Endlich kommt das Aus für Riester

Finanzen

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Ab 2027 ersetzt ein neues Depot-Modell die Riester-Rente. Höhere Zulagen, weniger Kosten und Renditechancen ohne Beitragsgarantie sollen die Vorsorge retten.

Was sich mit der Reform ab 2027 ändert

Die Ära der Riester-Rente geht zu Ende. Union und SPD haben sich auf den Nachfolger geeinigt: das Altersvorsorgedepot. Das soll hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglichen und damit rentabler sein soll als die bisherige Riester-Rente. Die private Altersvorsorge wird grundlegend umkrempelt. Das Ziel: Weg von teuren Garantien, hin zu mehr Rendite am Kapitalmarkt.

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick

  • Höhere Zulagen für Sparer: Der Staat greift euch künftig kräftiger unter die Arme. Für jeden Euro Eigenanteil gibt es bis zu einer Grenze von 360 € pro Jahr satte 50 Cent Förderung. Darüber hinaus (bis 1.800 €) fließen 25 Cent pro Euro.
  • Boost für Familien: Besonders attraktiv wird es für Eltern. Die volle Kinderzulage von 300 € pro Jahr gibt es künftig bereits bei einem kleinen Eigenbeitrag von nur 25 € im Monat.
  • Öffnung für Selbstständige: Endlich werden auch Selbstständige in die staatliche Förderung einbezogen – eine langjährige Forderung, die nun umgesetzt wird.
  • Kostendeckel und Standardprodukt: Die Effektivkosten für die neuen Vorsorgeprodukte werden auf 1,0 % gedeckelt (statt bisher geplanter 1,5 %). Zudem soll es ein kostengünstiges Standarddepot geben, das auch von einem öffentlichen Träger verwaltet werden kann.

Rendite vor Sicherheit

Der entscheidende Einschnitt: Die bisherige Beitragsgarantie fällt weg. Das klingt erst einmal riskant, ist aber kalkuliert. Da die Anbieter das Kapital nicht mehr krampfhaft absichern müssen, kann es freier in renditestarke Anlagen fließen.

Fazit:

Die Reform ist ein längst überfälliger Befreiungsschlag. Besonders für Geringverdiener und Familien lohnt sich das Mitmachen durch die hohen Zulagen schon bei kleinsten Beiträgen. Dass die Renditefresser „Garantiekosten“ fallen, ist der Preis für eine Rente, die am Ende tatsächlich zum Leben reicht.

Checkliste: Wechsel von Riester zum neuen Vorsorge-System

  • Bestandsschutz prüfen: Deine alten Riester-Verträge behalten ihre Gültigkeit. Du musst nicht kündigen, kannst sie aber beitragsfrei stellen, um dein Geld ab 2027 in das neue Modell zu stecken.
  • Förderquote vergleichen: Rechne nach, ob die neue 50-Cent-Zulage für deine Situation (besonders als Familie oder Geringverdiener) lukrativer ist als die alte Riester-Zulage.
  • Risikobereitschaft vs. Garantie: Bist du bereit, für höhere Renditechancen auf die 100-Prozent-Beitragsgarantie zu verzichten? Das neue System hat keine Garantie mehr – das ist der größte psychologische Unterschied.
  • Wechselkosten checken: Prüfe in deinen alten Unterlagen, welche Gebühren bei einer Kapitalübertragung anfallen. Die Reform sieht zwar eine Streckung der Abschlusskosten vor, aber alte Verträge haben oft eigene Regeln.
  • Effektivkosten vergleichen: Die neuen Standarddepots dürfen maximal 1,0 % Kosten verursachen. Wenn dein alter Riester-Vertrag deutlich teurer ist (was oft der Fall ist), lohnt sich der Wechsel allein wegen der Gebührenersparnis.
  • Selbstständige aufgepasst: Falls du bisher als Selbstständiger nur über Umwege (z. B. über den Ehepartner) riestern konntest, solltest du dich ab 2027 direkt für die neue Eigenförderung anmelden.

Vergleich: Riester-Rente vs. neues Altersvorsorgemodell (ab 2027)

 

Merkmal Alte Riester-Rente Neues Altersvorsorgemodell
Beitragsgarantie 100 % Pflicht (Eingezahltes Geld + Zulagen sind sicher) Keine Garantie (Fokus liegt auf maximaler Marktrendite)
Grundzulage Festbetrag (175 € pro Jahr bei vollem Eigenbeitrag) Prozentual: 50 Cent je 1 € Sparbeitrag (bis 360 €/Jahr)
Zusatzförderung 25 Cent je 1 € für Beiträge über 360 € (bis max. 1.800 €) Enthalten in der neuen Staffelung
Kinderzulage 300 € (für ab 2008 Geborene) bei 4 % vom Brutto 300 € bereits ab 25 € Monatsbeitrag
Zielgruppe Nur Angestellte & Beamte (unmittelbar förderfähig) Inklusive Selbstständige
Kostendeckel Keine gesetzliche Obergrenze (oft sehr teuer) Deckel bei 1,0 % Effektivkosten für Standardprodukte
Anbieter Nur private Versicherer/Banken Private Institute und öffentlicher Träger möglich
Anlagemöglichkeiten Konservativ (wegen Garantiepflicht) Breiter gefächert (z. B. Aktien-Depots/ETFs)

Bild: Unsplash | Joshua Hoehne

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Helmut Achatz

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