Viele Junge juckt Altersvorsorge herzlich wenig

„Altersvorsorge? Juckt mich nicht!“ So denken annähernd zwei Drittel der 16- bis 29-Jährigen. Sie vernachlässigen es, fürs Alter privat vorzusorgen, ja viele junge Deutsche haben über private Altersvorsorge noch überhaupt nicht nachgedacht. Das ergab eine Studie von Emnid im Auftrag der Postbank. Das Paradoxe daran, ein Fünftel der jungen Bundesbürger sind davon überzeugt, dass die gesetzliche Rente für ihren Ruhestand ausreichen wird.

Wie lässt sich die Versorgungslücke schließen?
Richtig Geld für den Ruhestand anlegen damit es bis ins hohe Alter reicht
Lebensstandard trotz höherer Rente in Gefahr
Plant für den Ruhestand
Haben wir Alten die Jungen wirklich versaut?
Fünf Generationen und ihre Namen
Sinkendes Rentenniveau führt zur Altersarmut

Es wird für die Rente schon reichen

Es erstaunt, wie gelassen viele sind mit Blick aufs Alter. Immerhin jeder dritte Deutsche glaubt, dass es schon reichen werde im Ruhestand und die gesetzliche Rente genüge. Annähernd 92 Prozent dieser Optimisten meinen Emnid zufolge sogar, dass sie im Alter keine Einbußen bei ihrem Lebensstandard hinnehmen müssen. Was für eine irrige Annahme. Aktuell decke die gesetzliche Standardrente netto etwa 48 Prozent des Durchschnittseinkommens ab – Tendenz fallend, so Karsten Rusch von der Postbank. Bundessozialministerin Andrea Nahles denkt zwar laut darüber nach, eine „Haltelinie“ einzuziehen, es ist indes fraglich, ob ihr das gelingt und ob das finanzierbar ist.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft verdeutlicht, was höhere Renten für die Beiträge bedeuten

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„Je weiter das Renteneintrittsalter in der Zukunft liegt, desto größer die zu erwartende Rentenlücke, das heißt die Differenz zwischen dem letzten Nettoeinkommen und der gesetzlichen Rente“, mahnt Rusch. Umgekehrt können die heute 60-Jährigen noch vergleichsweise entspannt auf den Ruhestand blicken. Annähernd 60 Prozent der über 60-Jährigen seien zuversichtlich, dass sie mit der gesetzlichen Rente auskommen werden, von den 50- bis 59-Jährigen seien es immerhin knapp 25 Prozent. In der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre hingegen vertraue nur noch eine Minderheit von annähernd 17 Prozent auf das staatliche Rentensystem; in der Gruppe 30 bis 39 Jahre seien es dagegen nur etwa sieben Prozent.

Null-Ahnung und keinen Bock

Und jetzt kommt’s – annähernd ein Viertel, genauer gesagt 23 Prozent der 16- bis 29-Jährigen meinen, die gesetzliche Rente recihe für ihren Ruhestand. Ist das Null-Ahnung, keinen Peil, keinen Bock oder kein Geld? Mangelndes Interesse spielt sicher eine Rolle. Deswegen sorgen auch knapp zwei Drittel oder 63 Prozent der 16- bis 29-Jährigen auch nicht privat nicht vor, so die Postbank Umfrage. Sie haben sich schlicht bislang noch keine Gedanken gemacht und chatten, bloggen, instagrammen lieber über Mode, Reisen und Beauty.

Aktien als Alternative

Doch, wer spät anfängt, fürs Alter vorzusorgen, wird das Ziel, im Alter auskömmlich leben zu können, wohl kaum erreichen. „Gerade junge Menschen sollten möglichst früh mit der privaten Vorsorge beginnen“, empfiehlt Rusch. „Auch wenn die Vergütung in der Ausbildung oder zum Berufsstart noch gering ist, lohnt es sich, monatlich kleine Beträge anzulegen.“ Der Renteneintritt liegt ja noch in weiter Ferne, da verspricht gerade ein Aktien-Investment eine entsprechende Rendite, mit der sich die Versorgungslücke ausgleichen lässt.

https://www.youtube.com/watch?v=_iYSXApYd9s

Pflicht zur Altersvorsorge – Junge trauen sich anscheinend selbst nicht über den Weg

Übrigens, selbst die IG Metall, sprich die Gewerkschaft, wirbt bei den Jungen für die Altersvorsorge. Allerdings schwebt den Gewerkschaftern mit der „Metallrente“ eher eine obligatorische Zweit-Renten-Versicherung vor.

Einer der ganz wenigen Jungen, die über Altersvorsorge nachdenken, ist wohl der heute 19-jährige Soticek Noah Juraj. Er hat den Blog time-to-invest.at und hat den Traum der finanziellen Freiheit. Er hat erkannt, dass sein „Geld stetig weniger“ und das vielen „überhaupt nicht bewusst“ ist. „Du überlässt dein Geld der Bank ohne zu wissen was die damit eigentlich machen, du vertraust fremden Menschen blind dein Geld an! Und wieso? Weil das alle so machen.“ Er fordert deswegen: „Du musst anfangen dich finanziell weiter zu bilden“. Ein Beispiel, dass sich die Jungen zu Herzen nehmen sollten.

 

 

Quelle: Postbank © stockasso




Was geschieht mit der Rente nach einer Scheidung?

Scheidung – und dann? Was geschieht nach einer Scheidung mit der Rente? Wenn nichts vereinbart ist, werden die Ansprüche 50:50, sprich hälftig oder partnerschaftlich geteilt. Soweit die gesetzliche Regelung. Übrigens gilt das auch für die Riester-Rente. Der Versorgungsausgleich ist der Dreh- und Angelpunkt des Scheidungsverfahrens. Der Versorgungsausgleich definiert die Rentenbezüge beider Ex-Ehepartner eindeutig.

Entgeltpunkt als Rentenwährung

Die Rentenansprüche, die im Laufe einer Ehe angesammelt wurden, werden zu gleichen Teilen verteilt. Das Ehegattensplitting zeigt bereits, wie eng Ehegatten finanziell miteinander verbunden sind. Bei der Scheidung gilt dasselbe, denn der sogenannte Versorgungsausgleich befasst sich mit einer gerechten Aufteilung der Rentenzahlungen.

Das klingt simpel – ganz so simpel ist es jedoch nicht. Der Versorgungsausgleich soll die Rentenansprüche, die in der Ehe angesammelt wurden, gleichmäßig und gerecht auf die Ex-Partner verteilen. Bevor es ans Verteilen geht, muss jeder, der sich scheiden lässt, begreifen, worum es bei der gesetzlichen Rente geht. Wie funktioniert das Rentensystem? Die Basis dazu ist gar nicht so kompliziert: Je länger die Partner arbeiten, desto mehr Rentenpunkte sammeln sie. Das entscheidet letztlich über die Höhe der Rente. Ein Rentenpunkt war Stand 2015 29,21 Euro (Westdeutschland) und 27,05 Euro (neue Bundesländer) wert. Ein Jahr später, im Juli 2016, erhöhte die Regierung den Entgeltpunkt auf 30,45 Euro und 28,66 Euro. Der Entgeltpunkt wird regelmäßig angeglichen, um die Inflation auszugleichen. Normalerweise passierte das zum 1. Juli eines Jahres. Ab Sommer 2017 wird ein Rentenpunkt voraussichtlich somit 31,11 Euro oder 28,29 Euro wert sein und ab dem 1. Juli 2018 31,86 Euro oder 29,51 Euro.

Regelmäßige Rentenerhöhung

Wie stark die Steigerung ist, hängt von vielen wirtschaftlichen Faktoren ab und ist jedes Jahr ganz unterschiedlich. Generell erfolgt im Osten eine prozentual deutlich höhere Anhebung als im Westen, sodass die Werte in einigen Jahren beinahe gleich hoch sein werden.

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Zum Ende des Arbeitslebens werden alle gesammelten Rentenpunkte aufaddiert und daraus ergibt sich die monatliche Rente. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ein Rentenpunkt nur dann voll zählt, wenn man in diesem Jahr mindestens das jeweilige Durchschnittsentgelt verdient hat. Zusätzliche Punkte gibt es beispielsweise durch Wehrdienst und Zivildienst, Ausbildung und Kindererziehungszeiten. Außerdem muss das Mindestalter zum Bezug der Rente – das Eintrittsalter klettert seit 2012 stufenweise von 65 bis 67 Jahre, ab Jahrgang 1947 steigt sie jeweils um einen Monat –  erreicht werden; spezielle Lösungen wie die geplante Flexi-Rente bleiben dabei erst einmal außen vor.

Gerechter Versorgungsausgleich?

Und nun zurück zum Versorgungsausgleich –  das Prinzip der ehelichen Zugewinngemeinschaft, bei der jedem Partner exakt die Hälfte des Zugewinns zusteht, gilt nämlich auch bei den Rentenpunkten. Haben beide Partner durchgehend gearbeitet und dabei ähnlich viel verdient, findet der Versorgungsausgleich zwar statt, spielt aber keine große Rolle, da die Eheleute auch ohne die Regelung zum selben Ergebnis kommen würden.

Umso stärker fällt der Ausgleich dafür ins Gewicht, wenn beispielsweise die Frau einen Großteil ihres Lebens Hausfrau war. In der Folge werden ihre während der Ehe erworbenen Rentenpunkte und die des Mannes zusammengerechnet und durch zwei geteilt.

Als Alternative gibt es die Ausgleichszahlung. Bei dieser einigen sich die Ehepartner auf eine einmalige Zahlung, mit der der Rentenanspruch gewissermaßen ausgeglichen wird. Der Nachteil daran ist jedoch, dass der Empfänger des Ausgleichs – in unserem Beispiel die Hausfrau – die Zahlung versteuern muss, während der Zahlende die Summe als Sonderausgabe von der Steuer absetzen kann.

Wackliges Rentensystem

Doch für welche Variante sich ein geschiedenes Paar auch entscheidet, ändert der Versorgungsausgleich nicht am übergeordneten Problem beim Thema Rente. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass das deutsche Rentensystem seit langer Zeit auf wackligen Füßen steht. Mithilfe von Beispielrechnungen erkennt man schnell die Probleme dieses Systems – oft fällt die Rente nämlich viel zu klein aus, um im Alter sorgenfrei davon leben zu können. Eine zusätzliche private Vorsorge gilt mittlerweile fast als Pflicht, doch nicht alle Menschen können sich diese Form der Zusatzkosten überhaupt leisten.

Begriffe wie Altersarmut geistern also nicht ohne Grund seit Jahren durch die Medienlandschaft. Grund für diese Entwicklung ist nicht zuletzt der demographische Wandel, der eine Überalterung der deutschen Bevölkerung zur Folge hat. Das Prinzip der Rente baut auf den Generationenvertrag auf, doch dieser kann im Ungleichgewicht der Altersstruktur nicht mehr so funktionieren, wie einst gedacht.

Bild: © istock.com/Alexander Raths




So will der Sozialverband die Rente sichern

Rente geht auch Junge an, proklamiert der Sozialverband SoVD. Das System muss solidarisch gesichert werden, damit niemand mehr im Alter „arm dran“ ist. Dafür hat der Sozialverband die Aktion gestartet „Lieber nicht arm dran“.

Der Sozialverband mit seinen 560 000 Mitglieder hat etwas andere Vorstellungen von einem tauglichen Rentensystem als viele Politiker, das Altersarmut verhindern soll. Wie das funktionieren soll, hat er in einem „Bekämpfung von Altersarmut“ erklärt.

„Die Altersarmut in Deutschland steigt. Wir registrieren diesen Trend mit großer Sorge und setzen uns mit voller Kraft dafür ein, über das Problem aufzuklären und auf Lösungen hinzuwirken“, so SoVD-Präsident Adolf Bauer. Frauen, Menschen mit Behinderungen und Langzeitarbeitslose tragen aus der Sicht des SoVD ein besonders hohes Risiko, in Altersarmut abzurutschen. Zudem schätzt der Sozialverband die Gefahr für sogenannte Solo-Selbstständige als hoch ein, im Alter zu verarmen.

Was der SoVD fordert:

  • Er schlägt einen Ausbau von Beitragszahlungen zur gesetzlichen Rentenversicherung in der Erwerbsphase vor, zum Beispiel durch eine Einschränkung prekärer Beschäftigungsformen wie Minijob und Leiharbeit.
  • Er fordert weiter ergänzende Regelungen im Rentenrecht, um der Gefahr von Altersarmut für Rentnerinnen und Rentner sowie für rentennahe Jahrgänge zu begegnen. So könnten in der Vergangenheit zurückgelegte Zeiten der Niedriglohnbeschäftigung und der Langzeitarbeitslosigkeit aufgewertet werden.
  • Schließlich müssen laut SoVD Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner erfolgen, denn für sie ist das Risiko von Altersarmut besonders hoch, obwohl die Rente aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht freiwillig in Anspruch genommen wird. Der Sozialverband hält es daher für erforderlich, die systemwidrigen Abschläge bei Erwerbsminderungsrenten abzuschaffen.

Dazu passt die Meldung, dass bei immer mehr älteren Langzeitarbeitslosen die Hartz-IV-Leistungen wegfallen. Manche bekommen, so finanztreff.de, noch einen Job, andere gehen freiwillig vorzeitig in Rente – viele müssen aber wohl auch zwangsweise bereits mit 63 Jahren mit Abschlägen in Rente gehen. Das hat die „Süddeutsche Zeitung“ erfahren dank einer Anfrage der Linken, auf die die Bundesregierung antwortete. So sei die Zahl der 63-Jährigen, die aus dem Hartz-IV-Bezug ausgeschieden sind, von knapp 9600 im Jahr 2008 kontinuierlich auf mehr als 38 600 im Jahr 2015 gestiegen.

Weiterführende Links:




Wehe, wenn die heile Rentenwelt zerbricht

Die gesetzliche Rentenversicherung steht auf tönernen Füßen und wird ohne Reformen nicht überleben. Eigentlich müsste das jeder begreifen. Politiker wie Andrea Nahles und Sigmar Gabriel gaukeln uns vor, dass das „bekloppt“ ist. Sind nicht eher sie bekloppt, weil sie die Wahrheit verschleiern? Wenn wir länger leben, weniger Kinder in die Welt setzen, werden wir auch mit weniger Rente auskommen und länger arbeiten müssen. An dieser Logik kommt keiner vorbei. Wehe, wenn die vermeintlich heile Rentenwelt zerbricht.

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Rente ist eine Umlageverfahren

Eins und eins ist zwei oder drei minus eins oder vier geteilt durch zwei – das gilt auch für die gesetzliche Rente, die als Umlageverfahren von den Beiträgen der aktiven Erwerbsbevölkerung gespeist wird. Die Verhältnisse zwischen Beitragszahlern und -empfänger ändert sich und damit muss sich auch die gesetzliche Rente anpassen. Einige Politiker, allen voran Bundessozialministerin Andrea Nahles gaukelt uns vor, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. „Nur einmal hatte Berlin den Mut und die Kraft aufgebracht, den Menschen die Wahrheit über den Zustand der Alterssicherungssysteme zu offenbaren und Anpassungen am Umlageverfahren vorzunehmen: Die Beiträge wurden gedeckelt, das Rentenniveau nach unten geschleust und das Renteneintrittsalter auf bis zu 67 Jahre erhöht“, erinnert Stephan Lorz von der „Börsenzeitung“. Und, was waren die Folgen? Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde abgestraft. Die Wähler wollten die Wahrheit nicht hören. Zugegeben, was Schröder einführte, war nicht alles toll, aber der Ansatz stimmte. Nahles dreht die Reformen wieder zurück, ohne Rücksicht auf die nachkommenden Generationen.

Wie funktioniert das Umlageverfahren – ein Erklär-Video

https://www.youtube.com/watch?v=fM6S9tjCnuU

Anhebung des Renteneintrittsalters

Und noch immer ist es so, dass angeklagt wird, wer die Wahrheit sagt. So geht es zurzeit der Deutschen Bundesbank, die in ihrem Monatsbericht hochrechnete, dass „eine schrittweise Anhebung (des Renteneintrittsalters) auf etwa 69 Jahre bis zum Jahr 2060“ notwendig wäre. Und trotz dieses Schritts „stiege der Beitragssatz aber wohl auf eine Größenordnung von 24 Prozent, und das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung ginge auf eine Größenordnung von rund 44 Prozent zurück“. Das heißt, selbst das wird langfristig nicht reichen, um die Rente zu stabilisieren. Die Dänen haben das schon längst begriffen und lassen das Renteneintrittsalter bis 2022 auf 67 Jahre steigen, ab 2030 dann auf 68 Jahre, ab 2035 auf 69 Jahre – und dann ab 2060 alle fünf Jahre um ein weiteres Jahr, sodass unsere nördlichen Nachbarn dann ab 2100 erst mit 77 Jahren in Rente gehen.

Bei der Rente alles in Butter?

Aber das alles liegt ja weit in der Zukunft, deswegen ist es populär und wählerwirksam, den Leuten vorzugaukeln, alles wäre bei der Rente in Butter. „Schließlich könne es doch nicht sein, dass die Menschen immer länger leben, damit auch immer länger Rente beziehen, die Zeit ihres Erwerbslebens aber zementiert und jede Debatte darüber tabuisiert wird“, kritisiert Lorz.

Obwohl Andrea Nahles „erst“ im Juni 1970 geboren ist und damit 46 Jahre alt, macht sie Klientelpolitik für die Alten. Denn ausbaden werden ihre Politik die Jungen müssen. So schön es ist, dass die Lebenserwartung steigt, so zwingend ist es, dass Rentenpolitiker – und die Gesellschaft – sich darauf einstellen. Je länger Ruheständler ihr Altersgeld beziehen, desto mehr müssen sie in den aktiven Jahren vorgesorgt haben oder desto mehr künftige Beitragszahler müssen sie in die Welt gesetzt haben.

Nahles‘ Rechnung geht nicht auf

Wir alle werden erleben, dass Nahles‘ Rechnung nicht aufgeht, weil eins und eins eben nicht drei ist. Wahrscheinlich wird heimlich am System geschraubt, so dass für die Rentner unterm Strich weniger übrig bleibt, gleichzeitig werden die Beiträge steigen und zusätzlich wird der Bundeszuschuss zur Rente steigen. Schon heute überweist der Bund annähern 87 Milliarden Euro an die Rentenkasse, 2017 werden es dann mehr als 91 Milliarden Euro sein und schon in wenigen Jahren ist die 100-Milliarden-Euro-Marke geknackt. Nicht weiter schlimm, oder? Nun, das Geld, das an die Rentenkasse geht, fehlt anderswo – in der Bildung, bei der Infrastruktur oder der Verteidigung. Das ist ein schleichender Prozess, der erst dem auffällt, der Deutschland beispielsweise mal mit Skandinavien vergleicht.

Andrea Nahles weiß um die Brisanz des Themas und hat für Oktober Arbeitgeber, Gewerkschaften und Sozialverbände zu einem Treffen eingeladen – wichtigestes Thema „die gesetzlichen Rente“.

Also, es bleibt spannend. Insofern war das sicher nicht der letzte Beitrag zu dem Thema.

Schon in etwa 25 Jahren wird es mehr Nettoempfänger als Nettozahler geben, weil die Bevölkerung altert. Das hat das Prognos-Institut ermittelt im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Das trifft vor allem die Rentenkasse. Prognos zufolge ist derzeit die Gruppe der Nettozahler mit 56 Prozent noch in der Mehrheit. Doch ab 2020 gehen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer verstärkt in Rente. Gleichzeitig wachsen immer weniger Junge in die mittlere Altersgruppe nach. Im Jahr 2040 gehören laut der Studie folglich nur noch 49 Prozent der Bevölkerung zu den Nettozahlern. Dann stehen laut der Erhebung 38,2 Millionen Nettozahler 41 Millionen Nettoempfängern gegenüber – derzeit sind es noch mehr Zahler. Je nach dem sich die Bevölkerung entwickelt, droht 2040 Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen ein Finanzdefizit in zwei- bis dreistelliger Milliardenhöhe. Würde es keine höheren Beitragssätze und Steuern geben als heute, ergäbe sich durch die demografische Entwicklung beim Defizit der Haushalte demnach ein Wert von 144 Milliarden Euro im Jahr 2040. Allein zur Finanzierung der gesetzlichen Rente fehlten dann 83 Milliarden Euro. Würden die Sozialbeiträge für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung aber von derzeit knapp 40 auf knapp 50 Prozent im Jahr 2040 steigen, hätten die öffentlichen Haushalte nur ein Minus von 24 Milliarden Euro. Dies würde aber eine entsprechende Mehrbelastung der privaten Haushalte und Unternehmen bedeuten. Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) hatte angekündigt, im November ein Konzept für die Rente vorzulegen, in dem auch eine „Haltelinie“ fürs sinkende Rentenniveau definiert sein soll

Weiterführende Links: 


… und dazu passende Tweets

https://twitter.com/SPIEGELONLINE/status/766216955959271424

https://twitter.com/welt/status/766083013407076352

https://twitter.com/SPIEGEL_Politik/status/765644733565796352




So naiv sind die Jungen bei der Rente?

Die Jungen interessiert offensichtlich herzlich wenig, wie es ihnen im Alter mal geht. Sie stecken den Kopf in den Sand und hoffen wohl im Stillen, dass es der Staat schon richten wird. Ob sie sich damit nicht verschätzen. Eigentlich müssten sie auf die Straße gehen und protestieren, aber davon ist nichts zu sehen. Es herrsche statt Empörung eher Sorglosigkeit, schreibt die „Welt“. Das bestätigte jetzt auch die Studie „Jugend, Vorsorge, Finanzen“ des Versorgungswerks MetallRente und TNS Infratest Sozialforschung.

Die Jungen fühlen sich Jugendforscher Klaus Hurrelmann schlichtweg überfordert. Sie kümmern sich nur um ihr Studium, ihr Aussehen, ihre Selbstoptimierung anstatt für eine Lebensphase, die „noch ein halbes Jahrhundert“ entfernt liege. Die „Welt“ beschreibt es mit „naiver Planlosigkeit“. Die Jungen sind in der „Mehrzahl optimistisch, wenn sie an ihre eigene Zukunft denkt“, so Hurrelmann. Die Generation Y zweifele zwar an der privaten Vorsorge, gleichzeitig sparen nur 35 Prozent aller Jugendlichen regelmäßig für ihre Altersversorgung.

Rente kommt an ihre Belastungsgrenze

„Auch 15 Jahre nach der Rentenreform hat sich noch keine Kultur zusätzlicher Vorsorge in Deutschland entwickelt; die Tendenz geht bei der jungen Generation sogar in die entgegengesetzte Richtung“, so das Resümee von Christian Traxler, dem Mitherausgeber der Studie.

Durch den demografischen Wandel knackt es immer lauter im Renten-Gebälk. Schon heute zahlen die Jungen hohe Beiträge in die Rentenkasse, ohne jedoch hoffen zu können, im Alter entsprechend davon zu profitieren. Dabei will die Arbeitsministerien noch mehr Geld an die Rentner verteilen. „Doch statt Widerstand und Eigeninitiative herrscht Sorglosigkeit“, schreibt die „Welt“.

Auch MetallRente-Geschäftsführer Heribert Karch bezeichnet die Ergebnisse der Studie als „zutiefst besorgniserregend“. Vor 15 Jahren sei die Renten-Reform mit dem Argument eingeführt worden, mehr Generationengerechtigkeit herzustellen. Das Ergebnis sei jedoch weniger Gerechtigkeit. Die junge Generation werde immer mehr zur prekären Generation der Rentenpolitik. Der Staat schießt bei der Rente immer mehr Geld zu. Dennoch liegen die Lohnersatzraten, sprich das Verhältnis der Rente zum vorherigen aktiven Einkommen, in Deutschland am unteren Ende dieser Länder. „Statt Generationen-Gerechtigkeit haben wir Unsicherheit“, so die Studie . Es müsse endlich gegengesteuert werden.

Die Jungen wünschen sich Zwang

Selbst werden sich die Jungen wohl kaum um ihre Altersvorsorge kümmern, davon ist Traxler und Hurrelmann überzeugt. Müssen die Jungen als gezwungen werden? Es scheint fast so. Die Studie zeigt, dass die Jungen angestupst werden (Nudge) wollen. Annähernd zwei Drittel stimmen automatischen Sparregelungen zu. Wenn so eine Sparregel mit einer Ausstiegsmöglichkeit (Opt-out) und einer Bezuschussung kombiniert werde, steige die Zustimmungsrate sogar auf 89 Prozent. Traxler ist erstaunt: „Die beinahe einhellige Zustimmung zu einer Default-Sparregel war sehr überraschend. Es scheint so, als wünschen sich Jugendliche einen Automatismus, der ihnen eigenständige Entscheidungen zumindest teilweise abnimmt“.

Es ist nach Traxlers und Hurrelmanns Meinung höchste Zeit, die Weichen zu stellen, um die junge Generation vor Altersarmut zu schützen. „Wir befinden uns bereits in der Mitte des 30-jährigen Reformprozesses“, mahnt Karch. Es sei an der Zeit, in einem Halbzeit-Gipfel mit allen Akteuren weitere Maßnahmen zu besprechen. Dazu sei es nötig, bei der betrieblichen Altersversorgung Hindernisse beiseite zu räumen und bessere Rahmenbedingungen für die bAV schaffen. Das heißt, die Förderung zu vereinfachen.

Politik muss endlich handeln

„So wie heute kann es nicht weitergehen. Denn selbst, wenn jemand vorbildlich in alle drei Säulen der Altersvorsorge einzahlt, kann er am Ende nicht mit einem zufrieden stellenden Ergebnis rechnen“, so das Fazit der Jugendforscher. Das System führe die jungen Leute an der Nase herum. Die Politik müsse jetzt handeln. Denn sonst sei es für die junge Generation zu spät. „Dann ist sie objektiv von Altersarmut bedroht“. Und damit malen die Beiden sicher nicht zu schwarz.


Jetzt ist es amtlich: Das Gros der Noch-Nicht-Rentner fühlt sich laut ARD-Deutschlandtrend ungenügend fürs Alters abgesichert.  57 Prozent der Befragten sind eben dieser Meinung. Nur etwas mehr als ein Drittel glaubt, fürs Alter ausreichend abgesichert zu sein. Dabei zeigt sich: Junge glauben schon gar nicht mehr daran, im Alter abgesichert zu sein, wobei dieses Gefühl häufig genug gleich wieder ad acta gelegt wird. Bei den 18- bis 34-Jährigen sehen sich knapp zwei Drittel als unzureichend abgesichert. Die Noch-Nicht-Rentner haben wenig Vertrauen in die Politik. Zwei Drittel glauben nicht, dass die schwarz-rote Koalition eine mögliche Altersarmut verhindern kann.


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Heute Niedriglohn – morgen arm im Alter

Das Thema Altersarmut kocht richtig hoch. Am Sonntag, den 17. April nahm sich auch Anne Will im Ersten des Themas an. Trotz des Beschäftigungsbooms heute droht vielen Geringverdienern im Alter eine Rente nur knapp über Sozialhilfeniveau. Selbst wer viele Jahre hart gearbeitet hat, wird als Rentner jeden Euro zweimal umdrehen müssen – und zum Sozialamt gehen.

Anne Will fragte in ihrer Sendung: „Funktioniert da noch der Sozialstaat?“ Müssen die vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeführten Rentenkürzungen jetzt rückgängig gemacht werden?

Es lohnte sich sicher leider nicht wirklich,  um 21.45 Uhr einzuschalten, zumindest für diejenige, die das Thema Altersarmut interessiert – und das müssten eigentlich alle sein, denn auch für die Jungen sehen die Aussichten alles andere als rosig aus.

Die Gäste waren:

  • Hannelore Kraft (SPD) – Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen
  • Marcel Fratzscher – Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin
  • Susanne Neumann – Putzfrau und Vorsitzende des IG BAU-Bezirksverbands Emscher-Lippe-Aa
  • Rainer Hank – Ressortleiter Wirtschaft bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“
  • Hubertus Porschen – Vorsitzender des Verbands „Die Jungen Unternehmer“

Wer die Sendung dennoch verpasst hat – sie wird wiederholt:

WIEDERHOLUNGSTERMINE

Mo, 18.04.16 | 02:45 Uhr Das Erste

Mo, 18.04.16 | 09:30 Uhr Phoenix

Mo, 18.04.16 | 20:15 Uhr tagesschau24

Di, 19.04.16 | 00:45 Uhr Radio Bremen TV, NDR

Di, 19.04.16 | 02:50 Uhr MDR

Mi, 20.04.16 | 10:15 Uhr 3sat


Wer „Anne Will“ gesehen hat, muss ziemlich enttäuscht gewesen sein. Hannelore Kraft hat die anderen abgebügelt und ihre Politik über den grünen Klee gelobt, auf die Sorgen von Susanne Neumann, Putzfrau und Vorsitzende des IG BAU-Bezirksverbands Emscher-Lippe-Aa, ist sie nicht eingegangen. Sie würgte sie mit den Worten ab, ihr Anliegen sei doch schon in der ersten Hälfte der Sendung besprochen worden. Rainer Hank, Ressortleiter Wirtschaft bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, demontierte sich gleich mit seinem ersten Satz. Hubertus Porschen, Vorsitzender des Verbands „Die Jungen Unternehmer“, wurde an die Wand geredet und konnte sich kaum Gehör verschaffen, weil Kraft ihm ständig ins Wort fiel. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, versuchte die Diskussion etwas zu versachlichen und mit Fakten zu unterfüttern, was offensichtlich Hannelore Kraft nicht sonderlich interessiert. Anne Will wirkte ziemlich hilflos und ließ zu, dass Kraft ihre Regierungsarbeit, vor allem ihre Bildungspolitik, im Detail ausbreiten durfte, worum es in der Sendung nicht ging. Die „Welt“ hat die Eindrücke stimmig zusammengefasst unter „Kühl weist Kraft die Putzfrau mit der Mini-Rente ab“.


Am Sonntag, den 17. April brachte Phoenix um 12.00 Uhr im Presseclub „„Unser marodes Rentensystem – droht Millionen Deutschen die Altersarmut?“ und im Forum Wirtschaft um 13.00 Uhr Planlos und Alter? Die große Rentenverunsicherung. Hier der Einführungstext zur Sendung: 

Die Zahlen sind erschreckend. Für fast die Hälfte aller jüngeren Arbeitnehmer in Deutschland wird im Alter ihre gesetzliche Rente unterhalb der Armutsgrenze liegen. Wer 40 Jahre lang einzahlt und 2100 Euro oder weniger verdient, würde ab dem Jahr 2030 als Rentner zum Sozialfall – sofern er nicht privat vorsorgen konnte oder geerbt hat. Das hat diese Woche eine große Untersuchung im Auftrag des WDR ergeben.
Um die Beiträge zur gesetzlichen Rente niedrig zu halten, hatte die Bundesregierung unter Kanzler Schröder vor 15 Jahren beschlossen, das Rentenniveau immer weiter abzusenken. Im Jahr 2030 wird es nur noch bei 43 % des Durchschnittslohns liegen – heute sind es 48 %.
Das fehlende Geld fürs Alter sollten die Deutschen eigentlich privat ansparen, mit Hilfe der Riester-Rente und Betriebsrenten. Doch heute wird klar: Die Riester-Rente ist offenbar gescheitert. Sie lohnt sich wegen hoher Kosten kaum, und gerade Geringverdiener nutzen diese Vorsorge nicht. Zudem haben die Betriebsrenten größte Probleme, die geplanten Zinsen zu erwirtschaften – eine dramatische Folge von Mario Draghis Null-Zins-Politik.
In Berlin bastelt Arbeitsministerin Nahles eifrig an Reformvorschlägen. Die Rente könnte das große Thema des kommenden Bundestagswahlkampfes werden. Denn die SPD sucht angesichts desaströser Umfragewerte dringend ein Thema, um bei den Wählern wieder zu punkten. Viele Fachleute aber halten nichts von punktuellen Reformen. Sie fordern, das Rentensystem zu einer Art „Deutschlandrente“ umzubauen. In diese sollten dann alle einzahlen – auch Beamte und Selbständige.

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Jobben im Alter damit das Geld reicht

Jobben im Alter? Muss statt Muße, zumindest gilt das bereits jetzt für einige Rentner in Thüringen – und es werden mehr werden. Das sagt der Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Thüringen voraus. Altersarmut nimmt zu und wird künftig zum Problem. Der Verband lässt es nicht bei Andeutungen: Schon in nur fünf Jahren dürfte der Anteil armer Rentner in Thüringen bei acht Prozent liegen. 2011 waren es nur 3,3 Prozent.

Es wird vor allem Rentner in Erfurt treffen, in Weimar sowie in Gera. Betroffen sein werden auch Rentner in Eisenach, im Kyffhäuserkreis und in Sömmerda. Thüringen liege mit einer prognostizierten Armutsquote von acht Prozent dabei sogar noch unter dem Schnitt der ostdeutschen Länder mit 10,2 Prozent im Jahr 2021. Innerhalb von zehn Jahren wachse die Altersarmut in Thüringen nach diesen Zahlen um 142 Prozent im Freistaat.

Arbeitslos, Niedriglohn – arm im Alter

Schuld an der wachsenden Altersarmut seien „gebrochene Erwerbsbiografien“, das heißt, lange und häufige Arbeitslosigkeit, die sich dann natürlich in einer geringeren Rente niederschlage. Neben Arbeitslosigkeit sind auch Niedriglöhne schuld. Das lässt natürlich das Rentenniveau sinken.

Ein Beleg für die drohende Altersarmut in Thüringen sei auch die Zahl der Rentnerinnen und Rentner, die zusätzlich zu ihrer Rente noch arbeiten. Den aktuellen Zahlen des Sozialministeriums zufolge ist die Zahl der über 65-Jährigen, die sich zur Rente etwas hinzuverdienen, seit 2007 um fast 29 Prozent auf inzwischen annähernd 22 000 gestiegen.

Reformen gegen Altersarmut

Die Zunahme der Altersarmut könne nach Einschätzung des Verbands nur verhindert werden, wenn es zu konsequenten Reformen kommt. Der Landesgeschäftsführer des Sozialverbandes, Reinhard Müller, fordert, dass die Altersgrundsicherung grundlegend reformiert wird. Ferner fordert Müller eine bedarfsgerechte Erhöhung der Regelsätze.

Die Regelsätze in der Altersgrundsicherung – inklusive altersspezifischem Mehrbedarf – sei auf 457 Euro zu erhöhen. Stromkosten sollten künftig wie Heiz- und Mietkosten in voller Höhe übernommen werden. Außerdem sollen einmalige Leistungen für größere Anschaffungen gewährt werden. Schließlich fordert der Verband auch großzügige Freibeträge auf Vorsorgeleistungen und Rentenansprüche.

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Arm im Alter statt reich in Rente

Wer sich auf die gesetzliche Rente verlässt, ist verlassen. Statt reich in Rente werden viele arm im Alter sein. Das ist immer noch nicht ins Bewusstsein vieler Betroffenen gesickert und wird beflissentlich ignoriert. Das besagen mittlerweile mehrere Studien, wie schon mehrfach hier im Blog erwähnt. Und – das ist neu – Rentner in Deutschland haben offensichtlich ein deutlich höheres Armutsrisiko als Ruheständler in anderen EU-Ländern wie Frankreich, den Niederlanden oder Dänemark. Fast jeder zehnte Rentnerhaushalt liege in Deutschland bei weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens, schreibt die „Welt“. Damit liege das Armutsrisiko der Älteren hier aber immer noch unter dem OECD-Durchschnitt. Aber, wie heißt es so schön, „traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Denn danach ist die Wahrscheinlichkeit für Schweizer größer im Alter zu verarmen als für Deutsche. Mit Recht fragt Twitterer „Betablogger“, „welche Zahlen wurden (für) die Schweiz verwendet?“. Ob die „sowohl AHV als auch Pensionskassengelder und die dritte Säule eingerechnet“ wurde? AHV steht für Alters- und Hinterlassenenversicherung. Auch Twitterer Markus Schär zweifelt an der Datenbasis. „In DE werden Geringverdiener künftig so wenig Rente beziehen wie in kaum 1 anderen OECD Land“, twittert @OECDStatistik – das allerdings scheint der Realität doch näher zu kommen.

Urheber dieser Studie ist die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Sie hat die Rentensysteme der Mitgliedstaaten verglichen. Danach liegt das Armutsrisiko der Rentnerhaushalte in Deutschland liegt bei 9,4 Prozent, in den Niederlande sind es zwei, in Dänemark 4,6 Prozent – der Durchschnitt liegt bei 12,6 Prozent.

Weil das so ist, müssen die Alten in Deutschland jobben, um ihre Rente aufzubessern.

Klar dürfte sein, dass das Risiko der Altersarmut hoch ist – und eher noch steigt, selbst für die Mittelschicht. „Wer heute 2000 Euro brutto verdient, wird, wenn er 2030 in Ruhestand geht, eine Rente unterhalb der Grundsicherungsgrenze erhalten“, schreibt die „Landeszeitung“. „Das heutige Rentensystem ist eine Armutsgarantie“, urteilt die Zeitung.

Das Thema wird uns also noch für die kommenden Jahre verfolgen, im wahrsten Sinn des Worts.

Wie sieht das Rentnereinkommen im Vergleich zum Durchschnittseinkommen aussieht

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https://twitter.com/bamf4G/status/671635250531971072

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Lebensstandard trotz höherer Rente in Gefahr

+++ aktualisiert am 20. November 2015 +++ Das Rentenplus im kommenden Jahr ist Augenwischerei, das sollten sich künftige Rentner schon mal vor Augen führen. Das ist nichts weiter als ein Wahlgeschenk im Hinblick auf 2017. Nach 2017, wenn die Union wieder im Sattel sitzt, wird es so nicht weitergehen, das muss allen klar sein. Der Rentenversicherungsbericht lässt daran auch keinen Zweifel. Die 20 Millionen Rentner müsse sich wohl auf magere Jahre einstellen – und die Neurentner erst recht.

Höhere Beiträge und niedrigere Renten

Bis 2029 soll die Rente – nach dem Ausnahmejahr 2016 – dann um rund zwei Prozent pro Jahr steigen, so die Annahme – und die ist überaus optimistisch. Die Jungen müssen umgekehrt mit höheren Beiträgen in die Rentenversicherung rechnen. Ab 2020 wird er dem Bericht zufolge von derzeit 18,7 Prozent auf 20,4 Prozent bis 2025 steigen – bis auf 21,5 Prozent dann in den folgenden vier Jahren.

Damit nicht genug, auch das Rentenniveau fällt – und zwar von derzeit 48,1 Prozent 2014 auf 47,6 Prozent 2020 und dann weiter auf 44,6 Prozent im Jahr 2029. Rentenniveau bedeutet: die Rentenhöhe des Standardrentners im Vergleich zum Durchschnittsverdienst.

Nur die wenigsten setzen auf Riester

Bei der Abfassung des Rentenversicherungsberichts gingen die Autoren davon aus, dass die heute noch Aktiven auch tatsächlich Riester-Sparen – nur, das macht nicht jeder. Genau für die Nicht-Riester-Sparer wird das Geld aus der gesetzlichen Rente in Zukunft nicht reichen. Damit ist Altersarmut programmiert. Wer da gar noch in einer teuren Stadt wie München lebt, für den sieht es ganz mau aus. Wir werden in Deutschland mittelfristig eine Wanderungsbewegung erleben – München wird dann teilweise seniorenfrei.

Rentner – Bittsteller des Staats

Es ist dem Landesseniorenrat Baden-Württemberg zugute zu halten, dass er seit Jahren vor der drohenden Altersarmut warnt, die künftige Rentnergenerationen betreffen wird. 2Es kann und darf nicht sein, dass in zehn bis fünfzehn Jahren für viele kein auskömmliches Rentenniveau trotz lebenslanger Arbeit erreicht wird“, so die Warner. Erschwerend komme hinzu, dass Menschen in Altersarmut über Sozialhilfe und Grundsicherung finanziert werden müssen. LSR-Vorsitzender Roland Sing sieht die Menschen zu Bittstellern des Staates werden, „obwohl sie jahrzehntelang Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung waren“.

https://twitter.com/vorsorgekonto/status/666979231428124673

Schönfärberei der Rentenpolitiker

„Kritische Sozialwissenschaftler sprechen angesichts der rechnerischen Annahmen von ‚beschönigenden Annahmen’ der Bundesregierung“, schreibt der „Versicherungsbote“ und verweist darauf, dass „diese akademischen Kontrolleure der Rentenpolitik die Drei-Säule-Theorie zur Alterssicherung für gescheitert erklären – die Riester-Rente inklusive“.

Das „Portal Sozialpolitik“ schreibt: Die Neurentner „liegen zudem deutlich unterhalb jenes Niveaus, das bis zur Jahrhundertwende mit der damals noch lebensstandardsichernd ausgerichteten gesetzlichen Rente ganz alleine erreicht wurde. Selbst unter den verzerrenden Modellannahmen des Regierungsberichts kann »Riestern« die Rente also nicht ersetzen – von den realen Verhältnissen ganz zu schweigen. Als Folge der (Teil-) Privatisierung der Alterssicherung zahlen die Versicherten also nicht nur einen höheren Preis für ihre Altersversorgung, sie erhalten dafür im Gegenzug auch noch geringere Leistungen. Es wird Zeit für eine Rückkehr zur lebensstandardsichernden Rente.“

https://twitter.com/DRV_BW/status/667319351221989376

Das Rentenniveau sinkt immer weiter

Grafik: Portal Sozialpolitik        Das Rentenniveau sinkt immer weiter

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Reaktionen der Medien:

Die aktuelle Diskussionen um Flüchtlinge und Terroristen überdeckt das Problem Rente, das zurzeit weitgehend untergeht. Wir als Gesellschaft müssten auf breiter Front darüber diskutieren – interessiert aber nur die Wenigsten. Einige Zeitungen haben den Rentenversicherungsbericht dennoch aufgenommen. Nachfolgend einige Pressestimmen:

Der Nordbayerische Kurier

Interessant werde es im Kleingedruckten. Denn, „die 50 Prozent (Rentenniveau) werden nur gehalten, wenn ein Rentner erstens überhaupt Riester-Rente bezieht, zweitens immer brav angespart hat, drittens immer alle staatlichen Zulagen ausgeschöpft hat und viertens sein angespartes Kapital jährlich vier Prozent Zinsen abwirft. Das alles entspricht aber ganz und gar nicht der Lebenswirklichkeit. Die Regierung rechnet sich die Zahlen schön und meint, sich ruhig zurücklehnen zu können. In Wahrheit haben die Politik der Micker-Zinsen und eine Riester-Rente mit Mängeln vielen Menschen die Lust am Sparen fürs Alter längst vergällt. Zu verantworten hat das zum großen Teil die Bundesregierung. Die Zeche aber werden andere zahlen: wir Rentner von morgen.“

Der Donaukurier

„Das Sicherungsniveau: Es wird für Rentner trotzdem schwieriger, ihren vorherigen Lebensstandard zu sichern. Das Sicherungsniveau, das Verhältnis der Rentenhöhe eines Standardrentners zum Durchschnittsverdienst, liegt aktuell noch bei 48,1 Prozent, soll 2020 noch 47,6 Prozent betragen und wird bis 2029 auf 44,6 Prozent sinken. Hintergrund ist, dass künftig immer mehr Rentner von weniger Beitragszahlern finanziert werden müssen.
n Die Vorsorge-Lücke: Die Bundesregierung argumentiert, dass bei Berücksichtigung der privaten Vorsorge das Sicherungsniveau auch künftig oberhalb der 50-Prozent-Marke bleiben wird. Die Opposition hält dagegen: Nur wenige könnten die Lücke, die durch das Absenken des Rentenniveaus entstehen, durch private Vorsorge schließen. Vor diesem Hintergrund fordert der CDU-Sozialflügel die Einführung einer obligatorischen Betriebsrente.“

Deutsche HandwerksZeitung 

Das Sicherungsniveau „Es sinkt von 48,1 Prozent 2014 voraussichtlich auf 47,6 Prozent 2020 und sackt dann weiter auf 44,6 Prozent im Jahr 2029 ab. Gemeint ist das Verhältnis der Rentenhöhe eines Standardrentners gegenüber dem Durchschnittsverdienst. Laut politischer Festlegung soll das Rentenniveau bis 2030 nicht unter 43 Prozent fallen. Inklusive Riester-Rente bleibt das Sicherungsniveau laut dem Bericht über 50 Prozent. Grünen-Rentenexperte Markus Kurth hält diese Schätzung für aus der Luft gegriffen. Tatsächlich könnten nur wenige die Rentenlücke mit privater Altersvorsorge schließen.“

 

 




Sinkendes Rentenniveau führt zur Altersarmut

Noch geht es vielen Rentner einigermaßen gut, aber das sinkende Rentenniveau führt zur Altersarmut. Da änderte auch die Rentenerhöhung nichts. Auf diesen Umstand hat der Sozialverband VdK mal wieder hingewiesen.  „Die Neurenten befinden sich seit Jahren im rasanten Sinkflug“, so VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Heute liegt das Rentenniveau bei 47,5 Prozent, bis 2030 wird es nach den Planungen auf 43 Prozent sinken. Mascher zeigt sich kämpferisch und meint, es müsse mindestens auf 50 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns angehoben und dort eingefroren werden. Sonst seien auch Durchschnittsverdiener von Altersarmut gefährdet.

Rentner müssen nebenbei jobben

Die Rentner selbst bekommen jetzt den demografischen Wandel zu spüren. Viele müssen nebenbei jobben, um über die Runden zu kommen. Bei Renten wegen Erwerbsminderung werden den Antragsstellern alle möglichen Steine in den Weg gelegt. Wer vor der Regelrente in Ruhestand geht, muss mit deftigen Abschlägen rechnen: 0,3 Prozent pro Monat, den er früher geht. Gleichzeitig schrumpfen die Reserven der Rentenversicherung. Irgendwann muss der Bund seinen Zuschuss erhöhen, dabei zahlt er heute schon weit über 80 Milliarden Euro in die Kassen der Rentenversicherung. Nach neuesten Planrechnungen seines Ministeriums kalkuliert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dem „Versicherungsboten“ zufolge für das Jahr 2019 mit einem Bundeszuschuss zur Gesetzlichen Rente in Höhe vom 97,8 Milliarden Euro.

Die Rentenreserve schrumpft

Für das kommenden Jahr bereits zeichnet sich der „Passauer Neuen Presse“ eine Schieflage an: Dem Blatt zufolge wird in der gesetzlichen Rentenversicherung 2016 ein Fehlbetrag von 2,9 Milliarden Euro erwartet. Dafür werden die Reserven angegriffen, die heute noch bei 1,6 Monatsausgaben liegt. Das heißt, was reinkommt, wird auch sofort ausgegeben. Wehe, wenn die Konjunktur einbricht und die Arbeitslosigkeit wieder steigt. In Zahlen beziffert waren Ende September noch 30,77 Milliarden Euro entspricht. Für das laufende Jahr rechnet die Rentenversicherung mit einem Defizit von 2,1 Milliarden Euro aus. Wie Sozialministerin Andrea Nahles ausrechnen ließ, dürften die Ausgaben der Rentenversicherung im kommenden Jahr um zwei Prozent auf 143,3 Milliarden Euro steigen. Die Einnahmen können da nicht mithalten: Sie werden nach Schätzungen von 138,4 Milliarden Euro (2015) auf 140,4 Milliarden Euro steigen. Der Beitragssatz soll aber unverändert bei 18,7 Prozent bleiben.

Das passt leider alles nicht zusammen. Das ganze Rentensystem kommt zunehmend in die Schieflage – dabei ist Nahles Budget schon heute das größte des Bundeshaushalts.

Reich mit Riester? Von wegen – das Gegenteil ist der Fall: eine Satire-Video von Volker Pispers

https://www.youtube.com/watch?v=to_3ZykGIEk

Weiterführende Links:

https://twitter.com/VdK_Deutschland/status/659334818279346176

https://twitter.com/Linksfraktion/status/659035618685620224

https://twitter.com/vbote/status/659384976320929792