Angst vor Altersarmut: Wie sicher ist die Rente?

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Fast 70 Prozent der Deutschen zweifeln daran, im Alter finanziell über die Runden zu kommen. Eine neue Studie zeigt: Das Vertrauen in die Rente zerbröselt über alle  Generationen hinweg.

Die nackten Zahlen der aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag der Lichtblick Seniorenhilfe sind alarmierend. Während die Politik über Reformen debattiert, wächst in der Bevölkerung die Gewissheit, dass der gewohnte Lebensstandard im Alter kaum noch zu halten sein wird.

Pessimismus wächst

  • Generationenübergreifende Angst: Besonders paradox ist, dass die Jüngsten (18 bis 29 Jahre) mit 75 Prozent die größte Sorge äußern. Aber auch bei den Fast-Ruheständlern bis 69 Jahre liegt der Wert stabil über 70 Prozent.
  • Pessimismus als Konsens: Rund 92 Prozent der Befragten glauben, dass Altersarmut in den nächsten zehn Jahren deutlich zunehmen wird.
  • Finanzielle Schmerzgrenze: Für die Mehrheit (73 Prozent) sind mindestens 1.500 Euro netto im Monat notwendig, um überhaupt über die Runden zu kommen.
  • Rote Linie Renteneintritt: Einer weiteren Erhöhung des Renteneintrittsalters erteilen 73 Prozent der Bürger eine klare Absage.

Rentensystem am Limit

Die Sorgen kommen nicht von ungefähr. Das Rentensystem, wie wir es kennen, steht unter massivem Druck. Während 1962 noch sechs Beitragszahler einen Rentner finanzierten, müssen heute zwei Erwerbstätige diese Last stemmen.

Schon jetzt muss der Bund zig Milliarden an die Rentenkasse für die vielen versicherungsfremden und nicht beitragsgedeckten Leistungen zahlen: Für 2025 sind Ausgleichszahlungen von fast 133 Milliarden Euro geplant – der größte Einzelposten im Bundeshaushalt. Bisherige Bundesregierungen haben der Deutschen Rentenversicherung immer mehr Aufgaben aufgebürdet, ohne sie dafür entsprechend zu „entlohnen“ – im Gegenteil: Die Differenz zwischen Bundeszuschuss und versicherungsfremden Leistungen wird immer größer. Das heißt, die Rentenversicherten übernehmen Aufgaben, für die der Staat zahlen müsste.

Was die Politik plant

Die Bundesregierung hat für diesen Sommer eine große Rentenreform angekündigt. Ziel ist es, das Rentenniveau stabil zu halten, während die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in den Ruhestand gehen. Doch die Skepsis bleibt groß, ob die geplanten Maßnahmen ausreichen, um das Schreckgespenst der Altersarmut wirksam zu bekämpfen.

Frauen besonders betroffen

Frauen tragen das höchste Risiko, im Alter arm zu werden. Gründe sind bekannt, aber ungelöst: Teilzeit, Care‑Arbeit, Lohnlücke, Erwerbsunterbrechungen. Das Ergebnis: deutlich niedrigere Rentenansprüche – oft weit unter der 1.500‑Euro‑Marke. Altersarmut ist damit nicht nur ein soziales, sondern ein strukturelles Geschlechterproblem.

Regionale Unterschiede

Die Angst vor Altersarmut ist nicht überall gleich groß. In Ostdeutschland ist sie traditionell höher – trotz oft längerer Erwerbsbiografien. In teuren Großstädten frisst wiederum die Miete selbst solide Renten auf. Altersarmut ist damit auch eine Frage des Wohnorts.

Was jetzt passieren müsste

  • Stärkere Absicherung von Frauen durch bessere Anerkennung von Care‑Arbeit.
  • Reform der Minijobs, die heute Rentenansprüche ausbremsen.
  • Verlässliche Grundrente, die den Namen verdient.
  • Mehr Kapitaldeckung, um die Abhängigkeit vom Bundeshaushalt zu reduzieren.
  • Bezahlbarer Wohnraum, denn Mieten sind der größte Armutsfaktor im Alter.

Meinung:

Die Umfrage verdeutlicht, dass die Rente längst kein technisches Detail der Sozialpolitik mehr ist, sondern eine tiefgreifende soziale Vertrauensfrage. Wenn 88 Prozent der Menschen Altersarmut als ein großes Problem identifizieren, ist der Handlungsdruck für Berlin gigantisch.

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Bild: LichtBlick Seniorenhilfe e.V.

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Helmut Achatz

Macher von vorunruhestand.de

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