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Die neue private Altersvorsorge steht unter Beschuss. Experten warnen vor hohen Kosten und fordern einen Staatsfonds, damit mehr Rendite bei den Sparern ankommt.
Die Merz-Regierung will die private Altersvorsorge reformieren – nett. Das ist gut gemeint, aber der Gesetzesentwurf ist nicht gut gemacht. Deutsche Politiker wollen wieder nichts von den pragmatischen Schweden lernen.
Reform oder Mogelpackung?
Jeder kann nachlesen, was sich die Bundesregierung in puncto Altersvorsorgedepot vorstellt: im Entwurf eines Gesetzes zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge (Altersvorsorgereformgesetz). Sie will damit weg von der starren Riester-Rente, hin zu mehr Flexibilität und Renditechancen durch ein neues „Vorsorgedepot“. Doch was als Befreiungsschlag für Sparer gedacht war, stößt bei Verbraucherschützern und Fachpolitikern auf massiven Widerstand.
Zu hohe Kosten, zu wenig Ertrag
Die Verbraucherzentrale lässt kaum ein gutes Haar am aktuellen Referentenentwurf. Das Hauptproblem: Trotz eines geplanten Kostendeckels von 1,5 Prozent fressen Gebühren und Provisionen einen Großteil der Gewinne auf.
„Ein Kostensatz von 1,5 Prozent führt dazu, dass lediglich 53 Prozent der Kapitalmarkterträge bei den Vorsorgesparenden ankommen“, rechnen die Experten vor.
Zum Vergleich: Beim schwedischen Vorbild (Staatsfonds AP7) landen dank minimaler Kosten rund 99 Prozent der Erträge in den Taschen der Bürger. Die Verbraucherschützer befürchten zudem, dass das System weiterhin auf provisionsorientiertem Verkauf basiert – Berater könnten also eher die Produkte mit der höchsten Provision empfehlen als die, die am besten für den Kunden sind.
Hessen fordert mehr Transparenz
Auch aus der Politik kommt Gegenwind. Das Hessische Ministerium der Finanzen betont, dass ein echtes Standard-Depot vor allem zwei Kriterien erfüllen muss: Vergleichbarkeit und Transparenz. Ohne klare Strukturen und eine einfache Handhabung bestehe die Gefahr, dass die Reform ihr Ziel – mehr Menschen in die private Vorsorge zu bringen – verfehlt.
Das „Schweden-Modell“ als Rettung?
Anstatt auf ein komplexes Geflecht aus Bank- und Versicherungsprodukten zu setzen, fordern Kritiker einen staatlich organisierten, aber unabhängig verwalteten Vorsorgefonds nach schwedischem Vorbild.
Die Vorteile des Schwedenfonds:
- Minimale Kosten: durch Skaleneffekte und den Verzicht auf teure Vertriebsstrukturen.
- Hohe Rendite: Der schwedische AP7 erzielte über Jahrzehnte hinweg Renditen von über 10 Prozent.
- Einfachheit: Ein Standardprodukt für alle, die sich nicht aktiv um ihre Anlage kümmern wollen.
Kosten runter und mehr Transparenz
Die geplante Reform der Merz-Regierung bringt zwar die Abkehr von der 100-Prozent-Beitragsgarantie und eröffnet damit Chancen auf dem Aktienmarkt. Doch solange die Kostenstruktur so hoch bleibt, profitieren vor allem die Anbieter, nicht die Sparer. Ob der „Schwedenfonds“ für Deutschland noch eine Chance bekommt, bleibt die entscheidende Frage für die kommenden Monate.
Erste Lesung des Gesetzesentwurfs
Am Donnerstag, 26. Februar, 13.55 Uhr soll der Gesetzentwurf in erster Lesung beraten werden. Gegenstand der halbstündigen Debatte ist auch ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel „Ein Bürgerfonds für eine bessere ergänzende Altersvorsorge – Einfach, sicher, renditestark“ (21/3617). In beiden Fällen soll der Finanzausschuss die Federführung bei den weiteren Beratungen übernehmen.
Die Grünen wollen einen „Bürgerfonds als öffentlich verwaltetes, kostengünstiges, renditestarkes und nachhaltiges Standardprodukt für die private Altersvorsorge“. In den sollen abhängig Beschäftigte einen Teil ihres Gehalts für ihre individuelle Altersvorsorge automatisch einzahlen, „sofern sie dem nicht aktiv widersprechen“. Wer widerspricht, soll in private Konkurrenzangebote einzahlen können – ganz nach dem schwedischen Modell als Vorbild.
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