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Politiker und Ökonomen fordern, dass Ältere länger arbeiten sollen. Können sie das auch? Wie stellen sich Unternehmen darauf ein? Längst ist nicht alles ideal – höchste Zeit nachzubessern oder überhaupt erst mal loszulegen.

Zwar steigt der Anteil älterer Beschäftigter in den Belegschaften peu à peu, aber von den 63-Jährigen sind der Bundesagentur für Arbeit nur noch 15 Prozent Vollzeit beschäftigt, von den 64-Jährigen sind es lediglich 10,3 Prozent, selbst von den 60-Jährigen sind nur 35,2 Prozent Vollzeit beschäftigt. So sah im vergangenen Jahr die Realität aus. Dabei altern Deutschland und Italien in Europa am schnellsten. Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren 2016 hierzulande 21 Prozent älter als 65 Jahre – getoppt nur von Italien mit 22 Prozent. Die jüngste Bevölkerung hat übrigens Irland mit 13 Prozent 65plus-Einwohnern.

Immer weniger Aktive und mehr Alte

Unternehmen stehen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vor der Herausforderung, Rahmenbedingungen für eine längere Lebensarbeitszeit zu gestalten. Die BAuA hat deswegen die Broschüre die „Alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung“ herausgebracht. Die baua: Praxis vermittle systematisch und praxisnah den aktuellen Forschungsstand – plus Hinweise auf die Möglichkeiten einer alterns- und altersgerechten Arbeitsgestaltung.

2030 werden laut BAuA voraussichtlich nur noch 39 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland leben. 2010 seien es noch rund 45 Millionen. Schon aus Eigeninteresse müsste den Unternehmen daran gelegen sein, qualifiziertes Personal möglichst lange und leistungsfähig im Unternehmen halten – am besten bis zur Regelaltersrente. Eigentlich dürfte es sich von selbst verstehen, dass ein gutes Betriebsklima und ergonomische Arbeitsumfeld motivieren. Motivierte Beschäftigte, sind gesunde Beschäftigte, die seltener krank werden – gut für die Effizienz. Leider ist das bei vielen Führungskräfte noch nicht angekommen.

So sieht altersgerechte Arbeit aus

Die Broschüre der BAuA verdeutlicht, worauf es bei der alterns- und altersgerechte Gestaltung der Arbeit ankommt. Sie gibt konkrete Hinweise auf Gestaltungsmöglichkeiten im Betrieb – und ist gedacht für Verantwortliche in Betrieben, Arbeitsschutzakteure, Beratende, sowie Vertreter der Sozialpartner.

„Alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung – Grundlagen und Handlungswissen für die Praxis“; Inga Mühlenbrock; 1. Auflage; Dortmund; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2016; ISBN: 978-3-88261-216-5; 100 Seiten, DOI: 10.21934/baua:praxis20161116. Die baua: Praxis gibt es als PDF im Internetangebot der BAuA unter www.baua.de/publikationen.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

3 Comments

  1. […] für Unternehmen, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Bundeskanzlerin Angela Merkel dringt auf eine altersgerechte Ausgestaltung der Arbeitswelt. Dazu gehört sicher auch, die Arbeit flexibler zu gestalten, dazu gehört ferner Weiterbildung […]

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  2. […] setzt sich zusammen aus „ergon“ und „nomos“ – Arbeit und Regel. Letztlich geht es darum, sich die Arbeit so leicht wie möglich zu machen und das Umfeld entsprechend zu gestalten, so dass die Gesundheit nicht darunter leidet. Das […]

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  3. Die Krux, lieber Herr Achatz, liegt in der “jetzt am Drücker befindlichen Führungskräfte”. Immer noch, obwohl sich die von Ihnen skizzierten Trends eindeutig abzeichnen, sucht man die 25jährige mit 15 jährigen Berufserfahrung, möglichst dreisprachig und reisebereit zu einem Tarif von 30.000,-Euro im Jahr. So zumindest in den Konzernen. Anders ist das im Deutschland tragenden Mittelstand. Hier wurden noch vor fünf Jahren Ingenieure, die das 50igste Lebensjahr passiert haben, mit einer üppigen Abfindung zum Gehen aus dem Betrieb aufgefordert. Mittlerweile sind die paar potenziellen Ingenieure, die großes Talent haben und von der Uni kommen, von den Dax-Unternehmen umschwirrt. Diese Daxer fangen alles ab, was nicht niet – und nagelfest ist. Der Mittelständler hat sich somit, zunächst nolens volens, nun aber mit voller Überzeugung darauf eingeschossen, die altgedienten Ingenieure ja an Bord zu halten. Diese können ihre Lebens- und Fachexpertise an die jungen Menschen im Betrieb hervorragend weitergeben und somit -auch kulturell- dem mittelständischen Unternehmen genügend Rückgrat für die Zukunft geben. Voraussetzung für alle: die von Ihnen beschriebene Anpassung der Arbeitsbedingungen (Hardware: Arbeitsplatz) und (Software: Flexible Arbeitszeiten, Teilzeit, mehr Urlaub- und Krankentage, sitzende mehr als stehende Arbeiten etc. muss konsequent umgesetzt werden. Dann werden wir auch die personalkritischen Jahre der Zwanziger- und Dreißiger gut überstehen.

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