Wenn Alte zu Alkoholikern werden

Ein Bier am Abend oder ein Gläschen Wein gehört bei vielen von uns dazu. Nur, oft bleibt’s nicht bei dem einen Bierchen. Wo hört Genuss auf und wo fängt Alkoholismus bei uns Alten auf. Sind wir schon zu Alkoholikern geworden?

Alkohol enthemmt, das weiß jeder; Alkohol entspannt; Alkohol macht gesellig. Alles ok, aber Alkohol macht auch abhängig. Wer alt ist und einsam greift gern zur Flasche und genehmigt sich oft mehr als ein Glas Wein. Wer seine Impulse nicht im Griff hat, gleitet so schnell in die Sucht ab.

Schön, wer sagen kann: „Betrifft mich nicht“. Leider ist Alkoholismus mittlerweile ein sich ausbreitendes Phänomen. Bei den AOK-Versicherten ab 60 Jahre beispielsweise ist die Häufigkeit alkoholbedingter Störungen in den vergangenen fünf Jahren um jährlich 2,3 Prozent gestiegen, schreibt die „Schwäbische“. Der AOK-Studie zufolge waren in Baden-Württemberg 22 371 Versicherte ab 60 Jahren wegen Alkoholsucht in Behandlung.

Wenn Alte zu Alkoholikern werden

Es dürfte vermutlich niemand sondern wundern, dass vor allem Männer gefährdet sind. Von den Behandelten waren „nur“ 6081 Frauen, aber 16 290 Männer. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass Frauen die besseren Netzwerke haben, während Männer oft im Alter vereinsamen – und dann zur Flasche greifen. Einsamkeit spielt eine entscheidende Rolle, wenn jemand im Alter in den Alkoholismus abdriftet.

Sucht im Alter noch immer tabu

Wann beginnt die Sucht? Wer täglich wie selbstverständlich Alkohol trinkt, ist dem Alkoholismus schon ein Stückchen näher. Der Übergang vom normalen Alkoholkonsum zum Alkoholmissbrauch und schließlich zur Sucht ist schleichend. Alkohol ist gesellschaftsfähig und hat ein positives Image. Das erschwert es, das eigene Verhalten zu hinterfragen. „Das ist die Generation der Babyboomer, denen ging es immer gut; sie finden es ganz normal, zu Hause abends eine Flasche Wein aufzumachen oder dies nach der Arbeit im Stammlokal mit Freunden zu tun“, wird Steven Dooley in der „Zeit“ zitiert. Dooley beschäftigt sich an der Uniklinik Mannheim mit der Wirkung von Alkohol auf die Leber. Ein gutes Glas Wein gehöre zum Lebensstil und gelte als kultiviert, meint Alkohol-Experte Dooley.

Alkohol als Gesellschaftsdroge

Gefährlich wird es, wenn Alkohol nicht mehr als Genuss­mittel konsumiert, sondern als Hilfsmittel benutzt wird, schreibt der „Stern“. Alkohol weitet die Gefäße, lässt uns „runterkommen“ und den Stress vergessen. Damit betäuben wir Leere, Angst und Selbstzweifel. Wenn’s denn bei einem Gläschen bleibt, ist das durchaus in Ordnung, allerdings gewöhnen wir uns nur allzu leicht an Alkohol. Wer zwei oder drei Gläser Wein braucht oder ein halbes Dutzend Bierflaschen, hat die Grenze zum Missbrauch schon überschritten.

Wer in der Lage ist, auch mal einen Tag ohne Alkohol auszukommen, hat gute Chance, dem Teufelskreis zu entkommen. Wer nicht mehr dazu in der Lage ist, ist schon in die Sucht abgedriftet.

Wege raus aus der Sucht

Wer süchtig ist, kommt kaum noch allein aus der Sucht wieder heraus. Der Alkoholsüchtige ist leider schon psychisch abhängig. Wenn der Alkoholspiegel sinkt, wächst das Verlangen nach dem Suchtmittel. Der Tag ohne wird zur Qual. Der Alkoholsüchtige richtet sein ganzes Denken darauf aus, wieder an Stoff zu kommen. Alles andere rückt in den Hintergrund. Das hat natürlich Folgen für das soziale Umfeld. Der Weg ins Abseits ist vorgezeichnet.

Wie geht das Umfeld damit um?

Was heißt das aber für Familie und Freunde? Oft leidet die Familie unter Alkoholikern, denn sie vernachlässigen ihre Pflichten, driften ab oder werden sogar aggressiv, wenn sie ihr Quantum nicht bekommen. Es ist schwer, Trinker mit ihrem Handeln zu konfrontieren, weil sie abwiegeln oder revoltieren.

Wie der Sucht entkommen?

Aus der psychischen Abhängigkeit vom Alkohol wird auch die physische Abhängigkeit – bis am Ende Wahnvorstellungen auf den Trinker warten oder eine Leberzirrhose. Ganz abgesehen davon, dass Alkohol massenweise Gehirnzellen vernichtet.

Letztlich bleibt nur Entziehungskur und Selbsthilfegruppe, um dem Alkoholismus zu entkommen. Das ist schwierig, aber nicht unmöglich und erfordert eine enorme Kraftanstrengung. Nach dem Entzug ist Alkohol tabu – für immer, denn ein Schluck reicht als Trigger, der den Rückfall auslöst.

Bundesweit gibt es ein breites Angebot an Reha-Kliniken und Selbsthilfegruppen, an die sich Alkoholiker und ihre Angehörigen wenden können. Wer früh anfängt, hat gute Chance, den Alkoholismus zu entkommen.

Infos und Adressen:

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Ist die Riester-Rente so sicher wie die gesetzliche Rente?

„Die Rente ist sicher“, propagierte einst Norbert Blüm. Aber eben nicht in der Höhe, vergaß er zu sagen. Das ist das Problem. Was für die gesetzliche Rente gilt, gilt auch für die Riester-Rente. Sie kann die Versorgungslücke nicht schließen, wofür sie ursprünglich gedacht war.

„Das Kopfkissen – die bessere Riester-Rente?“, behauptet der Bund der Versicherten und provoziert damit die Versicherungsbranche. Wer hat Recht? Der Bund der Versicherten (BdV) hat in einer Studie ermittelt, „dass die Versicherungsunternehmen strukturell nicht in der Lage sind, erfolgreich mit den ihnen anvertrauten Werten zu arbeiten“. Das lasse sich sowohl auf hohe Kosten in der Ansparphase zurückführen, wie auch auf überzogene Annahmen zur Lebenserwartung, die die Rentenhöhe – und damit auch die Rendite – mindere, so die Studie des BdV.

Nur noch 0,9 Prozent Zins

Die Studie des BdV bezieht sich auf Riester-Rentenversicherungen, die mindestens den sogenannten Höchstrechnungszins abwerfen sollen. Der Höchstrechnungszins ist seit 1997 von vier Prozent auf mittlerweile 0,9 Prozent  gesunken, entsprechend niedrig fallen die Riester-Renten aus. Wer beispielsweise 20 Jahre lang monatlich 85 Euro eingezahlt hat und die 175 Euro Grundzulage mitgenommen hat, bekommt laut Stiftung Warentest bei der Allianz 77 Euro Riester-Rente ausgezahlt, bei DEVK nur 74 Euro, bei der R+V AG 77 Euro – nicht gerade üppig. Die Versicherungen versprechen zwar Überschussbeteiligungen, nur wer bereits Erfahrungen mit Versicherungen gemacht hat, weiß, dass die Überschussbeteiligungen im Lauf der Jahre teilweise bis auf null Euro abgeschmolzen wurden. Wie sollen die Konzerne auch Überschüsse angesichts der jahrelangen Nullzinsphase erwirtschaften – und daran wird sich auch so schnell nichts ändern, wie Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) unmissverständlich der ganze Welt mitteilte.

Wie die Überschüsse zusammenschmelzen

Der BdV hat also Recht, wenn er nur mit dem rechnet, was die Versicherer auf alle Fälle zahlen müssen. Aber selbst, wenn ein paar Euro Überschuss herausspringen, macht es das kaum besser. Der Gesamtverband der Deutschen  Versicherungswirtschaft (GDV) lässt das natürlich nicht auf sich sitzen und hält dagegen. Von Negativrenditen könne keine Rede sein, nach Steuern seien mit Riester-Renten Renditen zwischen drei und vier Prozent zu erzielen. „Das ist reine Polemik“, so der GDV-Geschäftsführer Peter Schwark. Der BdV kalkuliere mit viel zu niedrigen Lebenserwartungen und gehe von einem „unrealistischen Worst-Case-Szenario“ aus. Den schlimmsten Fall gibt es offensichtlich bei Versicherern nicht. Die Realität sieht leider anders aus, wie viele Kunden von Versicherungsunternehmen sicher bestätigen können.

Werden Männer 93 Jahre alt?

Was die Lebenserwartung betrifft, so nimmt der BdV die Zahlen vom Statistischen Bundesamt, während die Versicherungsbranche ihre eigenen Zahlen hat. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) geht von einer Lebenserwartung bei Männern von 92,7 Jahren aus, das Statistisches Bundesamt von 78,7 Jahren – macht einen Unterschied von 14 Jahren. Aber wie viele Männer werden schon annähernd 93 Jahre alt? Die Rechnung gilt übrigens für heute 40jährige, heute 60Jährige hätte laut DAV noch 34 Jahre vor sich, dem Statistischen Bundesamt nur noch 21 Jahre. Der GDV meint, dass ein Viertel der 2009 geborenen Jungen und 38 Prozent der Mädchen voraussichtlich mindestens 95 Jahre alt werden. Umgekehrt sterben aber drei Viertel schon früher.

Klar, wenn die Auszahlung auf so viele Jahre gestreckt wird, sind viele bereits gestorben und beziehen damit auch keine Riester-Rente mehr. Deswegen gibt’s monatlich auch weniger, als wenn die Zahlen des Statistischen Bundesamts genommen würden. Der BdV prangert genau diese zu vorsichtig kalkulierten Lebenserwartungen an.

Riester-Rente nur für Methusaleme

Aber zurück zur BdV-Studie: Der BdV hat durchgerechnet, was wäre wenn jemand jeden Monat 85 Euro einzahlt – plus Grundzulage von jährlich 175 Euro und es unters Kopfkissen legt. Es würde sich ein Betrag von 20 400 Euro plus 3500 Euro Zulage, sprich insgesamt 23 900 Euro ansammeln. Der Sparer könnte sich davon 20 Jahre lang jeden Monat 99 Euro auszahlen und es wären immer noch einige Hunderte übrig. Wenn er sich „nur“ 77 Euro auszahlt, wie bei der Allianz beispielsweise, würde das Geld unterm Kopfkissen 25 Jahre reichen. Da Männer im Schnitt laut Statistischem Bundesamt nur eine Lebenserwartung von 78,4 Jahren haben, würde der Unterm-Kopfkissen-Sparer also deutlich besser abschneiden, denn er hat ab 65 nur noch 13,4 Jahre zu leben. Das heißt, er könnte sich sogar 150 Euro auszahlen. Klingt makaber, aber ist nur ein Rechenexempel. Nur so viel, mit den 77 Euro monatlicher Riester-Renter muss ein Sparer schon sehr alt werden, dass sich Riester für ihn gelohnt hat.

Riester-Rente ist ein Draufzahl-Geschäft

Der BdV hat nicht viel anders gerechnet – und kommt bei den üblichen Riester-Angeboten auf erzielbare Renditen (plus Staatszuschuss) von minus 2,9 Prozent bis minus 0,3 Prozent – also ein Draufzahlgeschäft. Die Versicherer kalkulieren einfach mit viel zu hohen Lebenserwartungen.

Übrigens, wenn die betriebliche Riester-Rente nicht von der Doppelverbeitragung durch die Krankenversicherung befreit worden wäre, sähe es sogar mit den Verlusten noch viel schlimmer aus. Denn bis 2018 wurde Riester noch doppelt verbeitragt, wie andere Betriebsrenten heute leider immer noch. Außerdem wurde sie bis dahin auf die Grundsicherung angerechnet. Beides hat das Betriebsrentenstärkungsgesetz zumindest für Riester verbessert, nicht aber für andere Betriebsrenten.

 




Auf Kleidergrößen ist kein Verlass mehr

Kleiderkauf ähnelt immer mehr einem Lotteriespiel. Ein 54 ist keine 54 mehr, sondern vielleicht eine 50, weil die Größe bei Bugatti anders ausfällt als bei Boss. Jede Marke nimmt ihr eigenes Maß zum Ärger der Kunden. Wer online bestellt, muss die Ware mehrmals umtauschen, bis er endlich das passende gefunden hat. Kurzum, auf Kleidergrößen ist kein Verlass.

Braxx, Bugatti, Boss – jeder macht in punkto Größe was er will, mit dem Effekt, dass sich der Kunden an nichts mehr orientieren kann. Dabei gibt es auch für Kleidung eine europäische Norm, die DIN EN 13402-1, nur hält sich keiner dran – ist ja auch nicht bindend. In dieser Norm, werden – ähnlich wie für Schrauben, Steckdosen und Papierformat – Größenbezeichnungen von Bekleidung definiert, insbesondere Begriffe und Verfahrung für die Messung am Körper. Die EN 13402-2 bestimmt die Primär- und Sekundärmaße, EN 13402-3 legt die Größenbezeichnungen auf der Grundlagen von Körpermaßen und Sprungwerten fest.

Kein Verlass auf Kleidergrößen

Weil die Normen nicht bindend sind, definiert jedes Modelabel für sich, was 38 oder 44 ist, mit dem Verweis, Konfektionsgrößen ließen sich nicht normieren. Die internationalen Einheiten wie S, M, L und XL helfen den Kunden leider auch nicht weiter, weil ein L in Modena oder Catania etwas anderes bedeutet als in Stockholm oder Kopenhagen.

Wir Europäer sind ja so unterschiedlich, deswegen muss das wohl so sein. Wirklich? Komisch, die Amerikaner – und Amerika ist groß – können das doch auch. Wer eine Jeans kauft, kann sich, zumindest bei den großen Marken, an Bundweite und Schrittlänge orientieren.  Ein Problem ist noch die Umrechnung in Inch, denn die USA verweigert sich dem metrischen Maß.  Ein Inch sind 2,54 Zentimeter. Wer also Bundweite und Beinlänge misst, muss die Zahlen noch durch 2,54 teilen, um die Inch-Größe zu bekommen. Dann aber dürfte es kein Problem sein, die passende Jeans zu finden. Größe W38/L30 bedeutet dann, die Bundweite beträgt 96 Zentimer – geteilt durch 2,54 – oder aufgerundet 38 Inch, die Beinlänge bemisst sich auf 30 Inch oder 76 Zentimeter. W38/L30 ist etwas für untersetzte Herren, Damen mit kurzen Beinen kommen vielleicht mit W28/L30 zurecht, Damen mit normaler Konfektionsgröße mit W28/L32 und langbeinige mit W28/L34 oder W28/L36.

Straight, tapered – alles klar?

So weit so gut, Modelabels unterlaufen aber dieses einfach Maßsystem mit Bezeichnung wie „skinny“, „slim“,  „high rise“, „regular“, „boot cut“, „saddle“, „straight“, „high waist“, „tapered“ – alles klar? Modelabel hassen Vergleichbarkeit und unternehmen alles, um Verbraucher an die eigene Marke zu binden mit eigenen Größen, die nicht mehr vergleichbar sind.

Mittlerweile sind Größenangaben bei Hosen, Hemden und Bluse schon lange keine Garantie mehr für Passgenauigkeit. Selbst wer glaubt, er hat den passenden Hersteller gefunden, wird erstaunt sein, dass selbst die Größen je nach Modelabel variieren.

Entnervte Kunden in der Anprobe

Der Effekt dieses Verwirrspiels: Vor den Umkleidekabinen in Modeläden türmen sich die anprobierten Hosen und Jacken, weil sich Verbraucher heute nicht mehr nach Größenangaben orientieren können. Männer sind da meist ungeduldiger als Frauen und geben nach der sechsten oder siebten Hose, die wieder am Bund kneift, entnervt auf. Noch schlimmer beim Online-Kauf. Zwei Hosen in Konfektionsgröße 40 bestellt und alle beiden Hosen passen nicht. Dabei ist die eine am Bund zu weit, bei der anderen spannt das gute Stück am Oberschenkel. Also wieder zwei Retouren mehr. Selbst große Versender, die Größenberatung anbieten, sind mit diesem Problem überfordert. „Es kann passieren, dass auf derselben Seite eines Versandhauskatalogs zwei ähnliche Jogginghosen verschiedener Marken abgebildet sind; bestellt der Kunde beide in der gleichen Größe, ist es möglich, dass die eine Hose zu groß ist, die andere zu klein“, zitiert „Der Westen“ Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer des Modeverbands „German Fashion“, der 340 Unternehmen der Modebranche vertritt.

Beschiss bei der Kleidergröße

Bei Damen spielt sicher die Psychologie ein entscheidende Rolle beim Kleiderkauf. Wenn sie altern, ändert sich die Kleidergröße. Wir gehen eher in die Breite als in die Höhe, sie wollen aber die Kleidergröße behalten. Das kann nicht funktionieren. Die Marke zu wechseln, ist pure Selbsttäuschung. Leider gilt das auch umgekehrt – um jugendlicher zu wirken, wird aus einem Sakko Größe 54 ein Sakko Größe 50 – 50 klingt einfach besser als 54. Damit haben wir Männer ein Problem, denn wir akzeptieren meist, dass wir im Alter in die Breite wachsen, wählen zwei Nummer größer – und das gute Stück passt trotzdem nicht.

Kleidungskauf wird zur Tortur

Durch diese Rücksichtslosigkeit der Marken und Negieren jeder Normung wird Kleiderkauf zur Tortur. Das müsste nicht sein. Am Ende bleibt dem Kunden nur übrig, sich einen Bekleidungslieferanten zu suchen, bei dem er weiß, dass 54 auch 54 ist, was leider einfacher klingt, als es in der Mode-Wirklichkeit ist.

Ulf Gerhards hat auf seinem Blog „Zeilenendes Sammelsurium“ einmal ausführlich beschrieben, welche Probleme ein Mann beim Kauf einer neuen Hose zu meistern hat. Köstlich zu lesen. Gerhards schildert den Hosenkauf des Herrn Zeilenende Senior, der, weil Mutter Zeilenende dabei ist, „zu einem stundenlangen Rosenkrieg“ ausartet. Und „in der Herrenabteilung vom Kaufhof schafft es Herr Zeilenende Senior, sämtliche Verkäuferinnen gegen sich aufzubringen“. Aber einfach selbst lesen.

Und Vanezia Blum hat sich in Instagram mal mit Hosen der gleichen Größe unterschiedlicher Marken fotografiert – einfach nur krass. Das kann’s doch nicht sein – oder?

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Hosen kaufen war früher immer eine Qual für mich – ich habe mich regelrecht davor gesträubt. In meinem Schrank lagen Hosen von Größe 36-44 ✌🏼️ Jeans ist nicht gleich Jeans & die Größe bedeutet erstrecht nichts! Seht ihr wie unterschiedlich mein Körper aussieht auf den Bildern? Es ist beides die gleiche Größe, nur die Marke unterscheidet sich! Die Linke fällt aus wie eine kleine 36er, die Rechte wie eine große 38er. Kauft eine Hose nach dem Gefühl! Könnt ihr ohne zu ersticken den Knopf schließen? Könnt ihr in ihr 3 Stunden Autofahren? Müsst ihr immer an ihr rumzupfen? Eine Jeans soll unseren Körper umschließen & uns ein gutes Tragegefühl geben – keine schlechte Laune 🙈❤️ [Übrigens liegt zwischen den Bildern ein Zeitunterschied von circa 5 Minuten 😂] #positivevibes #happyme #beforeandafter

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Hosenkauf wird zur Wissenschaft

Hosenkauf wird dank des Negieren jeglicher Normen zur Wissenschaft. Die Modeflüsterin Stefanie Gruppe hat deswegen einen dreiteiligen Hosenratgeber ins Netz gestellt. Wem langweilig ist und wer sonst nichts zu tun hat, kann sich ja mit Stefanies Hosenserie vergnügen, in der sie über High Rise, Paperbag, Capri, 7/8 und Bermuda aufklärt.

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Taugt Kalorienzählen, um das Gewicht zu kontrollieren?

Zum Jahresanfang haben Diäten Hochkonjunktur. Wer zu viel Gewicht auf die Waage bringt, fühlt sich dick und will das ändern. Aber wie geht schlank? Runter mit den Kalorien, Sport bis zum Exzess? Es geht darum, beides vernünftig auszutarieren.

Die Deutschen überschätzen oft ihr Bewegungspensum – und wissen es oft nicht einmal, wie vor kurzem „Fit for Fun“ festgestellt hat. Wir bewegen uns zu wenig, das Magazin verweist dabei auf eine Studie. Sie glauben, sie hätten sich genug bewegt, um die Kalorien zu verdienen, die sie zu sich nehmen. Sie zählen die Kalorien, vergessen aber allzu oft, wie groß ihr tägliches Bewegungspensum war. Waren es 10 000 Schritte – oder doch deutlich weniger? Stimmt das Bewegungspensum zur  Kalorienzufuhr? Sie passen leider häufig die körperliche Aktivität nicht ihrem Bedarf an. Das Zählen der aufgenommenen Kalorien ist zwar ein guter Ansatz zur Gewichtsreduktion, allerdings sollten dabei noch einige andere Dinge bedacht werden.

Kalorien sind nicht alle gleich

Nicht jede Kalorie hat genau die gleiche Wirkung auf den Körper. So kommt es auch auf die Nahrungsmittel drauf an, die Kalorien liefern. 500 Kalorien grüner Salat sind sicher nicht 500 Kalorien Pommes Frites gleichzusetzen. So sollten diejenigen, die Kalorien zählen, unbedingt drauf achten, welche Nahrungsmittel sie zu sich nehmen. Ist die Ernährung nicht ausgewogen, könnte der eigene Körper dauerhaft geschwächt werden.

Mehr Bewegung, mehr Kalorien

Viele machen den Fehler, auf Gedeih und Verderb die Kalorienzufuhr gering zu halten, um ihren Tagesbedarf zu unterschreiten. Dieser Bedarf liegt bei einem erwachsenen Mann zwischen 2000 und 2500 kcal. Bei Frauen liegt der Wert etwas darunter. Diese Größe ist allerdings auch von der eigenen Verfassung, dem Alter und der täglichen Aktivität ab. So hat ein Bauarbeiter einen deutlich höheren Bedarf, als eine Bürokraft, wenn keiner einer zusätzlichen körperlichen Aktivität nachgeht. Die Zufuhr von Kalorien sollte an den Bedarf angepasst werden. Durch Sport kann der Kalorienbedarf um ein Vielfaches steigen. Ein olympischer Schwimmer nimmt, als Extrembeispiel, mehr als 10 000 Kalorien während intensiver Trainingstage zu sich. Schwimmen ist ein sehr gutes Beispiel, da dabei sehr viele Kalorien verbraucht werden und sich die Sportart gut für ältere Menschen eignet, da Sehnen und Gelenke durch die Bewegung im Wasser wenig belastet werden. Ideal ist auch Radfahren. Wer einige Wochen mit dem Rad unterwegs ist, kann ungeniert essen und nimmt trotzdem ab. Sportlich aktive Menschen sollten also ihre Zufuhr dem täglichen Bedarf anpassen, damit keine Mangelerscheinungen auftreten.

Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß

Das reine Kalorienzählen hat weitere Nachteile. Auch wenn relativ genau der Tagesbedarf zugeführt wird und so der Körper mit ausreichend Energie versorgt ist, kann Kalorienzählen falsch sein. Es kommt auch auf die richtige Zusammensetzung der Lebensmittel an. Neben der bekannten Ernährungspyramide, die als grobes Schema für eine ausgewogene Ernährung herangezogen werden kann, ist es zudem wichtig, das richtige Verhältnis von Fett, Kohlenhydraten und Eiweiß zu sich zu nehmen. Als grober Richtwert werden meist 30 Prozent Fett, 55 Prozent Kohlenhydrate und 15 Prozent Eiweiß aufgeführt.

Gewicht reduzieren – so geht’s

Das Kalorienzählen kann eine gute Hilfe sein, Gewicht zu reduzieren. Dabei muss aber deutlich mehr beachtet werden, als die reinen Kalorien, die ein Mensch zu sich nimmt. In Kombination mit Sport und einer ausgewogenen Ernährung hat es sich millionenfach bewährt. Es ist aber zu beachten, den täglichen Bedarf nie deutlich zu unterschreiten, da der Körper sonst Muskeln und Organe angreift, um Energie bereitzustellen.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Challenge von Nadine Becker, die zu „28 Days of Blogging“ aufgerufen hat. Das heißt, 28 Tage im Februar jeden Tag einen Blog-Post zu schreiben. Alle Blogger, die mitmachen, verlinken ihre Beiträge auf Facebook in der Gruppe 28 Days of Blogging, bei Pinterest und Instagram. Bin selbst gespannt, ob ich das in letzter Konsequenz durchhalte.  Also, bleibt neugierig – wo immer ihr auch mitlest und haltet Ausschau nach #28daysofblogging .

Foto: Unsplash –  Photo by i yunmai on Unsplash




Wie viel Koran verträgt Deutschland?

Wer Thilo Sarrazins Buch „Feindliche Übernahme“ liest, sollte vorher den „Chronist“ gelesen haben, um zu begreifen, was Religion aus Menschen macht. Vor gut tausend Jahren starteten Katholiken ihren Kreuzzug gegen den Koran und gegen Moslems, weil sie sich auf Gottes Wille beriefen.

Am 27. November 1095 brandete der Ruf „Deos lo vult“ („Gott will es“) durch die Menge, die sich auf freiem Feld vor den Stadttoren des französischen Clermonts um Papst Urban II versammelt hatten. „Brecht auf, um die Schmach, welche die Heiden (gemeint sind die Moslems) über unsere Brüder gebracht haben, zu tilgen“, stachelte Urban die Menge an. „Jeder sollte zu diesem guten Werk aufbrechen und diese abscheuliche Rasse vernichten, die es gewagt hat, sich gegen Gottes Willen aufzulehnen“, schreibt Matthias Wenzel in seinem Buch „Chronist“. Und wer sich aufmache, dem versprach der Papst die Vergebung seiner Sünden. „Den Kämpfern im Namen Christi soll ewiges Leben im Reich Gottes zuteilwerden“, so Urban in Wenzels Buch. Ob es so war, wissen wir nicht, aber wir kennen die Folgen Urbans Aufruf zum Kreuzzug.

Komisch, Urban hat sich einfach über das fünfte Gebot – „Du sollst nicht töten“ – hinweggesetzt. Urban hat Gottes Wille nach seinem Gutdünken missbraucht mit verheerenden Folgen. Wem kommt das bekannt vor? Diese Missdeutung war beileibe kein Einzelfall in der Geschichte der katholischen Kirche. Gemordet wurde auch später in Gottes Namen. Christen sind indes nicht die einzigen, die Gottes Wille vorschieben, wenn es darum geht, Andersgläubige mit dem Verweis auf Gottes Wille umzubringen. Das haben Moslems ebenfalls Jahrhunderte lang bewiesen.

Gott will es – wirklich?

Der Aufruf eines Papstes dürfte heute schwerlich eine auch nur ähnliche Euphorie auslösen wie vor gut tausend Jahren. Im Islam sieht das jedoch anders aus. Gott wird vorgeschoben, wenn es darum geht, andere umzubringen. Auch der Satz ist fast der gleiche „Inschallah“ heißt fast das gleiche wie „Deos lo vult“ – „wenn Gott will“ steht im Koran, „Gott will es“ gab Urban aus, um die Gräuel des ersten Kreuzzugs zu rechtfertigen.

Koran vom Alten Testament inspiriert

Die Bibel besteht aus zwei Teilen: dem Alten und dem Neuen Testament. Im Alten Testament geht es ziemlich skrupellos zu. Da heißt es beispielsweise, „wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll durch die Menschen vergossen werden“. Mit anderen Geschöpfen ist das Alte Testament nicht sonderlich zimperlich. Da heißt es, „Furcht vor euch und Schrecken sei bei allen Erdentieren … in eure Hand sind sie gegeben“. Das alttestametarische Gedankengut hat sich bis in die Jetztzeit erhalten. Männliche Küken werden als Shredderware angesehen und Schweine sind für uns nur Fleischlieferanten. Trotz 30 Jahre Religionskrieg, trotz Aufklärung und Französischer Revolution mit ihrer Trennung zwischen Staat und Kirche hat sich diese alttestamentarische Einstellung bis heute nur marginal geändert. Übrigens, wir zahlen alle immer noch für die Bischöfe der katholischen Kirche, ob wir Atheisten sind oder Moslems.

Mohammed hat sich vom Alten Testament inspirieren lassen. Ganze Passagen des Koran ähneln dem Alten Testament – mit Ausnahme der Beschneidung. Im Koran steht explizit: „Er schuf die Himmel und die Erde in gerechter Weise und Er gestaltete euch und machte eure Gestalt schön und zu Ihm ist die Heimkehr.“ (Koran 64:3). Aber weil für viele Imame und Moslems die Beschneidung zur kulturellen Identität gehört, werden Jungs, vor allem türkische, im Alter zwischen sechs und 14 Jahren beschnitten. Wenn Gott es wirklich so wollte, hätte er Jungs ohne Vorhaut auf die Welt kommen lassen. Inschallah.

Wie religionsemanzipiert sind wir?

Thilo Sarrazin Feindliche Übernahme

Thilo Sarrazin – Feindliche Übernahme

Gut, dass die Deutschen nicht mehr ganz so bibeltreu sind, sonst müssten die Knäblein auch ans Messer. Auch von anderen gewaltsamen biblischen Vorgaben im Alten Testament, das an rund tausend Stellen von Tod und Verderbnis predigt, haben wir uns hierzulande emanzipiert. Wer Sarrazins Buch „Feindliche Übernahme“ liest, sollte das im Hinterkopf behalten. Aber zur Frage: Wie viel Koran verträgt Deutschland? Und darum geht es letztlich. Wer den Koran ernst nimmt, muss zwangsläufig mit dem Grundgesetz in Konflikt geraten. Das hat Sarrazin erkannt und ein Buch darüber geschrieben. Ist es wirklich so, dass Koran-Gläubige die deutsche Gesellschaft übernehmen – oder übertreibt er damit maßlos? Schon vor dem Erscheinen im August 2018 wurde sein Werk zum Skandal erklärt. Ist sein Buch ein Skandal? Oder deckt Sarrazin eine Entwicklung auf, die sich unter der Oberfläche abspielt und die deshalb nicht wahrgenommen wird?

Wer kann den Koran verstehen?

Sarrazin hat den „Koran in der Übersetzung von Rudi Paret von der ersten bis zur letzten Zeile“ gelesen und sich mit den Suren und Versen auseinandergesetzt. Kann er den Koran als nicht Nicht-Koran-Gelehrter überhaupt verstehen – so wie auch nur Urban dazu befähigt war, die Bibel auszulegen? Urban war sicher bibel-fest und hat sich trotzdem über das fünfte Gebot hinweggesetzt, weil er mit dem Kreuzzug seine Zwecke verfolgte und sich um Gottes Gebote einen Dreck scherte. Warum sollten Imame nicht ähnlich denken und agieren wie Urban? Imame in den Ditib-Moscheen (Diyanet İşleri Türk İslam Birliği), sprich der Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V., werden kaum das Grundgesetz lobpreisen und die Trennung von Staat und Religion fordern, wie es die Franzosen mit dem Schlachtruf „Liberté, Égalité, Fraternité“ (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) in einer blutigen Revolution erkämpft und auch hierzulande die Säkularisation eingeleitet haben, auf die wir viel halten.

Ebenso wie das Alte Testament gibt der Koran klare Handlungsanweisung für den Alltag der Gläubigen – und die sind alles andere als Grundgesetz-kompatibel. Sarrazin verweist auf Sure 4, Vers 34 des Koran: „Die Männer sind über den Frauen, weil Gott sie ausgezeichnet hat … und wenn ihr fürchtet, dass Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie“, übersetzt Paret. Hartmut Bobzin übersetzt die Sure 4, Vers 34 so: „Die aber, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet … und schlagt sie“. Daran sei auch nichts zu deuteln, so der emeritierte Professor für Islamwissenschaften der „Zeit“ gegenüber. Alle Versuche, das „Schlagen“ weg zu übersetzen, halte er für Taschenspielertricks und zerlegt den arabischen Satz wa-dribûhunna – in „und“, „schlagt!“ „sie“. So stehe es da, so sei es gemeint.

Gleichberechtigung eine Fremdwort

Hadraht Mirza Masroor Ahmad und Ahmadiyya Muslim Jamaat mildern das in ihrer Koran-Übersetzung etwas ab und schreiben von „straft sie“. Aber auch das hat mit Egalité nichts zu tun und mit der Würde des Menschen, die laut Artikel 1 des Grundrechts „unantastbar“ schon gleich gar nicht. Die Sure verstößt ferner gegen Artikel 3, der besagt, dass „alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, Männer und Frauen gleichberechtigt“ und „niemand darf wegen seines Geschlechts benachteiligt werden“. Wenn Männer Frauen strafen, wird das vom Koran gutgeheißen, umgekehrt nicht. Männer beruhigen ihr Gewissen, wenn sie Frauen schlagen, damit, dass der Koran ihnen ja das Recht dazu gebe, wie Malte Henk und Henning Sußebach in der „Zeit Online“ („Was steht da?“) schildern.

Auch beim Erben sind Frauen nicht gleichberechtigt, denn Sure 4, Vers 11 besagt laut Parets Übersetzung, dass einen Erben „männlichen Geschlechts gleichviel wie auf zwei weiblichen Geschlechts kommt“. Hadraht Mirza Masroor Ahmad und Ahmadiyya Muslim Jamaat schreiben in ihrer Übersetzung: „Ein Knabe hat so viel Anteil wie zwei Mädchen …“. Das sind jetzt nur zwei Beispiele aus dem Koran, die der Egalité, sprich der Gleichheit Hohn sprechen.

Grundgesetz kontra Koran

Sure 4, Vers 16 in der Übersetzung von Hadraht Mirza Masroor Ahmad und Ahmadiyya Muslim Jamaat verstößt ganz klar gegen Artikel 2, Satz 2 unseres Grundgesetzes, dass „das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit … Freiheit der Person“ als selbstverständlich ansieht. Das gilt ebenfalls für Sure 4, Vers 16, in der es heißt „und wenn welche von euren Frauen Unziemliches begehen, dann ruft vier von euch als Zeugen … bezeugen sie es, dann schließet sie in die Häuser ein, bis der Tod sie ereilt oder Allah ihnen einen Ausweg eröffnet“.  Dieben werden die Hände abgeschnitten wie in Sure 5:39 vom Koran gefordert – auch nicht gerade Grundgesetz-konform. Ehebrecher werden mit einhundert Streichen gegeißelt, so verlangt es Sure 24:3 – und das Ganze vor versammelter Mannschaft. Körperliche Unversehrtheit kennt der Koran nicht.

Fraternité, sprich Brüderlichkeit verbietet der Koran sogar, in dem er den Gläubigen in Sure 5:51 an Herz legt, „nicht die Juden und die Christen zu Freunden zu nehmen“. Juden und Christen – Atheisten sicher eingeschlossen – sind eben keine Brüder.

Sarrazin – und nicht nur er – hat mit seinem Buch eine Diskussion losgetreten, ob westlich Werte und muslimische Traditionen miteinander vereinbar sind. Was das Erb- und Strafrecht betrifft, sind Frauen Menschen zweiter Klasse.

Trennung zwischen Kirche und Staat

Sarrazin fürchtet, dass sich mit zunehmender Zuwanderung von Koran-Gläubigen nach Deutschland die Ansicht durchsetzt, das deutsche Grundgesetz müsse sich dem Koran anpassen, weil es im Koran „keine klare Unterscheidung zwischen religiösem und weltlichen Recht …“ gibt. In der Einleitung zu seinem Buch schildert er, was ihn umtrieb, dieses Buch zu schreiben. Es war vor allem die Frage, „inwieweit der Islam und die Einwanderung von Muslimen nach Europa eine Gefahr für die Zukunft der westlichen Gesellschaft und für unser Lebensmodell bildet“. Was ihn stört ist vor allem, dass „es nicht gut ist, wenn sich in der Gesellschaft Gruppen bilden, die ethnisch, religiös oder wirtschaftlich dauerhaft abgesondert sind und fast nur untereinander heiraten“. Er fordert deshalb in der Einleitung, Einwanderer „sollten integrationswillig sein; ihre Zahl so bemessen und ihre Zusammensetzung so gemischt sein, dass ich in Europa keine verfestigten ethnischen Untergruppen bilden“. Was aber wegen des Koran per se schwierig bis unmöglich ist. Deswegen wird Sarrazin angefeindet.

Ermordet wegen einer Karikatur

Anstoß für sein Buch sei auch der Angriff auf Islam-Kritiker gewesen, erinnert sei nur an Salman Rushdie, den dänischen Zeichner Kurt Westergaard, der Schriftstellerin Sabatina James, die zum Christentum konvertierte und seitdem von ihrer Familie bedroht wird, vom Publizisten Hamed Abdel-Samad („Integration. Ein Protokoll des Scheiterns), dem Sohn eines sunnitischen Imams, der Polizeischutz braucht und Seyran Ates, die Rechtsanwältin, die sich für einen zeitgemäßen Islam einsetzt und eine Moschee gegründet hat, erhält Morddrohungen und kann ohne Personenschutz nicht aus dem Haus. Erinnert sei an den Anschlag auf „Charlie Hebdo“ Anfang 2015 mitten in Paris, bei dem 17 Menschen von radikalen Koran-Verfechtern ermordert wurden. Die Zeichner haben sich über Koran und Propheten Mohammed lustig gemacht und mussten dafür sterben. Gemeuchelt von Koran-Gläubigen. Das alles spielte und spielt sich wohlgemerkt nicht in der muslimisch-geprägten Welt ab, sondern in Europa.

Was steht da?

Islam ohne Koran ist nicht zu verstehen, deswegen beschäftigt sich Sarrazin gleich im ersten Kapitel damit. Seine Kritiker werfen ihm vor, er sei nicht in der Lage, den Koran zu interpretieren, geschweige denn, ihn auszulegen. Da sei wieder mal an Urban II erinnert, der sicher Bibel-Exeget war, aber die Bibel so auslegte, wie es ihm in den Kram passte. Was auf diese Exegese folgte, wissen wir ja. Sarrazin versucht, sich ein Bild vom Koran zu machen – und dabei greift er auf eine deutsche Übersetzung zurück. „Koran“ heißt übrigens wörtlich das „Sich-Ergeben“, „Sich-Unterwerfen“ unter den Willen Gottes. Er geht auf die Kernaussagen des Koran ein über Gott, Mohammed, Pflichten, Ungläubige, Auferstehung, Hölle, Paradies, Dschihad (Krieg gegen Ungläubige), Sklaverei, Sexualität, Frauen und Strafrecht. Sarrazin zitiert nur, ohne sich auf die Auslegung zu berufen, was ihm seine Kritiker vorwerfen.

In Kapital zwei geht Sarrazin auf die „islamische Staatenwelt von Arabien bis Indonesien“ ein im Hinblick auf demografisches und wirtschaftliches Gewicht, auf die Stellung in Wissenschaft und Technik, Stabilität, Demokratie, Krieg und Frieden.

In Kapital drei zeigt Sarrazin die „Problemzonen islamischer Gesellschaften“ auf in punkto Verhältnis der Geschlechter und die Rolle der Frau, Fundamentalismus und Terror.

In Kapitel vier untersucht Sarrazin „die Muslime in den Gesellschaften des Abendlandes“, Altersaufbau, Kriminalität, Parallelgesellschaften, Moscheegemeinden, Heiratsverhalten und Geburtenhäufigkeit.

Kapital fünf ist überschrieben mit „Was man tun muss“. Er warnt, in „Ehrfurcht vor der Religion den Islam vor Kritik zu schützen“ und fordert eine „Befreiung der Einwanderungspolitik von Ideologie und Wunschdenken“.

Bereitschaft zur Integration

Jeder kann zu Sarrazins Buch stehen wie er will, aber lesen wäre nicht schlecht. Er wird von vielen, auch von Teilen der Presse, verteufelt, weil er ausspricht, woran es Koran-Gläubigen teilweise mangelt – an der fehlenden Bereitschaft zur Integration. Die Religionsfreiheit wird Muslimen wie auch anderen Gläubigen im Grundgesetz explizit zugestanden. Wer an den Koran glaubt, kann seine Religion „in der Moschee und zu Hause frei ausüben und darf, außerhalb der regulären Arbeitszeit als abhängig Beschäftigter, fasten und beten, wie er möchte“, schreibt Sarrazin. Dem ist nichts hinzuzufügen. „Wer allerdings auf die optische Abgrenzung der Frauen durch Kopftuch und Schleier nicht verzichten möchte, wer an Verwandtenheiraten und …, wer nicht zulässt, dass die Töchter am Schwimmunterricht teilnehmen …, der ist in seinem Herkunftsland oder im Herkunftsland seiner Ahnen besser aufgehoben, und das sollte man auch unmissverständlich kommunizieren“ – harte Worte.

Einiges von dem, was er in seinem Buch anprangert, wird längst in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert, beispielsweise die zweifelhafte Finanzierung von Moscheevereinen oder die Sprache der Prediger, von denen bei weitem die meisten kaum oder kein Deutsch können.

Sarrazins Thesen provozieren

Wie sehr Sarrazin mit seinen Thesen aneckt, ist am wiederholten Versuch der SPD abzulesen, ihn loszuwerden und aus der Partei auszuschließen. Damit wird „seine“ Partei nicht verhindern können, dass sich immer mehr fragen, wie das denn ist mit dem Koran und dem Grundgesetz – was denn nun gilt. Eigentlich müsste doch klar sein, dass „in weltlichen Dingen der Staat über der Religion steht“, wie Sarrazin in seinem Buch schreibt. „Was er verbietet, hat Vorrang vor dem, was die Religion erlaubt; was er erlaubt, ist auch dann erlaubt, wenn es durch das religiöse Gesetz verboten ist“. Aber uneigentlich schleicht sich hierzulande Respektlosigkeit einiger ein gegenüber dem Grundgesetz, dessen uneingeschränkte Gültigkeit sie nicht länger akzeptieren. Das fängt bei muslimischen Jungs an, die ihre Lehrerin die Achtung verweigern, weil sie ja eine Frau ist und damit zweitrangig und hört bei prügelnden Ehemänner auf, die sich auf Sure 4, Vers 34 berufen. Mädchen, die sich im muslimischen Umfeld nicht an die vom Koran vorgegebene Kleiderordnung halten, werden als Schlampen oder ehrlos bezeichnet und auch so behandelt.

Sarrazins Buch ist schwer verdauliche Kost mit annähernd 500 Seiten, vielen Tabellen und Literaturhinweisen. Die Debatte um sein Werk ist zwar abgeflaut, die Probleme aber sind geblieben und werden eher noch wachsen. Eine Ahnung, was auf die westliche Gesellschaft noch zukommt, gibt auch das Buch „Inch’Allah“, in dem die beiden französischen Journalisten Fabrice Lhomme Gérard Davet von „Le Mond“ feststellen, dass in Frankreich die rigide Auslegung des Koran an Boden gewinnt und das Alltagsleben der Gläubigen bestimmt – im Gegensatz zu den Werten und Idealen der französischen Gesellschaft, die auf „Liberté, Egalité, Fraternité“ basieren und einer strikten Trennung von Staat und Religion. Noch handele es sich, schreibt die „Welt“ um „ein Randphänomen, aber eines, das voranschreite und deshalb ‚beängstigend‘ sei“. Die beiden Journalisten haben zusammen mit fünf Volontären viele Interviews im Problem-Département Seine-Saint-Denis nordöstlich von Paris geführt und in ihrem Buch „Inch’Allah“ zusammengetragen. Zurzeit gibt es das Buch nur auf Französisch.

„Feindliche Übernahme“ von Thilo Sarrazin
erschienen 2018 bei FBV, München.
496 Seiten, Preis: 24,99 Euro
ISBN: 978-3-95972-162-2



Ost-Berliner bekommen die höchsten Renten

Erstaunlich, aber der Deutschen Rentenversicherung zufolge bekommen Ost-Berliner mit 1268 Euro in Deutschland die höchste Rente. Auf Platz zwei liegen die Saarländer. Der Abstand zwischen Männern und Frauen ist enorm.

Damit liegen die Ost-Berliner deutlich über dem bundesweitem Durchschnitt von 916 Euro netto vor Steuern, so viel bekommen sie von der Rentenversicherung nach Abzug von 11,5 Prozent Sozialversicherung überwiesen.

Das ist, wohlgemerkt, ein Durchschnitt. Der Unterschied zwischen Männer und Frauen ist immer noch gewaltig. Männer bekommen im Schnitt annähernd 1200 Euro netto vor Steuern, Frauen lediglich 700 Euro. Wobei der größte Unterschied gerade im Saarland existiert – mit 713 Euro, denn Frauen bekommen im kleinsten Bundesland nur 532 Euro. Das alles ist im Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung nachzulesen.

Altersrente bundesweit nach Ländern

BundeslandDurchschnittMännerFrauen
Schleswig-Holstein8691155651
Hamburg9261164754
Niedersachsen8561163620
Bremen8691143666
Nordrhein-Westfalen8861242611
Hessen8941194658
Rheinland-Pfalz8471165592
Baden-Württemberg9161220681
Bayern8641141654
Saarland8561245532
Berlin-West9021058789
Berlin-Ost112812681026
Brandenburg10501200935
Mecklenburg-Vorpommern10221160918
Sachsen10441207924
Sachsen-Anhalt10251190904
Thüringen10301182915
Durchschnitt Bundesgebiet9161191705

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Schuld ist fehlende Kinderbetreuung

Warum ist das so? In Westdeutschland sind viele Mütter nach der Geburt der Kinder zuhause geblieben – teils freiwillig, teils zwangsweise. In Westdeutschland fehlte es jahrzehntelang an Kindergärten und Horte. Wer aber kürzer einzahlt, bekommt auch weniger Rente. Nach dem die Kinder aus dem Gröbsten raus waren, haben diese Mütter häufig in Teilzeit gearbeitet. Somit fehlen ihnen wichtige Jahre.

In der ehemaligen DDR haben Mütter ihre Kinder im Betriebskindergarten untergebracht – und konnte vergleichsweise früh nach der Geburt Vollzeit weiterarbeiten, entsprechend höher sind ihre gesetzlichen Renten. Das alles ist dem Rentenatlas der deutschen Rentenversicherung zu entnehmen.

Ost-Berliner bekommen mehr Rente

Wie bei den Männer belegen auch die Frauen in Ost-Berlin den ersten Platz mit einem durchschnittlichen Ruhegehalt von 1026 – fast doppelt so viel wie eine Saarländerin. Überhaupt bekommen die Frauen in Ostdeutschland durch die Bank deutlich höhere Rente als ihre Geschlechtsgenossinnen in Westdeutschland. Übrigens ist auch der Unterschied zwischen Männern und Frauen in punkto Rente in Ostdeutschland deutlich niedriger als im Westen, was mit dem unterschiedlichen Rollenbild in West und Ost zu tun hat.

Neben diesen Daten bietet der Rentenatlas noch weit mehr interessanter Fakten. Es lohnt sich also, einmal durchzublättern.

Rentenniveau sinkt seit Jahrzehnten

JahrSicherungsniveau vor Steuern
198057.6
199055
200052.9
200152.6
200252.9
200353.3
200453
200552.6
200652.2
200751.3
200850.5
200952
201051.6
201150.1
201249.4
201348.9
201448.1
201547.7
201648.1
201748.2
201848.1
201948,1*
202048,0**
202148
202248
202348
202448
202548
*geschätzt
**Haltelinie
Quelle: Deutsche Rentenversicherung




Italiens Rentner gehen mit 62 in Rente

Wenn es nach Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini geht, können Hunderttausende Italiener mit 62 Jahren und viele Italienerinnen sogar schon mit 58 Jahren in Rente gehen. Vorausgesetzt, sie können 38 oder 35 Beitragsjahre vorweisen. Italiens Rentner dürfen sich freuen.

Italien ist ein Rentnerparadies. Das lässt sich an den Zahlen des Istituto Nazionale Previdenza Sociale (INPS) ablesen. Der italienische Staat investiert deutlich mehr in die Rente seiner Bürger als der deutsche. Schon heute lässt sich Italien seine Rentner 286 Milliarden Euro kosten, das sind laut INPS immerhin 16,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), sprich dessen, was Italien jährlich erwirtschaftet. Deutschland zahlt seinen Rentner „nur“ 355 Milliarden Euro oder elf Prozent des BIP. Das ist, bezogen auf die Einwohnerzahl (Deutschland 82,5 und Italien 60,5 Millionen) prozentual deutlich weniger.

Italiens Rentner früher in Rente

Das reicht Salvini aber nicht. Er will die Rentner noch viel früher in Rente schicken, um für die Jungen Arbeitsplätze frei zu machen, so sein Argument. Setzt er sich durch, dürften Italiener bereits mit 62 Jahren in Rente gehen und Italienerinnen mit 58. Dafür soll die „Quote 100“ eingeführt werden. Alter und Beitragsjahre müssen 100 ergeben.

Anders als in Deutschland, unterscheidet sich das Rentenalter zwischen Männern und Frauen derzeit noch um ein Jahr, denn bislang können Italiener offizielle erst mit 66,7 in Renten gehen, Italienerinnen mit 65,7 Jahren. Für Italienerinnen soll das Renteneintrittsaltere auf 58 Jahren sinken, so sie denn 35 Rentenbeitragsjahre vorweisen können – für Italiener auf 62 Jahre.

Dieser frühe Renteneintritt soll bereits im Februar 2019 wirksam werden. Salvini schätzt, dass diese Änderung im kommenden Jahr sieben Milliarden Euro kosten wird.

Italiens Schulden steigen kräftig

Da Italien bereits heute im Euro-Raum das zweithöchst verschuldete Land ist, wird sich der Schuldenstand weiter erhöhen – denn es soll nicht an anderer Stelle gekürzt werden. INPS-Präsident Tito Boeri rechnete dem italienische Parlament vor, dass sich die Schulden der Rentenkasse damit auf rund hundert Milliarden Euro erhöhen würden. Dabei hat Italien bereits heute Schulden von 2,3 Billionen Euro, was annähernd 132 Prozent des BIP entspricht.

Dem „Chief Investment Officer“ zufolge soll Salvini Boeri geantwortet haben, doch besser abzutreten und in die Politik zu gehen. Boeri könne den Wählern dann ja erzählen, sie könnten erst mit 80 in den Ruhestand. Boeri schätzt, dass sich der Rentenanteil am BIP wegen dieser Änderung bis 2021 um einen Prozentpunkt auf 17,4 Prozent erhöhen werde.

Übrigens, bereits heute stehen viele italienische Rentner besser da als beispielsweise deutsche. Laut INPS liegt das durchschnittliche Renteneinkommen oder die Summe der Leistungen für jeden Rentner bei jährlich 21 000 für Männer (pro Monat: 1750 Euro) und bei 15 000 Euro (für Frauen: 1250 Euro). Davon können deutsche Rentner nur träumen.




Warum grau das neue Pink ist

Wer ist wann wie alt? 60 ist das neue 40 und 70 das neue 50. Wir fühlen uns jünger als wir altersmäßig sind. Wir 60plus-Generation werden anders alt. Warum grau das neue Pink ist – die Antwort darauf liefert eine Ausstellung im Frankfurter Museum der Weltkulturen.

Wir werden immer älter und wir werden immer mehr – das ist neu, so was gab’s in der Geschichte noch nie. Wie wirkt sich das auf uns und auf die Gesellschaft? Aber, was heißt schon „uns“? In USA sieht Älterwerden anders aus als hierzulande oder in Bolivien oder Japan. Übers Älterwerden gehen die Meinungen weltweit auseinander. Das Frankfurter Weltkulturen Museum hat einiges zum Thema Älterwerden zusammengetragen – in Texten und Bildern.

Grau ist das neue Pink

Die Ausstellung steht unter dem Motto „Grey ist the new pink“. „Wie Bruchstücke einer Lebenserinnerung fügt die Ausstellung den individuellen Umgang mit Lifestyle, Liebe uns Sexualität, Weitergabe von Wissen, Langlebigkeit, Krankheit, Gesundheit und Tod zu einer Anthologie des Alterns zusammen“, schreiben die Museumspädagogen.

Künstler zum Thema Älterwerden

18 Künstler aus zehn Ländern beschäftigen sich mit dem Thema Älterwerden. Darunter ist beispielsweise auch Günther Krabbenhöft, Jahrgang 1945. Ich würde mich nie so kokettieren wie Krabbenhöft, irgendwie bewundere ich ihn. Er kokettiert mit seinem Alter auf eine coole Art, die illustriert, was wir Alten alles sein können. Er ist Model – Altenmodel. Krabbenhöft hat bei Instagram eine Fangemeinde, um die ihn jeder beneiden kann. Die Sammlung der Frankfurter enthält auch eine Fotoserie dreier Geschwister aus Nigeria, die alle über hundert Jahre alt geworden sind und Bilder texanischer Mädchen, die gerade mit Lockenwicklern und Schminke auf einen Schönheitswettbewerb vorbereitet werden – und dadurch weitaus älter wirken, als sie sind. Krabbenhöft ist der Älteste, Meret Buser die Jüngste der Ausstellung.

Vom Rapper zum Würdenstab

Die Bandbreite der Ausstellung reicht vom betagten Rapper bis zum „Würdestab“. Die Museumspädagogen haben sich einiges einfallen lassen, um das Thema Älterwerden ins Bewusstsein zu rücken. Zu den 59 ethnographische Objekte gehört auch eine aus toten Vögeln hergestellte Paste, die auf Sumatra gegen Falten helfen soll – und ein geheimnisvolles Harz, dem eine ähnliche Wirkung nachgesagt wird.

Fotos, Videos und Zeichnungen komplettieren das Bild des Älterwerdens. Darauf zu sehen sind ältere Menschen beim Spazieren, beim Karten- und Tennisspielen, am Strand. Auch Liebe im Alter spielt in der Ausstellung eine Rolle. „Eine alte Frau lacht in die Kamera, sie trägt einen pinken Hut“ – vermutlich kommt daher der Titel „Grau ist das neue Pink“.

Älterwerden, so viel vorweg, muss nicht schlimm sein. „Die meisten der insgesamt mehr als 350 Einsendungen zeigten ein positives und lebensfrohes Bild des Älterwerdens“, so Kuratorin Alice Pawlik. Natürlich dürfen auch Krankheit und Tod nicht fehlen – sie gehören zum Älterwerden.

Wir werden alle älter

Wir altern eigentlich schon ab der Geburt. Am Anfang ist uns das nicht bewusst – im Gegenteil, wir wollen älter erscheinen als wir sind, weil wir den Erwachsenen nacheifern. Nur, irgendwann kommt der Punkt, wo wir uns wünschen jünger zu sein. Wir begreifen dann, das wir endlich sind. Dann überlegen wir uns, was von uns bleibt. Wer ehrlich ist, wird das bestätigen. Der Frage „Was bleibt von uns?“ können wir nicht ausweichen. Wir fühlen uns verantwortlich, was aus der Welt nach uns wird. Älterwerden hat viele Facetten. Die Ausstellung versucht, dem gerecht zu werden.

Warum Omas Vlogs hochladen

Die Jungen haben Blogs und Vlogs nicht für sich gepachtet. Einige der Älteren – ich auch – sind schon lange online. Wir haben die ersten Webseiten gestaltet, da waren die Kinder gerade erst geboren. Warum sollen wir diese Medien nicht nutzen, mit denen wir aufgewachsen sind? Wir haben noch so viel zu erzählen und zu vermitteln – warum nicht Vlogs nutzen? Instagram ist nur eine Plattform. Die Märchen lesenden, 85 Jahre alte „MarmeladenOma“ ist mittlerweile eine Ikone bei youtube.

Das Museum zeigt die Ausstellung vom 26. Oktober bis zum 1. September 2019. 

@weltkulturen.museum unter #GreyIsTheNewPink!




Mit Sport bis ins hohe Alter gesund bleiben

Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts – sie ist das wichtigste Gut. Und dafür lässt sich etwas tun. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung und regelmäßig altersgerechter Sport. Aber, dazu gehören auch Konsequenz und Ausdauer, gepaart mit etwas Spaß.

Sport bis ins hohe Alter

Wir müssen dem Altern nicht einfach nur tatenlos zusehen, sondern können uns aktiv für unsere Gesundheit und Wohlbefinden einsetze. Salutogenese heißt das Zauberwort – das Gegenteil von Pathogenese. Es geht bei der Salutogenese also darum, wie ich mich gesund erhalte. Gesunde Ernährung spielt eine wichtige Rolle und die ärztliche Versorgung bei der Prävention von Krankheiten oder der Behandlung von chronischen Leiden. Und dafür bieten Krankenkassen oder Magazine reichlich Tipps an. Zur Ernährung und der regelmäßigen Vorsorge kommt noch die Bewegung. Mit ausgewogenem Sport lässt sich so manches Zipperlein verhindern.

Wer sich nur schwer selbst motivieren kann, geht am besten in den Verein oder schließt sich einer Gruppe an. Inspirierend wirkt auch ein Match im Fernsehen oder der Besuch im Stadion. Wir fiebern mit unserem Lieblingsverein und lassen uns anstecken von der Begeisterung Anderer. Wer nicht nur die Daumen drücken will, kann natürlich auf seinen Favoriten wetten. Das klassische Wettbüro ist freilich längst aus der Mode gekommen. Der Trend zu Online-Wetten nimmt zu.

Langsam Leistung steigern

Zuschauen und Wetten ist das Eine, Selbermachen das Andere – der Fernseher kann die Bewegung nicht ersetzen. Dabei kommt es allerdings auf die Dosis an. Wer meint, er könne aus dem Stand einen Marathon laufen, muss sich nicht wundern, wenn er schon nach wenigen Kilometern zusammenklappt. Es ist allemal besser, langsam die Leistung zu steigern, statt gleich in die Vollen zu gehen. Das gilt gerade für uns Ältere.

Tour de France für alte Knacker

Wir dürfen uns dabei durchaus an Vorbilder orientieren. Ein Bernard Hinault, der fünfmalige Gewinner der Tour de France, setzt sich auch als 64-Jähriger noch aufs Rad, ein Paul Breitner, der sich sozial engagiert und auch körperlich fit hält, gehören dazu. Sport ist ein regelrechtes Wundermittel gegen das Altern und hilft uns, gesund zu bleiben.

Sport steigert die Funktionen des Immunsystems, da Adrenalin ausgeschüttet wird. Das Hormon animiert Abwehrzellen dazu, sich schneller zu vermehren und aktiver zu werden. Sport ist zudem gesund für das Herz. Bei ständigem Ausdauertraining wird die Muskulatur hier gestärkt. Dadurch kann das Herz viel wirtschaftlicher arbeiten. So wird bei geringerem Aufwand mehr Blut durch das System gepumpt und die Blutgefäße elastisch gehalten. Dadurch reduzieren sich Blutdruckprobleme. Der Cholesterinspiegel wird ebenfalls durch den Sport reguliert, weshalb Arteriosklerose oder gar Schlaganfälle und Herzinfarkte verhindert werden können. Sport verringert das Osteoporose-Risiko. Ab dem 40. Lebensjahr nimmt die Knochendichte ab – Sport wirkt dem entgegen. Sport steigert ferner unsere kognitive Leistungsfähigkeit. Regelmäßige Bewegung regt unser  Denkorgan an – dank der höheren Sauerstoffzufuhr.




Erst angelockt, dann abgezockt – Schluss damit!

Mia ham’s satt, ständig geschröpft zu werden. Betriebsrentner, darunter viele mit einer Direktversicherung, sind empört über die Abzocke durch die Krankenkassen und gehen am 27. September 2018 auf die Straße. Sie demonstrieren auf dem Münchner Marienplatz gegen dieses Unrecht – kommt und schließt euch uns an. Erst angelockt, dann abgezockt – damit muss Schluss sein! 

Erst angelockt, dann abgezockt

Schwarz-Rot-Grün haben mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) 2003 beschlossen, dass auf Bezüge aus der betrieblichen Altersversorgung Krankenkassenbeiträge gezahlt werden müssen – egal, ob monatlich oder einmalig. Einschließlich Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil, Sonderbeitrag und Pflegeversicherung sind das mehr als 18 Prozent. Betriebsrenten werden damit um annähernd ein Fünftel gekürzt. Das Perfide dabei, diese Regelung wurde rückwirkend eingeführt und trifft auch Betriebsrentner, die schon lange vor 2004 einen Vertrag abgeschlossen hatten.

Dagegen wehren sich die Betroffenen – und gehen am 27. September 2018 auf die Straße. Die Demo gegen die Abzocke durch Politik und Krankenkassen und für die Abschaffung der Doppelverbeitragung startet am

27. September 2018
um 13 Uhr
am Münchner Marienplatz

Mit dabei sind Hubert Aiwanger, Landesvorsitzender der Freien Wähler in Bayern, und Ates Gürpinar, Landessprecher von Die Linken.

Was uns Direktversicherungsgeschädigte besonders ärgert: Komischerweise wurde die betriebliche Riester-Rente von der Doppelverbeitragung befreit.

Bei derart hohen Abzügen durch die Krankenkassen bleibt von der Rendite einer Direktversicherung nichts mehr übrig. Wer auf diese Weise fürs Alter vorgesorgt hat oder vorsorgt, hätte sein Geld genauso gut unter die Matratze legen können. Damit wird betriebliche Altersvorsorge ad absurdum geführt.

Mit dem Slogan „Erst angelockt, dann abgezockt!“ – wehren sich die Betroffenen am 27. September gegen dieses Unrecht.