die rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer. Bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise sind die Pensionen auf einbehaltenen, nicht förmlich ausgewiesenen Gehaltsbestandteilen aufgebaut, da der Gesetzgeber bei der Bemessung der Besoldung den späteren Versorgungsanspruch bereits Berücksichtigt hat“.
In einer 1996 veröffentlichen Untersuchung bestätigte die Präsidentin des Bundesrechnungshofes, Frau Hedda von Wedel, daß die Angestelltenvergütung stets höher ist als die vergleichbare Beamtenbesoldung
Es gibt Urteile des Bundesverwaltungsgerichts die davon ausgehen, daß der Beamte durch Gehaltsverzicht in der aktiven Dienstzeit einen Beitrag zu seiner Versorgung leistet.

Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil vom 6. 3. 2002, 2 Bvl 17/99, festgestellt: „Statt Beiträge einzubehalten, zahlt der Dienstherr entsprechend geringere Bezüge aus. Wirtschaftlich entscheidend bleibt in beiden Fällen: Der Gegenwert der geleisteten Dienste setzt sich zusammen aus einem Anteil ( aktuell Verfügbarer ) Zahlungen ( abzüglich einbehaltener Lohnsteuer ) und einem Anteil nicht aktuell verfügbarer Versorgungsanwartschaft“…“In Höhe des nicht verfügbaren Anteils der Versorgungsanwartschaft sind beide Vergleichsgruppen (Versorgungsempfänger u. Rentner) während der aktiven Erwerbstätigkeit wirtschaftlich mit den Aufwendungen für den Aufbau eines Versorgungsanspruchs für Alter und Invalidität belastet“.

In der Zeitschrift für Beamtenrecht 1998, Seite 115, hat Prof. Zezschwitz festgestellt, daß die wirkungsgleiche Übernahme der Kürzungen bei den Renten zu einer Kürzung bei den Beamten in Höhe von 15 % geführt hat. Die Beamten also schlechter gestellt sind als Rentner.
Der Vorwegabzug ist im Laufe der Jahre nicht nur in Vergessenheit geraten, auch wurden bei den jährlichen Anpassungen der Beamtenbesoldung und -versorgung sogar oft Abstriche mit der falschen Unterstellung gemacht, daß Beamte nichts zu ihrer Altersversorgung beitragen. Inzwischen ist ein Rückstand der Besoldung hinter der allgemeinen Einkommensentwicklung von bestimmt 15 % entstanden.
Den Beamten werden also niedrigere Bezüge ausbezahlt, die einbehaltenen Differenzbeträge aber nicht erfaßt. Das heißt, die Differenzbeträge werden auf den Gehaltszetteln nicht ausgewiesen und anschließend wieder abgezogen. Es ist zu sehen, das Ruhegehalt ist kein Geschenk des Dienstherren.

-3 –

Der Beamte erwirbt sich das Recht auf Pension durch Verzicht auf bestimmte Gehaltsteile. ( siehe Grafik ) Die Frage ist, wo ist das Geld des Vorwegabzuges von 50 Jahren geblieben? Hätte die Politik diese Beträge nicht in den Haushalten versickern lassen; hätte sie diese Beträge auf die „hohe Kante„ gelegt, bräuchten die Pensionen nicht aus der Staatskasse bezahlt werden. ( bei 1,6 Millionen Beamten wäre die hohe Kante gut gefüllt und die Finanzierungsprobleme lägen bei Null ) Warum fragt eigentlich niemand die Politik, weswegen die Beträge der 7 %-tigen Gehaltskürzungen von 1951 ( Eckmannvergleich ) nicht beiseite gelegt wurden; weswegen die Beträge der 7 % Gehaltskürzungen durch das Bundesbesoldungsgesetz von 1957, nicht wie gefordert, für die Altersversorgung beiseite gelegt wurden, sondern dieses Geld zweckentfremdet ausgegeben wurde. Dieser Umstand kann aber den Beamten nicht angelastet werden. Vielmehr wird hier die Inkonsequenz der Politik sichtbar.
Festgestellt werden muß auch, daß die Beamtenschaft die einzige Berufsgruppe ist, die auch während der Pensionszeit Geld zur Alterssicherung abführt. Siehe in der Grafik den Teil von ca. 15 %. Die Pension des Beamten wird vom letzten Brutto berechnet. Aber zu beachten ist, das Bruttogehalt auf dem Gehaltszettel, dies wird zur Berechnung herangezogen, beträgt nur ca. 85 % des dem Beamten zustehenden Bruttogehaltes. Der Vorwegabzug läuft also weiter.
Und es wurde weiter am Gehalt der Beamten gezwackt. Schon seit Jahren haben die Beamten Gehaltsabstriche hinnehmen müssen. Seit Anfang der 1990 ziger Jahre, wurden den Beamten Gehaltserhöhungen des öffentlichen Dienstes, später, gekürzt oder überhaupt nicht gewährt. Es gab sogenannte Nullrunden.
Die sogenannte blüm`sche Rentenreform wurde übrigens, die durch die Regierung Schröder sofort nach Regierungsantritt kassiert wurde, für die Beamten umgesetzt. Seit 1998 werden den Beamten alle Gehaltserhöhungen um 0,2 %, schon wieder, zum Rücklagenaufbau gekürzt, die Lebensarbeitszeit wurde erhöht und die maximal zu erreichende Pension von 75 % auf maximal 71,75 %, sowie die maximal zu erreichende Witwenversorgung reduziert.
Der Beamte zahlt also sehr wohl für seine Altersversorgung.

Außerdem darf bei der Betrachtung der Gehälter und Pensionen nicht gesagt werden, im Mittel bekommen die Beamten diese oder jene Beträge. Es gibt einen A-Dienst (einfacher Dienst); einen B-Dienst (mittlerer Dienst); einen C-Dienst ( gehobener Dienst, Ing Grad.) und einen D-Dienst (höherer Dienst, Leute mit Dipl.). Diese Laufbahnen sind sehr unterschiedlich in der Höhe der Gehälter und somit auch der Pensionen. Angehörige der D-Laufbahn erhalten erheblich höhere Bezüge als Angehörige der B-Laufbahn. Ein Mittelwert über alle Laufbahnen würde diese Tatsache sehr verzerren. Man kann höchstens einen Mittelwert pro Laufbahn bilden.

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Nachtrag:

Unterschied Renten und Pensionen:

Die Rentenbeiträge vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden direkt an die Rentenversicherung abgeführt. Die Rente selber wird nicht vom Arbeitgeber gezahlt. Sie kommt von selbständigen Versicherungseinrichtungen. Es fehlt die unmittelbare Beziehung zum Arbeitgeber. Rentenzahlungen sind steuerlich kein nachträglicher Arbeitslohn.
Aber nachträglich zufließendes Arbeitsentgeld sind die beamtenrechtlichen Versorgungsbezüge. Unmittelbar aus dem Dienstverhältnis beruht der Anspruch des Beamten auf die Versorgungsbezüge. Dieser Anspruch wird nicht durch einen außerhalb dieses Dienstverhältnis liegenden Vorgang erworben. Für die Beamtenversorgung gilt das Alimentationsprinzip. Diese Alimentationsverpflichtung des Dienstherren ist verfassungsrechtlich vorgeschrieben. Hiernach hat der Dienstherr dem Beamten als Gegenleistung für dessen treue Dienste auf Lebenszeit einen angemessenen Unterhalt zu gewähren. Um die vom Beamten zu fordernde gewissenhafte Hingabe und Pflichterfüllung im Dienst frei von Sorge um das wirtschaftliche Wohl zu sichern, wird die Versorgung garantiert. Der Eintritt in den Ruhestand bedeutet für den Beamten keine Beendigung des Beamtenverhältnisses, sondern lediglich die Befreiung von der Dienstpflicht der aktiven Tätigkeit.
Das Beamtenverhältnis ist also grundsätzlich ein lebenslanges Dienst- und Treueverhältnis (während der aktiven Zeit und im Ruhestand) zwischen dem Beamten und dem Dienstherren.
Außerdem hat die Scholzkommission für eine schlanke Verwaltung 2001 festgestellt, Beamte sind auf ihre Lebenszeit gerechnet, billiger als Angestellte. Schon 1996 kam der Bundesrechnungshof zu der gleichen Feststellung.
Die Behauptung, die Pensionen sind im arithmetischen Mittel höher als die Renten ist auf den ersten Blick zutreffend. Der zweite Blick zeigt aber, daß folgender Umstand Berücksichtigt werden muß: In der Wirtschaft wird die Rente der wenigen Akademiker und Fachhochschulabsolventen genau so in das arithmetische Mittel eingerechnet wie die Renten der Vielzahl an Facharbeitern und ungelernten Arbeitskräften. Im öffentlichen Dienst, im Bereich der Beamten, gibt es keine ungelernten Arbeitskräfte. Die überwiegende Zahl der Mitarbeiter verfügt hier über einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluß. Das Gehaltsniveau ist also im Mittel höher als in der Wirtschaft. Somit fällt auch das arithmetische Mittel höher bei den Pensionen und den Renten niedriger aus.

Zusammenfassung:
Nov. 1951 nach Eckmannvergleich, Besoldung um 7% tiefer angesetzt.
1957 Bundesbesoldungsgesetz, Besoldung um 7% gekürzt.
1998 Versorgungsreformgesetz, jährliche Gehaltserhöhungen ab 1999 um 0,2% gekürzt.
2001 Versorgungsänderungsgesetz, führt zu einer Kürzung der Versorgung auf 71,75% der Bezüge.
1990-iger Jahre: Gehaltserhöhungen des öffentl. Dienstes später, gekürzt oder gar nicht an Beamte weitergegeben.

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Über den Punkt, Beamte zahlen für ihre Pension nichts ein, sondern bekommen diese aus dem Steuertopf, habe ich meine Meinung kundgetan.
Zu dem Punkt „ Einkünfte der Beamten „ kann ich folgendes sagen. Im Jahre 1965 bin ich in den mittleren fernmeldetechnischen Dienst der DBP übernommen worden. In die sogenannte Werkmeisterlaufbahn. Wenn man alte Gehaltstabellen der Industriewerkmeister mit Gehaltstabellen der mittleren technischen Beamten vergleicht, sieht man die Unterschiede zu Ungunsten der Beamten. Man sollte Vergleichbar mit Werkmeistern aus der Industrie sein, hieß es. Aber in finanzieller Hinsicht war der mittlere Dienst, wie der Ge-haltstabellenvergleich zeigt, schlechter gestellt als die Werkmeister der Industrie. Das Gehalt war sehr schmal gehalten. Auf die Frage warum das Gehalt so schmal ist, kam folgende Antwort: „ Das Geld welches der Beamte erhält, reicht zum Leben. Kommt der Beamte unverschuldet in finanzielle Nöte, ist die vornehmste Pflicht des Dienstherren die Fürsorgepflicht. Dann wird dem Beamten geholfen“. Zu Zeiten der DBP hat das gestimmt. Aber heute ist diese Fürsorgepflicht wohl nicht mehr existent. Nach dem wir Kinder hatten, wurde es noch enger. Mein Gehalt mußte für vier Köpfe reichen. In den 60 ziger, 70 ziger und 80 ziger Jahren wurde man mitleidig belächelt ein Beamter zu sein. Der Ausdruck Hungerleider fiel bei jeder Gelegenheit. Dank der finanziellen Unterstützung durch Schwiegereltern und meiner Mutter, waren wir von dem Hungerleiderdasein etwas entfernt. Immobilienerwerb oder Sparguthaben anlegen war überhaupt nicht drin.
Seit einigen Jahren bin ich im Ruhestand. Auch während der Pensionszeit geht es mehr schlecht als recht. Die Leute die heute die Neiddebatte wegen der Pensionen entfachen, sind wahrscheinlich die Gleichen, die vorher mit dem Begriff Hungerleider hantiert haben. Die heutige Miesere mit den Pensionen, die die Staatskasse belasten, ist doch durch die Inkonsequenz der Politiker entstanden. Statt die Gelder des Vorwegabzuges auszuweisen und zweck-gebunden für die zu erwartenden Pensionen anzusparen, wurden sie für alles andere ausgegeben. Sie wurden also zweckentfremdet. Und heute wird gejammert und die Beamten sind mal wieder an allem selbst schuld. Typisch Politiker.
Die DBP hatte ihre Leute: Tarifpersonal, Beamte und Pensionäre, aus der Postkasse gezahlt. Sie haben die Staatsfinanzen also nicht belastet. Im Gegenteil hat die Bundespost regelmäßig 6 2/3 % ihrer Einnahmen an den Finanzminister überwiesen. Die Rücklagen des Vorwegabzuges waren, meines Wissens, gebildet. Nach der Zerschlagung der DBP wurde deren Vermögen aufgeteilt, ohne Rücksicht wofür dieses Geld bestimmt war.
Die Pensionen kommen heute aus dem Bundespensionsfond.“

 

 




Fürchtet euch vor Altersarmut – Rente wird nicht reichen

Keine Angst vor Altersarmut? Viele sollten sich aber vor Altersarmut fürchten, denn sie droht allen, die nicht auch noch privat vorsorgen. Im neuen Alterssicherungsbericht 2016 warnt jetzt auch die Bundesregierung vor Altersarmut. Wer sich nur auf die gesetzliche Rente verlässt, ist verlassen. Die gesetzliche Rente wird künftig nicht für ein auskömmliches Einkommen im Ruhestand reichen. Das Rentenniveau sinkt weiter von derzeit 48 Prozent auf 43 Prozent im Jahr 2030. Ab 2025, also in neun Jahren, geht es dann rapide nach unten: von 46,4 auf 45 und schließlich auf 43 Prozent, letztlich bis zum Jahr 2045 sogar auf 41,6 Prozent, wenn der Gesetzgeber nicht dagegen hält.

Die ungeschönte Wahrheit von Armutsforscher Stefan Sell

Die ungeschönte Wahrheit!Stefan Sell spricht Klartext über die Gehirnwäsche die wir seit Anfang der 90er Jahre erleben, und die kommende große Welle der Altersarmut in Deutschland.Stefan Sell ist ein deutscher Sozialwissenschaftler. Er ist Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften am RheinAhrCampus Remagen der Hochschule Koblenz.

Posted by Der Infoblog on Donnerstag, 16. Juni 2016

Große Versorgungslücke im Alter

Für viele öffnet sich da eine gewaltige Versorgungslücke im Vergleich zum letzten Gehalt. Wer nicht rechtzeitig extra vorgesorgt hat, schaut im Alter in die Röhre. „Ein erhebliches Risiko“ bestehe vor allem für Geringverdiener, mahnt die Bundesregierung. Das ist freilich noch ziemlich untertrieben. Geringverdiener werden im Alter zu Hartz-IV-Empfängern, sorry, das heißt ja Grundsicherung.

Analyse von Sahra Wagenknecht über das deutsche Rentensystem

Das ist alles nichts neues, offensichtlich ist es noch immer vielen Bürgern nicht bewusst, was da auf sie zukommt. Von Angst oder Beklemmung kann keine Rede sein – „ist ja alles noch so weit weg“. Erst wenn der Rentenbeginn naht, wachen einige auf. Dann ist es allerdings zu spät. Altersvorsorge ist ein Langfristprojekt.

Alterssicherungsbericht 2016

Seit dem letzten Alterssicherungsbericht sind vier Jahre vergangen. Die Lage hat sich leider nicht verbessert, sondern verschlechtert. Der Alterssicherungsbericht umfasst 258 Seiten. Nur so viel vorweg, von den schätzungsweise 82 Millionen Menschen, die in Deutschland leben, sind mehr als 17 Millionen 65 Jahre oder älter – und drei Viertel der Altersleistungen kommen aus von der Deutschen Rentenversicherung.

Die Analyse dokumentiere aber auch große Einkommensunterschiede, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. So hätten Männer mit einem Alterseinkommen von netto durchschnittlich gut 1700 Euro fast 600 Euro mehr als Frauen. Auch Beamte hätten ein “überdurchschnittliches Alterseinkommen“: Ihre Pensionen seien mit durchschnittlich 2300 Euro netto im Monat höher als die Leistungen anderer Versorgungssysteme. Fast die Hälfte der ehemals Selbständigen verfüge hingegen nur über ein Nettoeinkommen von weniger als 1000 Euro. Eben deswegen erwäge Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), eine Vorsorgepflicht für Selbständige einzuführen. Wie aus dem „Alterssicherungsbericht 2016″ hervorgeht, haben 47 Prozent der Niedrigverdiener keine zusätzliche Altersvorsorge.

2017 geringere Rentenerhöhung

In diesem Jahr ist die Rentenerhöhung ja üppig ausgefallen, 2017 wird es wohl üppig sein. Die heutigen Rentner müssen im kommenden Jahr mit einer deutlich geringeren Erhöhung ihrer Bezüge auskommen als in diesem Jahr: Die Schätzungen gehen von 2,3 Prozent (West) und 2,58 Prozent (Ost) aus. Im Juli 2016 waren die Renten um 4,25 Prozent im Westen und 5,95 Prozent im Osten gestiegen.

Definition des Rentenniveaus

Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittseinkommen aller Erwerbstätigen. Derzeit liegt es bei 47,8 Prozent, bis 2030 darf es sich gesetzlichen Vorgaben zufolge auf bis zu 43 Prozent verringern. Für die Zeit danach gibt es noch keine Festlegung. Nach vorläufigen Berechnungen des Arbeitsministeriums würde sich das Absinken fortsetzen.

Kommentare der Medien:

  • „Mittelbayerische Zeitung“: „Der Befund des jetzigen Alterssicherungsberichts, Geringverdiener sollten bitte schön zusätzlich vorsorgen, ist nicht nur eine Kapitulation vor dem Problem der wachsenden Armut im Alter, sondern auch zynisch. Hier werden Ursache und Wirkung verdreht. Eine sehr große Koalition aus SPD, Union und Grünen ebnete vor Jahren den Weg in den Niedriglohnsektor, machte Arbeit flexibler und billiger. Mit den Nebenwirkungen dieser Politik will man nun am liebsten nichts zu tun haben. Wenn sich Ende der Woche die Spitzen der Union über die künftige Rentenpolitik beugen, dann sollten sie sich zuerst ehrlich machen. Und zweitens wirksame Haltelinien gegen Altersarmut auf den Weg bringen.“
  • Die „Volksstimme“ aus Magdeburg:  „In Zeiten, in denen Sparer wegen der Null-Zins-Politik Jahr für Jahr Milliarden bei ihrer Altersvorsorge verlieren, ist die kapitalgedeckte Altersabsicherung gescheitert. Die Politik scheut sich offenbar, diesen Fakt anzuerkennen. In der Rentenpolitik müsste eigentlich ein Umsteuern auf der Tagesordnung stehen. Aus mehreren Gründen: Weil die private Altersvorsorge keine Zinsen mehr abwirft. Weil die staatlich-geförderte Riesterrente, die vor allem für Geringverdienter gedacht war, sich zu einem Flop entwickelt hat. Weil die Rentenformel so gekürzt wurde, dass Normalverdiener trotz lebenslanger Einzahlung in der Altersarmut landen. Das gesamte System ist aus den Fugen geraten. Und es wird dem Staat noch gewaltig auf die Füße fallen.“
  • Die „Nürnberger Nachrichten“:  „Unsere Volksvertreter ermahnen dazu, private Rentenversicherungen abzuschließen – obwohl hohe Gebühren die Renditen in den ersten Jahren oft komplett auffressen. Obwohl für die meisten Kunden am Ende eine mickerige bis gar keine Rendite herausspringen wird – bis hin zum Verlustgeschäft. Und obwohl diejenigen, die eine Absicherung am nötigsten brauchen, oft kein Geld dafür übrig haben. Es ist Zeit, dass die Politik eine Kehrtwende einleitet. Weg von der Förderung privater Vorsorge, zurück zu paritätisch finanzierten Beiträgen.“

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Viele Junge juckt Altersvorsorge herzlich wenig

„Altersvorsorge? Juckt mich nicht!“ So denken annähernd zwei Drittel der 16- bis 29-Jährigen. Sie vernachlässigen es, fürs Alter privat vorzusorgen, ja viele junge Deutsche haben über private Altersvorsorge noch überhaupt nicht nachgedacht. Das ergab eine Studie von Emnid im Auftrag der Postbank. Das Paradoxe daran, ein Fünftel der jungen Bundesbürger sind davon überzeugt, dass die gesetzliche Rente für ihren Ruhestand ausreichen wird.

Es wird für die Rente schon reichen

Es erstaunt, wie gelassen viele sind mit Blick aufs Alter. Immerhin jeder dritte Deutsche glaubt, dass es schon reichen werde im Ruhestand und die gesetzliche Rente genüge. Annähernd 92 Prozent dieser Optimisten meinen Emnid zufolge sogar, dass sie im Alter keine Einbußen bei ihrem Lebensstandard hinnehmen müssen. Was für eine irrige Annahme. Aktuell deckt die gesetzliche Standardrente netto etwa 48 Prozent des Durchschnittseinkommens ab – Tendenz fallend, so Karsten Rusch von der Postbank. Bundessozialministerin Andrea Nahles denkt zwar laut darüber nach, eine „Haltelinie“ einzuziehen, es ist indes fraglich, ob ihr das gelingt und ob das finanzierbar ist.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft verdeutlicht, was höhere Renten für die Beiträge bedeuten

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„Je weiter das Renteneintrittsalter in der Zukunft liegt, desto größer die zu erwartende Rentenlücke, das heißt die Differenz zwischen dem letzten Nettoeinkommen und der gesetzlichen Rente“, mahnt Rusch. Umgekehrt können die heute 60-Jährigen noch vergleichsweise entspannt auf den Ruhestand blicken. Annähernd 60 Prozent der über 60-Jährigen seien zuversichtlich, dass sie mit der gesetzlichen Rente auskommen werden, von den 50- bis 59-Jährigen seien es immerhin knapp 25 Prozent. In der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre hingegen vertraue nur noch eine Minderheit von annähernd 17 Prozent auf das staatliche Rentensystem; in der Gruppe 30 bis 39 Jahre seien es dagegen nur etwa sieben Prozent.

Null-Ahnung und keinen Bock

Und jetzt kommt’s – annähernd ein Viertel, genauer gesagt 23 Prozent der 16- bis 29-Jährigen meinen, die gesetzliche Rente reiche für ihren Ruhestand. Ist das Null-Ahnung, keinen Peil, keinen Bock oder kein Geld? Mangelndes Interesse spielt sicher eine Rolle. Deswegen sorgen auch knapp zwei Drittel oder 63 Prozent der 16- bis 29-Jährigen auch nicht privat nicht vor, so die Postbank Umfrage. Sie haben sich schlicht bislang noch keine Gedanken gemacht und chatten, bloggen, instagrammen lieber über Mode, Reisen und Beauty.

Aktien als Alternative

Doch, wer spät anfängt, fürs Alter vorzusorgen, wird das Ziel, im Alter auskömmlich leben zu können, wohl kaum erreichen. „Gerade junge Menschen sollten möglichst früh mit der privaten Vorsorge beginnen“, empfiehlt Rusch. „Auch wenn die Vergütung in der Ausbildung oder zum Berufsstart noch gering ist, lohnt es sich, monatlich kleine Beträge anzulegen.“ Der Renteneintritt liegt ja noch in weiter Ferne, da verspricht gerade ein Aktien-Investment eine entsprechende Rendite, mit der sich die Versorgungslücke ausgleichen lässt.

Pflicht zur Altersvorsorge – Junge trauen sich anscheinend selbst nicht über den Weg

Übrigens, selbst die IG Metall, sprich die Gewerkschaft, wirbt bei den Jungen für die Altersvorsorge. Allerdings schwebt den Gewerkschaftern mit der „Metallrente“ eher eine obligatorische Zweit-Renten-Versicherung vor.

Einer der ganz wenigen Jungen, die über Altersvorsorge nachdenken, ist wohl der heute 19-jährige Soticek Noah Juraj. Er hat den Blog time-to-invest.at und hat den Traum der finanziellen Freiheit. Er hat erkannt, dass sein „Geld stetig weniger“ und das vielen „überhaupt nicht bewusst“ ist. „Du überlässt dein Geld der Bank ohne zu wissen was die damit eigentlich machen, du vertraust fremden Menschen blind dein Geld an! Und wieso? Weil das alle so machen.“ Er fordert deswegen: „Du musst anfangen dich finanziell weiter zu bilden“. Ein Beispiel, dass sich die Jungen zu Herzen nehmen sollten.

 

 

Quelle: Postbank © stockasso




Was geschieht mit der Rente nach einer Scheidung?

Scheidung – und dann? Was geschieht nach einer Scheidung mit der Rente? Wenn nichts vereinbart ist, werden die Ansprüche 50:50, sprich hälftig oder partnerschaftlich geteilt. Soweit die gesetzliche Regelung. Übrigens gilt das auch für die Riester-Rente. Der Versorgungsausgleich ist der Dreh- und Angelpunkt des Scheidungsverfahrens. Der Versorgungsausgleich definiert die Rentenbezüge beider Ex-Ehepartner eindeutig.

Entgeltpunkt als Rentenwährung

Die Rentenansprüche, die im Laufe einer Ehe angesammelt wurden, werden zu gleichen Teilen verteilt. Das Ehegattensplitting zeigt bereits, wie eng Ehegatten finanziell miteinander verbunden sind. Bei der Scheidung gilt dasselbe, denn der sogenannte Versorgungsausgleich befasst sich mit einer gerechten Aufteilung der Rentenzahlungen.

Das klingt simpel – ganz so simpel ist es jedoch nicht. Der Versorgungsausgleich soll die Rentenansprüche, die in der Ehe angesammelt wurden, gleichmäßig und gerecht auf die Ex-Partner verteilen. Bevor es ans Verteilen geht, muss jeder, der sich scheiden lässt, begreifen, worum es bei der gesetzlichen Rente geht. Wie funktioniert das Rentensystem? Die Basis dazu ist gar nicht so kompliziert: Je länger die Partner arbeiten, desto mehr Rentenpunkte sammeln sie. Das entscheidet letztlich über die Höhe der Rente. Ein Rentenpunkt war Stand 2015 29,21 Euro (Westdeutschland) und 27,05 Euro (neue Bundesländer) wert. Ein Jahr später, im Juli 2016, erhöhte die Regierung den Entgeltpunkt auf 30,45 Euro und 28,66 Euro. Der Entgeltpunkt wird regelmäßig angeglichen, um die Inflation auszugleichen. Normalerweise passierte das zum 1. Juli eines Jahres. Ab Sommer 2017 wird ein Rentenpunkt voraussichtlich somit 31,11 Euro oder 28,29 Euro wert sein und ab dem 1. Juli 2018 31,86 Euro oder 29,51 Euro.

Regelmäßige Rentenerhöhung

Wie stark die Steigerung ist, hängt von vielen wirtschaftlichen Faktoren ab und ist jedes Jahr ganz unterschiedlich. Generell erfolgt im Osten eine prozentual deutlich höhere Anhebung als im Westen, sodass die Werte in einigen Jahren beinahe gleich hoch sein werden.

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Zum Ende des Arbeitslebens werden alle gesammelten Rentenpunkte aufaddiert und daraus ergibt sich die monatliche Rente. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ein Rentenpunkt nur dann voll zählt, wenn man in diesem Jahr mindestens das jeweilige Durchschnittsentgelt verdient hat. Zusätzliche Punkte gibt es beispielsweise durch Wehrdienst und Zivildienst, Ausbildung und Kindererziehungszeiten. Außerdem muss das Mindestalter zum Bezug der Rente – das Eintrittsalter klettert seit 2012 stufenweise von 65 bis 67 Jahre, ab Jahrgang 1947 steigt sie jeweils um einen Monat –  erreicht werden; spezielle Lösungen wie die geplante Flexi-Rente bleiben dabei erst einmal außen vor.

Gerechter Versorgungsausgleich?

Und nun zurück zum Versorgungsausgleich –  das Prinzip der ehelichen Zugewinngemeinschaft, bei der jedem Partner exakt die Hälfte des Zugewinns zusteht, gilt nämlich auch bei den Rentenpunkten. Haben beide Partner durchgehend gearbeitet und dabei ähnlich viel verdient, findet der Versorgungsausgleich zwar statt, spielt aber keine große Rolle, da die Eheleute auch ohne die Regelung zum selben Ergebnis kommen würden.

Umso stärker fällt der Ausgleich dafür ins Gewicht, wenn beispielsweise die Frau einen Großteil ihres Lebens Hausfrau war. In der Folge werden ihre während der Ehe erworbenen Rentenpunkte und die des Mannes zusammengerechnet und durch zwei geteilt.

Als Alternative gibt es die Ausgleichszahlung. Bei dieser einigen sich die Ehepartner auf eine einmalige Zahlung, mit der der Rentenanspruch gewissermaßen ausgeglichen wird. Der Nachteil daran ist jedoch, dass der Empfänger des Ausgleichs – in unserem Beispiel die Hausfrau – die Zahlung versteuern muss, während der Zahlende die Summe als Sonderausgabe von der Steuer absetzen kann.

Wackliges Rentensystem

Doch für welche Variante sich ein geschiedenes Paar auch entscheidet, ändert der Versorgungsausgleich nicht am übergeordneten Problem beim Thema Rente. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass das deutsche Rentensystem seit langer Zeit auf wackligen Füßen steht. Mithilfe von Beispielrechnungen erkennt man schnell die Probleme dieses Systems – oft fällt die Rente nämlich viel zu klein aus, um im Alter sorgenfrei davon leben zu können. Eine zusätzliche private Vorsorge gilt mittlerweile fast als Pflicht, doch nicht alle Menschen können sich diese Form der Zusatzkosten überhaupt leisten.

Begriffe wie Altersarmut geistern also nicht ohne Grund seit Jahren durch die Medienlandschaft. Grund für diese Entwicklung ist nicht zuletzt der demographische Wandel, der eine Überalterung der deutschen Bevölkerung zur Folge hat. Das Prinzip der Rente baut auf den Generationenvertrag auf, doch dieser kann im Ungleichgewicht der Altersstruktur nicht mehr so funktionieren, wie einst gedacht.

Bild: © istock.com/Alexander Raths




So will der Sozialverband die Rente sichern

Rente geht auch Junge an, proklamiert der Sozialverband SoVD. Das System muss solidarisch gesichert werden, damit niemand mehr im Alter „arm dran“ ist. Dafür hat der Sozialverband die Aktion gestartet „Lieber nicht arm dran“.

Der Sozialverband mit seinen 560 000 Mitglieder hat etwas andere Vorstellungen von einem tauglichen Rentensystem als viele Politiker, das Altersarmut verhindern soll. Wie das funktionieren soll, hat er in einem „Bekämpfung von Altersarmut“ erklärt.

„Die Altersarmut in Deutschland steigt. Wir registrieren diesen Trend mit großer Sorge und setzen uns mit voller Kraft dafür ein, über das Problem aufzuklären und auf Lösungen hinzuwirken“, so SoVD-Präsident Adolf Bauer. Frauen, Menschen mit Behinderungen und Langzeitarbeitslose tragen aus der Sicht des SoVD ein besonders hohes Risiko, in Altersarmut abzurutschen. Zudem schätzt der Sozialverband die Gefahr für sogenannte Solo-Selbstständige als hoch ein, im Alter zu verarmen.

Was der SoVD fordert:

  • Er schlägt einen Ausbau von Beitragszahlungen zur gesetzlichen Rentenversicherung in der Erwerbsphase vor, zum Beispiel durch eine Einschränkung prekärer Beschäftigungsformen wie Minijob und Leiharbeit.
  • Er fordert weiter ergänzende Regelungen im Rentenrecht, um der Gefahr von Altersarmut für Rentnerinnen und Rentner sowie für rentennahe Jahrgänge zu begegnen. So könnten in der Vergangenheit zurückgelegte Zeiten der Niedriglohnbeschäftigung und der Langzeitarbeitslosigkeit aufgewertet werden.
  • Schließlich müssen laut SoVD Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner erfolgen, denn für sie ist das Risiko von Altersarmut besonders hoch, obwohl die Rente aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht freiwillig in Anspruch genommen wird. Der Sozialverband hält es daher für erforderlich, die systemwidrigen Abschläge bei Erwerbsminderungsrenten abzuschaffen.

Dazu passt die Meldung, dass bei immer mehr älteren Langzeitarbeitslosen die Hartz-IV-Leistungen wegfallen. Manche bekommen, so finanztreff.de, noch einen Job, andere gehen freiwillig vorzeitig in Rente – viele müssen aber wohl auch zwangsweise bereits mit 63 Jahren mit Abschlägen in Rente gehen. Das hat die „Süddeutsche Zeitung“ erfahren dank einer Anfrage der Linken, auf die die Bundesregierung antwortete. So sei die Zahl der 63-Jährigen, die aus dem Hartz-IV-Bezug ausgeschieden sind, von knapp 9600 im Jahr 2008 kontinuierlich auf mehr als 38 600 im Jahr 2015 gestiegen.

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Wehe, wenn die heile Rentenwelt zerbricht

Die gesetzliche Rentenversicherung steht auf tönernen Füßen und wird ohne Reformen nicht überleben. Eigentlich müsste das jeder begreifen. Politiker wie Andrea Nahles und Sigmar Gabriel gaukeln uns vor, dass das „bekloppt“ ist. Sind nicht eher sie bekloppt, weil sie die Wahrheit verschleiern? Wenn wir länger leben, weniger Kinder in die Welt setzen, werden wir auch mit weniger Rente auskommen und länger arbeiten müssen. An dieser Logik kommt keiner vorbei. Wehe, wenn die vermeintlich heile Rentenwelt zerbricht.

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Rente ist eine Umlageverfahren

Eins und eins ist zwei oder drei minus eins oder vier geteilt durch zwei – das gilt auch für die gesetzliche Rente, die als Umlageverfahren von den Beiträgen der aktiven Erwerbsbevölkerung gespeist wird. Die Verhältnisse zwischen Beitragszahlern und -empfänger ändert sich und damit muss sich auch die gesetzliche Rente anpassen. Einige Politiker, allen voran Bundessozialministerin Andrea Nahles gaukelt uns vor, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. „Nur einmal hatte Berlin den Mut und die Kraft aufgebracht, den Menschen die Wahrheit über den Zustand der Alterssicherungssysteme zu offenbaren und Anpassungen am Umlageverfahren vorzunehmen: Die Beiträge wurden gedeckelt, das Rentenniveau nach unten geschleust und das Renteneintrittsalter auf bis zu 67 Jahre erhöht“, erinnert Stephan Lorz von der „Börsenzeitung“. Und, was waren die Folgen? Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde abgestraft. Die Wähler wollten die Wahrheit nicht hören. Zugegeben, was Schröder einführte, war nicht alles toll, aber der Ansatz stimmte. Nahles dreht die Reformen wieder zurück, ohne Rücksicht auf die nachkommenden Generationen.

Wie funktioniert das Umlageverfahren – ein Erklär-Video

Anhebung des Renteneintrittsalters

Und noch immer ist es so, dass angeklagt wird, wer die Wahrheit sagt. So geht es zurzeit der Deutschen Bundesbank, die in ihrem Monatsbericht hochrechnete, dass „eine schrittweise Anhebung (des Renteneintrittsalters) auf etwa 69 Jahre bis zum Jahr 2060“ notwendig wäre. Und trotz dieses Schritts „stiege der Beitragssatz aber wohl auf eine Größenordnung von 24 Prozent, und das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung ginge auf eine Größenordnung von rund 44 Prozent zurück“. Das heißt, selbst das wird langfristig nicht reichen, um die Rente zu stabilisieren. Die Dänen haben das schon längst begriffen und lassen das Renteneintrittsalter bis 2022 auf 67 Jahre steigen, ab 2030 dann auf 68 Jahre, ab 2035 auf 69 Jahre – und dann ab 2060 alle fünf Jahre um ein weiteres Jahr, sodass unsere nördlichen Nachbarn dann ab 2100 erst mit 77 Jahren in Rente gehen.

Bei der Rente alles in Butter?

Aber das alles liegt ja weit in der Zukunft, deswegen ist es populär und wählerwirksam, den Leuten vorzugaukeln, alles wäre bei der Rente in Butter. „Schließlich könne es doch nicht sein, dass die Menschen immer länger leben, damit auch immer länger Rente beziehen, die Zeit ihres Erwerbslebens aber zementiert und jede Debatte darüber tabuisiert wird“, kritisiert Lorz.

Obwohl Andrea Nahles „erst“ im Juni 1970 geboren ist und damit 46 Jahre alt, macht sie Klientelpolitik für die Alten. Denn ausbaden werden ihre Politik die Jungen müssen. So schön es ist, dass die Lebenserwartung steigt, so zwingend ist es, dass Rentenpolitiker – und die Gesellschaft – sich darauf einstellen. Je länger Ruheständler ihr Altersgeld beziehen, desto mehr müssen sie in den aktiven Jahren vorgesorgt haben oder desto mehr künftige Beitragszahler müssen sie in die Welt gesetzt haben.

Nahles‘ Rechnung geht nicht auf

Wir alle werden erleben, dass Nahles‘ Rechnung nicht aufgeht, weil eins und eins eben nicht drei ist. Wahrscheinlich wird heimlich am System geschraubt, so dass für die Rentner unterm Strich weniger übrig bleibt, gleichzeitig werden die Beiträge steigen und zusätzlich wird der Bundeszuschuss zur Rente steigen. Schon heute überweist der Bund annähern 87 Milliarden Euro an die Rentenkasse, 2017 werden es dann mehr als 91 Milliarden Euro sein und schon in wenigen Jahren ist die 100-Milliarden-Euro-Marke geknackt. Nicht weiter schlimm, oder? Nun, das Geld, das an die Rentenkasse geht, fehlt anderswo – in der Bildung, bei der Infrastruktur oder der Verteidigung. Das ist ein schleichender Prozess, der erst dem auffällt, der Deutschland beispielsweise mal mit Skandinavien vergleicht.

Andrea Nahles weiß um die Brisanz des Themas und hat für Oktober Arbeitgeber, Gewerkschaften und Sozialverbände zu einem Treffen eingeladen – wichtigestes Thema „die gesetzlichen Rente“.

Also, es bleibt spannend. Insofern war das sicher nicht der letzte Beitrag zu dem Thema.

Schon in etwa 25 Jahren wird es mehr Nettoempfänger als Nettozahler geben, weil die Bevölkerung altert. Das hat das Prognos-Institut ermittelt im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Das trifft vor allem die Rentenkasse. Prognos zufolge ist derzeit die Gruppe der Nettozahler mit 56 Prozent noch in der Mehrheit. Doch ab 2020 gehen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer verstärkt in Rente. Gleichzeitig wachsen immer weniger Junge in die mittlere Altersgruppe nach. Im Jahr 2040 gehören laut der Studie folglich nur noch 49 Prozent der Bevölkerung zu den Nettozahlern. Dann stehen laut der Erhebung 38,2 Millionen Nettozahler 41 Millionen Nettoempfängern gegenüber – derzeit sind es noch mehr Zahler. Je nach dem sich die Bevölkerung entwickelt, droht 2040 Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen ein Finanzdefizit in zwei- bis dreistelliger Milliardenhöhe. Würde es keine höheren Beitragssätze und Steuern geben als heute, ergäbe sich durch die demografische Entwicklung beim Defizit der Haushalte demnach ein Wert von 144 Milliarden Euro im Jahr 2040. Allein zur Finanzierung der gesetzlichen Rente fehlten dann 83 Milliarden Euro. Würden die Sozialbeiträge für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung aber von derzeit knapp 40 auf knapp 50 Prozent im Jahr 2040 steigen, hätten die öffentlichen Haushalte nur ein Minus von 24 Milliarden Euro. Dies würde aber eine entsprechende Mehrbelastung der privaten Haushalte und Unternehmen bedeuten. Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) hatte angekündigt, im November ein Konzept für die Rente vorzulegen, in dem auch eine „Haltelinie“ fürs sinkende Rentenniveau definiert sein soll

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… und dazu passende Tweets




So naiv sind die Jungen bei der Rente?

Die Jungen interessiert offensichtlich herzlich wenig, wie es ihnen im Alter mal geht. Sie stecken den Kopf in den Sand und hoffen wohl im Stillen, dass es der Staat schon richten wird. Ob sie sich damit nicht verschätzen. Eigentlich müssten sie auf die Straße gehen und protestieren, aber davon ist nichts zu sehen. Es herrsche statt Empörung eher Sorglosigkeit, schreibt die „Welt“. Das bestätigte jetzt auch die Studie „Jugend, Vorsorge, Finanzen“ des Versorgungswerks MetallRente und TNS Infratest Sozialforschung.

Die Jungen fühlen sich Jugendforscher Klaus Hurrelmann schlichtweg überfordert. Sie kümmern sich nur um ihr Studium, ihr Aussehen, ihre Selbstoptimierung anstatt für eine Lebensphase, die „noch ein halbes Jahrhundert“ entfernt liege. Die „Welt“ beschreibt es mit „naiver Planlosigkeit“. Die Jungen sind in der „Mehrzahl optimistisch, wenn sie an ihre eigene Zukunft denkt“, so Hurrelmann. Die Generation Y zweifele zwar an der privaten Vorsorge, gleichzeitig sparen nur 35 Prozent aller Jugendlichen regelmäßig für ihre Altersversorgung.

Rente kommt an ihre Belastungsgrenze

„Auch 15 Jahre nach der Rentenreform hat sich noch keine Kultur zusätzlicher Vorsorge in Deutschland entwickelt; die Tendenz geht bei der jungen Generation sogar in die entgegengesetzte Richtung“, so das Resümee von Christian Traxler, dem Mitherausgeber der Studie.

Durch den demografischen Wandel knackt es immer lauter im Renten-Gebälk. Schon heute zahlen die Jungen hohe Beiträge in die Rentenkasse, ohne jedoch hoffen zu können, im Alter entsprechend davon zu profitieren. Dabei will die Arbeitsministerien noch mehr Geld an die Rentner verteilen. „Doch statt Widerstand und Eigeninitiative herrscht Sorglosigkeit“, schreibt die „Welt“.

Auch MetallRente-Geschäftsführer Heribert Karch bezeichnet die Ergebnisse der Studie als „zutiefst besorgniserregend“. Vor 15 Jahren sei die Renten-Reform mit dem Argument eingeführt worden, mehr Generationengerechtigkeit herzustellen. Das Ergebnis sei jedoch weniger Gerechtigkeit. Die junge Generation werde immer mehr zur prekären Generation der Rentenpolitik. Der Staat schießt bei der Rente immer mehr Geld zu. Dennoch liegen die Lohnersatzraten, sprich das Verhältnis der Rente zum vorherigen aktiven Einkommen, in Deutschland am unteren Ende dieser Länder. „Statt Generationen-Gerechtigkeit haben wir Unsicherheit“, so die Studie . Es müsse endlich gegengesteuert werden.

Die Jungen wünschen sich Zwang

Selbst werden sich die Jungen wohl kaum um ihre Altersvorsorge kümmern, davon ist Traxler und Hurrelmann überzeugt. Müssen die Jungen als gezwungen werden? Es scheint fast so. Die Studie zeigt, dass die Jungen angestupst werden (Nudge) wollen. Annähernd zwei Drittel stimmen automatischen Sparregelungen zu. Wenn so eine Sparregel mit einer Ausstiegsmöglichkeit (Opt-out) und einer Bezuschussung kombiniert werde, steige die Zustimmungsrate sogar auf 89 Prozent. Traxler ist erstaunt: „Die beinahe einhellige Zustimmung zu einer Default-Sparregel war sehr überraschend. Es scheint so, als wünschen sich Jugendliche einen Automatismus, der ihnen eigenständige Entscheidungen zumindest teilweise abnimmt“.

Es ist nach Traxlers und Hurrelmanns Meinung höchste Zeit, die Weichen zu stellen, um die junge Generation vor Altersarmut zu schützen. „Wir befinden uns bereits in der Mitte des 30-jährigen Reformprozesses“, mahnt Karch. Es sei an der Zeit, in einem Halbzeit-Gipfel mit allen Akteuren weitere Maßnahmen zu besprechen. Dazu sei es nötig, bei der betrieblichen Altersversorgung Hindernisse beiseite zu räumen und bessere Rahmenbedingungen für die bAV schaffen. Das heißt, die Förderung zu vereinfachen.

Politik muss endlich handeln

„So wie heute kann es nicht weitergehen. Denn selbst, wenn jemand vorbildlich in alle drei Säulen der Altersvorsorge einzahlt, kann er am Ende nicht mit einem zufrieden stellenden Ergebnis rechnen“, so das Fazit der Jugendforscher. Das System führe die jungen Leute an der Nase herum. Die Politik müsse jetzt handeln. Denn sonst sei es für die junge Generation zu spät. „Dann ist sie objektiv von Altersarmut bedroht“. Und damit malen die Beiden sicher nicht zu schwarz.


Jetzt ist es amtlich: Das Gros der Noch-Nicht-Rentner fühlt sich laut ARD-Deutschlandtrend ungenügend fürs Alters abgesichert.  57 Prozent der Befragten sind eben dieser Meinung. Nur etwas mehr als ein Drittel glaubt, fürs Alter ausreichend abgesichert zu sein. Dabei zeigt sich: Junge glauben schon gar nicht mehr daran, im Alter abgesichert zu sein, wobei dieses Gefühl häufig genug gleich wieder ad acta gelegt wird. Bei den 18- bis 34-Jährigen sehen sich knapp zwei Drittel als unzureichend abgesichert. Die Noch-Nicht-Rentner haben wenig Vertrauen in die Politik. Zwei Drittel glauben nicht, dass die schwarz-rote Koalition eine mögliche Altersarmut verhindern kann.


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